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Bericht Wirtschaftsumfeld
Schritt 3: Risiken abschätzen
Jede Investition ist mit Risiken verbunden – in der Ukraine gilt das in besonderem Maße. Analysieren Sie sicherheits-, wirtschafts- und projektspezifische Risiken und bewerten Sie deren Auswirkungen. Eine strukturierte Risikoeinschätzung hilft, fundierte Entscheidungen zu treffen.
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Welche sicherheits- und geopolitischen Risiken bestehen konkret?
Die Sicherheitslage bleibt der dominierende Risikofaktor und beeinflusst alle anderen Risikokategorien direkt. Deswegen sollten Investitionen dort erfolgen, wo Standortfaktoren, Projektstruktur und Sicherheitslage vereinbar sind. Zu beachten sind:
Fortdauernder Krieg als systemisches Risiko: Militärische Angriffe führen zu physischen Schäden, Betriebsunterbrechungen und Planungsunsicherheit. Investitionsentscheidungen müssen daher unter "Kriegsbedingungen" getroffen werden.
Stark differenzierte Risikolage nach Region: Während Ost- und Südregionen unmittelbar von Kampfhandlungen betroffen sind, gelten Teile der Zentral- und Westukraine als vergleichsweise stabil. Dies spiegelt sich auch in der Reisewarnung des Auswärtigen Amtes wider.
Geopolitische Abhängigkeiten: Die wirtschaftliche Entwicklung hängt maßgeblich von internationaler Unterstützung sowie vom weiteren Kriegsverlauf ab.
Sekundäre Effekte: Angriffe auf Energie- und Verkehrsinfrastruktur haben landesweite Auswirkungen, auch außerhalb unmittelbarer Kampfzonen.
Einordnung für Investoren:
Viele Unternehmen investieren, da Risiken grundsätzlich als temporär eingeschätzt werden und die langfristigen Chancen überwiegen. Dennoch sollte jeder Investor für ein Projekt in der Ukraine klare "Deal Breaker" definieren, quantitativ hinterlegen (beispielsweise durch Szenarien) und regelmäßig überprüfen.
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Welche wirtschaftlichen und operativen Risiken sind zu erwarten?
Die Umsetzung von Investitionen wird von mehreren strukturellen Risiken geprägt; besonders herausfordernd ist sie unter instabilen Rahmenbedingungen.
Diese Faktoren müssen Investoren insbesondere beachten:
Wirtschaft
Arbeitsmarkt & Personal
Inflation und Währungsvolatilität: Weiterhin erhöhte Inflationsraten erschweren Kalkulationen und beeinflussen Kostenstrukturen.
Wachstum unter Potenzial: Zwar positives Wachstum, aber unterhalb des langfristigen Potenzials aufgrund kriegsbedingter Einschränkungen.
Abhängigkeit von externer Finanzierung: Projekte sind oft auf internationale Finanzierungsquellen angewiesen.
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Welche rechtlichen und Compliance-Risiken müssen berücksichtigt werden?
Trotz Fortschritten bestehen weiterhin strukturelle Herausforderungen im institutionellen Umfeld:
Bürokratische Verfahren: Komplexe Genehmigungsprozesse können Zeit und Ressourcen binden.
Rechtsdurchsetzung: Eine Verbesserung ist zwar zu beobachten, aber die Umsetzung ist nicht durchgehend konsistent.
Regulatorische Dynamik: Reformprozesse im Zuge der EU-Annäherung führen zu Veränderungen im Rechtsrahmen.
Korruptionsrisiken: Bleiben ein relevantes Thema, insbesondere auf administrativer Ebene.
Diese Risiken verhindern Investitionen in der Regel nicht, erhöhen aber die Transaktionskosten, verlängern Projektlaufzeiten und erfordern stärkere Governance-Strukturen.
Tipp für Investoren:
Rechtzeitig Unterstützung lokaler Rechts- und Steuerexperten sichern!
Klare Compliance-Standards etablieren!
Verlässliche lokale Partner einbeziehen!
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Wie lassen sich zentrale Risiken wirksam absichern oder begrenzen?
Für Investitionen in der Ukraine existiert eine vergleichsweise gut ausgebaute Absicherungsarchitektur, insbesondere für deutsche Unternehmen. Mit den Investitionsgarantien und den Exportkreditgarantien (Hermesdeckungen) können politische Risiken wie Enteignung oder Kriegsschäden sowie Liefer- und Zahlungsrisiken abgedeckt werden. Die KfW DEG-Programme UkraineConnect und DeveloPPP unterstützen zudem die Projektfinanzierung. Außerdem bieten viele weitere Länder Förderprogramme, hauptsächlich aber für vor Ort registrierte Unternehmen.
Ferner sollten Unternehmen bei Investitionsvorhaben in der Ukraine Maßnahmen selbst umsetzen, darunter:
Projektbezogene Maßnahmen wie der Aufbau zusätzlicher Energie- und Logistiklösungen sowie die Auswahl belastbarer lokaler Strukturen.
Strukturelle Maßnahmen wie die Etablierung oder Verlagerung von Aktivitäten in sicherere Regionen sowie die Anpassung von Geschäftsmodellen, beispielsweise durch Einbindung dezentraler Energieversorgung.
Investitionen werden häufig erst durch eine Kombination von Finanzierung, Bundesgarantie und operativem Risikomanagement vor Ort tragfähig. Ein Projekt sollte immer darauf geprüft werden, wie Risiken konkret verteilt, abgesichert und operativ abgefedert werden können.
Matthias Koster
Leiter des Ukraine-Desk, Investitionsgarantien der Bundesrepublik Deutschland, PricewaterhouseCoopers GmbH
Business Ombudsman Council
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