Wirtschaftsumfeld | Portugal | Wirtschaftsstruktur
Kleinunternehmen sind das Rückgrat der Wirtschaft
Die Wirtschaft Portugals setzt sich vor allem aus Dienstleistungs- und kleineren Industriebetrieben zusammen. Viele haben sich spezialisiert und auch Auslandsmärkte im Blick.
28.01.2026
Forschung und Entwicklung spielen in Portugal eine immer wichtigere Rolle. Durch die wachsende internationale Vernetzung des Landes muss die Wettbewerbsfähigkeit durch Innovationen angetrieben werden. In den vergangenen Jahren nahm die Zahl der IT- und Ingenieurdienstleistungszentren zu. Deutsche Unternehmen wie Bosch, Mercedes-Benz und Siemens gehören zu den bekannten Namen in diesem Bereich.
Seit der Coronakrise positioniert sich Portugal deutlicher als Beschaffungsmarkt, der für europäische Kunden gut erreichbar ist und mit seinem Preis-Leistungs-Verhältnis punkten will. Schwerpunkte liegen bei technischen Präzisionsteilen aus Metall und Kunststoff sowie Gummi, hochwertigen Textilien und Keramikerzeugnissen.
Portugal hat früh die Energiewende eingeleitet. Im Jahr 2025 stammten bereits 76 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen. Der Ausbau kommt gut voran. Die vorhandenen erneuerbaren Energien schaffen eine gute Ausgangsposition für die Produktion von grünem Wasserstoff. Hinzu kommt, dass Portugal über ein modernes Erdgasnetz verfügt.
Für Dynamik und Innovationen sorgen außerdem mehr als 5.000 Start-ups. Viele von ihnen entwickeln B2B-Lösungen und richten sich wegen des begrenzten Binnenmarktes früh auf das internationale Geschäft aus. Der jährliche "Web Summit" in Lissabon bringt lokale und internationale Start-ups mit weiteren Akteuren zusammen.
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Gut ausgebildete Fachkräfte und moderate Lohnkosten
Für die Attraktivität des Standorts Portugal aus deutscher Sicht sprechen die hohen Investitionen deutscher Unternehmen und die intensiven Handelsbeziehungen zwischen beiden Ländern. Auch die Infrastruktur ist gut, das gilt besonders für Telekommunikation sowie für Transport und Logistik.
Zudem gelten Ausbildungsniveau, Fachkompetenz und Motivation der portugiesischen Arbeitskräfte als hoch. Hinzu kommen außerordentlich gute Fremdsprachenkenntnisse. So landete Portugal im English Proficiency Index 2025 von Education First auf Platz 6 unter 123 untersuchten Ländern. Nicht selten können sich Portugiesinnen und Portugiesen auch auf Französisch, Spanisch oder Deutsch verständigen.
Technologieunternehmen haben Portugal im Blick, da im europäischen Vergleich überdurchschnittlich oft mathematische und naturwissenschaftliche Fächer sowie Informatik studiert werden. Die Fachkräfte in diesem Bereich stellen einen Standortvorteil dar. Durch das Interesse lokaler und internationaler Unternehmen ist der Wettbewerb um den Technologienachwuchs groß.
Während für Spezialisten hohe Gehälter gezahlt werden, ist das Durchschnittseinkommen verhältnismäßig niedrig. Im Jahr 2024 lag das Monatsbrutto im Durchschnitt bei knapp 1.171 Euro. Der in der Hotellerie und Gastronomie weit verbreitete Mindestlohn erreichte knapp 917 Euro. Gehälter werden in Portugal 14 Mal pro Jahr gezahlt. Die Arbeitslosenquote liegt seit Jahren um die 6 bis 7 Prozent. Mancherorts können Fachkräfte knapp sein.
Volkswagen wird den neuen ID.1 in Palmela produzieren
Die Kfz-Industrie gehört zu den wichtigen Branchen der portugiesischen Volkswirtschaft. Das Volkswagen-Werk in Palmela südöstlich von Lissabon, das Anfang der 1990er Jahre gebaut worden ist, gilt als eines der effizientesten Werke in Europa. "Die Entscheidung des Volkswagen-Konzerns, das elektrische Einstiegsmodell hier in Palmela zu produzieren, ist eine äußerst wichtige Investition in die portugiesische Industrie“, betont Wirtschaftsminister Manuel Castro Almeida mit Blick auf den neuen ID.1, der hier ab 2027 vom Band rollen soll.
Die Chemie- und Nahrungsmittelindustrie sind ebenfalls wichtige Branchen in Portugal. Wie auch die Textil- und Bekleidungsindustrie sind sie tragende Säulen der Exporte des Landes. International konkurrenzfähig sind portugiesische Unternehmen bei vielen technischen Produkten. Messtechnik, elektrotechnische Erzeugnisse und Maschinen summieren sich zu einer relevanten Größe. Unternehmen aus dem Maschinenbau entwickeln zunehmend eigene Automationslösungen.
Portugal gehört in einigen Bereichen zu den besonders wichtigen Lieferanten zur Versorgung des Weltmarkts. Dies gilt unter anderem für Kork, Keramik und Schuhe. Kritische Rohstoffe könnten zukünftig eine wichtigere Rolle einnehmen. So verfügt das Land beispielsweise über größere Lithium-Vorkommen. Allein aus der geplanten Barroso-Mine soll genug Lithium für 500.000 Fahrzeugbatterien pro Jahr gewonnen werden können.
Das Land gewinnt zudem an Bedeutung für die Erbringung von Dienstleistungen. Auch der Tourismus verzeichnet weiterhin einen Aufschwung. Im Jahr 2024 machten 29 Millionen ausländische Gäste Urlaub in Portugal - ein Plus von 9,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 2025 dürfte die 30 Millionen-Marke überschritten worden sein.
Sektoren | Anteil an der Bruttowertschöpfung 20241) | Anteil an den Beschäftigten 20241) |
|---|---|---|
Land- und Forstwirtschaft, Fischerei | 2,3 | 5,3 |
Industrie 2) | 16,4 | 16,5 |
Baugewerbe | 5,0 | 7,4 |
Dienstleistungen | 76,2 | 72,0 |
Lissabon und Porto sind die wirtschaftlichen Zentren
In Portugal konzentriert sich das wirtschaftliche Geschehen stark auf die Großräume Lissabon und Porto. Der Norden beherbergt den Großteil der Schuh- und Bekleidungsindustrie. Im Cluster Águeda haben sich Unternehmen aus der Zweiradindustrie niedergelassen. Insgesamt existieren 19 Branchencluster im Land und leisten einen wichtigen Beitrag zur Vernetzung von Unternehmen, Forschungseinrichtungen und öffentlichen Institutionen.
Die Inselregionen Azoren und Madeira spielen eine Sonderrolle. Sie gehören zum portugiesischen Staatsgebiet, liegen aber weit entfernt vom Festland. Genauso wie in der Algarve im Süden des Landes ist dort der Tourismus der wichtigste Wirtschaftszweig.
Gebiet | Anteil am BIP (in %) | BIP pro Kopf (in Euro) | Bevölkerung (in Mio.) |
|---|---|---|---|
| Lissabon | 31,3 | 42.345 | 2,2 |
Norden | 29,6 | 23.280 | 3,7 |
| Zentrum | 13,7 | 23.236 | 1,7 |
| Westen und Tejo-Tal | 6,3 | 21.220 | 0,9 |
| Setúbal | 5,3 | 18.205 | 0,8 |
| Algarve | 4,9 | 29.302 | 0,5 |
| Alentejo | 4,1 | 25.348 | 0,5 |
| Madeira | 2,6 | 29.012 | 0,3 |
| Azoren | 2,0 | 23.836 | 0,2 |
| Portugal | 100 | 27.063 | 10,7 |