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Neue Unternehmen lassen Bulgariens Wirtschaft wachsen

Die bulgarische Wirtschaft legte zwischen 2019 und 2025 im EU-Vergleich mit am stärksten zu. Perspektivisch könnte sich der zunehmende Fachkräftemangel als Hemmnis erweisen.

Von Torsten Pauly | Berlin

Bulgarien entwickelt sich zunehmend zu einem Sourcing-Markt. Deutschland ist der größte Handelspartner. Dabei erzielt Bulgarien im bilateralen Warenaustausch mit Deutschland einen Überschuss. Die wichtigsten Ausfuhrwaren des Landes weltweit sind Maschinen und Anlagen sowie deren Komponenten. Gefragt sind außerdem pharmazeutische und andere chemische Produkte, Elektrotechnik sowie Kupfer- und Agrarerzeugnisse. Auch der Export von Dienstleistungen nimmt stark zu.

Bulgarien zieht Firmengründer an

Neue Unternehmen inklusive einer dynamischen Start-up-Szene gelten als wichtige Träger des Wirtschaftswachstums. Die Zahl der privaten Unternehmen erhöhte sich im Jahr 2024 um 3 Prozent. Die Hauptstadt Sofia gilt als aufstrebendes Zentrum für Start-ups. Startup-Blink führt Bulgarien in seinem Innovators Business Environment Index 2026 europaweit an 10. Stelle. Das Ranking bezieht die Rahmenbedingungen inklusive der Institutionen und IT-Infrastruktur für Gründungen ein.

6,4 Mio.

Personen lebten 2025 in Bulgarien.

Quelle: Eurostat 2026

116 Mrd.

Euro betrug das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2025 in Bulgarien.

Quelle: Eurostat 2026

18.600

Euro machte das BIP pro Kopf 2025 aus.

Quelle: Eurostat 2026

1,6 %

betrug die Analphabetenquote im Jahr 2021.

Quelle: Weltbank 2025

Rang 40

belegte Bulgarien 2025 unter den deutschen Exportzielen.

Quelle: Destatis 2026

Rang 84

nimmt Bulgarien im Corruption Perceptions Index 2025 ein (unter 182 Ländern).

Quelle: Transparency International 2026

Der Standort ist im europäischen Vergleich günstig

Ein Vorteil für Investoren sind die moderaten Produktionskosten. Energie war in Bulgarien im 1. Halbjahr 2025 günstiger als in jedem anderen EU-Land. Für Unternehmen fielen je Kilowattstunde Strom nur etwa zwei Drittel des EU-weiten Durchschnittspreises an. Parallel dazu zahlten Firmen für Gas lediglich 71 Prozent des mittleren EU-Preises, bezogen auf einen Verbrauch von 10.000 bis 99.000 Gigajoule pro Jahr.

Zudem weist Bulgarien die niedrigsten Arbeitskosten in der EU auf: Sie beliefen sich im Jahr 2025 laut Eurostat auf brutto 12 Euro pro Stunde. Das waren 34,4 Prozent des EU-Durchschnittswerts von 34,9 Euro.

Allerdings gab es in den vergangenen Jahren starke Verdienststeigerungen. Zwischen 2020 und 2025 stieg der durchschnittliche Jahresbruttolohn um rund 87 Prozent auf 16.000 Euro. Investoren finden jedoch je nach Standort ein sehr unterschiedliches Niveau vor: So war etwa der Durchschnitt in Sofia 2024 um 103 Prozent höher als in Blagoewgrad. Beschäftigte in Bulgarien erhalten viel netto vom brutto, denn der Einkommensteuersatz beträgt unabhängig von der Verdiensthöhe 10 Prozent.

Fachkräftemangel nimmt zu

Unternehmen haben jedoch zunehmend Probleme, Stellen zu besetzen. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote lag laut Angaben von Eurostat im Dezember 2025 in Bulgarien bei 3,3 Prozent. Auch die Mitglieder der AHK Bulgarien (Deutsch-Bulgarische Industrie- und Handelskammer) bezeichneten in einer Umfrage Mitte 2025 den Mangel an qualifizierten Arbeitskräften als größtes Geschäftsrisiko.

Durch Abwanderung von Fachkräften und Eintritte in den Ruhestand sank die Beschäftigtenzahl 2025 um 2,7 Prozent. Die Alterung der Gesellschaft hat zudem zur Folge, dass 2030 laut Eurostat-Prognose 5,1 Prozent weniger Menschen im arbeitsfähigen Alter (20 bis 64 Jahre) in Bulgarien leben werden als noch 2025.

Bulgarien muss Transitlage durch Infrastrukturausbau nutzen

Bulgarien kommt für ein Reshoring infrage, das heißt außerhalb von Europa bestehende Betriebsstätten werden in den Schengen- und Euroraum zurück verlagert. Ein Vorteil ist dabei die Lage. Bulgarien durchqueren die europäischen Korridore IV und X von Thessaloniki beziehungsweise Istanbul nach Deutschland, die Trasse IX vom ägäischen Alexandroupolis nach Helsinki und der Korridor VIII vom Schwarzen Meer zur Adria. Die Seehäfen Varna und Burgas liegen weniger als 1.000 Schiffskilometer vom Suez-Kanal entfernt, und Bulgarien grenzt über 470 Kilometer an den Verkehrskorridor VII, die Donau.

Nötig ist jedoch die Verbesserung der Verkehrswege. Hierfür stellt die EU von 2023 bis 2030 Fördermittel von 1,6 Milliarden Euro bereit, weitere 285 Millionen Euro bringt Bulgarien selbst auf. Von der Gesamtsumme waren 2025 bereits 77 Prozent vergeben. Von den Gesamtmitteln waren bereits 24 Prozent ausbezahlt.

Nötig sind auch Energieeffizienzsteigerungen, der Ausbau der erneuerbaren Energien sowie Investitionen in die Übertragungs- und Verteilungsnetze, einschließlich Energiespeicher. Für Energieprogramme erhält Bulgarien von 2021 bis 2027 Fördergelder im Rahmen der Aufbau- und Resilienzfazilität der EU in Höhe von 2,5 Milliarden Euro.

Dienstleistungsbranchen wachsen am stärksten

Am dynamischsten hat sich in den letzten Jahren der Finanzsektor entwickelt. Er konnte seine reale Bruttowertschöpfung zwischen 2019 und 2024 um 54,1 Prozent ausweiten. Starke Zuwächse verzeichneten auch andere Wirtschaftsbereiche wie etwa das Gastgewerbe (+34,6 Prozent), der Bergbau (+32,8 Prozent) oder der Handel (+29,4 Prozent). Robust entwickelten sich zudem die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT; +21,8 Prozent) und das verarbeitende Gewerbe (+19,4 Prozent).

Bulgariens Industrie liefert unter anderem elektronische und hydraulische Komponenten für den Maschinenbau sowie Aluminiumwannen für die Automobilindustrie. Besonders eng verflochten sind die exportorientierten Branchen Kfz und Elektro, die sich auch als Ausrüster für E-Bike-Hersteller etabliert hat. Mit seinen Industriesparten stellt Bulgarien einen attraktiven Absatzmarkt für deutsche Ausrüstung und Maschinen dar.

Der Dienstleistungssektor ist der größte Arbeitgeber Bedeutung der Wirtschaftszweige in Bulgarien (Anteile in Prozent)

Sektoren

Anteil an Bruttowertschöpfung 2024

Anteil an den Beschäftigten 2024

Land- und Forstwirtschaft, Fischerei

2,7

4,8

Verarbeitendes Gewerbe

14,3

17,3

Baugewerbe

4,8

8,2

Handel und Gastgewerbe

19,0

22,5

Information und Kommunikation

8,5

4,4

Finanz- und Versicherungswesen

6,6

2,3

Transport und Logistik

4,8

6,8

Sonstige private Dienstleistungen

19,9

11,3

Öffentlicher Sektor, Sonstige

19,4

22,4

Quelle: Eurostat 2026

Bulgariens Bruttoinlandsprodukt (BIP) fiel 2025 real um 18,4 Prozent höher als 2019 aus. Dies war das fünftstärkste Wachstum in der EU. Dennoch war das BIP pro Kopf in Kaufkraftstandard 2024 mit einem Niveau von 66 Prozent des EU-Durchschnitts immer noch das geringste aller Mitgliedsstaaten.

SWOT-Analyse Bulgarien

S

Stärken Strengths

  • Übernahme des Euro seit Anfang 2026
  • Konkurrenzfähige Arbeitskosten im EU-Vergleich
  • Kein Mindestkapital zur Unternehmensgründung erforderlich
  • EU-Fördergelder von 29 Milliarden Euro bis 2027
  • Fachkräfte mit teilweise guten Deutsch- und Englischkenntnissen
W

Schwächen Weaknesses

  • Häufige Regierungswechsel seit 2021 erschweren langfristige Wirtschaftspolitik
  • Modernisierungsstau in den Umweltsystemen
  • Modernisierungstau in der Infrastruktur
  • Öffentliche Verwaltung ist vielerorts schwerfällig
  • Keine duale Berufsausbildung
O

Chancen Opportunities

  • Viele Unternehmensgründungen
  • Innovative IT-Branche
  • Günstige Lage an Verkehrskorridoren zwischen Südost- und Mitteleuropa
  • EU-geförderte Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur
  • EU-geförderte Investitionen in den Energiesektor und in die Dekarbonisierung
T

Risiken Threats

  • Schlechtes Abschneiden bei Korruptionsanfälligkeit
  • Schlechte Bewertung der Rechtstaatlichkeit
  • Mitunter langwierige Anfechtungen öffentlicher Vergaben
  • Alterung der Gesellschaft und Abwanderung von Fachkräften
  • Sich verstärkendes regionales Gefälle bei Investitionen und Wirtschaftskraft

Ausführliche Informationen zur Wirtschaft finden Sie in den Wirtschaftsdaten kompakt.

Prosperierende und strukturschwache Gebiete

Die Region mit der Hauptstadt Sofia erbringt über die Hälfte der bulgarischen Wirtschaftsleistung. Es folgen die Gebiete mit den Zentren Plowdiw, Burgas und Varna. Viele Gegenden sind jedoch nach wie vor strukturschwach und von schlechter Verkehrsanbindung und Abwanderung geprägt. Dort mit EU-Fördermitteln angeschobene Modernisierungen in der Wasserwirtschaft und im Abfallmanagement bieten deutschen Herstellern gute Absatzmöglichkeiten.

Die Wirtschaftskraft ist regional ungleich verteiltEckdaten der EU-Planungsregionen in Bulgarien

Gebiet (EU-Planungsregion)

Anteil am BIP (2024 in %) 

BIP pro Kopf (2024 in Euro)

Bevölkerung (2025 in 1.000) 

Sofia, Blagoewgrad, Pernik, Kjustendil (BG41)

50,7

26.300

2.023

Plowdiw, Chaskowo, Pasardschik, Smoljan, Kardschall (BG42)

13,3

10.700

1.307

Burgas, Sliwen, Jambol, Stara Sagora (BG34)

12,7

13.900

952

Warna, Dobritsch, Schumen, Targowischte (BG33)

9,9

12.500

827

Gabrowo, Russe, Radgrad, Silistra, Weliko Tarnowo (BG32)

6,9

10.700

673

Widin, Montana, Wraza, Plewen, Lowetsch (BG21)

6,5

10.300

655

Quelle: Eurostat 2026

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