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Zulieferprodukte: Marktlage
Wegen der US-Zölle auf Stahl wurde in Mexiko bereits ein geplantes Investitionsprojekt abgesagt. Die Preise von Baumaterialien sind wieder im Auftrieb.
10.11.2025
Von Edwin Schuh | Mexiko-Stadt
Die Preise von Baumaterialien legen wieder stärker zu, so die mexikanische Baukammer CMIC (Cámara Mexicana de la Industria de la Construcción). Im Juli 2025 betrug der Preisanstieg rund 3,48 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Damit erhöhten sich die Preise für Baumaterialien fast exakt im Takt mit der allgemeinen Inflationsrate in diesem Zeitraum (+3,51 Prozent). Vor einem Jahr hatte der Preisanstieg bei Baumaterialien nur 1,8 Prozent betragen, so CMIC.
Hohe Preissteigerungen wurden zwischen Juli 2024 und Juli 2025 vor allem bei folgenden Baumaterialien beobachtet: Kabeldrähte und Leitungen (+12,9 Prozent), Mauersteine (+9,4 Prozent), Ziegelsteine und Trennwände (+9,1 Prozent), Kies (+8,7 Prozent) und Gips (+7,9 Prozent). Preisrückgänge verzeichneten Rundeisen (-4,9 Prozent), Walzdraht (-3,6 Prozent) und Flachglas (-2,6 Prozent).
Die mexikanische Baustoffindustrie ist bei einfachen Produkten relativ gut entwickelt. Große Konzerne wie Cemex, Cemento Cruz Azul, Grupo Lamosa, Elementia Materiales und Rotoplas sind nicht nur national, sondern auch international gut aufgestellt. Höherwertige und spezialisierte Produkte werden jedoch überwiegend importiert, vorrangig aus den USA.
Tabelle_Importe von Baustoffen nach Mexiko
US-Zölle auf Stahl treffen Mexiko
Die US-Regierung erhob im Februar 2025 einen Zoll von 25 Prozent auf Importe von Stahl und Aluminium und erhöhte diesen Zollsatz im Juni auf 50 Prozent. Während Mexiko kein wichtiger Lieferant von Aluminium ist, steht das Land bei Stahl auf Rang drei der Lieferanten der USA, hinter Kanada und Brasilien. Im Jahr 2023 gingen 77,5 Prozent der mexikanischen Stahlexporte an den nördlichen Nachbarn. Insgesamt wurden 2024 rund 18,2 Millionen Tonnen Stahl in Mexiko produziert, womit das Land weltweit auf Rang 15 lag, so der Verband für Eisen und Stahl Canacero (Cámara Nacional de la Industria del Hierro y Acero).
Der brasilianische Stahlkonzern Gerdau brach im April 2025 aufgrund der neuen US-Zölle den Bau eines geplanten Stahlwerks in Mexiko ab. Die Investitionen dafür waren ursprünglich auf 600 Millionen US-Dollar (US$) veranschlagt worden, um 600.000 Tonnen Spezialstahl jährlich in Mexiko zu produzieren.
Der Stahlkonzern Ternium mit Hauptsitz in Luxemburg hält hingegen an seinem 2024 bekannt gegebenen Investitionsplan im Umfang von 4 Milliarden US$ in den Standort Pesquería (Bundesstaat Nuevo León) fest. Neben dem Automobilsektor um das benachbarte Hyundai-Werk will Ternium auch die Bauindustrie mit Stahl beliefern. Der mexikanische Stahlhersteller Deacero baut derzeit für 600 Millionen US$ das neue Werk Ramos II im Bundesstaat Coahuila. Es soll Anfang 2026 den Betrieb aufnehmen.
| Unternehmen | Sparte | Umsatz 2024 1) | Veränderung 2024/23 2) |
|---|---|---|---|
| Cemex | Zement | 16.200 | 1,2 |
| Holcim México | Zement | 2.018 | 1,7 |
| Cemento Cruz Azul | Zement | 1.623 | 2,6 |
| Cementos de Chihuahua | Zement | 1.367 | 3,6 |
| Grupo Lamosa | Keramik | 1.852 | 7,5 |
| PPG Comex | Farben | 1.620 | 10,0 |
| Ternium México | Eisen und Stahl | 8.862 | -5,9 |
| Grupo Villacero | Eisen und Stahl | 3.612 | -7,0 |
| Deacero | Eisen und Stahl | 3.546 | -7,1 |
| ArcelorMittal México | Eisen und Stahl | 2.787 | -12,4 |
Baumarktketten expandieren
Das US-Unternehmen Home Depot ist die größte Baumarktkette des Landes mit landesweit rund 140 Niederlassungen und auf Produkte für Heimwerker spezialisiert. Immer wichtiger werden bei Home Depot Produkte einer Eigenmarke, die zusammen mit lokalen Lieferanten entwickelt werden. Laut Unternehmensangaben stammen 80 Prozent des Angebots von nationalen Lieferanten. In einer Pressekonferenz Anfang 2025 in Anwesenheit von Staatspräsidentin Claudia Sheinbaum gab Home Depot bekannt, bis zum Jahr 2028 rund 1,3 Milliarden US$ in Mexiko zu investieren, um das Netz auf 165 Baumärkte zu erweitern.
Seit 2018 expandiert auch die chilenische Kette Sodimac in Mexiko und betreibt inzwischen 15 große Baumärkte, hauptsächlich im Zentrum des Landes und im Bundesstaat Nuevo León. Laut Investitionsplänen des Unternehmens will Sodimac 2025 für 650 Millionen US$ vier neue Baumärkte eröffnen. Andere wichtige Baustoffhändler wie Llano de la Torre, El Surtidor und Grupo Boxito sind meist nur in einer Stadt oder Region tätig.
Darüber hinaus haben die wichtigsten Hersteller von Baumaterialien teilweise eigene Vertriebsnetze. Cemex verfügt mit Construrama auf Konzessionsbasis über ein weitverzweigtes Netz an kleinen Baustoffläden. Auch die in ihren Branchen dominierenden Firmen PPG Comex (Farben), Lamosa und Interceramic (beide Sanitärkeramik), Orbia (vormals Mexichem, PVC-Rohre) und Vitro (Glas) besitzen eigene Niederlassungen. Nahezu alle genannten Unternehmen haben mittlerweile App-gestützte Onlinestores aufgebaut.