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Öl und Gas bestimmen Algeriens Wirtschaftsstruktur
Der Öl- und Gassektor dominiert weiterhin die Wirtschaft Algeriens. Die angestrebte Diversifizierung verläuft schleppend.
25.02.2026
Von Verena Matschoß, Friedrich Henle | Tunis
Der Förderung und Weiterverarbeitung von Öl und Gas steht in Algerien für rund ein Drittel der Wertschöpfung, etwa die Hälfte der Staatseinnahmen und 90 Prozent der Exporte. Die staatlich forcierte, wirtschaftliche Diversifizierung kommt nur langsam voran. Ausländische Unternehmen finden jedoch in verschiedenen Branchen Geschäftschancen, wenn sie sich auf das lokale Geschäftsumfeld einstellen. Die Regierung hat sogenannte strategische Sektoren definiert, in denen eine Mehrheitsbeteiligung eines algerischen Unternehmens Pflicht ist. Dazu gehören unter anderem die Verteidigungsindustrie, der Rohstoffsektor, ein Großteil der Pharmabranche und der Transportbereich. In Bergbauminen darf seit August 2025 ein ausländisches Unternehmen 80 Prozent des Kapitals halten.
Mittel- und langfristig dürfte Algerien ein wichtiger Öl- und Gaslieferant des nahe gelegenen Europa bleiben. In Zukunft könnten erneuerbare Energien beziehungsweise grüner Wasserstoff eine größere Rolle einnehmen. Eine Voraussetzung dafür ist allerdings, dass Algerien die eingeleiteten Maßnahmen konsequent weiter verfolgt.
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Ausdauer zahlt sich aus
Deutsche Unternehmen haben im Jahr 2025 Waren im Wert von 2,1 Milliarden Euro nach Algerien exportiert. Das ist genauso viel wie nach Tunesien, aber nur gut die Hälfte der deutschen Ausfuhren nach Marokko. Wie aus Unternehmenskreisen zu hören ist, gibt es immer wieder Schwierigkeiten beim Erhalt von Importgenehmigungen. Deutsche Firmenvertreter betonen, wie wichtig langfristig angelegte Beziehungen zu Geschäftspartnern vor Ort sind, weisen aber auch auf die zunehmende Preiskonkurrenz durch Anbieter aus China, der Türkei oder den Golfstaaten hin.
Sektoren: Öl und Gas dominieren die Wirtschaft
Die Förderung von Öl und Gas bestimmt das Wirtschaftsmodell Algeriens. Aktuell profitiert das Land von der Nachfrage aus Europa. Investoren ziehen deshalb ein Engagement im Öl- und Gasbereich wieder stärker in Erwägung. Ihnen kommt eine günstigere Gesetzgebung seit dem Jahr 2019 zu Gute, die die Steuerlast reduziert hat. Der staatliche Sonatrach-Konzern schloss mehrere Abkommen mit ausländischen Energiekonzernen ab. Investitionen in die Erschließung neuer Öl- und Gasfelder sind ohnehin nötig, um die Förderung auf dem aktuellen Niveau zu halten oder auszubauen.
Auf der anderen Seite zeigt sich auch immer wieder die Kehrseite der Rohstoffmedaille: Rückgänge des Weltmarktpreises für Öl und Gas führen zu Einnahmeverlusten und Verzögerungen bei staatlich finanzierten Vorhaben. Vor solchen externen Schocks ist die bislang wenig diversifizierte, algerische Wirtschaft weiterhin nicht gefeit.
Erneuerbare Energien
Algerien hat sich seit Langem auf die Fahnen geschrieben, die lokale Produktion in verschiedenen Sektoren zu steigern beziehungsweise aufzubauen. Dieses Vorhaben kommt aber nur in kleinen Schritten voran.
Relativ wenig ausgeschöpft ist beispielsweise das große Potenzial an erneuerbaren Energien. Nach einer langsamen Entwicklung in den letzten Jahren scheint sich das Blatt nun etwas zu wenden. Der staatliche Strom- und Gasversorger Sonelgaz hat im März 2024 Verträge mit Ausschreibungsgewinnern zum Aufbau von Solarkraftkapazitäten über 3 Gigawatt abgeschlossen. Zum Zuge kommen mehrheitlich chinesische Unternehmen. Im Bereich grüner Wasserstoff werden erste Pilotanlagen geplant. Die deutsch-algerische Energiepartnerschaft ist in diesem Bereich ebenfalls aktiv.
Fahrzeuge "made in Algeria"
Die Produktion abseits des Rohstoffsektors spielt weiterhin eine vergleichsweise geringe Rolle. Im Jahr 2024 belief sich der Anteil des verarbeitenden Gewerbes an der Bruttowertschöpfung auf rund 10 Prozent. Die Hälfte davon entfielen allerdings auf Raffinerietätigkeiten.
Der Automobilsektor könnte die Branche sein, in der sich in den nächsten Jahren vermehrt Chancen für ausländische Unternehmen bieten. Die Regierung möchte die lokale Produktion ankurbeln und hat Ende 2022 die Kfz-Montage im Land wieder erlaubt. Im Dezember 2023 eröffnete die Stellantis-Gruppe eine Montage für Autos der Marke Fiat im Regierungsbezirk (Wilaya) Oran. Eine Produktion von Opel-Fahrzeugen könnte folgen. Weitere Autokonzerne aus Europa und China haben Projekte angekündigt. Die Hersteller haben die Auflage, die lokale Wertschöpfungsquote sukzessive zu erhöhen.
Lokal hergestellte Lebens- und Arzneimittel für eine wachsende Bevölkerung
Auch im Nahrungsmittelbereich bestehen durch eine Politik der Importsubstitution gute Lieferchancen für Ausrüstungsgüter. Ein anderer Treiber ist der stetig wachsende Absatzmarkt durch die Bevölkerungszunahme. Unternehmen haben diverse Neuvorhaben im Nahrungsmittelsektor angekündigt. Ausländische Maschinenbauer können davon profitieren, wenn sie sich auf das lokale Geschäftsumfeld einstellen. Auch in der Pharmabranche steigt die lokale Produktion und die Partnerschaft mit ausländischen Unternehmen. In allen Branchen sind staatliche Unternehmen und Aufträge von großer Bedeutung.
Sektoren | Anteil an der Bruttowertschöpfung 2024 |
|---|---|
Land- und Forstwirtschaft, Fischerei | 14,7 |
Bergbau (inklusive Öl- und Gasförderung) | 12,8 |
Verarbeitendes Gewerbe | 10,2 |
Energieversorgung | 1,3 |
Baugewerbe | 14,0 |
Dienstleistungen | 47,2 |
Regionen: Konzentration auf die Mittelmeerküste
Die wirtschaftliche Aktivität und die Bevölkerung Algeriens konzentrieren sich sehr stark auf den Norden entlang des Mittelmeers. Dort liegt das fruchtbare, gemäßigte Küstengebiet, in dem fast alle großen Städte wie Algier, Oran oder Annaba liegen. Rund 90 Prozent der Bevölkerung lebt im nördlichen Teil Algeriens und der Großteil der Investitionsprojekte konzentriert sich auf die 20 nördlichen Gebiete.
Die wichtige Öl- und Gasförderung findet hauptsächlich in den südlichen Landesteilen ("Grand Sud" genannt) statt, die geografisch von der Sahara bestimmt sind. Im Südosten sticht hier die Region um die Stadt Hassi Messaoud für die Ölförderung hervor. Neue Gasvorkommen werden vor allem im Südwesten des Landes erschlossen. Die wirtschaftliche Entwicklung des "Grand Sud" unterstützt die Regierung durch spezielle Förderprogramme.