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Rekordexporte deutscher Landwirtschaftsmaschinen nach Argentinien
Die Landwirte in Argentinien nutzen die gute Ertragslage und investieren in neue Technik. Die Marktöffnung der jüngsten Jahre hilft deutschen Exporteuren, aber auch der Konkurrenz.
29.04.2026
Von Stefanie Schmitt | Santiago de Chile
"In Argentinien geht wieder etwas." So lautete das Resümée eines Teilnehmers des Gemeinschaftsstandes im Deutschen Pavillon auf der ExpoAgro Mitte März 2026 in San Nicolás, der wichtigsten Landwirtschaftsmesse des Landes.
Möglich macht dies die konsequente Öffnung des Marktes nach außen sowie die schrittweise Aufhebung der Devisenkontrollen seit dem Amtsantritt von Staatspräsident Javier Milei Ende 2023. Hinzu kommt die Rekordernte 2025/26, die nach Jahren der Dürre Geld in die Kassen der Agrarproduzenten spülte. Viele Landwirte nutzten die Gunst der Stunde, um ihre Maschinenparks zu modernisieren.
Landtechnik: Deutsche Exporte wachsen zweistellig
Davon profitieren auch deutsche Anbieter landwirtschaftlicher Maschinen und Anlagen. Laut dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) konnten sie ihre Ausfuhren nach Argentinien 2025 um 56 Prozent auf einen Rekordwert von 95,5 Millionen Euro steigern, nach einer langen Stagnation in den Jahren zuvor.
Die wichtigsten Produkte waren selbstfahrende Feldhäcksler sowie Teile für Maschinen zum Ernten, Dreschen, Reinigen und Sortieren. Zusammen kamen diese beiden Warengruppen auf einen Anteil von gut 50 Prozent an der Branchenausfuhr. In beiden Kategorien stiegen die Exporte 2025 um 33 beziehungsweise knapp 43 Prozent an.
Noch höhere Wachstumszahlen verzeichneten die Ausfuhren von Maschinen und Geräten zur Geflügelhaltung (ohne Brut- und Aufzuchtapparate) mit 379 Prozent. Dies ist auch ein Spiegel des steigenden Konsums von Geflügelfleisch in der "Rindfleischnation" Argentinien. Sie erreichten einen Ausfuhranteil von 14 Prozent. Mähdrescher legten um 159 Prozent zu (Anteil an den Exporten: 11 Prozent).
Wettbewerbsdruck nimmt zu, aber Qualität bleibt Trumpf
Doch die Marktöffnung hilft nicht nur deutschen Exporteuren, sondern Anbietern aus aller Welt. Insbesondere viele qualitativ weniger anspruchsvolle, dafür aber preislich zum Teil extrem günstige Produkte drängen auf den Markt. Umso wichtiger sei es, gegenüber den Kunden die Vorteile von Qualität, Effizienz, Sicherheit und Nachhaltigkeit hervorzuheben, meint Walter Berger, der mit seiner Firma den Hersteller Deutz-Fahr in Argentinien vertritt.
Argentiniens Landwirte sind anspruchsvolle Kunden, was die Qualität ihrer Geräte angeht. Die Gründe sind klar: "Die Farmen sind so groß, dass der Farmer mitunter mit dem Flugzeug zu seinen Feldern fliegen muss. Da müssen die Maschinen verlässlich sein und lange funktionieren, denn der Service ist weit weg“, erklärt Stefan Müller, Business Development Manager bei Klüber Lubrication, München. "Und dies auch unter den erschwerten hiesigen Bedingungen, denn es ist trocken, heiß und staubig." Klüber setze deshalb auf hochwertige Schmierstoffe, die sich positiv auf die Lebenszeit der technischen Komponenten auswirkten.
Erstarkende Konkurrenz aus China
Trotzdem beobachten deutsche Firmen vor Ort insbesondere die Konkurrenz aus China sehr genau. "Noch spüren wir sie vor allem im Ersatzteilbereich", so Dietmar Rühe.
Bislang wehren sich deutsche Firmen beispielsweise mit Klauseln, die besagen, dass sie nur dann Garantie leisten, wenn Originalteile eingebaut werden. Aber für den Kunden sei ein Drittel des Preises schon sehr verlockend, heißt es. Mit Blick auf die Erfahrungen in anderen Sparten des Maschinenbaus ist es zudem nur eine Zeitfrage, bis die chinesischen Anbieter in höhere Leistungsklassen aufsteigen. Die ExpoAgro 2026 bedeutete bereits einen Strategiewechsel. Erstmals traten chinesische Aussteller – und gleich sieben – mit eigenem Stand auf.
Besonders die lokalen Hersteller sind von der Entwicklung überrascht: "Wir haben nicht erwartet, dass die Chinesen mit uns in der Landwirtschaft konkurrieren", so ein Branchenvertreter gegenüber GTAI. Denn Argentinien weist eine starke lokale Landtechnikbranche auf. Doch auch für sie nimmt mit der Marktöffnung der Druck aus dem Ausland zu.
Dies zeigt sich etwa an den Absatzzahlen für Erntemaschinen. Stammten 2022 noch 91,5 Prozent der verkauften Maschinen aus lokaler Produktion, so waren es 2025 nur noch knapp 81 Prozent, wie aus Zahlen des Statistikamts INDEC hervorgeht.
Auch ausländische Firmen wie der US-amerikanische Marktführer John Deere sowie Case/New Holland (CNH Industrial) sind seit langer Zeit mit eigener Produktion vor Ort. Bei Erntemaschinen hält Claas eine stabile Position. Weitere wichtige Player sind laut dem Händlerverband Acara Agrícola:
- Massey Ferguson (Frankreich, Tochter des US-Konzerns AGCO),
- Don Roque/Vassalli (Santa Fe/Argentinien),
- Pauny (Córdoba/Argentinien),
- Valtra (Finnland, auch zu AGCO) und
- Caimán (Feldspritzen, Santa Fe/Argentinien)
Investitionsentscheidungen stark konjunktur- und politikabhängig
Ein Merkmal der Landwirtschaft in Argentinien ist, dass Kaufentscheidungen häufig sehr kurzfristig getroffen werden, etwa wenn hohe Ernteerlöse eine Investition zulassen. Staatliche Hilfen gibt es nicht.
Zudem ist der Markt sehr volatil. So gingen die Verkäufe von Landtechnik kurzfristig zurück, als im Sommer/Herbst 2025 die Zustimmungswerte für Milei sanken und er in der Provinz Buenos Aires eine Wahlschlappe erlitt – um sich nach seinem Sieg bei den Zwischenwahlen Ende Oktober wieder zu erholen. Eine Rolle hierbei spielt: Unter den peronistischen Vorgängerregierungen hatte der Agrarsektor stark unter Preisdeckelungen und hohen Exportsteuern gelitten. Nun sieht er sich erstmals seit Jahrzehnten wieder wertgeschätzt.
Hohe Abgabenlast bleibt bestehen
Trotzdem ist die hohe Abgabenlast nach wie vor aktuell – insbesondere durch die Exportsteuer auf Agrarerzeugnisse. Zwar hat die Regierung Milei die Sätze bereits erheblich gesenkt, doch gingen im Dezember 2025 im Durchschnitt immer noch mehr als die Hälfte der landwirtschaftlichen Einkommen (56,3 Prozent) an die öffentlichen Kassen, nach Abzug aller Produktionskosten. Dies zeigt der Índice FADA der Stiftung Fundación Agropecuaria para el Desarrollo de Argentina. Zwar will Milei die Exportzölle vollständig abschaffen, doch die fiskalische Lage ließ dies bislang nicht zu.
| Kategorie | gültiger Satz seit Anfang 2026 | 2025 *) | vor dem 25. Januar 2025 |
|---|---|---|---|
| Soja und Sojaprodukte | |||
| Sojabohnen | 24 | 26 | 33 |
| Soja-Nebenprodukte (Öl, Mehl etc.) | 22,5 | 24,5 | 31 |
| Getreide |
|
|
|
| Weizen | 7,5 | 9,5 | 12 |
| Gerste | 7,5 | 9,5 | 12 |
| Mais | 8,5 | 9,5 | 12 |
| Sorghum | 8,5 | 9,5 | 12 |
| Sonnenblumen | 4,5 | 5,5 | 7 |