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Wirtschaftsumfeld | Belgien | Arbeitskräfte

Fachkräfte

Auch Belgien kämpft mit einem strukturellen Fachkräftemangel. Dieser variiert je nach Region und Berufsfeld. Die Arbeitsmarktreformen sollen Schadensbegrenzung betreiben.

In Belgien sind technische, digitale und Gesundheitsberufe besonders vom Facharbeitermangel betroffen. Während in einigen Regionen weiterhin hohe Arbeitslosigkeit besteht, nimmt die Nachfrage nach ausgebildeten Arbeitskräften zu. Vor diesem Hintergrund müssen Unternehmen immer stärker um Talente mit hoher Fachkompetenz konkurrieren.

Fachkräftemangel verstärkt Konkurrenz der Unternehmen  

In Schlüsselsektoren registrieren die regionalen Arbeitsämter unterschiedliche Mangelberufe. In der verarbeitenden Industrie werden unter anderem Elektriker, Mechaniker, Schweißer, Maschinenführer dringend benötigt. IT-Abteilungen suchen nach Softwareentwicklern sowie Systemadministratoren, Bauunternehmen nach Installateuren, Maurern oder Dachdeckern.

Der Bedarf an Kranken- und Altenpflegern sowie medizinischen Fachkräften steigt angesichts der alternden Gesellschaft rasant - und dürfte dies auch weiter tun. Denn der Anteil der Bevölkerung im Alter von 65 Jahren und mehr wird laut Statistikamt Statbel von 20,2 Prozent im Jahr 2023 auf voraussichtlich 27,8 im Jahr 2050 Prozent wachsen. 

Hohe Jugendarbeitslosigkeit

In Belgien sind im Vergleich zu Ländern mit ähnlicher Wirtschafts- und Bevölkerungsstruktur, wie beispielsweise den Niederlanden, viele Jugendliche (15 bis 24 Jahre) und ältere Arbeitnehmer (55 bis 64 Jahre) nicht beschäftigt. Im Jahr 2024 waren laut Eurostat nur rund 26,3 Prozent der Jugendlichen berufstätig. Bei der älteren Bevölkerung waren es 59,4 Prozent. Die Jugendarbeitslosenquote war mit 17,4 Prozent etwa doppelt so hoch wie in den Niederlanden.

Der belgische Arbeitsmarkt ist stark reguliert und regional organisiert. Die wirtschaftlichen und sprachlichen Unterschiede wirken sich auf die Chancen der jüngeren Bevölkerung auf dem belgischen Arbeitsmarkt aus. Die Jüngeren sind weniger mobil und oft in strukturschwächeren Regionen beheimatet. Praktika und betriebliche Ausbildung sind wenig verbreitet, was den Einstieg erschwert. Zudem haben es junge Menschen schwer, erste Berufserfahrungen zu sammeln, weil Unternehmen auf Grund hoher Lohnnebenkosten (insbesondere Sozialabgaben) und administrativer Hürden die Einstellung von Berufsanfängern kritischer beurteilen.

Flexibilität und Immigration sind Strategien

Um den Fachkräftemangel zu bekämpfen, setzt Belgien auf eine Kombination aus Zuwanderung, regionalen Ansätzen, Weiterbildung und wirtschaftspolitischen Reformen. Durch die Arbeitsmarktreformen von 2025 sollen neue Lösungsansätze entstehen. Sie bieten Unternehmen folgende Vorteile: 

  • größere Flexibilität durch neue Arbeitszeitmodelle
  • weniger Risiko bei Neueinstellungen durch eine Auflockerung der Arbeitsverhältnisse
  • geringere bürokratische Hürden bei der bislang aufwendigen Einstellung von Nicht‑EU‑Fachkräften 

Insbesondere Arbeitskräfte aus Nicht‑EU‑Ländern sind in Belgien - vor allem für Engpassberufe wie Pflege, Transport, Handwerk oder Lebensmittelverarbeitung - stark nachgefragt, bisher aber schwer in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Die Arbeitsmarktreform soll auch das ändern.

Fortschreitende Digitalisierung schließt Engpässe

Belgien setzt auch auf digitale Lösungen, um den Arbeitsmarkt zu modernisieren. Mehrere nationale Digitalisierungsstrategien sind dem Digitalplan (Digital Belgium) untergeordnet. Dieser setzt den EU‑Fahrplan zur digitalen Dekade auf nationaler Ebene um.

Außerdem existieren EdTech‑Weiterbildungsplattformen sowie Programme zur Stärkung digitaler Kompetenzen. Besonders relevant sind staatliche Initiativen zur digitalen Dekade, regionale Upskilling‑Programme zur Erweiterung von Kompetenzen und Maßnahmen zur Verbesserung digitaler Fähigkeiten mit klarem Praxisbezug, die auf den Fachkräftemangel abzielen.

Belgische Unternehmen – besonders in den Bereichen Logistik, Gesundheitswesen und Verwaltung – integrieren KI zunehmend in ihre Prozesse. Diese Bemühungen sollen auch helfen, die Auswirkungen des Fachkräftemangels einzudämmen.

Mehr weibliche als männliche Hochschulabsolventen

Das Bildungsniveau in Belgien gilt als hoch. Der Prozentsatz der 25- bis 34-Jährigen mit einem Hochschulabschluss belief sich 2024 laut Statbel auf etwas über 50 Prozent. Bei Frauen war die Quote mit knapp 57 Prozent deutlich höher als bei Männern (44,4 Prozent). Insgesamt gibt es große Unterschiede zwischen den Regionen. Während im Jahr 2024 in Brüssel 59,7 Prozent der 25- bis 34-Jährigen einen Hochschulabschluss hatten, waren es in Flandern 52,4 Prozent und in der Wallonie 43,3 Prozent.

Der Anteil der Selbstständigen in Belgien lag 2024 laut Eurostat bei rund 13,5Prozent (mit Landwirtschaft: 14 Prozent) der Erwerbstätigen und damit etwas mehr als einen Prozentpunkt über dem EU‑Durchschnitt. Auffällig ist der starke Anstieg der Solo‑Selbstständigen und der nebenberuflichen Selbstständigkeit in den vergangenen Jahren.

Belgien im weltweiten Vergleich

Folgende Karte ermöglicht den Vergleich zwischen zahlreichen Ländern weltweit. Bitte beachten Sie, dass die Werte in der Karte aus international standardisierten Quellen stammen und somit ggf. von Angaben aus nationalen Quellen im Text abweichen können.

 

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