Wirtschaftsumfeld | Kasachstan | Arbeitsmarkt, Lohn- und Lohnnebenkosten
Löhne und Gehälter
In Kasachstan unterscheiden sich die Einkommen je nach Branche und Region stark. Ausländische Firmen zahlen in der Regel mehr. Im Jahr 2026 gibt es Änderungen bei der Sozialsteuer.
23.02.2026
Von Viktor Ebel | Almaty
Die Gehaltsdynamik in Kasachstan flacht spürbar ab. Zwischen 2020 und 2024 hatten sich die Nominallöhne fast verdoppelt. Das lag unter anderem an der zweistelligen Inflation und einem höheren Mindestlohn. Die Preissteigerung ist zwar weiterhin knapp zweistellig und dürfte auch 2026 auf diesem hohen Niveau verharren, so die Economic Intelligence Unit (EIU).
Doch auf die Lohnzuwächse schlägt das nicht mehr so stark durch. Die durchschnittlichen Nominallöhne lagen im 3. Quartal 2025 nur noch 10 Prozent über dem Vorjahreswert. Etwa gleich groß dürften die Lohnanpassungen bei vielen Firmen auch 2026 ausfallen, ergab die jüngste Umfrage des Personalvermittlers Antal.
Konjunkturexperten der EIU schätzen, dass die Zentralbank die Inflation mittelfristig unter die 10-Prozent-Marke drückt und damit das Lohnwachstum weiter abflachen wird.
2022 | 2023 | 2024 | |
|---|---|---|---|
| Nominal (in Tenge) | 309.697 | 364.295 | 405.416 |
| Nominal (in US$) | 673 | 798 | 864 |
| Reale Veränderung (in %) *) | 7,7 | 2,3 | 2,4 |
| Wechselkurs: 1 US$ = ... Tenge | 460,48 | 456,31 | 469,44 |
Mindestlohn wird 2026 nicht angehoben
Zum 1. Januar 2024 wurde der Mindestlohn in Kasachstan von zuvor 70.000 auf 85.000 Tenge erhöht. Das entspricht rund 181 US-Dollar (US$; Stand: Februar 2026). Für 2026 wurde keine weitere Anpassung angekündigt. Mittelfristig dürfte der Mindestlohn aber weiter steigen. Vor allem, da die kasachische Regierung am 19. Dezember 2025 das Übereinkommen Nr. 131 über die Festsetzung von Mindestlöhnen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) ratifiziert hat.
Durch den Beitritt zum ILO-Übereinkommen signalisiert Kasachstan die Bereitschaft, sozioökonomische Realitäten zu berücksichtigen und den Mindestlohn nach einer international anerkannten Methodik zu berechnen. Am gebräuchlichsten ist der Kaitz-Index.
Mehr zum Kaitz-Index
Der Kaitz-Index weist für Vollbeschäftigte den prozentualen Anteil des Mindestlohns zum mittleren Bruttostundenverdienst (Median) aus. Als angemessen gilt ein Verhältnis von 50 Prozent. Das bedeutet, der Median liegt doppelt so hoch wie der Mindestlohn. In der EU wird laut einer Richtlinie angestrebt, dass der Mindestlohn bei 60 Prozent des mittleren Verdienstes – gemessen am Median – liegt. Der Kaitz-Index für Deutschland betrug laut Zahlen des statistische Bundesamts im April 2025 51,4 Prozent.
In Kasachstan machte der Kaitz-Index Ende 2025 knapp 30 Prozent aus. Mit Blick auf die 50-Prozent-Empfehlung, welche auch Gewerkschaftsvertreter unterstützen, müsste der kasachische Mindestlohn nach heutigem Stand auf über 150.000 Tenge steigen, um diese Anforderung zu erfüllen.
Ausländische Firmen vergüten besser
Bei ausländischen Firmen liegen Löhne und Gehälter meistens höher. Die dort beschäftigten Personen erzielen monatliche Durchschnittseinkommen, die rund 50 Prozent höher als bei kasachischen Privatunternehmen ausfallen, so Qazstat. Im Vergleich zu staatlichen Betrieben, zahlen ausländische Firmen sogar mehr als das Doppelte.
Regional weisen die Löhne ebenfalls große Unterschiede auf. Spitzenreiter sind die Gebiete Atyrau und Mangystau, in denen gut bezahlte Arbeitskräfte der Ölindustrie das allgemeine Lohnniveau anheben. Es folgt das vom Bergbau geprägte Gebiet Ulytau, die Hauptstadt Astana mit Ministerien und zahlreichen anderen Behörden sowie die Finanzmetropole Almaty. Die niedrigsten Löhne werden in den überwiegend agrarisch geprägten Gebieten Schambyl, Nordkasachstan und Schetissu gezahlt.
2024 | |
|---|---|
Durchschnittslohn | 864 |
| Hauptstadt Astana | 1.146 |
Hochlohnregionen | |
Atyrau | 1.349 |
Mangystau | 1.238 |
| Ulytau | 1.137 |
Stadt Almaty | 1.046 |
Niedriglohnregionen | |
| Stadt Schymkent | 666 |
| Schetissu | 624 |
Schambyl | 639 |
Nordkasachstan | 625 |
Rohstoffindustrie und Finanzsektor zahlen am besten
Nach Branchen betrachtet zahlen Unternehmen im Bergbau die höchsten Löhne im Land, dicht gefolgt vom Finanzsektor und der Telekommunikationsbranche. In der verarbeitenden Industrie verdienen Beschäftigte überdurchschnittlich, vor allem in den Sparten Metallurgie und Chemie. Schlusslichter sind der Agrarsektor, die Wasserwirtschaft sowie das Bildungswesen.
| Branche | 2024 |
|---|---|
| Durchschnittslohn | 864 |
| Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei | 561 |
| Verarbeitendes Gewerbe | 1.213 |
| Strom-, Gas-, Wärme- und Kälteversorgung | 860 |
| Wasserversorgung, Abfallwirtschaft | 610 |
| Baugewerbe | 1.083 |
| Groß- und Einzelhandel, Reparatur von Kfz | 778 |
| Transport und Lagerhaltung | 1.133 |
| Gastgewerbe, Beherbergung und Gastronomie | 727 |
| Informations- und Kommunikationsleistungen | 1.548 |
| Finanz- und Versicherungswesen | 1.824 |
Auch bei den Gehältern nach ausgewählten Positionen sind große Unterschiede typisch. Daten von Qazstat ermöglichen nur eine grobe Orientierung zur Vergütungsstruktur. Für ausländische Unternehmen sind jedoch alternative Erhebungen aussagekräftiger.
| Position | 2024 |
|---|---|
| Durchschnittslohn | 864 |
| Führungskraft | 1.461 |
| Personal mit akademischer Ausbildung | 944 |
| Techniker:in | 743 |
| Unterstützende Bürokraft | 726 |
| Dienstleistungs- und Verkaufskraft | 575 |
| Fachkraft in der Land-, Forst- und Fischwirtschaft | 600 |
| Handwerker:in | 990 |
| Anlagen- und Maschinenbediener:in, Montagekraft | 985 |
| Hilfskraft | 384 |
Befragungen zu Lohntrends in Kasachstan führen beispielsweise die Niederlassungen von Antal und des Beratungsunternehmens EY im Jahresturnus durch. Interessierte Firmen erhalten dort auf Anfrage einen Überblick zu wichtigen Ergebnissen der jeweiligen Auswertungen. Detaillierte Auskünfte sind kostenpflichtig.
| Position | Durchschnittliches Maximum | Durchschnittliches Minimum |
|---|---|---|
| Führungskraft Geschäftsführung/Werksleitung | 7.669 | 4.793 |
| Führungskraft Vertrieb | 3.259 | 2.301 |
| Regionalmanagement | 2.684 | 1.725 |
| Projektleitung | 2.109 | 1.534 |
| Leitende:r Ingenieur:in | 2.876 | 1.917 |
| Führungskraft Technik | 4.122 | 2.588 |
| Führungskraft Produktion | 4.026 | 2.876 |
| Führungskraft Technischer Service | 4.122 | 2.588 |
| Schichtleitung Produktion | 1.821 | 1.246 |
| Ingenieur:in | 1.821 | 1.342 |
Bonuszahlungen sind weit verbreitet
Ähnlich wie bei den Löhnen gewähren ausländische Firmen oft mehr und höhere Zusatzleistungen als einheimische. Bonuszahlungen sind besonders verbreitet – überwiegend als jährlich gezahlte Prämie. Laut Antal konnten 2025 Boni von 80 Prozent der dort berücksichtigten Beschäftigten eingestrichen werden. Sie fallen der Höhe nach nur selten höher als 30 Prozent der jeweiligen Jahresbezüge aus.
Berechnung von Sozialversicherungsbeiträgen ändert sich 2026
Der obligatorische Rentenbeitrag der Arbeitgebenden wurde 2026 von 2,5 auf 3,5 Prozent erhöht und soll bis 2028 auf 5 Prozent steigen. Für als gefährlich geltende Berufe kommt ein von den Arbeitgebenden zu tragender Zusatzbeitrag in Höhe von 5 Prozent hinzu. Die monatliche Obergrenze für die Beitragsbemessung zur Rentenversicherung ist mit 50 Mindestlohnsätzen definiert. Das entspricht 2026 einem Monatseinkommen von 4,25 Millionen Tenge.
Durch die seit dem 1. Januar 2026 greifende Steuerreform gibt es Änderungen bei der Berechnung der Sozialsteuer. Diese wurde von 11 auf 6 Prozent gesenkt. Gleichzeitig ist die Abgabe an den Sozialversicherungsfonds (SO) in Höhe von 5 Prozent nicht mehr von der Sozialsteuer abzugsfähig. Das kann die Sozialabgabenlast für Unternehmen erhöhen. Die monatliche Obergrenze zur Beitragsbemessung der SO beträgt sieben Mindestlohnsätze. Basierend auf dem Beitragssatz von 5 Prozent entspricht das maximal 29.750 Tenge pro Monat.
Arbeitgebende zahlen seit Juli 2017 für ihre Beschäftigten in die Krankenversicherung ein. Nach mehreren Zwischenschritten erreichten die Beiträge 2022 das endgültige Niveau von 3 Prozent.
| Beitragsart | Satz |
|---|---|
| Rentenversicherung (Arbeitgeberanteil) 2) | 3,5 und 5,0 (nur gefährliche Berufe) |
| Krankenversicherung (Arbeitgeberanteil) 2) | 3 |
| Sonstige Versicherungen (Arbeitgeberanteil) |
|
| Sozialsteuer 3) | 6 |
| Beitrag zum Sozialversicherungsfonds 4) | 5 |
| Arbeitsunfallpflichtversicherung (Arbeitgeberanteil) 5) | zwischen 0,12 und 2,96 |
1 ohne Steuern auf Löhne und sonstige in Kollektivverträgen vereinbarte oder freiwillig gezahlte Gelder für soziale Belange der Arbeitnehmenden; 2 in Prozent vom Bruttolohn; 3 Bemessungsgrundlage ist der Bruttolohn abzüglich des Rentenversicherungs- und Krankenversicherungsbeiträge, mindestens das 14-fache des monatlichen Berechnungsindex; 4 Bemessungsgrundlage ist der Bruttolohn abzüglich des Rentenversicherungsbeitrags, mindestens ein monatlicher Mindestlohn; 5 als Anteil des jährlichen Lohnfonds in der jeweiligen Beschäftigtengruppe; Tarifhöhe abhängig von der Berufsklassifizierung und der Stellenkategorie.