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Personalsuche und Personalmanagement
Internetportale sind die erste Anlaufstelle bei der Stellensuche. Anziehende Lebenshaltungskosten lassen die Gehälter steigen, aber auch die Bereitschaft, den Job zu wechseln.
23.02.2026
Von Viktor Ebel | Almaty
Die jährlich durchgeführte Studie des in Kasachstan tätigen internationalen Personalvermittlers Antal zeigt, dass der kasachische Arbeitsmarkt auch 2025 wieder eine hohe Fluktuation aufgewiesen hat. Jeder fünfte Befragte ist aktiv auf Arbeitssuche. Fast 50 Prozent sind wechselbereit – ein gutes Angebot vorausgesetzt. Eine wichtige Motivation dafür dürften die steigenden Lebenshaltungskosten sein. Mehr als die Hälfte der Befragten erhofft sich von einem Jobwechsel einen Gehaltssprung um 20 bis 50 Prozent. Die tatsächlich erzielbaren Zuwächse fallen jedoch niedriger aus.
Untersuchung zu Trends auf dem Arbeitsmarkt und bei der Vergütung in Kasachstan
In der jährlich erscheinenden Studie des Personalvermittlers Antal International wurden für 2025 die Ergebnisse einer Online-Umfrage unter 1.754 Teilnehmenden ausgewertet, die überwiegend als Fachkräfte sowie im mittleren und oberen Management tätig sind. Die Umfrage fand branchenübergreifend in Almaty, Astana und anderen Städten Kasachstans statt. Interessierte können auf Anfrage detaillierte Informationen und Zahlen bei Antal erhalten.
Ausländische Arbeitgeber bleiben von hoher Fluktuation nicht verschont
Auch internationale Firmen mit Aktivitäten in Kasachstan beobachten eine hohe Fluktuation von Mitarbeitenden. Teilweise wechseln diese noch innerhalb der Einarbeitungszeit die Stelle. Das muss nicht immer mit der Höhe des Gehalts oder dem Umfang sonstiger Leistungen zu tun haben. Oft gehen die Erwartungen von Arbeitgebenden und -nehmenden auseinander, wenn es beispielsweise um selbstständiges Arbeiten geht.
In Kasachstan muss zwischen dem öffentlichen Sektor und der Privatwirtschaft sowie zwischen einheimischen und ausländischen Arbeitgebenden unterschieden werden, sagen Kenner der Region. Das Arbeitsumfeld und die Anforderungen sind hier verschieden, weshalb internationale Firmen beispielsweise gezielt nach Bewerbern mit entsprechenden Erfahrungen Ausschau halten.
Akquise hauptsächlich über Jobportale
Lokale Unternehmen und ausländische Firmen nutzen bei der Personalsuche mittlerweile vorwiegend einschlägige Jobportale. Gleichwohl wird weiterhin aber auch auf professionelle Dienstleistende zurückgegriffen – vor allem bei der Besetzung von Führungspositionen. In Kasachstan sind zahlreiche Personalvermittler tätig. Die AHK Zentralasien unterstützt vornehmlich Firmen aus Deutschland bei der Suche nach Arbeitskräften.
Zu den Stellenbörsen, die Unternehmen wie Jobsuchende in Kasachstan am häufigsten nutzten, zählt HeadHunter. Für die Vermittlung von Stellen im höheren und gehobenen Management wird auch auf das Netzwerk LinkedIn zurückgegriffen.
Zu den häufig genutzten Stellenbörsen im Internet zählen Paragraf Rabota, qyzmet.kz und zarplata.kz. Recht populär ist das staatliche Beschäftigungsportal enbek.kz, ein Projekt des Arbeitsministeriums. Darüber hinaus streut die Jobbörse JobKZ zahlreiche Stellenangebote und -gesuche über verschiedene Social-Media-Kanäle.
Kommunikation der Recruiter erfolgt oft über Messengerdienste
Sobald eine scheinbar infrage kommende Person gesichtet wurde, geht es an die Kontaktaufnahme. Hier unterscheidet sich Kasachstan von Deutschland, denn die Kommunikation mit der Personalabteilung läuft häufig über Messengerdienste wie Telegram oder WhatsApp. Zudem halten Chatbots und Künstliche Intelligenz (KI) Einzug im Personalwesen. Mit diesen digitalen Tools können Bewerbungen aufbereitet und sortiert werden. In dem fluktuierenden kasachischen Arbeitsmarkt werden Chatbots zudem genutzt, um den Bewerberpool über kurze Umfragen per Messengerdienst aktuell zu halten.
Andere wichtige Aspekte neben der Vergütung sind laut der Antal-Umfrage das Aufgabenspektrum, Karriereentwicklung und Work-Life-Balance. Die Identifizierung mit dem Unternehmen sowie das innerbetriebliche Klima sind hingegen weniger wichtig geworden. Das dürfte auch mit der Verbreitung des mobilen Arbeitens zu tun haben. Die meisten Wechselwilligen haben kein Gegenangebot von ihrem Arbeitgebenden erhalten, da diese sie als verloren betrachten. Dass die Firmen hier nicht ganz unrecht haben, zeigt die Befragung: Weniger als die Hälfte der Gegenangebote werden angenommen. Diejenigen, die eines bekommen haben, werden mit Gehaltserhöhungen, einer Beförderung und neuen Aufgaben zum Bleiben motiviert.
Kompensationspakete sind in Kasachstan weit verbreitet, bei internationalen Firmen sogar noch stärker als bei einheimischen. Dazu gehören beispielsweise eine zusätzliche Krankenversicherung für die Angestellten und ihre Familienangehörigen, flexible Arbeitszeiten, ein dienstliches Mobiltelefon, Weiterbildungsmöglichkeiten, extra Urlaubstage und Verpflegungszuschüsse. Die Möglichkeit mobil zu arbeiten, wird auf Seite der Arbeitnehmenden als wichtigster Benefit genannt – Tendenz steigend. Als Modell sind ein bis zwei Tage Arbeiten pro Woche im Homeoffice am häufigsten anzutreffen.
Jede fünfte Person mit Uniabschluss arbeitet fachfremd
Zahlen des Zentrums für Personalentwicklung zeigen, dass etwa jede fünfte Person mit Hochschulabschluss nicht ihrem Studienfach entsprechend tätig ist. Das hat auch damit zu tun, dass viele junge Menschen nicht aus Neigung studieren, sondern aufgrund von familiärem Druck oder weil sie Stipendien für bestimmte Fächer erhalten. Einige sehen in der Selbstständigkeit eine Möglichkeit für einen Neuanfang, andere wechseln in die Handels- und Dienstleistungsbranche.
Hier gilt ein Einstieg als leicht und das Einkommensniveau ist weniger von fachlicher Qualifikation abhängig als beispielsweise in technischen Berufen oder in der öffentlichen Verwaltung. Besonders in größeren Städten stehen viele solcher Quereinsteigende für den Arbeitsmarkt zur Verfügung. In anderen Landesteilen wie im landwirtschaftlich geprägten Süden oder im Westen mit seiner Ölförder- und Verarbeitungsindustrie hat das fachliche Profil der Erwerbsbevölkerung entsprechend andere Schwerpunkte.
Personalverwaltung kann auch ausgelagert werden
Unternehmen, die in Kasachstan ein befristetes Projekt umsetzen und dafür keine juristische Person im Land registrieren wollen, können vom Outstaffing Gebrauch machen. Dabei werden die eigenen Mitarbeitenden oder extern rekrutiertes Personal bei einer in Kasachstan ansässigen Vermittlungsfirma registriert, die sich um administrative Fragen, Vergütung und Steuerangelegenheiten kümmert. Dadurch können sich die Mitarbeitenden schneller ihrer Hauptaufgabe widmen, was gerade bei kurzen Projekten oder komplizierten Entsendebedingungen von Vorteil sein kann.