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Wirtschaftsausblick I Côte d'Ivoire

Côte d'Ivoire mit weiterhin hohem Wachstum

Côte d'Ivoire trotzt den politischen Turbulenzen in Westafrika. Die Aussichten der Wirtschaft bleiben unterm Strich positiv. Es gibt Geschäftschancen für deutsche Unternehmen.

Von Fausi Najjar | Abidjan

Top-Thema: Entspannung bei ECOWAS-Krise 

Im Januar 2024 haben die Militärregierungen Mali, Burkina Faso und Niger ihren Austritt aus der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS (Economic Community of West African States) erklärt und sich zur Allianz der Sahelstaaten AES (Alliance des États du Sahel) zusammengeschlossen. Auch Côte d'Ivoire ist Mitglied der ECOWAS. Die antiwestliche und vor allem gegen Frankreich gerichtete Stoßrichtung der AES ist eindeutig. Die drei Länder suchen eine enge Zusammenarbeit mit Russland und China. 

Nachdem die ECOWAS-Mitglieder im Juni 2023 von einer ursprünglich geplanten Militärintervention gegen Niger abgesehen hatten, haben sie die drei Putschstaaten mit Wirtschaftssanktionen belegt. Im März 2024 haben die verbleibenden ECOWAS-Länder unter der Federführung Nigerias die Sanktionen wieder aufgehoben und einer technischen Zusammenarbeit mit den abtrünnigen Staaten zugestimmt. Damit hat sich die Lage in der Region deutlich entspannt. Der Bau der wichtigen Ölpipeline von den neu erschlossenen Agadem-Ölfeldern Nigers an die Küstenstadt Sèmè-Kpodji in Benin war ohnehin nur kurz ausgesetzt. 

Côte d'Ivoire als Stabilitätsanker

Côte d'Ivoire gilt weiterhin als politisch und wirtschaftlich stabil. Ob jedoch eines der wirtschaftlich prosperierenden Küstenländer Westafrikas wie Ghana, Senegal oder die Elfenbeinküste als wirtschaftlicher Motor für die regionale Entwicklung oder gar Demokratisierung dienen kann, ist spätestens seit der Spaltung der ECOWAS fraglich. 

Seit 2020 gab es in West- und Zentralafrika neun Putsche, die vor allem in den ärmsten Ländern Afrikas erfolgten. Überlange Amtszeiten von Präsidenten führen in einzelnen Mitgliedsländern immer wieder zu Unruhen. Selbst im bislang als demokratisches Bollwerk geltenden Senegal gab es im Zuge der Ankündigung des Präsidenten, die Wahlen zu verschieben, Unruhen. Nicht zuletzt wird die nördlich der Elfenbeinküste gelegene Sahelregion von jihadistischen Aufständen geplagt.  

Wirtschaftsentwicklung: Stabile Währung mindert globale Risiken

Die Elfenbeinküste setzt ihren starken Wachstumskurs fort. Für Optimismus sorgt ein IWF-Kredit vom Mai 2023 über 3,5 Milliarden US-Dollar (US$) und die erfolgreiche Platzierung von Eurobonds im Februar 2024.  Der vom IWF unterstützte nationale Entwicklungsplan 2021 bis 25 (Plan National de Développement, PND) legt den Schwerpunkt auf Infrastrukturinvestitionen, die Verbesserung des Geschäftsumfeldes durch Bürokratieabbau, Bekämpfung der Korruption und Vereinfachung der Körperschaftssteuer. Das Klima für Investitionen gilt als insgesamt gut.

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Ein Grund für das seit Jahren anhaltende starke Wachstum sind höhere Erdölförderraten aus dem jüngst erschlossenen Offshore-Feld Baleine und wachsende Einkommen aus dem Export von Metallen (Gold, Mangan und Nickel). Ausländische Investoren engagieren sich in der Telekommunikation, Bauwirtschaft und Bergbau. Der Kakaosektor, ein wichtiger Wachstumsfaktor, wird von den Rekordpreisen auf dem Weltmarkt wegen hoher Ernteausfälle nur moderat profitieren.

Die positiven Wachstumsaussichten dürfen nicht den Blick für die eher mittelfristig gegebenen Risiken verstellen. Côte d'Ivoire ist mit dem Export von Erdöl, Metallen und agrarischen Rohstoffen einigermaßen diversifiziert aufgestellt. Die Binnenwirtschaft kann aber Schwächephasen im Export kaum abfedern. Die Armutsquote bleibt trotz Fortschritten hoch.

Stabile Währung 

Anders als etwa Ghana und Nigeria ist Côte d'Ivoire von starken Abwertungen und daraus resultierenden hohen Inflationsraten und Finanzierungsschwierigkeiten im Zuge der globalen Zinswende ab März 2022 verschont geblieben. Grund dafür ist der im Land geltende westafrikanische Franc der Währungsunion Communauté Financière Africaine (CFA). Der CFA ist an den Euro gebunden und wird durch die französische Zentralbank gestützt. Richtig dabei ist aber auch, dass der CFA die binnenwirtschaftliche Dynamik und den Aufbau eines Exports von Industriegütern ausbremst und deswegen in der Region als postkoloniales Projekt Frankreichs zunehmend auf Ablehnung stößt. 

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Deutsche Perspektive: Unterschätzte Beteiligungsmöglichkeiten

Mit einem nur kleinen Industriegewerbe und einer geringen Nachfrage bei haltbaren Konsumgütern fällt der Umfang deutscher Exporte trotz Zuwächsen in den Vorjahren weiterhin gering aus. Dennoch bietet das Land Geschäftsmöglichkeiten, beispielsweise im Bereich der Trinkwasserver- und Abwasserentsorgung sowie der Abfallwirtschaft.

Über das Land verteilt sind Wasserprojekte in Höhe von rund 420 Millionen US$ geplant. Außerdem sollen im Großraum Abidjan 2,7 Millionen Einwohner an das Trinkwassernetz angeschlossen werden. Kostenpunkt: 300 Millionen US$. 

Im Straßenbau sind mit Schwerpunkt im Großraum Abidjan Autobahnstrecken, -brücken und -zubringer geplant. Auch ein Schnellbussystem soll die Wirtschaftsmetropole erhalten. Bei hohen Einstrahlungswerten gibt es bei der Solarenergie großes, nur wenig genutztes Ausbaupotenzial. Thema ist außerdem die Energiegewinnung aus Bioabfällen (Anbau von Kakao, Baumwolle, Palmöl). 

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Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten bietet die GTAI-Länderseite, Rubrik "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

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