Wirtschaftsumfeld | China | Auslandsinvestitionen
Mit Rückenwind aus Peking: Chinas Firmen investieren global
China wird in den kommenden Jahren deutlich mehr im Ausland investieren. Deutschland bleibt attraktives Ziel. Das Interesse richtet sich verstärkt auf den Dienstleistungssektor.
20.02.2026
Von Robert Herzner | Hongkong
Chinas Regierung fördert aktiv die Auslandsinvestitionen ihrer Unternehmen. Sinkende Gewinnmargen und Überkapazitäten im Inland veranlassen zudem viele Firmen, ihre Aktivitäten ins Ausland zu verlagern. Diese Expansion betrifft längst nicht mehr nur klassische Branchen wie Elektronik, Maschinenbau oder Automobilwirtschaft, sondern zunehmend auch technologieintensive Dienstleistungen, etwa KI‑Anwendungen und Softwareentwicklung. Deutschland bleibt für chinesische Investoren wichtig, vor allem um den größeren europäischen Binnenmarkt zu erschließen.
Für deutsche Unternehmen steigt damit der Wettbewerb. Gleichzeitig eröffnen die internationalen Aktivitäten chinesischer Firmen auch neue Zulieferchancen auf Drittmärkten – so die Umfrage zum Geschäftsklima der deutschen Auslandshandelskammer (AHK) Greater China vom Dezember 2025.
Regierung will Auslandsinvestitionen besser absichern und unterstützen
Im 15. Fünfjahresplan, der im März 2026 verabschiedet werden soll, befinden sich aller Voraussicht nach Maßnahmen, um chinesische Auslandsinvestitionen zu fördern. Bereits jetzt baut das Handelsministerium (MOFCOM) ein nationales Unterstützungssystem auf, um Auslandsinvestitionen abzusichern und die Expansion zu erleichtern. Dieses umfasst Exportkreditversicherungen, Maßnahmen zum Risikomanagement, verbesserte Cross‑Border‑Settlement‑Services sowie die Stabilisierung des Renminbi Yuan (RMB). In Hongkong startet die GoGlobal Task Force als zentrale Plattform. Das Finanzzentrum bleibt damit ein zentraler Hub für Kapitalzugang, die RMB-Internationalisierung und Börsengänge chinesischer Firmen.
China auf Rang 3 der größten Herkunftsländer für Direktinvestitionen
Laut UNCTAD hielt China im Jahr 2024 bereits einen Anteil von 12 Prozent am globalen Volumen der Direktinvestitionen im Ausland und belegte damit Rang 3 nach den USA und Japan. Im Jahr 2025 legten Chinas angekündigte Transaktionen im Ausland um 18 Prozent zu, berichtet der Think-Tank Rhodium Group in seinem China Cross-Border Monitor (CBM) vom Februar 2026.
Zwar sanken 2024 Chinas Kapitalflüsse in die Europäische Union nach Angaben des chinesischen Handelsministeriums (MOFCOM) um 9,3 Prozent. Auch die Vertretungen der deutschen Wirtschaftsförderungsgesellschaften in China verzeichneten 2025 ein schwächeres Anfragenniveau an Ansiedlungsprojekten im Vergleich zu Vorjahren. Rahmenbedingungen in der EU wie der Net Zero Act oder der EU AI Act sind für viele chinesische Firmen schwierig zu navigieren. Daher expandieren sie lieber in leichter zugängliche Regionen wie ASEAN.
| Hauptzielregionen | Zufluss | Veränderung | Anteil | Bestand | Anteil |
|---|---|---|---|---|---|
| Hongkong (SVR) | 116,1 | 6,8 | 60,4 | 1.920,8 | 61,2 |
| ASEAN | 34,4 | 36,8 | 17,9 | 198,6 | 6,3 |
| EU | 5,9 | -9,3 | 3,1 | 116,9 | 3,7 |
| USA | 6,6 | -4,1 | 3,4 | 90,0 | 2,9 |
| Australien | 1,0 | 73,6 | 0,5 | 34,0 | 1,1 |
Gleichzeitig wirken dieselben EU‑Regulierungen in besonders betroffenen Branchen wie der Elektrofahrzeug-, Batterie- und Umwelttechnologie auch als Investitionsanreiz für chinesische Firmen. Europa könnte außerdem künftig vom Technologiekonflikt zwischen China und den USA profitieren. Eine Geschäftsklimaumfrage von KPMG und der Chinesischen Handelskammer von November 2025 zeigt einen veränderten Fokus chinesischer Unternehmen. Rund 30 Prozent richten ihn stärker auf Deutschland und die EU, da Investitionen in den USA erschwert sind.
Chinesische Unternehmen investieren verstärkt in Deutschland
Von 2019 bis 2024 erfassten die Wirtschaftsfördergesellschaften der Bundesländer und Germany Trade & Invest in der Tendenz steigende Projektzahlen chinesischer Unternehmen für Greenfield-Investitionen (Neugründungen) in Deutschland. Schwerpunkte lagen 2024 bei Elektronik und Automatisierung (25 Prozent), gefolgt von Energie- und Rohstoffen (21 Prozent) sowie Mobilität und Logistik (19 Prozent).
Nach Geschäftsaktivitäten dominieren Vertrieb und Marketing (51 Prozent). Dabei betont Luise Chen, Managing Director der chinesischen Einzelhandelskette Miniso in Deutschland, dass eine nachhaltige Entwicklung und Vertrauensaufbau im deutschen Markt entscheidend sei, insbesondere im Umgang mit dem Endkunden (B2C):
Einen weiteren Schwerpunkt bilden Investitionen in Forschung und Entwicklung, sowie die verarbeitende Industrie, die auch im Rahmen der Belt and Road-Initiative (BRI) an Bedeutung gewinnen. Um ihre Lieferketten zu diversifizieren, investieren chinesische Firmen in den Aufbau von Produktionskapazitäten im Ausland. Darauf weist Tobias Frieser hin, Präsident des Deutschland‑Chapters der Chinese European Business Association.
Auch der Einzelhandel wird wichtiger. Dies gilt sowohl für Neugründungen wie Popmart als auch für Mergers & Acquisitions (M&A). Die 2,5‑Milliarden US$ schwere Übernahme von Ceconomy (MediaMarkt/Saturn) durch JD.com macht Deutschland zum führenden M&A‑Standort chinesischer Unternehmen nach den USA. Das gesamte M&A-Volumen in Deutschland betrug 2025 rund 5 Milliarden US$, was einem Anstieg von 195 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht, so eine Analyse der Wirtschaftsprüfer EY vom Februar 2026. In den kommenden Jahren werden chinesische Investitionen voraussichtlich stärker technologieintensive Dienstleistungen umfassen, etwa KI-Anwendungen und Softwareentwicklung. Die zunehmende CO₂‑Transformation führt zu verstärkten Investitionen in erneuerbare Energien und Speichertechnologien.
Bestand chinesischer Investitionen noch gering
Trotz wachsender Kapitalflüsse bleiben chinesische Investitionen in Deutschland auf einem niedrigen Niveau. Dies gilt insbesondere im Vergleich zu US‑amerikanischen Investoren. Laut Deutscher Bundesbank betrug der Bestand chinesischer Direktinvestitionen in Deutschland (inklusive der aus Hongkong) im Jahr 2023 circa 11 Milliarden Euro. Der Bestand US‑amerikanischer Direktinvestitionen lag bei 164 Milliarden Euro.
Laut dem Informationsnetzwerk DDW befanden sich im September 2025 von insgesamt 7.861 deutschen Unternehmen in ausländischem Besitz 264 in chinesischem Eigentum. Das entspricht einem Anteil von 3 Prozent. Rund 77 Prozent dieser Unternehmen sind Industriebetriebe, insbesondere aus dem Maschinenbau und der Automobilzulieferindustrie. Mit einem Umsatz von etwa 55 Milliarden Euro liegen sie jedoch deutlich unter dem Niveau US-amerikanischer Beteiligungen (333 Milliarden Euro).