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E-Mobility
Elektromobilität ist in China Mainstream. Doch der Preiskampf ist ruinös, der Binnenabsatz bricht ein. Wer kann, verkauft und investiert im Ausland.
17.07.2026
China dominiert die weltweite Produktion von Elektrofahrzeugen mit einem Anteil von rund 70 Prozent (2025). In China selbst sind Elektroautos Mainstream geworden: Ihr Anteil an den Neuverkäufen lag in den ersten fünf Monaten 2026 laut China Association of Automobile Manufacturers (CAAM) bei 48,7 Prozent. Im Pkw-Segment erreichte der Anteil 52,8 Prozent, im Nutzfahrzeugbereich 28,2 Prozent.
Überkapazitäten und aggressiver Preiskampf
Das NEV-Segment leidet unter Überkapazitäten, hartem Preiswettbewerb und Kaufzurückhaltung. Der Konsolidierungsdruck wächst. Von den Start-ups dürften nur die überleben, die eigenes Know-how bei Softwaredesign oder Batterietechnologie haben und ausreichend Kapital einwerben können.
Entsprechend wird der NEV-Sektor im 15. Fünfjahresprogramm 2026 bis 2030 nicht mehr gezielt als strategische Industrie subventioniert. Der Fokus verlagert sich auf autonom fahrende sowie vernetzte NEV mit smartem Cockpit und digitalen Diensten. Ein Fünfjahresplan für die Intelligent Connected NEV-Industrie 2026 bis 2030 ist in Vorbereitung.
Ebenfalls zielt die Regierung im 15. Fünfjahresprogramm auf eine flächendeckende Ladeinfrastruktur in den Städten, Ladesäulen entlang der Fernstraßen und den punktuellen Ausbau auf dem Land. Dabei sollen mehr Schnellladeeinrichtungen gebaut und auch Anwendungsszenarien für Batteriewechselstationen geprüft werden. Ende 2025 gab es in China knapp 20 Millionen Ladepunkte für Elektrofahrzeuge. Rund drei Viertel davon entfielen auf private Anlagen. Gegenüber dem Vorjahr stieg der Gesamtbestand an Ladepunkten um rund 50 Prozent.
NEV im Mainstream und der Absatz sinkt
Die Ölknappheit nach dem US-Angriff auf den Iran und infolgedessen gestiegene Benzinpreise haben den Rückgang der NEV-Verkäufe in den ersten fünf Monaten 2026 gebremst. NEV sind die bevorzugte Wahl vieler Pkw-Käufer, die jedoch häufig weitere Preissenkungen erwarten und daher Neuanschaffungen verschieben. Insgesamt sank der NEV-Binnenabsatz Januar bis Mai 2026 um 16,5 Prozent. Zugleich steigt der Einsatz von NEV im Nutzfahrzeugbereich, etwa bei Baufahrzeugen und in der Landwirtschaft. Im Mai 2026 wurden dort rund 58 Prozent mehr NEV verkauft als im Vorjahresmonat. Dabei kommen zunehmend Wechselbatterien zum Einsatz. Insgesamt stellten NEV Ende 2025 rund zwölf Prozent des Fahrzeugbestands Chinas.
| Kategorie | Absatz 2025 | Veränderung 2025/2024 | Veränderung Jan-Mai 2026/2025 |
|---|---|---|---|
| NEV gesamt, darunter: | 16.490 | 28,2 | 3,5 |
| Pkw | 15.537 | 26,4 | 1,8 |
| Nfz | 954 | 65,5 | 30,6 |
| NEV gesamt, darunter: | 16.490 | 28,2 | 3,5 |
| Reine Elektrofahrzeuge | 10.622 | 37,6 | 8,1 |
| Plug-in-Hybride | 5.861 | 14,0 | -4,6 |
| Brennstoffzellen-Fahrzeuge | 8 | 52,9 | -43,7 |
Top 10 Pkw-Modelle fahren alle elektrisch
Erstmal waren im Mai 2026 alle zehn meistverkauften Pkw-Modelle NEV, wie CNEVPost berichtete. An der Spitze lag der Xingyuan von Geely vor Teslas Model Y und dem SU7 von Xiaomi. Acht der zehn Top-Modelle waren rein batterieelektrische Fahrzeuge.
Im Vergleich zum Gesamtautomobilmarkt ist das NEV-Segment stärker konzentriert. Hier sorgen in den ersten fünf Monaten 2026 die drei Erstplatzierten für 47,3 Prozent des Absatzes, während die drei Erstplatzierten des Gesamtmarktes nur auf einen Anteil von 36,1 Prozent kommen. Dies liegt vor allem am Shenzhener Elektroautohersteller BYD, der in diesem Zeitraum allein 1,4 Millionen Elektroautos verkauft hat. Allerdings kämpft er seit mehreren Monaten mit sinkendem Absatz. Geely, im NEV-Segment auf Platz 2, kommt nur auf 784.000 Autos.
| NEV-Hersteller*) | Marktanteil 2025 | Marktanteil Jan-Mai 2026 |
|---|---|---|
| BYD | 27,9 | 24,2 |
| Geely | 12,6 | 13,5 |
| SAIC | 9,4 | 9,6 |
| ChangAn | 6,7 | 5,5 |
| DongFeng | 6,4 | 6,9 |
| Chery | 5,5 | 6,2 |
| Tesla | 5,2 | 6,5 |
| Leapmotor | 3,6 | 4,5 |
| FAW | 2,7 | 6,4 |
| GAC | 2,7 | 3,5 |
Unter den zehn absatzstärksten NEV-Herstellern der ersten fünf Monate 2026 finden sich nur zwei Start-ups: Li Auto und Leapmotor. An letzterem hält Stellantis 20 Prozent und hat mit ihm ein Joint Venture für den Vertrieb in Europa gegründet. NIO, Xiaomi und XPeng haben es in die Top 15 geschafft. Das Ranking zeigt den Druck auf chinesische NEV-Start-ups.
Deutsche Autobauer spielen im NEV-Segment bislang keine Rolle. Mit neuen Modellen und lokalen Innovationskooperationen wollen sie aufholen. Dabei steigen die Ansprüche der Kunden an smarte Cockpits und digitale Dienste rasch. Hinzu kommt ein hohe Preisdruck.
Export als Ausweg
Für chinesische NEV-Hersteller wird Erfolg und Profitabilität im Ausland immer wichtiger. Der Binnenabsatz sinkt, während die Exporte stark wachsen. Bereits 2025 wurden mit rund 2,6 Millionen NEV mehr als doppelt so viel NEV wie im Vorjahr exportiert. In den ersten fünf Monaten 2026 erreichte die Ausfuhr bereits 1,8 Millionen NEV. Das bedeutet eine Verdopplung des Exportanteils im NEV-Segment gegenüber 2025 auf 31,4 Prozent.
In den ersten vier Monaten 2026 gehörten erstmals auch Deutschland und Italien neben Belgien und England zu den zehn wichtigsten Auslandsmärkten für Elektro-Pkw aus China. Das berichtet die China Passenger Car Association (CPCA). Seit November 2024 setzt die EU wegen wettbewerbsverzerrender Subventionen zusätzliche firmenspezifische Sonderzölle von bis zu 35,5 Prozent auf reine Elektroautos (BEV) um. Weitere Zölle auf Plug-in-Hybride werden derzeit diskutiert. Hersteller wie BYD und Chery nutzen dieses Segment bislang, um Sonderzölle auf BEV zu umgehen.
Ausfuhr | Veränderung | |
|---|---|---|
| Belgien | 285 | 8 |
| Vereinigtes Königreich | 231 | 94 |
| Mexiko | 221 | 175 |
| Brasilien | 201 | 32 |
| Philippinen | 201 | 75 |
| VAE | 192 | 149 |
| Thailand | 152 | 30 |
| Australien | 146 | 94 |
| Indonesien | 127 | 138 |
| Indien | 103 | 32 |
Chinas Elektroautobauer und Zulieferer investieren im Ausland
Strafzölle sind jedoch keine nachhaltige Strategie. Chinesische NEV-Hersteller und Zulieferer wie CATL oder Gotion investieren massiv in Produktionsstätten außerhalb Chinas – auch in Europa. BYD betreibt bereits Werke in Thailand, Brasilien und Ungarn. Ein geplantes Werk in der Türkei liegt laut Reuters derzeit auf Eis. Stattdessen sucht BYD nun nach einem Werk zur Übernahme in Südeuropa. Auch XPeng hat Gespräche zur Übernahme von Autowerken in Europa bestätigt. Gleichzeitig folgen immer mehr NEV-Zulieferer ihren chinesischen OEMs ins Ausland.
"Going Global" ist ein wichtiger Bestandteil des 15. Fünfjahresprogramms 2026 bis 2030 und wird von der Regierung gefördert. Bis 2030 sollen im Ausland 10 Millionen Autos verkauft werden - inklusive NEV - und davon sollen rund 40 Prozent außerhalb von China produziert werden. Deutschland ist weniger als Fertigungsstandort gefragt, sondern vor allem für Forschung, Design und Entwicklung. Leapmotor und Xiaomi eröffneten im Frühjahr 2026 jeweils Forschungs- und Entwicklungszentren in München. Mittlerweile gibt es dort rund ein Dutzend Design- und Entwicklungszentren chinesischer Autobauer.