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Branchen | China | Fleischproduktion

Chinas Fleischindustrie muss sich neu ausrichten

Die Fleischproduktion in China muss effizienter, moderner und nachhaltiger werden. Es bestehen Chancen für deutsche Zulieferer - vor allem, wenn sie lokal aufgestellt sind. 

Von Robert Herzner | Hongkong

China ist nicht nur der größte Fleischmarkt, sondern auch der größte Fleischproduzent. Weite Bereiche der Wertschöpfungskette stellen sich lokaler auf. Nach dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest 2020 erfolgten umfangreiche Einfuhrverbote von Fleisch, für deutsche Unternehmen bestehen Geschäftschancen vor allem in der Zulieferung für lokale Produktionsbetriebe.

Fleischproduktion in Chinain Millionen Tonnen*
Nahrungsmittel20202022Veränderung in Prozent
Fleisch gesamt, darunter:77,592,319,1
 Schweinefleisch41,155,434,8
 Geflügel24,724,4-1,2
* erfasst sind Unternehmen mit einem Jahresmindestumsatz von 3 Millionen US$.Quelle: Nationales Statistikamt NBS 2023

Konglomerate statt Kleinbauern

Die Schweinefleischindustrie befindet sich seit dem Eindämmen der Schweinepest im Aufschwung. Die staatlichen Anforderungen an Hygeniebedingungen in den Ställen und das Tierwohl sind gestiegen. Dies erhöht die finanziellen Belastungen für die unter hohem Wettbewerbsdruck stehenden Unternehmen. Hinzu kommen Überkapazitäten. In der bisher stark fragmentierten Fleischindustrie setzen sich daher nun zunehmend Großunternehmen durch. 

Die Top 20 Produzenten decken bereits etwa 25 Prozent der gesamten Schweinefleischproduktion des Landes ab. Industrieexperten gehen von einer weiteren Konsolidierung aus, sodass sich ihr Marktanteil in den kommenden fünf Jahren auf 50 Prozent verdoppeln wird. 

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Insgesamt sind mehr als 500.000 Unternehmen in der Fleischproduktion, -verarbeitung und -verteilung in China tätig. Diese produzierten 2022 rund 92 Millionen Tonnen Fleisch. Konglomerate wie die WH Group, Muyuan Foods und New Hope Group decken die komplette Wertschöpfungskette von Futter, Schweinezucht, Schlachtung bis hin zur Verarbeitung eigener Fleischprodukte ab. 

Ausländische Konzerne arbeiten in der chinesischen Fleischindustrie zumeist mittels Joint Ventures oder Firmenübernahmen, um die Lieferketten möglichst lokal aufzustellen. Diese Fleischkonzerne stammen hauptsächlich aus den USA und Australien, deutsche Hersteller sind nicht bekannt. In verschiedenen Regionen sind deutsche Metzger und Spezialbetriebe vertreten, die nur in China Fleischwaren für den gehobenen Markt herstellen.  

Tierbestand erholt sich nach Schweinepest

Mit dem Ausbruch der  Afrikanischen Schweinepest in China ging der Bestand 2019 auf 310 Millionen Tiere zurück, im Jahr 2022 wurde mit 452 Millionen Tiere wieder das Vorkrisenniveau erreicht. Dies entspricht etwa 58 Prozent des globalen Schweinebestandes. Die Anzahl der Schafe und Ziegen erhöhte sich seit 2012 um 40 Millionen auf 326 Millionen im Jahr 2022. Bei Rindern belief sich Ende 2022 der nationale Bestand auf 102 Millionen, was einem Anstieg von 4 Millionen oder 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. 

In der Schweinezucht entfallen etwa 65 bis 75 Prozent der Kosten auf Futter, das zu einem signifikanten Anteil importiert werden muss. Geschäftsmöglichkeiten bestehen bei Futterzusatzstoffen wie Vitaminen und Mineralien, wo höhere Margen bestehen. Eine Abhängigkeit von Importen besteht noch bei Schweinen sowie Tier-Pharmazeutika. Chinesische Unternehmen haben noch kein eigenes Zuchtsystem etabliert, entsprechend müssen sie Schweinesperma und Zuchttiere importieren und die Besamung umsetzen, ein führendes Unternehmen ist hier der britische Konzern Pig Improvement Company. 

Futtermittel effizienter einsetzen

Um unabhängiger von führenden Getreideherstellern wie den USA, Australien und der Ukraine zu werden, will China selbst mehr Nahrungsmittel produzieren. Hierzu bedarf es moderner Agrarmaschinen sowie Ausrüstung für Tierzuchtbetriebe. Dazu gehört auch die effizientere Verteilung des Futters an die Tiere. 

Das bayrische Unternehmen Sano ist bereits seit 2009 mit einer Fabrik für Futterpremix für Schweine und Rinder in China vertreten. Die Rohstoffe werden fast ausschließlich in China bezogen und Zusatzstoffe zur Weiterverarbeitung aus Deutschland importiert. Die Kunden des deutschen Familienunternehmens sind chinesische Mittelständler. Demgegenüber stehen 20 Großunternehmen, die etwa 30 Prozent Marktanteil an der Tierzucht halten und zumeist über eine umfassende Wertschöpfungskette verfügen und eigene Futtermittel produzieren. In dem sich kontinuierlich weiterentwickelndem Markt behaupten sich ausländische Unternehmen mit innovativen Produkten zur Fütterung wie Nahrungsergänzungsmittel und Milchaustauscher. 

Ställe müssen nachhaltig umgerüstet werden

Zu einer nachhaltigen Viehzucht bestehen sowohl für den Neubau von Anlagen als auch zur Modernisierung Anforderungen an die Ausrüstung und Gebäude. Fortschritte beim Tierwohl sind bei Geflügel, insbesondere bei Hühnereiern zu verzeichnen, da Käfighaltung abgeschafft wird. Dazu müssen die Zuchtbetriebe in moderne Anlagen investieren. Die Ausrüstungen für Aufbereitung von Gülle oder Lüftungsanlagen ebenso wie Zuchtanlagen beziehen die Betriebe ganz überwiegend von lokalen Herstellern. Vertreter deutscher Zulieferer schätzen, dass etwa 80 Prozent der Ausrüstung aus lokaler Produktion stammt. 

Die staatlichen Anforderungen für Umweltschutz bei Tierzuchtanlagen stellen insbesondere Kleinbetriebe vor große Herausforderungen, die nicht über die finanziellen Möglichkeiten verfügen. Sie müssen Vorschriften zu Gülle wie deren Nutzung für Biogas oder Aufbereitung zur Entsorgung umsetzen. Ferner sind die Anlagen von Wohnanlagen zu trennen. In vielen Dörfern befinden sich die Schweineställe noch in unmittelbarer Nähe zu den Bauernhöfen in den Siedlungen. 

Neuer Rechtsrahmen für besseren Umweltschutz in der Tierhaltung

Weitere Informationen unter www.gtai.de/recht 

Ein Beispiel für Kreislaufwirtschaft ist eine Molkerei der China Modern Dairy mit 40.000 Kühen in der Provinz Hefei, bei der die Gülle unterirdisch in die Biogasanlage geleitet wird, welche ausreichend Strom für den Betrieb generiert.

Die Transformation hin zur klima- und umweltfreundlichen Tierhaltung in China unterstützt ein Projekt des Bundesministeriums für Landwirtschaft zum Aufbau eines Kompetenznetzwerks. Bis Ende 2024 läuft die aktuell dritte Projektphase, in der beispielsweise ein überbetriebliches Tierkennzeichnungssystem und neue Haltungssysteme für Kälber und Jungvieh entwickelt werden sollen. 

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