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Von Müllverbrennung hin zur Kreislaufwirtschaft

Chinas Abfallbranche im Umbruch: Müllverbrennung ist immer weniger profitabel, smarte Ressourcenrückgewinnung rückt in den Fokus. Bieten Kooperationen Chancen?

Von Corinne Abele | Shanghai

Ausblick der Abfallwirtschaft in China

 

  • Kreislaufwirtschaft ist fester Bestandteil des 15. Fünfjahresplans 2026 bis 2030.
  • Stärkerer Fokus auf Ressourcenrückgewinnung schafft neue Geschäftsmodelle.
  • Smartisierung der Kreislaufwirtschaft erhöht Effizienz.
  • Umwelttechnik bleibt Exportstärke und Ansatzpunkt für strategische Partnerschaften.
  • Preiswettbewerb und fragmentierte Märkte belasten Profitabilität.

Anmerkung: Einschätzung von GTAI Shanghai für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: April 2026

 

  • Chinas Abfallwirtschaft wird zunehmend als Teil der Kreislaufwirtschaft verstanden, der Rechtsrahmen wird umfassender. Dabei plagen Müllverbrennungsüberkapazitäten den Markt.

    Chinas Abfall- und Kreislaufwirtschaft hat sich in den vergangenen Jahren stark entwickelt. In den nächsten Jahren wird sie sich weiter entwickeln und durch Automatisierung und Künstliche Intelligenz effizienter. Für ausländische Akteure bleibt der Bereich schwierig: Zum einen hat sich eine starke chinesische Konkurrenz entwickelt, zum anderen sind bei der Müllverbrennung Überkapazitäten entstanden, die die Profitabilität erschweren. 

    Abfallwirtschaft als Ressourcenwirtschaft

    China setzt im 15. Fünfjahresplan 2026 bis 2030 klare Zeichen in Richtung Kreislaufwirtschaft und Dekarbonisierung. "Grüne Transformation" ist fester Bestandteil des Konzepts „New Qualitive Productive Forces“, das die Smartisierung, Modernisierung und Dekarbonisierung neuer, aber auch traditioneller Industrien vorsieht. 

    Rund die Hälfte

    der weltweiten Waste-to-Energy-Kapazitäten stellt China mit knapp über 1.100 Müllverbrennungsanlagen, berichtet die Online-Plattform energie.de.

    Ferner stärkt das im März 2026 erlassene Umweltgesetzbuch unter anderem die Herstellerverantwortung bei den drei "neuen" Abfallarten Elektrofahrzeuge, Lithium-Ionen-Batterien und Photovoltaikprodukte. 

    Außerdem sieht das 13. Kapitel des 15. Fünfjahresprogramms 2026 bis 2030 Regelungen für eine deutlich verschärfte Steuerung und Kontrolle im Abfall‑ und Schadstoffbereich vor, insbesondere in ökologisch sensiblen Regionen. Systematisch sollen künftig Umwelt‑ und Risikogefahren an Phosphorgips‑Lagerstätten im Einzugsgebiet des Jangtse-Flusses überprüft und reguliert werden. Ebenfalls soll der die Infrastruktur für Bauabfälle bei Sammlung, Zwischenlagerung, Verwertung und Entsorgung modernisiert werden.

    Geplante Maßnahmen des 15. Fünfjahresplans im Abfallbereich
    KategorieMaßnahmen
    Feste AbfälleFörderung der Identifizierung und Behebung von Umweltrisiken durch Phosphorgips-Lagerstätten im Einzugsgebiet des Jangtse-Flusses. Bau und Sanierung von Anlagen zur Behandlung von Bauschutt. Modernisierung und Umbau von Einrichtungen zur getrennten Sammlung und zum Umschlag von städtischem Hausmüll; Abfalltransportkapazität von 750.000 Tonnen pro Tag.
    Gefährliche AbfälleFörderung der Sanierung und Verbesserung von nicht konformen Deponien für gefährliche Abfälle sowie der umfassenden Stilllegung beziehungsweise Sanierung stillgelegter Deponien für gefährliche Abfälle. Durchführung einer systematischen Sanierung von Schwermetall- und Bergbauabfallgebieten in der Talsperren-Region Danjiangkou sowie in Gebieten des Flussoberlaufs sowie Umsetzung einer Reihe von Projekten zur Beseitigung von Umweltrisiken durch historisch belastete Bergbaustandorte mit Schwermetallen.
    Quelle: Chinas 15. Fünfjahresplan 2026 bis 2030

    Erhöhte Kontrolle für alte Deponien und neue Schadstoffe

    Darüber hinaus ist beabsichtigt, Einrichtungen zur Müllsammlung und -trennung sowie Umladung städtischer Hausabfällen zu modernisieren. Stärkere Überwachung ist für gefährliche Abfälle vorgesehen. So sollen nicht normgerechte Deponien saniert und Sonderabfalllagerstätten, die nicht mehr den vorgeschriebenen Normen entsprechen, geschlossen werden. Auch neue Schadstoffe, für die bislang wenig Erfahrungen vorliegen, adressiert das 15. Fünfjahresprogramm. So soll im Rahmen von Pilotprojekten und dem Aufbau technischer Zentren ein modernes Managementsystem für neue Schadstoffe aufgebaut werden. 

    Entwicklung des Abfallsektors in ChinaVolumen in Millionen Tonnen; Quote und Veränderung zum Vorjahr in Prozent
     

    2021

    2022

    2023

    2024

    Veränderung

    Städtische Siedlungsabfälle

    249 

    244 

    254 

    260 

    2,2

    Beseitigungsquote

    99,9

    99,9

    100,0

    100,0

    0,0

    Allgemeine Industrieabfälle

    3.970 

    4.110 

    4.270 

    4.400 

    3,0

    Verwertungs- und Beseitigungsquote

    79,6 

    79,3 

    79,9 

    78,4 

    -1,8

    Gefährliche Industrieabfälle

    87 

    95 

    105 

    120 

    13,8

    Verwertungs- und Beseitigungsquote

    97,8 

    99,3 

    99,6 

    98,3 

    -1,3

    Quelle: National Bureau of Statistics of China (NBS); „China Environment Bulletin“ vom Ministerium für Ökologie und Umwelt (MEE) der Volksrepublik China

    Mehr als Energiegewinnung aus Abfall

    Obwohl sich Müllverbrennung als vorrangige Behandlungsart für Hausmüll und festen unproblematischen Industriemüll durchgesetzt hat, rückt die reine Energiegewinnung in den Hintergrund. Stattdessen gewinnt die Ressourcenrückgewinnung an Bedeutung. Wie wichtig das Thema Recycling und Ressourcenverwertung mittlerweile ist, hat im April 2026 auch die Umweltmesse IE-Expo in Shanghai mit über 2.400 Ausstellern und mehr als 100.000 Besuchern deutlich gemacht.

    Abfall- und Kreislaufwirtschaft sind in China Teil der Überlegungen, sichere Liefer- und Wertschöpfungsketten im Land aufzubauen und auf ein nachhaltiges Fundament zu stellen. Allerdings haben vorhandene Überkapazitäten bei der Müllverbrennung für deutlichen Preisverfall gesorgt; profitabel zu sein und zu bleiben, wird immer schwieriger. 

    Die chinesische Regierung unterstützt gezielt technologische Entwicklungen, die eine effizientere und umweltfreundlichere Abfallbehandlung ermöglichen sollen. Während des letzten 14. Fünfjahresplans 2021 bis 2025 sollen laut Wang Dongming, Vize-Vorsitzender des Ständigen Ausschusses des Volkskongresses gegenüber der lokalen Presse Ende 2025, allein mehr als 117 Milliarden Renminbi Yuan (RMB; rund knapp 15 Milliarden Euro) an Unterstützungszahlungen in den Bereich Ressourcenrückgewinnung geflossen sein.  

    Zur Modernisierung des Sektors tragen schrittweise auch KI-basierte Sortiersysteme und innovative Hochtemperatur-Mitverbrennungstechnologien bei. Ebenfalls ist die schadstoffarme Verbrennung (Super-clean Combustion) ein Thema. Dabei soll bei Verbrennung ein fast vollständiger Dioxin-Abbau stattfinden. Allerdings gibt es hier bislang nur wenige Pilotprojekte. 

    Automatisierte Systeme können die Energieeffizienz um 4 bis 5 Prozent steigern, während KI-Prozesse Verbrennungsstabilität, Luftstrom und Emissionskontrolle optimieren. Pilotprojekte wie in Shenzhen oder Peking sollen hier Anstöße geben. Bereits im August 2024 veröffentlichte das Sekretariat des Büros der Zentralen Kommission für Cybersicherheit und Informatisierung einen Leitfaden zur koordinierten Transformation hin zu Digitalisierung und Ökologisierung. Als industrielle Schwerpunktbereiche nennt der Leitfaden: Stromversorgung, Bergbau, Metallurgie, Petrochemie, Verkehr, Bauwesen, Städte, Landwirtschaft und Ökologie.

    Hinzu kommen Maßnahmen zur Förderung der Kreislaufwirtschaft im Rahmen von Producer-Responsibility-Modellen beispielsweise im Bereich Elektronikschrott oder Autobatterien. Aber auch die Herstellung klimafreundlicher Baustoffe aus Schlacke sowie Projekte wie die "Zero-Waste-Städte", deren Zahl im Zeitraum des 15 .Fünfjahresprogramms auf 200 steigen soll, treiben CO₂-Reduktionsziele voran. Die Regierung gibt die Richtung vor – jedoch sind diese Technologien noch weit vom Mainstream in China entfernt. 

    Batterierecycling auf dem Vormarsch

    Ein Beispiel dafür, wie gezielte Regulierung einen Sektor vorantreiben kann, ist der Bereich Batterierecycling. Seit 2018 sorgt ein nationaler Traceability-Code (Rückverfolgbarkeitscode) für Transparenz entlang des gesamten Lebenszyklus von Autobatterien. Mit der Überarbeitung der Industriespezifikationen im Dezember 2024 stieg die Lithiumrückgewinnungsquote von 85 Prozent auf 90 Prozent. Ein Maßnahmenplan aus dem Jahr 2025 zielt nun auf die Verbesserung des Recycling-Ökosystems. Ab dem 1. April 2026 tritt zudem ein durchgängiges Regulierungsregime in Kraft, das sämtliche Lebenszyklusphasen von Batterien gesetzlich abdeckt. 

    Auch im Bereich der gefährlichen Abfälle (hazardous waste) passt die Regierung Regulierungen kontinuierlich an. So erklärte sie 2026 allein fünf Stoffe neu zu nicht gefährlichen Abfällen. Dadurch erleichtert sich deren industrielle Wiederverwertung und wird gleichzeitig kostengünstiger.

    Ausgewählte Investitionsprojekte der Abfallwirtschaft Chinas im In- und AuslandInvestitionen in Millionen US-Dollar
    Projekt

    Investition*) 

    Stand

    Produktionskapazität pro Jahr
    Integriertes Zentrum zur Verwertung organischer Abfälle von Shenzhen Lions King Environment (Tongzhou, Stadtbezirk Pekings)

    246

    Teilweise Fertigstellung einzelner Gebäude am 14.02.2026; voraussichtliche Fertigstellung und Aufnahme des Probebetriebs in der 2. Jahreshälfte 2026.

    BOT-Modell mit 40-jähriger Konzession. 

    400 Tonnen Lebensmittelabfälle, 700 Tonnen Küchenabfälle, 700 Tonnen Fäkalien und 300 Tonnen Altfett pro Tag.

    Projekt zur Stromerzeugung durch Verbrennung von Siedlungsabfällen von SUS Environment (Ezhou, Provinz Hubei)

    116

    Baubeginn:16.01.2026

    BOT-Modell mit einer 40-jährigen Konzession. 

    Phase I: Verbrennungsanlage für Siedlungsabfälle mit einer Verarbeitungskapazität von 600 Tonnen pro Tag; Phase II: Verarbeitungskapazität von zusätzlich 600 Tonnen pro Tag.

    Projekt zur Stromerzeugung aus der Verbrennung von Siedlungsabfällen von Wangneng Environment (Buchara, Usbekistan)

    173

    Ankündigung des Investitionsbeschlusses des Vorstands am 04.02.2026

    BOT-Modell mit einer 32-jährigen Konzession. 

    Tägliche Verarbeitungskapazität: 1.500 Tonnen. Installierte Stromerzeugungskapazität: 50 Megawatt.

    Projekt zur Stromerzeugung aus der Verbrennung fester Abfälle von Wangneng Environment (Thai Nghi, Vietnam)

    k.A.

    Baubeginn: 28.06.2025

    BOT-Modell mit einer 49-jährigen Konzession. 

    Tägliche Verarbeitungskapazität: 600 Tonnen. Installierte Stromerzeugungskapazität: 15 Megawatt, mit einer jährlichen Ökostromerzeugung von etwa 120 Mio. kWh. 

    Erweiterungsprojekt zur Stromerzeugung durch Abfallverbrennung (Phase II) von China Tianying (Hanoi, Vietnam)

    220

    Ankündigung der Genehmigung durch die vietnamesischen Behörden am 25.02.2026Bestehende Kapazität: 4.000 Tonnen pro Tag;
    Erweiterung der Kapazität um 1.600 Tonnen pro Tag.
    Projekt zur integrierten Verwertung von Altbatterien von Guangdong Jinsheng New Energy (Huanggang, Provinz Hubei)

    1488

    Projektunterzeichnungszeremonie am 08.05.2025Jährliche Verarbeitung von 400.000 Tonnen Altbatterien mit Rückgewinnung und Wiederverwendung von Lithium, Phosphor, Eisen usw.
    * Umrechnung zum Monatsendkurs März 2026 der Deutschen Bundesbank: 1 US-Dollar = 6,9194 Renminbi Yuan. Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

    Von Corinne Abele | Shanghai

  • Chinas lokale Abfall- und Recyclingbranche lässt immer weniger Raum für ausländische Anbieter, drängt aber selbst auf die globalen Märkte. Neue Geschäftsmodelle sind gefragt.

    Chinas Branche für Abfall- und Kreislaufwirtschaft hat sich in den vergangenen Jahren insgesamt zwar deutlich professionalisiert, jedoch mit sehr großen regionalen Unterschieden. Als führend gelten, sowohl was Regulierung als auch Marktakteure angeht, die großen Städte wie Shanghai, Beijing oder Shenzhen. Je weiter man sich von diesen entfernt, desto „laxer“ werden Vorschriften gesetzt und eingehalten, desto fragmentierter wird der Markt. Nach wie vor machen Abfallströme an Provinz- und Stadtgrenzen Halt: So können laut Stimmen aus der Branche, zwar Müllmengen aus Shanghai in die umliegenden Provinzen transportiert, aber nicht von dort eingeführt werden. 

    Überkapazitäten bei der Müllverbrennung drücken Preise

    Bereits seit 2020 wird in China der meiste Hausmüll verbrannt, nicht mehr deponiert. China hat diese Ablösung durch einen massiven Ausbau der Kapazitäten von Müllverbrennungsanlagen vorbereitet: Sie stieg von täglich 238.000 Tonnen im Jahr 2016 innerhalb von zehn Jahren auf über 1,1 Millionen Tonnen täglich – und damit mehr als das anfallende Abfallvolumen. China verfügt 2026 mit knapp über 1.100 Müllverbrennungsanlagen in Betrieb und einer Leistung von 27.000 Megawatt (MW) allein über rund die Hälfte der weltweiten Waste-to-Energy-Kapazitäten. In China dürften im Jahr 2025 rund 320 Millionen Tonnen städtischer Abfälle angefallen sein, wobei die schadlose Behandlungsquote – das heißt Verbrennung und/oder Deponierung - bereits über 99,5 Prozent erreicht.

    Aufgrund der vorhandenen Überkapazitäten, können jedoch viele Müllverbrennungsanlagen nicht ausreichend bestückt werden. Eine Anlage profitabel zu betreiben ist schwierig. Auf der IE Expo im April 2026 in Shanghai war daher vor allem von kleineren privaten Ausstellern zu hören, wie schwierig es sei, profitabel zu wirtschaften. Der Markt habe sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. „Private Firmen sind zunehmend von staatlich-kontrollierten verdrängt worden“, erläuterte ein Fachmann aus der Branche. Auch im Bereich Recycling industrieller Wertstoffe wie Metall oder Elektronikschrott sowie bei der Behandlung von Sondermüll sind die Margen gering geworden. Die Branche, so war immer wieder auf der IE Expo zu hören, stehe unter Druck. 

    Ausgewählte Unternehmen der Abfall- und Kreislaufwirtschaft in ChinaUmsatz in Millionen US-Dollar

    Unternehmen

    Sparte

    Umsatz1) 2025 

    China Tianying2) feste Abfälle

    552

    Zheneng Jinjiang Environmentfeste Abfälle

    530

    Wangneng EnvironmentAbfallverbrennung zur Stromerzeugung

    454

    Sanfeng EnvironmentAbfallverbrennung zur Stromerzeugung

    778

    Feinan ResourcesAltmetall, gefährliche Abfälle

    2.078

    Ye Chiu Resource2) Altmetall

    783

    GEMBatterien, Altmetall

    5.197

    Miracle AutomationBatterien

    280

    Dongjiang Environemntgefährliche Abfälle

    484

    China Recycling Development Group2) Elektro- und Elektronikabfälle

    343

    Jiangsu Huahong TechnologyVerarbeitungsanlagen für Recyclingressourcen

    1097

    1 Umrechnung zum Jahresdurchschnittskurs 2025 der Deutschen Bundesbank: 1 US$= 7,1429 RMB; 2 Umsatz für das 1.-3. Quartal 2025.Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026; Finanzberichte der Unternehmen

    Einige ausländische Entsorgungsunternehmen haben sich daher bereits aus dem Markt zurückgezogen; andere haben verkauft oder wurden gekauft. So hat Remondis seine Projekte im Industriemüllbereich an chinesische Partner verkauft und sich aus dem chinesischen Markt zurückgezogen. Auch der deutsche Entsorger Alba verkaufte bereits 2016 sein Recyclinggeschäft in China an lokale Investoren. Der französische Wasser- und Entsorgungsriese Veolia wiederum übernahm 2021 den französichen Umweltdienstleister Suez und damit auch dessen Müllverbrennungsanlagen in China. Große europäische oder deutsche Entsorgungs- und Recylingunternehmen sind daher in China nicht mehr am Start. 

    Branchenfremde investieren in Kreislaufwirtschaft

    Die Luft für traditionelle Projektbetreiber im Bereich Abfallwirtschaft, sowohl was Haus- als auch Industriemüll angeht, ist in China dünn geworden. Der Markt lockt zwar weiterhin mit einem gewaltigen Volumen, doch die Aussichten auf Profitabilität sind schwierig. Gleichzeitig sehen durch Investitionen in den Recyclingbereich auch branchenfremde Unternehmen einen Mehrwert für ihre Geschäfte. Ein prominentes Beispiel ist die IKEA-Mutter, Ingka Group. Sie hat laut chinesischer Presse 2025 in das Shanghaier Entsorgungsunternehmen Re-Mall investiert. Es recycelt Verpackungsabfälle aus dem Endverbrauch. Die Kapitalspritze soll Re-Mall, einen der größten Akteure in der chinesischen Kunststoff-Kreislaufwirtschaft, beim Ausbau seiner Recyclingkapazitäten unterstützen.

    Neue Geschäftsmodelle auch für ausländische Akteure gefragt

    In diesem sich weiterhin verändernden Umfeld sind neue Geschäftsideen gefragt. Dafür steht beispielsweise METYCLE. Die beiden Deutschen Rafael Suchuan und Sebastian Brenner haben das Start-up 2022 gegründet. Die KI-gestützte Plattform verbindet Anbieter und Käufer von Metallschrott und recycelten Metallen weltweit. METYCLE agiert dabei vor allem als Händler. China ist sein größter Absatzmarkt. Dies spiegelt den globalen Metallmarkt wider, an dem China einen Anteil von rund 50 Prozent hält. In China sind hochwertige Metalle knapp, die Preise im globalen Vergleich relativ hoch.

    Auch europäische und deutsche Anlagenbauer erkunden neue Geschäftsmodelle, um in China und darüber hinaus mit chinesischen Partnern erfolgreich zu sein. So setzt die Schweizer Maschinenbau-Gruppe SIDSA mit ihren Zerkleinerungsanlagen auf die Zusammenarbeit mit dem chinesischen Partner Niutech. Im Jahr 1988 gegründet, ist das nationale High-Tech-Unternehmen auf industrielle Abfallpolymerpyrolyse spezialisiert und mit zahlreichen Projekten in China, aber auch bereits in Südostasien und Europa vertreten. Bei den Projekten wiederum kommen Zerkleinerungs- sowie SMP (Shredding, Mixing, Pumping)-Anlagen der Schweizer SID Aktiengesellschaft zum Einsatz, zu der ebenfalls der deutsche Anlagenbauer SID in Ludwigsburg zählt. SIDSA produziert bereits seit 2006 in China. 

    Chinesische Technologie zunehmend im Ausland

    Generell ist chinesische Verwertungs- und Recyclingtechnologie zunehmend auch im Ausland gefragt. Laut Zahlen des chinesischen Wirtschaftsministeriums ist der Export von Ausrüstungen für den Umweltschutz und entsprechende technische Dienstleistungen in den vergangenen drei Jahren jährlich um 27,6 Prozent gestiegen. Davon entfielen 39,2 Prozent auf das Segment Festmüll. Und die Zahl der Investitionsprojekte außerhalb Chinas dürfte künftig steigen.

    Auch diese Branche profitiert bei ihrem Auslandsengagement von Chinas staatlichen Unterstützungsprogrammen und Subventionen – von der Belt and Road-Initiative (BRI, Neue Seidenstraße) bis zur neuen „Going Global 2.0“-Initiative, die sich auch im neuen 15. Fünfjahresplan wiederfindet (2026 bis 2030). 

    Von Corinne Abele | Shanghai

  • Lokale Wertschöpfungsanteile werden bei öffentlichen Ausschreibungen in China immer wichtiger. Gleichzeitig richten chinesische Firmen den Blick ins Ausland. 

    Geht es um Siedlungsabfälle, schreibt in der Regel der öffentliche Auftraggeber aus. Entsprechende Projekte sind auf der Website für öffentliche Ausschreibungen (China Central Government Procurement) zu finden; große (Prestige-)Projekte werden international ausgeschrieben. Kostenpflichtig bieten auch privatwirtschaftliche Ausschreibungsplattformen, wie Bidcenter, Zhaobiao oder Chinabidding, Informationen über Projekte im Abfallsektor landesweit an.  

    Häufig werden vor allem Müllverbrennungsanlagen (aber auch Deponien) in Form von Public Private Partnerships (PPP) beispielswiese als BOT (Build, Operate, Transfer)- oder BO (Build, Operate)-Projekte umgesetzt. Die Auftragsvergabe für die Ausstattung der Anlage findet dann durch den Projektnehmer statt. Auch Projekte für die privatwirtschaftliche Industrie unterliegen nicht öffentlichen Ausschreibungsanforderungen.

    Gerade im öffentlichen Ausschreibungsbereich kommen auf ausländische Anbieter künftig produktspezifische lokale Wertschöpfungsanteile zu. So sind seit 1. Januar 2026 Umsetzungsmaßnahmen im Bereich öffentlich Beschaffung in Kraft, wonach Herstellern sogenannter "lokaler Produkte" ein Angebotsabschlag von 20 Prozent gegenüber Wettbewerbern mit "nicht lokalen Produkten" gewährt wird. Zur Qualifizierung wird ein produktspezifischer lokaler Wertschöpfungsanteil gefordert, der für Produktsegmente in den nächsten Jahren ausgearbeitet werden soll. Dies erhöht den Druck zur Lokalisierung weiter.

    Frühen Kontakt zum Auftraggeber suchen

    Generell ist der frühe Kontakt zu Auftraggebern beziehungsweise zu lokalen Experten wichtig. Letztere haben als technische Berater laut Brancheninsidern häufig großen Einfluss. Noch immer ist der Bereich in weiten Teilen intransparent. Die Professionalität der Branche weist große regionale Unterschiede auf. Städte wie Shanghai, Shenzhen oder Beijing liegen, was Rahmenbedingungen und Professionalität angeht, an der Spitze. Auch sind inzwischen einige der großen Projekt- und -anlagenunternehmen im Ausland tätig; dies wird im Rahmen des 15. Fünfjahresplans 2026 bis 2030 deutlich unterstützt. Strategische Partnerschaften können daher sinnvoll sein.

    Tipps für den Markteinstieg in China

    1. Regionenspezifische Rahmenbedingungen beachten.
    2. Stragische Partnerschaften für China und global aufbauen.
    3. Langfristiger Erfolg ist ohne Lokalisierung nicht möglich.

    Für die Branche gültige Standards können in chinesischer Sprache auf der Website des Ministry of Environmental Protection (MEP) eingesehen werden. Allerdings müssen sie auf Provinzebene implementiert werden, sodass es zu regionalen Unterschieden kommt. Informationen zu Zollangelegenheiten enthält die Internetseite des chinesischen Zollamts.

    Gemany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Von Corinne Abele | Shanghai

  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    Germany Trade & InvestAußenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft

    AHK Greater China

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    German RETech Partnership

    Netzwerk der deutschen Entsorgungs- und Recyclingbranche zur Exportförderung

    Climate Cooperation China - on behalf of the International Climate Initiative (IKI)Die „Deutsch-chinesische Zusammenarbeit zur Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen“ ist Schnittstellenprojekt der Internationalen Klimainitiative (IKI) der Bundesregierung. Es erscheint ein Newsletter.
    Ministry of Ecology and Environment (MEE)Ministerium für Ökologie und Umwelt
    Ministry of Industry and Information Technology (MIIT)Ministerium für Industrie- und Informationstechnik
    National Development and Reform Commission (NDRC)Nationale Kommission für Entwicklung und Reform
    National Energy Administration (NEA)Nationale Energiebehörde
    Ministry of Science and Technology (MOST)Ministerium für Wissenschaft und Technologie
    China Association of Circular EconomyFachverband für Kreislaufwirtschaft
    China Association of Environmental Protection IndustryFachverband für Umweltschutztechnologien
    China Resource Recycling AssociationFachverband für Ressourcenrecycling
    China Association of Urban Environment SanitationFachverband für städtische Umwelthygiene
    China National Resources Recycling AssociationFachverband für Ressourcenrecycling
    IE expoFachmesse für Umwelttechnologie; 20. bis 22. April 2027
    China Solid Waste NetworkInternetportal für die feste Abfallwirtschaft