Interview | Beschaffung | IT-Dienstleistungen & Software-Development
"Integrieren Sie externe Software-Entwickler in Ihre Abläufe"
Externe Programmierer helfen Unternehmen, schnell und flexibel an zusätzliches IT-Know-how zu gelangen. Im Interview gibt Branchenkenner Andreas Gödecke Rat zum richtigen Vorgehen.
23.03.2026
Von Fabian Möpert | Berlin
Ob Maschinenbau, Energieversorgung, Automobilbau oder Einzelhandel – Software ist heute fester Bestandteil industrieller Wertschöpfungsketten und kommerzieller Geschäftsmodelle. Entsprechend dynamisch wächst die Nachfrage nach Programmierdienstleistungen. Doch gerade in kleinen und mittleren Unternehmen sind IT-Ressourcen oft begrenzt und IT-Talente nicht leicht zu finden. Outsourcing von Softwareentwicklung ermöglicht es, agil auf neue Anforderungen zu reagieren und Geschäftsmodelle zukunftsfähig auszurichten.
Von diesem Trend profitiert der mittelständische Software-Engineering-Anbieter Eleks. Das Unternehmen hat ukrainische Wurzeln, seinen Hauptsitz im estnischen Tallinn und eine deutsche Tochtergesellschaft in Berlin. Es unterstützt Kunden aus vielen Branchen mit maßgeschneiderter Software und strategischer Technologieberatung. Dr. Andreas Gödecke ist Chief Business Officer DACH & Nordics und verantwortet die Geschäftsentwicklung der deutschen Eleks-Tochter. Zu seinen Kunden zählen viele Mittelständler. Im Interview mit Germany Trade & Invest erläutert er Best Practices beim Sourcing von Softwareentwicklungsleistungen und zeigt auf, welche Auslandsmärkte sich eignen.
Herr Gödecke, mit welchen Anliegen kommen Unternehmen zu Ihnen?
Aktuell dominieren ganz klar Themen rund um künstliche Intelligenz und datengetriebene Geschäftsmodelle. Viele unserer Kunden stehen an einem Wendepunkt: Sie wissen, dass sie Daten nicht nur erheben, sondern strategisch nutzen müssen. Selbst der traditionelle Mittelstand muss Prozesse und Produkte digitalisieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Passende Lösungen erfordern oft hochspezialisiertes Wissen, das viele Unternehmen nicht selbst vorhalten können. Daher greifen Firmen auf Outsourcing und Anbieter wie uns zurück.
Ihr Unternehmen ist mit 20 Büros auf drei Kontinenten vertreten. Welche Märkte sind für den deutschen Mittelstand besonders geeignet, um IT-Dienstleistungen einzukaufen?
Auch IT-Dienstleistungen möchten viele Unternehmen nicht weit entfernt – etwa in Indien oder in anderen Regionen Asiens – beschaffen. Große Zeitunterschiede, Sprachbarrieren und mitunter Qualitätsrisiken können die Zusammenarbeit erschweren. Auch im IT-Bereich hat sich Nearshoring innerhalb Europas etabliert. Vor allem Mittel- und Osteuropa hat sich als bevorzugte Region herauskristallisiert.
Darunter sind Länder wie Polen, Ukraine oder Kroatien, wo auch Eleks Software-Entwicklungszentren hat. Was macht diese Standorte attraktiv?
Zum einen bieten die Länder einen hervorragenden Talentpool an IT-Kräften – das Niveau der Ingenieure und Softwareentwickler ist außerordentlich hoch, bei vorteilhaften Personalkosten, die immer noch unterhalb des westeuropäischen Niveaus liegen.
Zum anderen ist die Nähe zu westeuropäischen Kunden ein großer Vorteil: Kommunikationsstile, Arbeitsweisen und Qualitätsansprüche passen kulturell sehr gut zusammen. Das macht die Zusammenarbeit effizient und reduziert Missverständnisse erheblich. Zudem ermöglicht geografische Nähe persönliche Treffen ohne großen Aufwand.
Und schließlich spielen rechtliche und sicherheitsrelevante Aspekte eine Rolle: Bei grenzüberschreitender Entwicklung müssen Verträge, Datenschutz und geistige Eigentumsrechte sauber geregelt sein. Der Vorteil europäischer Partner ist, dass ähnliche Rechts- und Datenschutzstandards gelten und man sich in vertrautem regulatorischem Umfeld bewegt.
Auch in Übersee sind Sie mit einem Entwicklungsteam in Argentinien präsent. Wie fügt sich das in Ihr Portfolio?
Ausgangspunkt war der Wunsch nordamerikanischer Kunden nach Entwicklern in derselben Zeitzone. Unter Aspekten wie Kosten und Talentpool fiel unsere Wahl auf Argentinien. Das Investitionsumfeld mag dort nicht immer optimal sein – etwa aufgrund von Inflation oder rechtlichen Unsicherheiten. Aber als Unternehmen mit ukrainischen Wurzeln sind wir in Herausforderungen dieser Art geübt. Manche Problematik ist uns aus der Anfangszeit in der Ukraine der 1990er Jahre vertraut.
Gerade in aufstrebenden Schwellenmärkten, wo das Umfeld für Kapitalinvestitionen volatil ist, findet sich oft ein dynamischer Talentpool technologieaffiner junger Menschen. Die suchen Perspektiven im IT-Sektor, wo sich auch mit begrenztem Startkapital viel erreichen lässt. Und mit dem argentinischen Talentmarkt sind wir sehr zufrieden.
Welche Fallstricke sind generell zu beachten bei der Vergabe von Softwareprojekten an internationale Partner?
Die größten Fragezeichen betreffen meist Qualität, Zuverlässigkeit und Kommunikationsprozesse. Um Missverständnisse zu vermeiden, müssen sich alle Beteiligten ausreichend verständigen können. Regelmäßige Abstimmungen sind unerlässlich. Dabei gilt aber: IT ist ein weltweites Geschäft. Wir Deutschen stehen im globalen Wettbewerb um die klügsten Köpfe. Wer die talentiertesten Entwickler möchte, kann nicht immer Deutschkenntnisse voraussetzen. Auch kulturelle Unterschiede, etwa in Arbeitsweise oder Feedbackkultur, dürfen nicht unterschätzt werden, insbesondere bei weit entfernten Partnerländern.
Was raten Sie Firmen, damit ein international ausgelagertes Softwareprojekt erfolgreich verläuft?
Erstens müssen Projektanforderungen und Erwartungen von Anfang an klar und vollständig definiert sein. Zweitens ist die sorgfältige Auswahl des Entwicklungspartners entscheidend. Prüfen Sie Referenzen und Erfahrungsschwerpunkte. Seriöse Dienstleister lassen zum Beispiel ihre Arbeitsprozesse regelmäßig nach ISO 9001 und ISO 27001 zertifizieren. Ein günstiger Preis allein sollte nicht ausschlaggebend sein – wichtiger sind Vertrauen und ein ausgewogenes Preis‑Leistungs‑Verhältnis.
Drittens sollten Sie Ihren externen Partner so gut wie ein eigenes Team integrieren. Direkte Kommunikation mit dem Projektleiter und gemeinsame Workshops sind extrem wichtig. So wird der Partner zu einer wertvollen Erweiterung. Ideal ist der Einstieg über ein kleineres Pilotprojekt, bevor umfangreiche Vorhaben komplett ausgelagert werden. So sammeln beide Seiten erste Erfahrungen und bauen Vertrauen auf, ohne volles Risiko einzugehen.