Branche kompakt | Griechenland | Ernährungswirtschaft

Branchenstruktur

Große Unternehmen tragen am stärksten zum Umsatz der Branche bei. Die Konsolidierung hält an. Lebensmittelexporte steigen.

Von Michaela Balis | Athen

Die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie ist die wichtigste Branche des verarbeitenden Gewerbes in Griechenland. Der Sektor trug im Jahr 2022 rund 23 Prozent zur Bruttowertschöpfung bei. Zudem beschäftigte er knapp 38 Prozent der Arbeitskräfte in der gesamten Industrie. Dies geht aus einer Studie zur griechischen Lebensmittelindustrie des Instituts für Wirtschafts- und Industrieforschung (IOBE) vom Dezember 2025 hervor.

Größere Unternehmen bestimmen den Markt

Nach Daten von Eurostat zählte die griechische Nahrungsmittelindustrie im Jahr 2024 etwa 15.700 Unternehmen mit rund 147.000 Beschäftigten. Die Umsätze der Branche beliefen sich im gleichen Jahr auf 21,9 Milliarden Euro. Lediglich 2,5 Prozent der Unternehmen beschäftigen zwischen 50 und 250 Mitarbeitende und erwirtschaften rund 75 Prozent des Branchenumsatzes, so Eurostat. Knapp 85 Prozent der Hersteller von Lebensmitteln und Getränken beschäftigen weniger als zehn Mitarbeitende.

Innerhalb der Branche ist die Backwaren- und Mehlindustrie der bedeutendste Zweig, gemessen an der Anzahl der Unternehmen und am Umsatz. 

Griechische Produzenten sind stark auf dem heimischen Markt vertreten. Zu den zehn umsatzstärksten Lebensmittelherstellern zählen nach Angaben des griechischen Marktforschungsunternehmens Icap Crif der Geflügelproduzent Nitsiakos, der Öl- und Fetthersteller Soya Hellas sowie Nestlé Hellas.

Verkaufserlöse griechischer Produzenten von ausgewählten Nahrungsmitteln und GetränkenUmsätze im Jahr 2024 in Millionen Euro; Veränderungen 2024 gegenüber 2023 in Prozent

Sparte

Umsatz

Veränderung

Milch und Molkereierzeugnisse

3.056,7

6,7

Obst- und Gemüseverarbeitung

2.421,2

7,9

Back- und Teigwaren

1.941,9

5,1

Fleisch und Fleischerzeugnisse

1.818,4

6,8

Erfrischungsgetränke, natürliches Mineralwasser

1.100,6

20,9

Pflanzliche/tierische Fette und Öle

1.083,8

-2,2

Mehl, Stärke, Stärkeerzeugnisse, Reis

808,3

-4,3

Bier

571,8

5,8

Quelle: Elstat Prodcom 2026

Industrie forscht und entwickelt

Die Lebensmittelindustrie investiert intensiv in Forschung und Entwicklung (F&E). Sie beansprucht etwa 12,5 Prozent der gesamten griechischen Ausgaben für Forschung und Entwicklung, informiert IOBE. Damit rückt das Land an die Spitze der EU-Länder. Insgesamt gab die Lebensmittelbranche im Jahr 2022 rund 66,7 Millionen Euro für Forschung und Entwicklung aus. Großunternehmen und Investmentfonds unterstützen diesen Kurs durch Übernahmen und innovationsorientierte Investitionen.

Übernahmen und Fusionen halten an

In der Lebensmittel- und Getränkeindustrie hält seit Jahren eine starke Konsolidierung an. Führende griechische und ausländische Unternehmen, Konzerne und Kapitalfonds erwerben kleinere und häufig spezialisierte Gesellschaften.

Aufgekauft werden unter anderem traditionelle Unternehmen, die sich in finanziellen Schwierigkeiten befinden, oder Gesellschaften, die von Kapitalfonds und Konzernen im Zuge einer stärkeren Konzentration auf bestimmte Sparten veräußert werden. Häufig handelt es sich um Umstrukturierungen von Konzernen vor Ort, die entweder ihr Produktportfolio durch den Erwerb bestimmter Unternehmen erweitern oder Skaleneffekte in der Produktion sowie im Vertrieb erzielen wollen.

Hinzu kommt zunehmend die unzureichende Nachfolge in Familienunternehmen. Darüber hinaus entscheiden sich Unternehmenseigentümer, Joint Ventures mit Konzernen oder Investmentfonds zu gründen, um das bestehende Unternehmen gemeinsam auszubauen oder zu modernisieren.

Ein reges Interesse an Übernahmen bestand auch im Jahr 2024, informiert die Studie "Deals in Greece" der internationalen Beratungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers (pwc) vom April 2025:

  • Desserta Hellas, die griechische Tochtergesellschaft des österreichischen Unternehmens Berglandmilch erwarb die Firma Doriki, Teil der Minerva S.A. Edible Oils & Food Enterprises. Damit steigt Desserta in die Käseproduktion in Griechenland ein.
  • Der griechische Kapitalfonds SMERemediumCap mit Sitz in Zypern und die griechische Beteilgungsgesellschaft Inspiring Earth gründeten die Gesellschaft The Olive Legend Group Α.Ε. und erwarben die Olivenölproduktions- und verarbeitungsunternehmen Latzimas, Elaia Siteias-Lasitia und Olympian Green International.
  • Der griechische Schokoladenproduzent ION kaufte 75 Prozent des Bonbonherstellers Lavdas für 19,3 Millionen Euro sowie 75 Prozent des Süßwarenunternehmens Olympic Hermes für 3,2 Millionen Euro.
  • Der Kapitalfonds SMERemediumCap erwarb weitere Anteile am Erfrischungsgetränkehersteller EPSA.
  • Das Latsco Familly Οffice mit Sitz in der Schweiz erwarb 30 Prozent des Cateringunternehmens Eurocatering.
  • Der griechische Backwarenhersteller Karamolegos kaufte 60 Prozent des griechischen Snackproduzenten Nutree.
Wichtige Branchenunternehmen der griechischen LebenmittelindustrieAngaben für das Jahr 2024; Umsatz in Millionen Euro

Unternehmen

Sparte (SITC)

Umsatz

Nitsiakos Th.Verarbeitung und Konservierung von Geflügelfleisch  (1012)

529,4

Soya HellasHerstellung von Ölen und Fetten (1041)

475,8 *)

Hellenic DiariesMilchverarbeitung (1051)

436,4

Nestle HellasVerarbeitung von Kaffee und Tee, Herstellung von Kaffee-Ersatz (1083)

413,6

Ioannina Agricultural Poultry Cooperative PindosVerarbeitung und Konservierung von Geflügelfleisch (1012)

374,5

Soya MillsHerstellung von Futtermitteln für Nutztiere (1091)

313,9

KrI KriMilchverarbeitung (1051)

256,4

E. I. PapadopoulosHerstellung von Dauerbackwaren (1072)

243,4

Pepsico HellasKartoffelverarbeitung (1031)

243,3

DeltaMilchverarbeitung (1051)

234,7

* Umsatz für das Jahr 2025Quelle: ICAP CRIF 2026

Exporte der Branche befinden sich im Aufwind

Die gesamten griechischen Exporte gingen im Jahr 2025 um knapp 2 Prozent zurück. Die Exporte von Lebensmitteln und Getränken legten hingegen um rund 8 Prozent zu und erreichten knapp 10,2 Milliarden Euro (ohne Tabak, einschließlich Olivenöl), informiert Eurostat. Besonders erfolgreich auf den Auslandsmärkten waren Obst und Gemüse, Käse, Fisch sowie Olivenöl. Milchprodukte steigerten ihre Ausfuhren im gleichen Zeitraum um 17 Prozent im Vergleich zur Vorjahresperiode.

Die griechischen Lieferungen von Lebensmitteln und Getränken nach Deutschland beliefen sich im Jahr 2025 auf 1,3 Milliarden Euro. Sie stiegen um rund 6,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

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