Wirtschaftsstandort | Griechenland

Griechenland wird attraktiver für Investitionen

Dienstleistungen und die Industrie sollen moderner, umweltorientierter und digitaler werden. Fördermittel und Reformen tragen dazu bei.

Michaela Balis

Von Michaela Balis | Athen

Griechenland mit seinen 10,5 Millionen Einwohnern liegt im Südosten Europas. Das Land ist Mitglied der EU und der Eurozone. Deutschland ist traditionell Griechenlands wichtigster Handelspartner und ein bedeutender Investor. Umgekehrt hat Griechenland jedoch nicht die gleiche Bedeutung für Deutschland. 

  • Griechenland ist eine Dienstleistungsökonomie. Das Land bietet Chancen für Kooperationen. Reformen und Fördermittel stützen Investitionen. 

    Griechenland hat die Wirtschafts- und Finanzkrise überwunden und gewinnt auf den internationalen Märkten wieder an Bedeutung. Das spiegelt sich unter anderem in den positiven Bewertungen deutscher und internationaler Ratingagenturen wider. Die Wachstumsraten des Landes liegen mittlerweile über dem EU-Durchschnitt.

    Europäische Fördermittel kurbeln die Wirtschaft an. Rund 36 Milliarden Euro aus dem EU-Aufbaufonds und weitere knapp 21 Milliarden Euro aus dem EU-Partnerschaftsvertrag fließen bis 2027 in private und öffentliche Projekte. Besonders gefördert werden grüne Investitionen sowie die Digitalisierung und die Modernisierung der Infrastruktur. 

    Als Mitgliedstaat der Europäischen Union verfolgt Griechenland die Klimaziele der EU. Bis 2050 möchte das Land klimaneutral sein. Um dieses Ziel zu erreichen, will Griechenland die erneuerbaren Energien stärker ausbauen, in die Energiespeicherung investieren und an Lösungen für die Abscheidung und Speicherung des Kohlendioxids arbeiten. Auch sollen die internationalen Strom- und Gasleitungen in der Region ausgeweitet werden, sodass Griechenland in Zukunft sogar grünen Strom nach Deutschland liefern könnte. 

    10,4 Mio.

    Personen lebten 2023 im Land.

    Quelle: Eurostat 2025

    252,7 Mrd.

    US-Dollar beträgt das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2024 laut Prognosen.

    Quelle: IWF 2025

    24.341

    US-Dollar machte das BIP pro Kopf damit 2024 aus.

    Quelle: IWF 2025

    Rang 34

    belegte das Land 2023 unter den deutschen Exportzielen.

    Quelle: Eurostat 2025

    Rang 59

    nimmt das Land im Corruption Perceptions Index 2023 ein (unter 180 Ländern).

    Quelle: Transparency International 2025

    2,1 %

    betrug die Analphabetenquote im Jahr 2018.

    Quelle: Our World in Data 2021

    Ausführliche Informationen zur Wirtschaft finden Sie in den Wirtschaftsdaten kompakt.

    Gute Geschäftschancen für deutsche Unternehmen

    Die europäischen Fördermittel sollen neben Investitionen auch Kooperationen zwischen griechischen Unternehmen untereinander sowie zwischen griechischen und ausländischen Unternehmen anstoßen. Wie aus Unternehmerkreisen zu hören ist, hat Griechenland dank umfangreicher Reformen bereits Fortschritte auf dem Weg zu einem attraktiven Investitionsstandort gemacht. Fremdsprachige und flexible Fachkräfte, die sich schnell an ein internationales Arbeitsumfeld anpassen, tragen zu dieser positiven Einschätzung bei. Das ist ein Vorteil für deutsche IKT-Unternehmen, die sich vermehrt im Land niederlassen. Griechenland bietet sich auch als Standort für die Gründung von Rechenzentren und Innovation Hubs an.

    Auch die Energiebranche ist für deutsche Investoren und Lieferanten von Technologien und Ausrüstung attraktiv. Das gilt für die Sparte der erneuerbaren Energien, für Energieeffizienz und -speicherung sowie für die Infrastruktur für Erdgas- und Wasserstoffnetze. Gute Chancen für ein deutsch-griechisches Engagement bieten auch die Pharma- und die Lebensmittelindustrie sowie die Logistikbranche.

    "Griechenland etabliert sich als attraktiver Investitionsstandort." Vassilis Gounaris, Vorstandvorsitzender der Auslandshandelskammer Griechenland.

    Bilateraler Handel mit der Bundesrepublik auf Spitzenposition

    Deutschland ist einer der wichtigsten Investoren im Land sowie der bedeutendste Handelspartner. Deutsche Unternehmen sind weiterhin die wichtigsten Lieferanten von Produkten nach Griechenland, gefolgt von China und Italien (Stand Oktober 2024). Als Abnehmerländer für griechische Produkte haben sich Italien an erster und Deutschland an zweiter Stelle etabliert, gefolgt von Zypern und Bulgarien.

    SWOT-Analyse Griechenland

    S

    Stärken Strengths

    • Mitglied der Europäischen Union und der Eurozone
    • Brückenkopf zwischen Ost und West
    • Gut ausgebildetes Personal mit Fremdsprachenkenntnissen
    • Robuste Tourismusbranche
    • Solides Wirtschaftswachstum
    W

    Schwächen Weaknesses

    • Hoher Anteil des Dienstleistungssektors am BIP
    • Hohe Staatsverschuldung
    • Komplizierte Genehmigungsverfahren
    • Langwierige Justizverfahren
    • Hohes Zinsniveau für Kredite
    O

    Chancen Opportunities

    • Bereitstellung von EU-Fördermitteln
    • Ausbaufähige Energiebranche (Wasserstoff, offshore Windenergie)
    • Nationale Investitionsförderung
    • Potenzieller Logistikhub
    • Modernisierung der Infrastruktur 
    T

    Risiken Threats

    • Wachsender Fachkräftemangel
    • Geringe Kaufkraft
    • Hohes Preisniveau
    • Angespanntes Verhältnis zur Türkei
    • Schwache Exporte

    Immobilien und Tourismus stützen die Wirtschaft

    Knapp 80 Prozent der Bruttowertschöpfung werden im Dienstleistungssektor erwirtschaftet, meldet das griechische Statistikamt Elstat (Stand 2023). Die Immobilienwirtschaft ist der wichtigste Wirtschaftszweig mit einem Anteil von fast 17 Prozent, gefolgt von der Hotellerie und der Gastronomie. Die Industrie einschließlich Bergbau, Energie, Abfallverarbeitung und Wasserversorgung trägt fast 19,2 Prozent zur Bruttowertschöpfung bei. Der wichtigste Zweig des verarbeitenden Gewerbes ist die Nahrungsmittel-, Getränke- und Tabakindustrie, gefolgt von der Produktion und Verarbeitung von Erdölprodukten (Stand 2023). 

    Bedeutung der Wirtschaftszweige in Griechenland Anteile in Prozent; 2023

    Sektoren

    Anteil an der Bruttowertschöpfung

    Anteil an den Beschäftigten

    Land- ,Forst- und Fischereiwirtschaft

    3,8

    10,3

    Bergbau

    0,3

    0,2

    Verarbeitendes Gewerbe

    10,0

    8,1

    Energieversorgung

    4,1

    0,7

    Wasserversorgung, Abwasser- und Abfallentsorgung und Beseitigung von Umweltverschmutzungen

    1,2

    0,6

    Baugewerbe

    2,1

    3,8

    Dienstleistungen

    78,7

    76,4

    Quelle: Elstat 2025

    (Fast) alles dreht sich um Athen

    Wichtigstes Ballungszentrum Griechenlands ist mit Abstand der Bezirk Attika, der für die Hälfte der Wirtschaftskraft des Landes steht. Hier befinden sich die Hauptstadt Athen und der bedeutendste griechische Ankerplatz, der Hafen von Piräus. Dieser hat sich zum viertwichtigsten europäischen Containerhafen entwickelt (Stand 2023). Daneben ist Patras als wichtiger Hafen auf dem Peloponnes und als Tor nach Italien zu erwähnen. Zentren von wirtschaftlicher Bedeutung sind darüber hinaus die Städte Thessaloniki in Zentralmakedonien und Ioannina in Epirus, die sich als IT-Hubs etabliert haben. Auch deutsche Softwareentwickler haben sich dort angesiedelt.

    Die Region Westmakedonien ist von geringer Bedeutung, wenn man ihren Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt betrachtet (2 Prozent). Sie profitiert jedoch von Fördermitteln in Höhe von 1,6 Milliarden Euro im Rahmen des gerechten und entwicklungsfördernden Übergangs. Das ehemalige Kohleabbaugebiet soll ein attraktiver Investitionsstandort werden. Bis zum Jahr 2027 soll dort das erste grüne Wasserstoffprojekt realisiert werden. Von besonderer touristischer Bedeutung sind die Inselregionen Südägäis und Ionische Inseln sowie Kreta und Attika. 

    Eckdaten der wichtigsten Regionen in Griechenland2021

    Gebiet

    Anteil am BIP (in %)

    BIP pro Kopf (in Euro)

    Bevölkerung (in Mio.) *)

    Attika

    47,9

    23.335

    3,8

    Zentralmakedonien

    13,7

    13.453

    1,8

    Thessalien

    5,2

    13.390

    0,7

    Zentralgriechenland (Sterea Ellada)

    5,1

    16.834

    0,5

    Kreta

    4,9

    13.994

    0,6

    Peloponnes

    4,5

    14.407

    0,5

    Westgriechenland

    4,4

    12.429

    0,6

    Ostmakedonien / Thrakien

    3,9

    12.006

    0,6

    Südägäis

    3,2

    16.639

    0,3

    Epirus

    47,9

    23.335

    3,8

    * Jahr 2023.Quelle: Griechisches Statistikamt Elstat 2025; Eurostat 2025

    Michaela Balis

    Von Michaela Balis | Athen

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  • Griechenland ist bestrebt, ein attraktives Umfeld für Investitionen zu schaffen. Ausländische und griechische Investoren profitieren von Fördermitteln.

    Die griechische Regierung hat Reformen verabschiedet, die unter anderem auf die Beschleunigung und Vereinfachung von Genehmigungsverfahren und digitale Behördendienste abzielen. Darüber hinaus werden großzügige Förderungen genutzt, um Investoren ins Land zu holen. Unternehmen vor Ort schätzen diesen Fortschritt: Laut der "EY Attractiveness Survey" der Unternehmensberatung Ernst & Young vom Juli 2024 unter 250 befragten Unternehmen bewerten 80 Prozent die Bemühungen als erfolgreich. Unter den 20 wichtigsten europäischen Investitionsstandorten nahm Griechenland im Jahr 2023 den 19. Platz ein, so die Studie.  

    Etwa 70 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass die Attraktivität des Landes als Investitionsstandort in den nächsten drei Jahren steigen wird. Der Optimismus basiert vorrangig auf der Qualität der Infrastruktur. An 2. Stelle steht die geografische Lage. Die nachhaltige Entwicklung belegt dank des Ausbaus der erneuerbaren Energien den 3. Platz. Es folgen die Chancen bei der Forschung und Entwicklung und die Verfügbarkeit von Arbeitskräften. 

    Hohe Kreditzinsen, Steuern und Preissteigerungen könnten jedoch die Attraktivität des Landes als Wirtschaftsstandort beeinträchtigen, so EY. Um ein attraktiver Investitionsstandort zu bleiben, müsse Griechenland in die Ausbildung und Qualifikation der Arbeitskräfte sowie in Innovationen und grüne Technologien investieren.

    Deutschland bleibt zeitwichtigster Investor

    Mit einem Anteil von 11 Prozent am Gesamtbestand ausländischer Direktinvestitionen in Griechenland war Deutschland im Jahr 2023 nach Luxemburg der zweitwichtigste Investor, gefolgt von Zypern, den Niederlanden und der Schweiz. 

    Rund 18,3 Prozent der gesamten ausländischen Direktinvestitionen flossen in den Erwerb von Immobilien. Diese wurden vorrangig als private Ferienunterkünfte zu touristischen Zwecken genutzt oder im Rahmen des "Golden Visa"-Programms erworben: Investoren aus Nicht-EU-Ländern erhalten eine fünfjährige Aufenthaltserlaubnis, wenn sie eine Immobilie im Wert von mindestens 250.000 Euro erwerben. Weitere fast 15 Prozent der ausländischen Direktinvestitionen entfielen auf das verarbeitende Gewerbe, insbesondere in die Lebensmittel- und Getränkeindustrie. 

    Große deutsche Unternehmen vor Ort

    Die deutschen Investitionen in Griechenland weisen in den letzten Jahren steigende Tendenzen auf. Vergleicht man die Jahre 2020 und 2022, legten die deutschen Investitionen um mehr als ein Viertel zu. Mit 2,5 Milliarden Euro flossen mehr als zwei Drittel der deutschen Direktinvestitionen 2022 in die Branche „Information und Kommunikation“ und rund 20 Prozent in das verarbeitende Gewerbe, meldet die Deutsche Bundesbank. 

    Insgesamt waren im Jahr 2024 etwa 154 deutsche Unternehmen in Griechenland tätig. Sie beschäftigten über 28.000 Mitarbeitende und erwirtschafteten etwa 11,2 Milliarden Euro. Große deutsche Investoren im Land sind das Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim, die Deutsche Telekom, die Flughafengesellschaft Fraport, die Supermarktkette Lidl, die Versicherungsgesellschaft Allianz, der Technologiekonzern Siemens und der Mischkonzern Robert Bosch. Im Bereich der erneuerbaren Energien sind folgende Unternehmen in Griechenland aktiv: RWE, Juwi, ABO Wind und BayWa. Die Unternehmen Teamviewer, P&I, Best Secret, Infoteam und Prodyna haben in Griechenland Softwaregesellschaften gegründet. 

    Investitionsförderung: Anleger haben die Wahl

    Ausländische Investoren genießen keine Sonderkonditionen. Alle Fördermaßnahmen für Investitionsvorhaben gelten für in- und ausländische Unternehmen gleichermaßen. Um Fördermittel zu beantragen, muss der Antragsteller seinen Sitz in Griechenland haben oder über eine Zweigstelle vor Ort verfügen. Die Investoren können von einer Kombination der Fördermittel profitieren.

    Die rechtliche Grundlage für eine Investition bildet das Gesetz über die Investitionsförderung. Im Fokus stehen der Umweltschutz, Energieeffizienz und die Digitalisierung. Zu den förderfähigen Ausgaben zählen unter anderem Anschaffungen von Maschinen, der Bau und Erwerb von Immobilien, energieeffiziente Maßnahmen, Forschung sowie der Transfer von Know-how. Investoren können je nach Förderkategorie und Unternehmensgröße unter anderem von direkten Zuschüssen, Steuererleichterungen und Leasing-Zuzahlung profitieren

    Hinzu kommt die Förderung strategischer Investitionen, deren Kriterien für Investitionen über 10 Millionen Euro anzuwenden sind. Hier kommen weitere Erleichterungen hinzu, wie beispielsweise Standortanreize und beschleunigte Genehmigungsverfahren. Zu den förderfähigen Branchen zählen die Agrar- und Lebensmittelwirtschaft, Bio- und Weltraumtechnologien, Robotik sowie Investitionen für die Erzeugung von grünem Wasserstoff. 

    EU-Fördermittel stehen in Griechenland angesiedelten Unternehmen zur Verfügung

    Im Rahmen des EU-Partnerschaftsvertrags 2021 bis 2027 werden öffentlichen und private Projekte in Griechenland mit rund 26 Milliarden Euro aus EU- und staatlichen Töpfen kofinanziert. Im Mittelpunkt stehen auch hier die digitale Transformation, der Umweltschutz, der Klimawandel sowie der Zivilschutz. 

    Mit rund 36 Milliarden Euro unterstützt der EU-Aufbaufonds die griechische Wirtschaft. Die griechische Regierung plant vorrangig Digitalisierungs-, Energie- sowie öffentliche Infrastrukturprojekte zu finanzieren.

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Michaela Balis

    Von Michaela Balis | Athen

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  • BezeichnungAnmerkung
    Germany Trade & InvestAnlaufstelle für für die deutsche Exportwirtschaft
    AHK GriechenlandAnlaufstelle für deutsche Unternehmen
    Enterprise Greece Invest & TradeNationale Investitionsförderungsagentur
    ELSTATGriechische Statistikbehörde
    Griechisches Ministerium für Entwicklung 
    Griechisches Außenministerium