Special | Peru | Seidenstraße
Was hat China in Peru vor?
Peru steht exemplarisch für Chinas Strategie in Lateinamerika. GTAI beleuchtet Chinas Rolle im Land - und was das für deutsche Firmen bedeutet.
16.04.2026
Von Janosch Siepen | Mexiko-Stadt
"Chifagate" – so heißt der Skandal, der den peruanischen Präsidenten José Jerí Mitte Februar 2026 zu Fall brachte. Benannt nach der peruanisch-chinesischen Fusionküche (Chifa) ging es um den mutmaßlichen Interessenkonflikt seiner privaten und politischen Interessen gegenüber chinesischen Geschäftsleuten. Der Vorgang führte zur Absetzung Jerís und verschafft der Frage nach Chinas Präsenz im Land neue Relevanz. China ist Perus wichtigster Handelspartner und investiert seit Jahrzehnten in peruanische Schlüsselsektoren. Laut einer Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young war Peru 2025 der attraktivste Markt für chinesische Investoren in Lateinamerika.
Chancay ist Teil von Chinas Lateinamerika-Strategie
Seit der Einweihung des chinesischen Tiefseehafens Chancay im November 2024 in Peru haben die peruanisch-chinesischen Beziehungen neuen Schub erhalten. Laut dem peruanischen Handelsverband ComexPerú wuchs das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern im Jahr 2025 um über ein Viertel. Chancay übertraf das erwartete Containervolumen im ersten Betriebsjahr um 43 Prozent. Doch dabei dürfte es nicht bleiben: Ergänzt werden soll der Hafen durch den Industriepark Ancón und eine Sonderwirtschaftszone. Den Bau des Industrieparks für 1,3 Milliarden US-Dollar (US$) vergab Peru bereits im Dezember 2025 an ein chinesisches Konsortium.
Zugehörige Logistikanbindungen wie der Bau einer Bahnstrecke zwischen Chancay und Pucallpa könnten den Hafen enger mit dem Hinterland und Nachbarländern vernetzen. Dadurch wäre langfristig eine Verbindung zwischen Pazifik und Atlantik möglich. Eine Vorinvestitionsstudie für das Projekt ist bereits geplant. Der chinesische Logistikhub macht Peru dadurch auch für deutsche Firmen interessanter. Das Hamburger Logistikunternehmen FMS etwa plant, Peru künftig als südamerikanischen Logistikknoten zu nutzen und mittelfristig 1 bis 2 Millionen Euro in den Geschäftsbetrieb vor Ort zu investieren.
Peruanischer Bergbau ist Schlüsselsektor für China
Auf den Tiefseehafen Chancay folgen weitere Hafenprojekte aus chinesischer Hand. So bereitet das Unternehmen Jinzhao den Bau eines neuen Terminals im Hafen von San Juan de Marcona sowie einer angeschlossenen Bahnstrecke für den Export von Eisenerz vor. Parallel entwickelt Jinzhao in Hafennähe die Eisenerzmine Pampa de Pongo mit einem Investitionsvolumen von 1,8 Milliarden US$. Damit wächst Chinas Kontrolle über wichtige Lieferketten Perus.
Das Projekt ist eines von zahlreichen Beispielen für die chinesische Präsenz im peruanischen Bergbau. China ist der wichtigste Investor in diesem Sektor und drei Viertel des peruanischen Kupfers gehen nach China. Betreiber wie Las Bambas, Shougang und Chinalco zählen zu den Top 10 der wichtigsten Investoren in der Branche. Neue Projekte chinesischer Firmen wie Río Blanco, El Galeno und der Ausbau von Ferrobamba sollen Chinas wachsenden Kupferbedarf auch in Zukunft sichern.
| Investor | Hauptsektor | Summe (in Millionen US-Dollar) | Anzahl Projekte |
|---|---|---|---|
| China Minmetals | Bergbau | 7.500 | 3 |
| China Three Gorges Corporation | Energie und Versorgung | 6.130 | 6 |
| Aluminum Corporation of China (Chinalco) | Bergbau | 4.250 | 3 |
| China National Petroleum Corporation (CNPC) | Energie | 3.390 | 2 |
| China Southern Power Grid | Energie | 2.920 | 1 |
| Zhongrong Xinda | Bergbau | 1.860 | 1 |
| Shougang Group | Bergbau | 1.490 | 2 |
| COSCO Shipping | Transport und Logistik | 1.010 | 2 |
| China Railway Construction Corporation | Transport und Infrastruktur | 990 | 3 |
| China Energy Engineering Corporation | Energie | 900 | 1 |
Zugleich steigert China das technologische Niveau seiner Projekte und arbeitet an modernen, integrierten Lösungen. In der Mine Toromocho des Staatskonzerns Chinalco kommen autonome Bohrer zum Einsatz, die durch ein 150 Kilometer entferntes Kontrollzentrum ferngesteuert werden. Cloud-Dienstleistungen, 5G-Infrastruktur und KI-Algorithmen machen das Ganze möglich. Geliefert wird die Technologie vom chinesischen Telekommunikationskonzern Huawei aus Shenzhen.
Was heißt das für deutsche Unternehmen?
Für deutsche Firmen bedeutet das zweierlei. Unternehmen aus China setzen zwar Projekte um, bei denen deutsche Firmen als Zulieferer zum Zug kommen können. Die zunehmende Modernisierung chinesischer Minen eröffnet Absatzchancen für deutsche Technologie, die chinesische Unternehmen bisher noch nicht selbst anbieten können. "Allerdings sind chinesische Anbieter auch klare Wettbewerber für deutsche Bergbautechnologie – und werden technologisch immer besser", stellt Christoph Danner, Rohstoffexperte beim Maschinenbauverband VDMA, fest.
"China verfolgt eine aggressive Marktstrategie, Marktanteile sind wichtiger als kurzfristige Gewinne“, so Danner. Viele Kunden entschieden sich für chinesische Anbieter, weil diese unkompliziert die Finanzierung gleich mitlieferten. Zudem gebe es bereits Beispiele aus anderen Ländern der Region, wo chinesische Abnehmer den Einsatz eigener Technologie indirekt zur Bedingung für die Rohstoffabnahme machten.
Diversifizierung und Innovation sind chinesische Trends
Darüber hinaus weitet China sein Engagement in Peru weiter aus. Das chinesische Unternehmen Sungrow ist in Gesprächen mit der peruanischen Investitionsagentur ProInversión zu Geschäften im Bereich der erneuerbaren Energien. YOFC arbeitet an der Glasfaserinfrastruktur in Peru, ZTE bietet 5G-Systeme an, und Huawei betreibt wichtige Cloud-Dienstleistungen im Land. Nach Einschätzung des Chinaexperten Enrique Dussel Peters ist die wachsende Präsenz Chinas in Peru Teil eines globalen Trends: "China hat sich in den vergangenen Jahren technologisch rasant entwickelt und ist heute in vielen industriellen Wertschöpfungsketten technologisch führend."
Auch er warnt: "Im besten Fall sehen wir harte Konkurrenz für deutsche und europäische Unternehmen – im schlechtesten Fall werden sie aus dem Markt verdrängt." Europäische Unternehmen würden diese Entwicklung noch nicht ernst genug nehmen, sondern sich auf ihrer bisherigen Stärke in globalen Wertschöpfungsketten ausruhen. "Auf sie kommt ein massiver Wettbewerb zu und viele werden überrascht werden", so Dussel.
Wirtschaftspolitische Kooperation zwischen Peru und China
- Asiatische Infrastrukturinvestmentbank (AIIB): Mitgliedschaft Perus seit 14. Januar 2022
- Absichtserklärung Perus zum Beitritt zur Belt and Road Initiative (BRI): unterzeichnet am 27. April 2019
- Comprehensive Strategic Partnership: seit 9. April 2013
- Freihandelsabkommen: in Kraft seit 1. März 2010; 2024 aktualisiert
- Multilaterale Foren: China-CELAC Forum, Pazifikallianz, FEALAC, APEC