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Markttrends
Verpackte und verarbeitete Lebensmittel sind weiterhin gut nachgefragt. Durch eine Umsatzsteuerreform wurde Nahrung zunächst günstiger. Aber der Nahostkrieg zeigt Auswirkungen.
19.05.2026
Von Florian Wenke | Mumbai
Der Absatz von Lebensmitteln in Indien wird in den kommenden Jahren weiter wachsen. Dem Portal Statista zufolge soll der Branchenumsatz 2026 bei 911 Milliarden US-Dollar (US$) liegen, ein Plus von 8,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit ist Indien nach China der zweitgrößte Nahrungsmittelmarkt der Welt.
Für die kommenden Jahre prognostizieren die Experten weiteres Wachstum. Bis 2030 sollen mehr als 1,1 Billionen US$ an Umsatz erreicht werden. Das entspräche einer Zunahme um 37,7 Prozent gegenüber 2025.
beträgt der durchschnittliche jährliche Pro-Kopf-Umsatz mit Lebensmitteln in Indien 2026.
Verbraucher kaufen mehr verarbeitete und verpackte Nahrungsmittel
Die steigenden Umsätze sind vor allem auf die wachsenden Absatzmengen zurückzuführen. Für 2026 gehen Prognosen von einem Lebensmittelverbrauch in Höhe von 604 Millionen Tonnen aus. Das sind 4,4 Prozent mehr als im Vorjahr.
Im Jahr 2026 soll das Absatzwachstum für alle großen Produktgruppen positiv ausfallen. An der Spitze liegen Gemüse (plus 5,3 Prozent gegenüber 2025), gefolgt von Obst und Nüssen (plus 4,8 Prozent) sowie Brot und Getreideprodukten (4,7 Prozent).
| Produktkategorie | 2025 | 2026 | 2027 | 2028 |
|---|---|---|---|---|
| Brot und Getreideprodukte | 235,3 | 246,4 | 253,4 | 261,4 |
| Gemüse | 119,5 | 125,8 | 130,4 | 135,4 |
| Milchprodukte und Eier | 109,7 | 113,1 | 116,5 | 120,0 |
| Obst und Nüsse | 80,3 | 84,1 | 86,4 | 89,1 |
| Öle und Fette | 9,7 | 9,9 | 10,2 | 10,4 |
| Fleisch | 5,9 | 6,0 | 6,2 | 6,3 |
| Fisch und Meeresfrüchte | 5,6 | 5,8 | 5,8 | 6,1 |
| Süßwaren und Snacks | 5,1 | 5,3 | 5,4 | 5,6 |
| Aufstriche und Süßungsmittel | 3,7 | 3,8 | 3,8 | 3,8 |
| Soßen und Gewürze | 2,1 | 2,1 | 2,1 | 2,2 |
| Fertiggerichte | 1,6 | 1,7 | 1,7 | 1,7 |
Eine Umsatzsteuerreform im September 2025 hat den volkswirtschaftlich wichtigen Konsum deutlich belebt. Vor allem die Stimmung der urbanen Konsumenten verbesserte sich merklich infolge der Reform, denn diese ging in weiten Teilen mit Preissenkungen einher.
Allerdings geht der Konflikt am Persischen Golf auch an Indien nicht spurlos vorüber. Er macht viele Güter wie beispielsweise Milch teurer. Die Preiserhöhungen fallen aber überwiegend geringer aus als die Steuersenkungen im vergangenen Jahr. Daher spüren viele Verbraucher den Preisanstieg beim Lebensmitteleinkauf nicht so sehr. Branchenvertreter zeigen sich daher aktuell in Bezug auf die Wachstumsaussichten für die kommenden Monate zuversichtlich.
Freihandelsabkommen wird den Marktzugang erleichtern
Anfang 2026 einigten sich Indien und die EU auf ein Freihandelsabkommen. Das Abkommen muss noch unterzeichnet und anschließend ratifiziert werden. Beobachter gehen davon aus, dass dies im Jahresverlauf 2026 oder Anfang 2027 geschieht. Anschließend werden die Zölle abgebaut.
Bisher ist lediglich der Text des Abkommens bekannt. Details zu zukünftigen Zöllen gibt es noch nicht, jedoch sind einzelne Zollinformationen schon bekannt. So sollen etwa die indischen Zölle für alkoholische Getränke deutlich sinken. Wein wird bisher mit 150 Prozent des Wertes bezollt. Zukünftig sollen es, je nach Preis der Produkte, nur noch 20 oder 30 Prozent sein. Der Zollsatz für Bier soll von 110 Prozent auf 50 Prozent sinken. Für Spirituosen ist eine Zollsenkung von den bisher bis zu 150 Prozent auf 40 Prozent vorgesehen.
Auch verarbeitete Lebensmittel wie Brot, Kekse oder Nudeln werden von Zollsenkungen profitieren. In der Spitze wurden hier bisher bis zu 50 Prozent Einfuhrzoll fällig. Zukünftig soll dieser Wert auf 0 Prozent sinken.
Ein Großteil der Zollsenkungen dürfte stufenweise und über einige Jahre hinweg erfolgen. Wer die günstigeren Einfuhrtarife nutzen möchte, sollte dennoch rechtzeitig entsprechende Vertriebsstrukturen in Indien aufbauen.
Während der Onlinehandel und der organisierte Einzelhandel an Bedeutung gewinnen, dominieren noch immer kleine inhabergeführte Geschäfte den Einzelhandel. Um diese flächendeckend mit Waren zu versorgen, sind regional fein gegliederte Vertriebsstrukturen notwendig. Wer seinen Fokus hingegen auf große Metropolen legt, findet in Onlinehändlern und Quick-Commerce-Unternehmen wie Blinkit oder Zepto attraktive Optionen für den Markteintritt.
Nährwertkennzeichnung auf dem Weg
Die Änderungen in Konsum- und Ernährungsgewohnheiten resultieren in einer stärkeren Nachfrage nach verarbeiteten Lebensmitteln. Die einfachere Lagerung und die Hygiene verpackter Lebensmittel gelten als Kaufargumente für diese Produkte. Auch sehen viele Verbraucher sie im Vergleich zu lose verkauften Nahrungsmitteln als qualitativ hochwertiger an.
Regierungsexperten haben in den vergangenen Jahren vermehrt auf die Gesundheitsrisiken solcher Produkte hingewiesen und diese mit chronischen Krankheiten wie Adipositas in Verbindung gebracht. So wurde im Anfang 2026 veröffentlichten Economic Survey der Ruf nach mehr Warnhinweisen und einer eingeschränkten Werbung für diese Produkte laut.
Der oberste Gerichtshof Indiens wies Anfang 2026 darauf hin, dass beispielsweise eine Kennzeichnung von Lebensmitteln mit besonders viel Zucker oder Salz sinnvoll sei. Unternehmen, die diese Produkte in Indien verkaufen, sollten sich daher auf entsprechende Vorhaben vorbereiten.
Die Regierung arbeitet derzeit an einem System der Nährwertkennzeichnung für Lebensmittel, lokal als "Indian Nutrition Rating" bekannt. Die Kennzeichnung soll zukünftig auf der Vorderseite der Verpackung angebracht werden. Experten gehen davon aus, dass noch 2026 entsprechende Regelungen veröffentlicht werden.
Regelkonformität wird erleichtert
Die für Lebensmittel zuständige Aufsichtsbehörde Food Safety and Standards Authority of India (FSSAI) setzte im Frühjahr 2026 Reformen um, die von Branchenunternehmen begrüßt wurden. Zu den Maßnahmen zählt ein vereinfachter Zertifizierungsprozess für Unternehmen in der Nahrungsmittelverarbeitung und im -verkauf.
War es bisher notwendig, eine einmal erlangte Zertifizierung durch die FSSAI regelmäßig zu erneuern, ist sie nun lebenslang gültig, sofern sie nicht entzogen wird. Auch Prüfungen der Unternehmen finden nur noch anlassbezogen statt, nicht mehr wiederkehrend. Das dürfte die Bürokratiekosten für Firmen deutlich reduzieren.