Große Unternehmensgruppen haben eine starke Marktstellung, wenngleich viele kleinere Unternehmen lokal Nahrungsmittel verarbeiten. Die Branche zieht Investitionen an.
Indien zählt zu den größten Lebensmittelproduzenten weltweit und liegt bei der Herstellung landwirtschaftlicher Erzeugnisse wie Getreide (besonders Reis und Weizen), Obst und Gemüse sowie bei Milchprodukten mit an der Spitze.
Trotzdem hinkt die Agrar- und Lebensmittelindustrie bei Effizienz und Verarbeitungstiefe im internationalen Vergleich oft hinterher. Schätzungen gehen davon aus, dass lediglich 10 bis 15 Prozent der produzierten Lebensmittel verarbeitet werden. Während die Werte für beispielsweise Fleisch und Milch deutlich darüber liegen, ist der Verarbeitungsgrad von Obst und Gemüse geringer.
Produktion von Nahrungsmitteln in Indien schwanktAusgewählte Produkte; In Millionen Tonnen; Veränderung im Vergleich zur Vorperiode in ProzentProdukt | 2024/2025 | 2025/2026* | Veränderung |
|---|
Zuckerrohr | 454,6 | 500,2 | 10,0 |
Getreide | 332,1 | 324,8 | -2,2 |
| Milch und Milchprodukte | 247,9 | k. A. | - |
Gemüse | 217,8 | 216,2 | -0,7 |
| Obst | 117,6 | 118,7 | 0,9 |
| Ölsaaten | 43,0 | 41,0 | -4,7 |
| Hülsenfrüchte | 25,7 | 23,9 | -7,0 |
| Fisch und Meeresfrüchte | 19,8 | k. A. | - |
| Gewürze | 13,0 | 12,8 | -1,5 |
| Fleisch | 10,5 | k. A. | - |
Finanzjahre vom 1. April bis 31. März; Abweichungen durch Rundungen möglich; * Werte vorläufig.Quelle: Ministry of Agriculture and Farmers Welfare 2026; Department of Fisheries 2025; Ministry of Fisheries, Animal Husbandry & Dairying 2026
Viele kleine Unternehmen prägen die Nahrungsmittelbranche
Das National Statistical Office meldete in den letztverfügbaren Daten für 2024 fast 36.000 registrierte und aktive Produktionsstätten für die Nahrungsmittelverarbeitung. Insgesamt beschäftigt die Branche rund 1,8 Millionen Personen und sie ist einer der wichtigsten Teilbereiche der indischen Industrie im Hinblick auf die Anzahl der Fabriken, die Beschäftigtenzahl und auch die Wertschöpfung.
Die meisten Unternehmen liegen in den Bundesstaaten Andhra Pradesh, Tamil Nadu, Telangana und Maharashtra. Rund die Hälfte der Unternehmen befasst sich mit dem Mahlen von Getreide. Hier zählt der Bundesstaat Punjab ebenfalls zu den wichtigen Standorten. Mit Abstand folgen die Getränkeherstellung, Herstellung von Ölen und Fetten sowie die Produktion von Getränken beziehungsweise Milch und Milchprodukten.
Rund ein Fünftel der Beschäftigten arbeiten in Müllereien Anzahl an Unternehmen und Beschäftigten nach Bereichen der indischen Nahrungsmittelindustrie| Bereich | Anzahl aktiver Produktionsstätten | Beschäftigte |
|---|
| Herstellung von gemahlenen Getreideprodukten und Stärke | 18.077 | 356.600 |
| Herstellung von Getränken | 2.153 | 171.768 |
| Herstellung von pflanzlichen sowie tierischen Fetten und Ölen | 2.044 | 94.840 |
| Herstellung von Milchprodukten | 1.935 | 170.161 |
| Herstellung von Backwaren | 1.610 | 135.024 |
| Verarbeitung von Obst und Gemüse | 1.234 | 72.680 |
| Herstellung von Kakao, Schokolade und Süßwaren | 879 | 73.147 |
| Verarbeitung von Fisch und Meeresfrüchten | 704 | 114.757 |
| Verarbeitung von Fleisch | 154 | 25.752 |
| Sonstige | 7.199 | 561.153 |
| Insgesamt | 35.989 | 1.775.882 |
Die Angaben beziehen sich auf das Finanzjahr vom 1. April 2023 bis 31. März 2024.Quelle: National Statistical Office 2025
Großunternehmen erzielen Milliardenumsätze
Das Verhältnis zwischen Beschäftigten und Produktionsstandorten zeigt, dass viele der Firmen Klein- und Kleinstunternehmen sind. Auch der quantitativ nur schwer erfassbare informelle Sektor spielt bei der Verarbeitung von Lebensmitteln eine wichtige Rolle.
Die Regierung geht davon aus, dass 70 Prozent der nahrungsmittelverarbeitenden Unternehmen kleine und mittelgroße Unternehmen sind. Dominiert wird die Nahrungsmittelindustrie jedoch von großen indischen Unternehmen, darunter ITC, Parle Agro, MTR Foods, Britannia Industries, Amul und Haldiram sowie multinationalen Herstellern wie Nestlé, PepsiCo, Mondelez, Coca-Cola und Unilever.
Die indische Molkerei Amul übertrumpft internationale UnternehmenWichtige Branchenunternehmen in Indien; Umsatz in Millionen US-DollarUnternehmen | Wichtige Produktkategorien | Umsatz 2025/2026 |
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| GCMMF (Amul) | Milch und Milchprodukte, Butter, Käse, Eis, Fertiggerichte | 9.198 |
| Nestlé | Instantnudeln, Kaffee, Süßwaren, Milch und Milchprodukte | 2.488 |
| Tata Consumer Products | Grundnahrungsmittel, Fertiggerichte, Getränke, Gewürze | 2.019 |
| Parle Products | Kekse, Snacks, Süßwaren | 1.983 |
| Britannia | Kekse, Kuchen, Zwieback | 1.928 |
| Hindustan Unilever | Soßen, Suppen, Getränke, Eis, Tee | 1.688 |
| ITC (Foods) | Snacks, Kekse, Instantnudeln, Fertiggerichte, Gewürze | 1.588 |
| Dabur India (Foods) | Fruchtsäfte, ayurvedisches Essen, Kochhilfen, Honig | 1.552 |
| Parle Agro | Fruchtsaftgetränke, Erfrischungsgetränke, Milchdrinks | 1.396 |
| Marico (Foods) | Speiseöle, Fertiggerichte | 1.060 |
Finanzjahr vom 1. April bis 31. März; Teils umgerechnet mit durchschnittlichem Wechselkurs laut Bundesbank für März 2026: 1 US$ = 92,76 indische Rupien.Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026
Modernisierungsprogramme laufen, aber langsam
Der Aufbau von 41 sogenannten Mega Food Parks zur Verarbeitung von Lebensmitteln erfolgt weiterhin nur langsam. Diese Parks sollen den heimischen Nahrungsmittelproduzenten bessere Produktionsmöglichkeiten bieten und Investitionen aus dem Ausland anlocken. Mitte 2025 waren laut indischen Angaben neun Parks komplett fertiggestellt, weitere 16 in Betrieb genommen und die verbleibenden 16 weiterhin im Bau.
Etwas besser kommt der Aufbau der "Agro Processing Cluster" voran. Ende März 2026 waren 24 von 62 Projekten wenigstens teilweise fertiggestellt, der Rest ist im Aufbau. Die Cluster sind Teil des Programms "Pradhan Mantri Kisan Sampada Yojana" und sollen für den Aufbau von Verarbeitungsstrukturen in der Nähe von Lebensmittelanbaugebieten sorgen. Dabei geht es insbesondere darum, die notwendige Infrastruktur zu schaffen. Das beinhaltet auch Lager- und Kühlhäuser sowie Sortier- und Verpackungsmöglichkeiten.
Durch die Nähe zu Anbaugebieten soll die Logistik vereinfacht werden. Insbesondere durchgehende Kühlketten sind in Indien nur unzureichend vorhanden und sorgen für Verluste. Nur schätzungsweise 10 Prozent der verderblichen Lebensmittel werden innerhalb geschlossener Kühlketten transportiert und gelagert. Der Bedarf an Lösungen, die auf den indischen Markt angepasst sind, ist entsprechend groß.
Das Programm "Scheme of Creation/Expansion of Food Processing & Preservation Capacities" macht ebenfalls Fortschritte. Beim Aufbau von Kapazitäten sowohl für Verarbeitung als auch für Kühlung waren von 76 genehmigten Projekten Anfang 2026 laut Regierungsangaben 58 Projekte abgeschlossen.
Die Regierungsprogramme liefern einen wichtigen Beitrag, um Investitionen anzustoßen. Jedoch wird auch nach Abschluss der derzeit laufenden Programme eine Lücke zwischen Nahrungsmittelherstellung und -verarbeitung bestehen bleiben.
Neue Fertigungsanlagen entstehen
Investoren haben das Potenzial des Produktionsstandorts Indien erkannt. Sowohl einheimische Firmen als auch die vor Ort tätigen Ableger internationaler Konzerne investieren. Zu den Investoren gehören auch deutsche Firmen. So begann Krones 2025 mit dem Bau eines Werkes in Indien.
Ausgewählte Investitionsprojekte der Ernährungswirtschaft in IndienInvestitionssumme in Millionen US-Dollar| Projekt | Investitionssumme | Projektstand | Anmerkungen |
|---|
| Bau und Erweiterung von Abfüllanlagen durch Coca-Cola | 2.714,4 | Absichtserklärung unterzeichnet | Die Investitionen sollen in die Regionen Uttar Pradesh, Bihar, Andhra Pradesh, Telangana, Karnataka, Gujarat, Punjab, Rajasthan und Jammu fließen |
| Investitionen in 10 bis 12 neue Produktionsstandorte durch Gujarat Co-operative Milk Marketing Federation | 1.053,7 | Angekündigt | Das Unternehmen ist bekannt für seine Marke Amul. Die Gelder sollen indienweit und über 2 bis 3 Jahre investiert werden. Ein Großteil der Investitionen dürfte in die Verarbeitung von Milch und die Herstellung von Milchprodukten wie zum Beispiel Eiscreme fließen. |
Bau einer Lebensmittelfabrik durch Reliance Consumer Products | 158,1 | Angekündigt | Die Anlage soll nahe Nagpur in Maharashtra entstehen. Es sollen Snacks, Backwaren und Speiseöle hergestellt werden. |
Bau einer Lebensmittelfabrik durch Reliance Consumer Products | 121,8 | Angekündigt | Die Anlage soll im Thoothukudi-Distrikt in Tamil Nadu entstehen. Es sollen Snacks, Backwaren und Speiseöle hergestellt werden. |
| Bau einer neuen Brauerei durch Carlsberg | 52,7 | Angekündigt | Die Anlage soll in Ahilyanagar in Maharashtra entstehen. |
Umrechnung anhand des durchschnittlichen Wechselkurses für 1. Mai 2026 laut Federal Reserve Bank: 1 US$ = 94,9 indische Rupien.Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026
Dem Department for Promotion of Industry and Internal Trade zufolge beliefen sich die ausländischen Direktinvestitionen im Bereich der Nahrungsmittelverarbeitung im Jahr 2025 auf 2,8 Milliarden US-Dollar (US$). Zwischen Januar 2000 und Dezember 2025 flossen insgesamt 15,9 Milliarden US$ in den Sektor.
Auch in Zukunft dürfte die Nahrungsmittelverarbeitung für Investitionen aus dem Ausland relevant bleiben. Experten schätzen, dass die Branche zwischen 2024 und 2026 von 355 Milliarden US$ auf 535 Milliarden US$ wachsen wird. Dieses starke Wachstum wird weiterhin Kapital anziehen.
Nahrungsmittelexporte sind zum Wirtschaftsfaktor geworden
Nahrungsmittelimporte spielen für Indien eine untergeordnete Rolle. Lediglich bei Pflanzenölen und zu einem deutlich geringeren Maße bei Hülsenfrüchten importiert Indien Waren in größerem Umfang.
Zunehmend entwickeln sich Teile der Lebensmittelproduktion zu wichtigen Exportbranchen. Die Regierung unterstützt dies. Zu den Exportprodukten zählen insbesondere Fisch und Meeresfrüchte aus Aquakulturen sowie Reis.
Für die Ausfuhr müssen die Waren nach international konkurrenzfähigen Standards verarbeitet und verpackt sein. Das macht Exportunternehmen zu wichtigen Kundengruppen für die dazu notwendigen Maschinen und Anlagen.
Von Florian Wenke
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