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Die Nahrungsmittelnachfrage in Indien bietet Chancen

Der Lebensmittelabsatz in Indien wächst stetig. Bisher gelten hohe Zölle. Ein Freihandelsabkommen mit der EU wird den Marktzugang zukünftig verbessern.

Von Florian Wenke | Mumbai

Ausblick für die Nahrungsmittelindustrie in Indien

 

  • Die wachsende Bevölkerung sorgt für eine langfristig steigende Nachfrage nach Nahrungsmitteln.
  • Steuersenkungen haben viele Lebensmittel günstiger gemacht und die Nachfrage belebt.
  • Der Krieg in Nahost sorgt für steigende Preise und belastet die Stimmung der Verbraucher. 

Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: Mai 2026

  • Verpackte und verarbeitete Lebensmittel sind weiterhin gut nachgefragt. Durch eine Umsatzsteuerreform wurde Nahrung zunächst günstiger. Aber der Nahostkrieg zeigt Auswirkungen. 

    Der Absatz von Lebensmitteln in Indien wird in den kommenden Jahren weiter wachsen. Dem Portal Statista zufolge soll der Branchenumsatz 2026 bei 911 Milliarden US-Dollar (US$) liegen, ein Plus von 8,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit ist Indien nach China der zweitgrößte Nahrungsmittelmarkt der Welt. 

    Für die kommenden Jahre prognostizieren die Experten weiteres Wachstum. Bis 2030 sollen mehr als 1,1 Billionen US$ an Umsatz erreicht werden. Das entspräche einer Zunahme um 37,7 Prozent gegenüber 2025. 

    617 US-Dollar

    beträgt der durchschnittliche jährliche Pro-Kopf-Umsatz mit Lebensmitteln in Indien 2026.

    Verbraucher kaufen mehr verarbeitete und verpackte Nahrungsmittel

    Die steigenden Umsätze sind vor allem auf die wachsenden Absatzmengen zurückzuführen. Für 2026 gehen Prognosen von einem Lebensmittelverbrauch in Höhe von 604 Millionen Tonnen aus. Das sind 4,4 Prozent mehr als im Vorjahr. 

    Im Jahr 2026 soll das Absatzwachstum für alle großen Produktgruppen positiv ausfallen. An der Spitze liegen Gemüse (plus 5,3 Prozent gegenüber 2025), gefolgt von Obst und Nüssen (plus 4,8 Prozent) sowie Brot und Getreideprodukten (4,7 Prozent). 

    Der Verbrauch von Nahrungsmitteln wächst über alle ProduktgruppenIn Millionen Tonnen; ausgewählte Produkte
    Produktkategorie

    2025

    2026

    2027

    2028

    Brot und Getreideprodukte

    235,3

    246,4

    253,4

    261,4

    Gemüse

    119,5

    125,8

    130,4

    135,4

    Milchprodukte und Eier

    109,7

    113,1

    116,5

    120,0

    Obst und Nüsse

    80,3

    84,1

    86,4

    89,1

    Öle und Fette

    9,7

    9,9

    10,2

    10,4

    Fleisch

    5,9

    6,0

    6,2

    6,3

    Fisch und Meeresfrüchte

    5,6

    5,8

    5,8

    6,1

    Süßwaren und Snacks

    5,1

    5,3

    5,4

    5,6

    Aufstriche und Süßungsmittel

    3,7

    3,8

    3,8

    3,8

    Soßen und Gewürze

    2,1

    2,1

    2,1

    2,2

    Fertiggerichte

    1,6

    1,7

    1,7

    1,7

    Prognosen ab 2026.Quelle: Statista 2026

    Eine Umsatzsteuerreform im September 2025 hat den volkswirtschaftlich wichtigen Konsum deutlich belebt. Vor allem die Stimmung der urbanen Konsumenten verbesserte sich merklich infolge der Reform, denn diese ging in weiten Teilen mit Preissenkungen einher. 

    Allerdings geht der Konflikt am Persischen Golf auch an Indien nicht spurlos vorüber. Er macht viele Güter wie beispielsweise Milch teurer. Die Preiserhöhungen fallen aber überwiegend geringer aus als die Steuersenkungen im vergangenen Jahr. Daher spüren viele Verbraucher den Preisanstieg beim Lebensmitteleinkauf nicht so sehr. Branchenvertreter zeigen sich daher aktuell in Bezug auf die Wachstumsaussichten für die kommenden Monate zuversichtlich. 

    Nach einer eher ruhigeren Phase hat der indische Lebensmittelmarkt seit der Umsatzsteuerreform im September 2025 deutlich an Fahrt aufgenommen und wächst aktuell zweistellig. Wachstumstreiber sind vor allem Quick Commerce, E-Commerce und der moderne Handel, die klar vorangehen. Diese Dynamik sollte sich in den kommenden 12 Monaten fortsetzen. Indien bleibt damit ein hochattraktiver Wachstumsmarkt.

    Oliver Mirza Managing Director und CEO, Dr. Oetker India

    Freihandelsabkommen wird den Marktzugang erleichtern

    Anfang 2026 einigten sich Indien und die EU auf ein Freihandelsabkommen. Das Abkommen muss noch unterzeichnet und anschließend ratifiziert werden. Beobachter gehen davon aus, dass dies im Jahresverlauf 2026 oder Anfang 2027 geschieht. Anschließend werden die Zölle abgebaut. 

    Bisher ist lediglich der Text des Abkommens bekannt. Details zu zukünftigen Zöllen gibt es noch nicht, jedoch sind einzelne Zollinformationen schon bekannt. So sollen etwa die indischen Zölle für alkoholische Getränke deutlich sinken. Wein wird bisher mit 150 Prozent des Wertes bezollt. Zukünftig sollen es, je nach Preis der Produkte, nur noch 20 oder 30 Prozent sein. Der Zollsatz für Bier soll von 110 Prozent auf 50 Prozent sinken. Für Spirituosen ist eine Zollsenkung von den bisher bis zu 150 Prozent auf 40 Prozent vorgesehen. 

    Auch verarbeitete Lebensmittel wie Brot, Kekse oder Nudeln werden von Zollsenkungen profitieren. In der Spitze wurden hier bisher bis zu 50 Prozent Einfuhrzoll fällig. Zukünftig soll dieser Wert auf 0 Prozent sinken.

    Ein Großteil der Zollsenkungen dürfte stufenweise und über einige Jahre hinweg erfolgen. Wer die günstigeren Einfuhrtarife nutzen möchte, sollte dennoch rechtzeitig entsprechende Vertriebsstrukturen in Indien aufbauen. 

    Während der Onlinehandel und der organisierte Einzelhandel an Bedeutung gewinnen, dominieren noch immer kleine inhabergeführte Geschäfte den Einzelhandel. Um diese flächendeckend mit Waren zu versorgen, sind regional fein gegliederte Vertriebsstrukturen notwendig. Wer seinen Fokus hingegen auf große Metropolen legt, findet in Onlinehändlern und Quick-Commerce-Unternehmen wie Blinkit oder Zepto attraktive Optionen für den Markteintritt.

    Nährwertkennzeichnung auf dem Weg

    Die Änderungen in Konsum- und Ernährungsgewohnheiten resultieren in einer stärkeren Nachfrage nach verarbeiteten Lebensmitteln. Die einfachere Lagerung und die Hygiene verpackter Lebensmittel gelten als Kaufargumente für diese Produkte. Auch sehen viele Verbraucher sie im Vergleich zu lose verkauften Nahrungsmitteln als qualitativ hochwertiger an. 

    Regierungsexperten haben in den vergangenen Jahren vermehrt auf die Gesundheitsrisiken solcher Produkte hingewiesen und diese mit chronischen Krankheiten wie Adipositas in Verbindung gebracht. So wurde im Anfang 2026 veröffentlichten Economic Survey der Ruf nach mehr Warnhinweisen und einer eingeschränkten Werbung für diese Produkte laut. 

    Der oberste Gerichtshof Indiens wies Anfang 2026 darauf hin, dass beispielsweise eine Kennzeichnung von Lebensmitteln mit besonders viel Zucker oder Salz sinnvoll sei. Unternehmen, die diese Produkte in Indien verkaufen, sollten sich daher auf entsprechende Vorhaben vorbereiten. 

    Die Regierung arbeitet derzeit an einem System der Nährwertkennzeichnung für Lebensmittel, lokal als "Indian Nutrition Rating" bekannt. Die Kennzeichnung soll zukünftig auf der Vorderseite der Verpackung angebracht werden. Experten gehen davon aus, dass noch 2026 entsprechende Regelungen veröffentlicht werden.  

    Regelkonformität wird erleichtert

    Die für Lebensmittel zuständige Aufsichtsbehörde Food Safety and Standards Authority of India (FSSAI) setzte im Frühjahr 2026 Reformen um, die von Branchenunternehmen begrüßt wurden. Zu den Maßnahmen zählt ein vereinfachter Zertifizierungsprozess für Unternehmen in der Nahrungsmittelverarbeitung und im -verkauf. 

    War es bisher notwendig, eine einmal erlangte Zertifizierung durch die FSSAI regelmäßig zu erneuern, ist sie nun lebenslang gültig, sofern sie nicht entzogen wird. Auch Prüfungen der Unternehmen finden nur noch anlassbezogen statt, nicht mehr wiederkehrend. Das dürfte die Bürokratiekosten für Firmen deutlich reduzieren.  

    Von Florian Wenke | Mumbai

  • Große Unternehmensgruppen haben eine starke Marktstellung, wenngleich viele kleinere Unternehmen lokal Nahrungsmittel verarbeiten. Die Branche zieht Investitionen an.

    Indien zählt zu den größten Lebensmittelproduzenten weltweit und liegt bei der Herstellung landwirtschaftlicher Erzeugnisse wie Getreide (besonders Reis und Weizen), Obst und Gemüse sowie bei Milchprodukten mit an der Spitze. 

    Trotzdem hinkt die Agrar- und Lebensmittelindustrie bei Effizienz und Verarbeitungstiefe im internationalen Vergleich oft hinterher. Schätzungen gehen davon aus, dass lediglich 10 bis 15 Prozent der produzierten Lebensmittel verarbeitet werden. Während die Werte für beispielsweise Fleisch und Milch deutlich darüber liegen, ist der Verarbeitungsgrad von Obst und Gemüse geringer. 

    Produktion von Nahrungsmitteln in Indien schwanktAusgewählte Produkte; In Millionen Tonnen; Veränderung im Vergleich zur Vorperiode in Prozent

    Produkt

    2024/2025

    2025/2026*

    Veränderung

    Zuckerrohr

    454,6

    500,2

    10,0

    Getreide

    332,1

    324,8

    -2,2

    Milch und Milchprodukte

    247,9

    k. A.

    -

    Gemüse

    217,8

    216,2

    -0,7

    Obst

    117,6

    118,7

    0,9

    Ölsaaten

    43,0

    41,0

    -4,7

    Hülsenfrüchte

    25,7

    23,9

    -7,0

    Fisch und Meeresfrüchte

    19,8

    k. A.

    -

    Gewürze

    13,0

    12,8

    -1,5

    Fleisch

    10,5

    k. A.

    -

    Finanzjahre vom 1. April bis 31. März; Abweichungen durch Rundungen möglich; * Werte vorläufig.Quelle: Ministry of Agriculture and Farmers Welfare 2026; Department of Fisheries 2025; Ministry of Fisheries, Animal Husbandry & Dairying 2026

    Viele kleine Unternehmen prägen die Nahrungsmittelbranche

    Das National Statistical Office meldete in den letztverfügbaren Daten für 2024 fast 36.000 registrierte und aktive Produktionsstätten für die Nahrungsmittelverarbeitung. Insgesamt beschäftigt die Branche rund 1,8 Millionen Personen und sie ist einer der wichtigsten Teilbereiche der indischen Industrie im Hinblick auf die Anzahl der Fabriken, die Beschäftigtenzahl und auch die Wertschöpfung. 

    Die meisten Unternehmen liegen in den Bundesstaaten Andhra Pradesh, Tamil Nadu, Telangana und Maharashtra. Rund die Hälfte der Unternehmen befasst sich mit dem Mahlen von Getreide. Hier zählt der Bundesstaat Punjab ebenfalls zu den wichtigen Standorten. Mit Abstand folgen die Getränkeherstellung, Herstellung von Ölen und Fetten sowie die Produktion von Getränken beziehungsweise Milch und Milchprodukten. 

    Rund ein Fünftel der Beschäftigten arbeiten in Müllereien Anzahl an Unternehmen und Beschäftigten nach Bereichen der indischen Nahrungsmittelindustrie
    Bereich

    Anzahl aktiver Produktionsstätten

    Beschäftigte

    Herstellung von gemahlenen Getreideprodukten und Stärke

    18.077

    356.600

    Herstellung von Getränken

    2.153

    171.768

    Herstellung von pflanzlichen sowie tierischen Fetten und Ölen

    2.044

    94.840

    Herstellung von Milchprodukten

    1.935

    170.161

    Herstellung von Backwaren

    1.610

    135.024

    Verarbeitung von Obst und Gemüse

    1.234

    72.680

    Herstellung von Kakao, Schokolade und Süßwaren

    879

    73.147

    Verarbeitung von Fisch und Meeresfrüchten

    704

    114.757

    Verarbeitung von Fleisch

    154

    25.752

    Sonstige

    7.199

    561.153

    Insgesamt

    35.989

    1.775.882

    Die Angaben beziehen sich auf das Finanzjahr vom 1. April 2023 bis 31. März 2024.Quelle: National Statistical Office 2025

    Großunternehmen erzielen Milliardenumsätze

    Das Verhältnis zwischen Beschäftigten und Produktionsstandorten zeigt, dass viele der Firmen Klein- und Kleinstunternehmen sind. Auch der quantitativ nur schwer erfassbare informelle Sektor spielt bei der Verarbeitung von Lebensmitteln eine wichtige Rolle. 

    Die Regierung geht davon aus, dass 70 Prozent der nahrungsmittelverarbeitenden Unternehmen kleine und mittelgroße Unternehmen sind. Dominiert wird die Nahrungsmittelindustrie jedoch von großen indischen Unternehmen, darunter ITC, Parle Agro, MTR Foods, Britannia Industries, Amul und Haldiram sowie multinationalen Herstellern wie Nestlé, PepsiCo, Mondelez, Coca-Cola und Unilever. 

    Die indische Molkerei Amul übertrumpft internationale UnternehmenWichtige Branchenunternehmen in Indien; Umsatz in Millionen US-Dollar

    Unternehmen

    Wichtige Produktkategorien

    Umsatz 2025/2026

    GCMMF (Amul)Milch und Milchprodukte, Butter, Käse, Eis, Fertiggerichte

    9.198

    NestléInstantnudeln, Kaffee, Süßwaren, Milch und Milchprodukte

    2.488

    Tata Consumer ProductsGrundnahrungsmittel, Fertiggerichte, Getränke, Gewürze

    2.019

    Parle ProductsKekse, Snacks, Süßwaren

    1.983

    BritanniaKekse, Kuchen, Zwieback

    1.928

    Hindustan UnileverSoßen, Suppen, Getränke, Eis, Tee

    1.688

    ITC (Foods)Snacks, Kekse, Instantnudeln, Fertiggerichte, Gewürze

    1.588

    Dabur India (Foods)Fruchtsäfte, ayurvedisches Essen, Kochhilfen, Honig

    1.552

    Parle AgroFruchtsaftgetränke, Erfrischungsgetränke, Milchdrinks

    1.396

    Marico (Foods)Speiseöle, Fertiggerichte

    1.060

    Finanzjahr vom 1. April bis 31. März; Teils umgerechnet mit durchschnittlichem Wechselkurs laut Bundesbank für März 2026: 1 US$ = 92,76 indische Rupien.Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

    Modernisierungsprogramme laufen, aber langsam

    Der Aufbau von 41 sogenannten Mega Food Parks zur Verarbeitung von Lebensmitteln erfolgt weiterhin nur langsam. Diese Parks sollen den heimischen Nahrungsmittelproduzenten bessere Produktionsmöglichkeiten bieten und Investitionen aus dem Ausland anlocken. Mitte 2025 waren laut indischen Angaben neun Parks komplett fertiggestellt, weitere 16 in Betrieb genommen und die verbleibenden 16 weiterhin im Bau.

    Etwas besser kommt der Aufbau der "Agro Processing Cluster" voran. Ende März 2026 waren 24 von 62 Projekten wenigstens teilweise fertiggestellt, der Rest ist im Aufbau. Die Cluster sind Teil des Programms "Pradhan Mantri Kisan Sampada Yojana" und sollen für den Aufbau von Verarbeitungsstrukturen in der Nähe von Lebensmittelanbaugebieten sorgen. Dabei geht es insbesondere darum, die notwendige Infrastruktur zu schaffen. Das beinhaltet auch Lager- und Kühlhäuser sowie Sortier- und Verpackungsmöglichkeiten. 

    Durch die Nähe zu Anbaugebieten soll die Logistik vereinfacht werden. Insbesondere durchgehende Kühlketten sind in Indien nur unzureichend vorhanden und sorgen für Verluste. Nur schätzungsweise 10 Prozent der verderblichen Lebensmittel werden innerhalb geschlossener Kühlketten transportiert und gelagert. Der Bedarf an Lösungen, die auf den indischen Markt angepasst sind, ist entsprechend groß.   

    Das Programm "Scheme of Creation/Expansion of Food Processing & Preservation Capacities" macht ebenfalls Fortschritte. Beim Aufbau von Kapazitäten sowohl für Verarbeitung als auch für Kühlung waren von 76 genehmigten Projekten Anfang 2026 laut Regierungsangaben 58 Projekte abgeschlossen.

    Die Regierungsprogramme liefern einen wichtigen Beitrag, um Investitionen anzustoßen. Jedoch wird auch nach Abschluss der derzeit laufenden Programme eine Lücke zwischen Nahrungsmittelherstellung und -verarbeitung bestehen bleiben.  

    Neue Fertigungsanlagen entstehen

    Investoren haben das Potenzial des Produktionsstandorts Indien erkannt. Sowohl einheimische Firmen als auch die vor Ort tätigen Ableger internationaler Konzerne investieren. Zu den Investoren gehören auch deutsche Firmen. So begann Krones 2025 mit dem Bau eines Werkes in Indien. 

    Ausgewählte Investitionsprojekte der Ernährungswirtschaft in IndienInvestitionssumme in Millionen US-Dollar
    Projekt

    Investitionssumme

    ProjektstandAnmerkungen
    Bau und Erweiterung von Abfüllanlagen durch Coca-Cola

    2.714,4

    Absichtserklärung unterzeichnetDie Investitionen sollen in die Regionen Uttar Pradesh, Bihar, Andhra Pradesh, Telangana, Karnataka, Gujarat, Punjab, Rajasthan und Jammu fließen
    Investitionen in 10 bis 12 neue Produktionsstandorte durch Gujarat Co-operative Milk Marketing Federation

    1.053,7

    AngekündigtDas Unternehmen ist bekannt für seine Marke Amul. Die Gelder sollen indienweit und über 2 bis 3 Jahre investiert werden. Ein Großteil der Investitionen dürfte in die Verarbeitung von Milch und die Herstellung von Milchprodukten wie zum Beispiel Eiscreme fließen.

    Bau einer Lebensmittelfabrik durch Reliance Consumer Products

     

    158,1

    AngekündigtDie Anlage soll nahe Nagpur in Maharashtra entstehen. Es sollen Snacks, Backwaren und Speiseöle hergestellt werden. 

    Bau einer Lebensmittelfabrik durch Reliance Consumer Products

     

    121,8

    AngekündigtDie Anlage soll im Thoothukudi-Distrikt in Tamil Nadu entstehen. Es sollen Snacks, Backwaren und Speiseöle hergestellt werden. 
    Bau einer neuen Brauerei durch Carlsberg

    52,7

    AngekündigtDie Anlage soll in Ahilyanagar in Maharashtra entstehen. 
    Umrechnung anhand des durchschnittlichen Wechselkurses für 1. Mai 2026 laut Federal Reserve Bank: 1 US$ = 94,9 indische Rupien.Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

    Dem Department for Promotion of Industry and Internal Trade zufolge beliefen sich die ausländischen Direktinvestitionen im Bereich der Nahrungsmittelverarbeitung im Jahr 2025 auf 2,8 Milliarden US-Dollar (US$). Zwischen Januar 2000 und Dezember 2025 flossen insgesamt 15,9 Milliarden US$ in den Sektor. 

    Auch in Zukunft dürfte die Nahrungsmittelverarbeitung für Investitionen aus dem Ausland relevant bleiben. Experten schätzen, dass die Branche zwischen 2024 und 2026 von 355 Milliarden US$ auf 535 Milliarden US$ wachsen wird. Dieses starke Wachstum wird weiterhin Kapital anziehen. 

    Nahrungsmittelexporte sind zum Wirtschaftsfaktor geworden

    Nahrungsmittelimporte spielen für Indien eine untergeordnete Rolle. Lediglich bei Pflanzenölen und zu einem deutlich geringeren Maße bei Hülsenfrüchten importiert Indien Waren in größerem Umfang.

    Zunehmend entwickeln sich Teile der Lebensmittelproduktion zu wichtigen Exportbranchen. Die Regierung unterstützt dies. Zu den Exportprodukten zählen insbesondere Fisch und Meeresfrüchte aus Aquakulturen sowie Reis. 

    Für die Ausfuhr müssen die Waren nach international konkurrenzfähigen Standards verarbeitet und verpackt sein. Das macht Exportunternehmen zu wichtigen Kundengruppen für die dazu notwendigen Maschinen und Anlagen. 

    Von Florian Wenke | Mumbai

  • Die Zollbelastung bei der Einfuhr von Lebensmitteln sowie für Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen nach Indien ist teilweise erheblich. Zudem sind Lizenzen notwendig.

    Die Einfuhr von Nahrungsmitteln nach Indien unterliegt hohen Importzöllen. So gelten zum Beispiel für Milcherzeugnisse aus dem Zolltarifkapitel 04 Importzollsätze von 30 bis 60 Prozent. Schokolade und andere Kakaozubereitungen (HS-Position 1806), Kekse und Kuchen (HS 1905) und Konfitüren (HS 2007) unterliegen einem Zollsatz von 30 Prozent. Für Fruchtsäfte (HS 2009) gelten 35 Prozent (Orangensaft) beziehungsweise 50 Prozent (alle anderen Fruchtsäfte). Auch für Wein und Spirituosen (HS 2204/2208) fallen 50 Prozent an. 

    Neben dem Zoll (Basic Customs Duty; BCD)  wird in der Regel eine Sozialabgabe (Social Welfare Surcharge; SWS) in Höhe von 10 Prozent des Zollbetrags sowie die Umsatzsteuer (Integrated Goods and Services Tax; IGST) erhoben. Die IGST beträgt je nach Ware 0 oder 5 Prozent (reduzierte Sätze). Für Wein und Spirituosen fällt keine IGST an, aber eine Agricultural Infrastructure and Development Cess (AIDC) in Höhe von 100 Prozent (mit Ausnahme von Bourbon Whiskey, für den 50 Prozent AIDC gelten). Berechnungsgrundlage für die Abgabe AIDC ist der Zollwert der Waren.

    Für Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen (HS 8422.30) gilt ein Einfuhrzollsatz von 7,5 Prozent. Hinzu kommt die SWS in Höhe von 10 Prozent vom Zollbetrag, für die IGST gilt hier der Normalsatz von 18 Prozent.

    Verschiedene Behörden stellen notwendige Lizenzen aus

    Für die Einfuhr von Nahrungsmitteln benötigt der Importeur eine Lizenz der Nahrungsmittelüberwachungsbehörde Food Safety and Standards Authority of India (FSSAI). Für Waren, die nach der Einfuhrliste als einfuhrbeschränkt gelten (zum Beispiel bestimmte Fleischerzeugnisse), ist eine gesonderte Lizenz der Außenhandelsbehörde Directorate General of Foreign Trade (DGFT) erforderlich. Ausländische Hersteller von Fleisch- und Milcherzeugnissen, die beabsichtigen, ihre Waren nach Indien zu exportieren, müssen über ihre zuständige Behörde im Exportland bei der FSSAI gelistet sein.

    Für den Import von Milcherzeugnissen ist ein Gesundheitszeugnis (Health Certificate) aus dem Herkunftsland vorzulegen. Die aktuellen Import-Kennzeichnungsvorschriften der FSSAI gemäß der Verordnung "Food Safety and Standards Import Regulations" sind zu beachten.

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Von Florian Wenke | Mumbai

  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    AHK Indien 
    (Indo-German Chamber of Commerce)

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Ministry of Agriculture & Farmers' WelfareMinisterium für Landwirtschaft
    Ministry of Fisheries, Animal Husbandry & DairyingMinisterium für Fischerei, Tierhaltung und Milchwirtschaft
    Ministry of Food Processing IndustriesMinisterium für Nahrungsmittelverarbeitung

    Food Safety and Standards Authority of India

    Behörde für die Überwachung der Lebensmittelsicherheit und -standards

    Agricultural and Processed Food Products Export Development Authority

    Behörde zur Förderung von Nahrungsmittelexporten

    All India Food Processors' Association

    Verband der verarbeitenden Nahrungsmittelindustrie
    Indian Dairy AssociationVerband der Milchindustrie
    Federation of All India Farmer Associations [FAIFA]Interessenvertretung von Landwirten
    Biofach IndiaFachmesse; 6. bis 8. August 2026 in Greater Noida
    FI IndiaFachmesse; 26. bis 28. August 2026 in Mumbai
    ANUGA Select und ANUGA Food TecFachmessen mit deutschem Gemeinschaftsstand auf der ANUGA Select im Rahmen des Auslandsmesseprogramms; 29. September bis 1. Oktober 2026 in Mumbai (auf dem gleichen Messegelände)
    drinktech India Fachmesse; 28. bis 30. Oktober 2026 in Mumbai
    ProWineFachmesse mit deutschem Gemeinschaftsstand im Rahmen des Auslandsmesseprogramms; 18. bis 19. November 2026 in New Delhi
    Food & Beverages Processing – Processing, Packaging & Technology MagazineFachmagazin
    Food and Beverage NewsFachmagazin

     

    Von Florian Wenke | Mumbai