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Markttrends
Die Nachfrage wächst weiter, auch begünstigt durch Steuerkürzungen. Kfz-Hersteller müssen mit neuen gesetzlichen Regeln und Normen planen.
25.02.2026
Von Florian Wenke | Mumbai
Indiens Wirtschaft wächst weiterhin stärker als andere große Volkswirtschaften. Für das Finanzjahr 2025/2026 (1. April bis 31. März) prognostiziert der Internationale Währungsfonds eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts von 7,3 Prozent. Die robuste Konjunktur stützt die Fahrzeugnachfrage im drittgrößten Pkw-Markt der Welt.
Pkw wurden im Finanzjahr 2024/2025 in Indien produziert.
Der Fahrzeugabsatz steigt
Für das Finanzjahr 2025/2026 sind die Absatzaussichten gut. Die Verkaufszahlen lagen in den ersten drei Quartalen in allen Kategorien über den Vorjahreswerten. Experten gehen davon aus, dass der Absatz von Pkw im laufenden und im kommenden Jahr im mittleren einstelligen Prozentbereich wachsen wird. Der Absatz von Lkw dürfte ebenfalls seine Talsohle erreicht haben. Aufgrund des hohen Durchschnittsalters für Lkw von schätzungsweise 10 Jahren, geht die Ratingagentur ICRA von wachsender Nachfrage in den kommenden Jahren aus. Damit soll die überalterte Nutzfahrzeugflotte durch leistungsfähigere moderne Lkw ersetzt werden. Rund 60 Prozent der Nachfrage nach schweren und mittelschweren Lkw in Indien entfallen auf Ersatzanschaffungen.
Fast alle der großen Pkw-Hersteller legten beim Absatz zu. Aus deutscher Sicht beachtlich ist die positive Entwicklung von Škoda. Das Unternehmen macht dafür das Modell Kylaq und ein deutlich ausgebautes Vertriebsnetz verantwortlich. Dies unterstreicht die Beliebtheit von SUV (Sport Utility Vehicle) im Markt und wie wichtig die Nähe zum Kunden sowie Präsenz außerhalb der Großstädte des Landes ist.
Hersteller | Absatz 2024/2025 | Veränderung zur Vorjahresperiode | Marktanteil | Absatz 2025/2026*) |
|---|---|---|---|---|
Maruti Suzuki India | 1.760.767 | 0,1 | 40,9 | 1.321.381 |
Hyundai Motor India | 598.666 | -2,6 | 13,9 | 418.328 |
Tata Motors | 569.245 | -2,3 | 13,2 | 446.017 |
| Mahindra & Mahindra | 551.487 | 19,9 | 12,8 | 476.476 |
Toyota Kirloskar Motor | 309.230 | 25,9 | 7,2 | 270.414 |
| Kia Motors India | 255.207 | 3,9 | 5,9 | 204.710 |
| Honda Cars India | 65.925 | -23,9 | 1,5 | 42.536 |
| Skoda Auto India | 44.868 | 0,8 | 1,0 | 55.527 |
| Volkswagen India | 42.230 | -2,2 | 1,0 | 29.145 |
| Renault India | 37.900 | -16,6 | 0,9 | 29.763 |
| MG Motor India | 25.543 | -42,1 | 0,6 | 6.931 |
Hinzu kommt die robuste Nachfrage nach Fahrzeugen der Oberklasse. Sie macht nur einen kleinen Teil des Gesamtmarkts aus und wird von deutschen Premiumherstellern wie Mercedes dominiert. Branchenmedien zufolge setzte Mercedes 2025 rund 19.007 Fahrzeuge ab, nur etwas weniger als im Vorjahr.
Steuersenkung stärkt Kleinwagennachfrage
Im September 2025 senkte die indische Regierung die Umsatzsteuer für Kleinwagen von 28 auf 18 Prozent. Die Entwicklung kommt den Herstellern entgegen, denn indische Kunden sind preissensitiv. Derzeit haben viele indische Hersteller mit steigenden Materialkosten zu kämpfen und müssen daher genau abwägen, wie stark sie diese an die Verbraucher weitergeben. Maruti-Suzuki hat viele Kleinwagen im Sortiment und berichtet über eine Nachfragesteigerung bei Einstiegsmodellen von bis zu 50 Prozent. Dennoch bleibt die Fahrzeugnachfrage durch aufstrebenden Konsum charakterisiert. Die Nachfrage nach SUV beziehungsweise Fahrzeugen mit SUV-Optik bleibt weiterhin ungebrochen. Schätzungsweise 56 Prozent der 2025 abgesetzten Fahrzeuge gehörten zu dieser Kategorie. Die Markenbindung bleibt indes gering. Für indische Käufer zählen ein attraktiver Preis, robuste Technik und ansprechendes Design.
Zahlreiche Normen erhalten Updates
Mit dem Bharat New Car Assessment Program (Bharat NCAP) regelt Indien Crashtests und Sicherheitsbewertungen für Fahrzeuge. Die Regelungen laufen im September 2027 aus und die Regierung erarbeitet derzeit eine neue Version. Bisher liegen nur Entwürfe von NCAP 2.0 vor. Die neuen Vorgaben werden die Sicherheitsanforderungen an Fahrzeuge erhöhen. Kfz-Hersteller werden entsprechend investieren müssen, um beispielsweise ein elektronisches Stabilitätsprogramm in Fahrzeuge einzubauen. Allgemein spielen Crashtestrankings für die Kaufentscheidung der indischen Konsumenten jedoch eine untergeordnete Rolle.
Weitere Regelungen, die sich ändern, sind die Regeln für Grenzwerte für den durchschnittlichen Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) pro Pkw sowie die Normen für die Kraftstoffeffizienz der Fahrzeugflotten (Corporate Average Fuel Efficiency; CAFE). Die Regierung veröffentlichte Ende 2025 mehrere Entwürfe für CAFE III. Der derzeitige Entwurf sieht einen Gültigkeitszeitraum für CAFE III von 2027 bis 2032 und für CAFE IV von 2032 bis 2037 vor. CAFE III sieht beispielsweise vor, dass der durchschnittliche Kraftstoffverbrauch der Fahrzeugflotte von Herstellern von 3,7264 Litern 2027/2028 auf 3,0139 Liter pro 100 Kilometer bis 2031/2032 sinken muss.
Zudem werden die Messmethoden für den Schadstoffausstoß vom lokalen "Modified Indian Driving Cycle" auf den globalen Standard "Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure" umgestellt. Die Normen begünstigen besonders reine Elektrofahrzeuge und Kfz mit Wasserstoffantrieb und sollen ab 1. April 2027 gelten. Die Fahrzeughersteller sind bereits dabei, ihre Fahrzeuge entsprechend anzupassen.
Zudem beginnt der Übergang zu den Abgasnormen "Bharat Stage VII". Im Jahr 2026 wird ein erster Entwurf der neuen Regeln erwartet. Die Einführung dürfte dann noch Ende 2026 oder 2027 folgen. Die indischen Regelungen werden sich stark an den "EURO 7"-Schadstoffnormen orientieren.
Handelsabkommen sorgt für Begeisterung, aber mit Einschränkungen
Ende Januar 2026 einigten sich Indien und die Europäische Union auf den Abschluss eines Freihandelsabkommens. Der genaue Vertragstext ist noch nicht bekannt und bis zur Ratifizierung des Abkommens werden noch Monate vergehen. Experten rechnen erst für 2028 mit sinkenden Zöllen. Dennoch ist bereits klar, dass die Kfz-Branche mit geringeren Zöllen für Pkw, jedoch mit keinem kompletten Abbau der Zollbarrieren, rechnen kann. Unerfüllt bleibt zudem der Wunsch von Branchenvertretern, dass auch nicht tarifäre Handelshemmnisse, beispielsweise lokale Produktstandards, durch das Abkommen abgeschafft werden.
Für Fahrzeuge sollen die indischen Importzölle schrittweise über rund 10 Jahre sinken, zunächst auf 40 und später auf 10 Prozent. Derzeit werden in der Spitze Zölle von bis zu 110 Prozent erhoben. Gleichzeitig greifen die Zollvergünstigungen nur für eine Maximalzahl an Fahrzeugen. Diese wird sukzessive auf 250.000 steigen. Die Zollsenkung gilt für Pkw, die mehr als 15.000 Euro kosten, also teuer im indischen Kontext sind. Für Kfz-Teile wird es aller Voraussicht nach eine vollständige Zollsenkung nach fünf bis zehn Jahren geben, allerdings mit Ausnahmen für bisher nicht genannte Waren.