Wirtschaftsumfeld | Indien | Investitionsklima

Attraktives Investitionsklima zieht ausländische Geldgeber an

Indien zieht Milliarden an ausländischen Direktinvestitionen an. Auch aus Deutschland fließt Geld, besonders in einen Bundesstaat.

Von Florian Wenke | Mumbai

Indien ist an Investitionen aus dem Ausland interessiert. Grundsätzlich gibt es dafür zwei Wege: Die "Automatic Route" oder die "Government Route". Bei letzterer ist die Zustimmung der Regierung für die Investition notwendig. Seit 2014 wurden zahlreiche Obergrenzen unter der Government Route aufgehoben oder erweitert, zuletzt 2025 für die Versicherungsbranche. Damit wird der Investitionsprozess einfacher. 

Im German-Indian Business Outlook 2025 der Auslandshandelskammer (AHK) Indien gaben 79 Prozent der befragten Unternehmen an, bis 2030 ihre Investitionen in Indien steigern zu wollen.

Indien wünscht sich mehr Investitionen aus Deutschland. Die Investitionsbedingungen haben sich in den vergangenen Jahren verbessert, wenngleich Indien weiterhin ein komplexer Standort bleibt. Wer seine Lieferketten breiter aufstellen möchte oder neue Märkte sucht, kommt an Indien schwer vorbei, allein schon aufgrund der Marktgröße.

Jan Nöther Hauptgeschäftsführer AHK Indien

Zwischen Indien und Deutschland existiert derzeit kein Investitionsschutzabkommen. Indien hatte ein bestehendes Vertragswerk 2017 unilateral außer Kraft gesetzt. Derzeit verhandelt das Land mit der EU über ein umfassendes Freihandels- und Investitionsschutzabkommen. Eine Einigung halten Beobachter frühestens Ende 2025 für wahrscheinlich. In der Zwischenzeit kommen andere Instrumente zum Einsatz, so zum Beispiel die Investitionsgarantien des Bundes.

Indien glänzt bei angekündigten Greenfield-Investitionen

Der World Investment Report 2025 der Vereinten Nationen meldet, dass Indien 2024 Direktinvestitionen (Foreign Direct Investments; FDI) in Höhe von 28 Milliarden US-Dollar (US$) anzog, was in etwa dem Vorjahresniveau entsprach. Damit lag das Land auf Rang 16 aller erfassten Investitionsziele. Bei angekündigten Greenfield-Investitionen fand sich Indien mit etwas über 1.000 Projekten auf Rang 4 wieder hinter Großbritannien, aber vor Deutschland.

Das indische Department for Promotion of Industry and Internal Trade (DPIIT) erfasst ebenfalls FDI-Daten. Im Finanzjahr 2024/2025 (1. April bis 31. März) erhielt Indien rund 50 Milliarden US$ an FDI, inklusive des Erwerbs von Unternehmensanteilen. Für den Zeitraum von April bis Juni 2025 meldete DPIIT Zuflüsse von etwas unter 19 Milliarden US$. Seit April 2000 bis Juni 2025 sind 748 Milliarden US$ als Direktinvestitionen eingegangen. Laut DPIIT ist Deutschland mit rund 15 Milliarden US$ auf Rang 10 der wichtigsten Herkunftsländer für FDI. Den 1. Platz belegt seit Jahren Mauritius, es folgen Singapur und die USA. 

Branchenschwerpunkt der Investitionen bildet der Dienstleistungsbereich mit 16 Prozent Anteil an den FDI seit April 2000. Darunter fällt unter anderem die Auslagerung von Unternehmensdienstleistungen. Danach folgen die Bereiche Computersoft- und Hardware (16 Prozent), Handel und Telekommunikation (6 beziehungsweise 5 Prozent) und die Automobilindustrie (5 Prozent). 

Regionale Schwerpunkte bilden die Bundesstaaten Maharashtra mit 31 Prozent Anteil am FDI, Karnataka (21 Prozent), Gujarat (15 Prozent), die Hauptstadtregion New Delhi (13 Prozent) und Tamil Nadu (6 Prozent).

Maharashtra im Fokus deutscher Investitionen 

Zwischen 2.000 und 2.200 deutsche Unternehmen haben sich in Indien angesiedelt. Indischen Meldungen zufolge investierte die Bundesrepublik von April 2000 bis Juni 2025 rund 15,3 Milliarden US$ in Indien. Davon entfielen 469 Millionen US$ auf das Finanzjahr 2024/2025, in der Vorjahresperiode waren es 505 Millionen US$. Etwa 191 Millionen US$ wurden im Zeitraum April bis Juni 2025 investiert. 

Die seit April 2000 bis März 2025 aus Deutschland investierten Mittel verteilen sich zu 21 Prozent auf den Automobilsektor, rund 15 Prozent gingen in den Dienstleistungsbereich, 9 Prozent in den Maschinenbau, 8 Prozent flossen in den Handel und 7 Prozent in die chemische Industrie (ohne Düngemittel). 

Die wichtigste Region für deutsche Investitionen ist der Bundesstaat Maharashtra. Dort wurde seit April 2000 ein FDI-Anteil in Höhe von 47 Prozent verzeichnet, gefolgt von Tamil Nadu (17 Prozent) und Karnataka (15 Prozent). Ein Grund für die Bedeutung von Maharashtra liegt in der Clusterbildung. So gehen viele Investitionen in Regionen, in denen bereits deutsche Unternehmen angesiedelt sind. Dazu zählt Pune mit schätzungsweise 300 deutschen Firmen.

Die Deutsche Bundesbank hat ebenfalls wachsende deutsche Direktinvestitionen in Indien festgestellt. Der Direktinvestitionsbestand kletterte von umgerechnet knapp über 10 Milliarden US$ im Jahr 2010 auf 27,5 Milliarden US$ im Jahr 2023. 

Deutsche Unternehmen aus verschiedensten Branchen investieren in IndienBeispiele für deutsche Investoren in Indien; Ankündigungen und Absichtserklärungen aus dem Jahr 2025

Unternehmen

Branche

Volumen
Knorr BremseBahntechnik226 Millionen US$ für Bau einer Fabrik für Bremssysteme und Bahntüren
NordexWindenergie113 Millionen US$ für den Ausbau der bestehenden Anlagen
EBM-PapstElektrogeräte40 Millionen US$ für den Aufbau einer weiteren Fertigung
HerrenknechtMaschinenbau28 Millionen US$ für den Ausbau der bestehenden Anlagen
WitzenmannMetallverarbeitung23 Millionen US$ für den Ausbau der Produktion von Kfz-Teilen und Metallverbindungsstücken
Quelle: Pressemeldungen 2025; GTAI-Recherchen 2025

Investitionsförderung: Der Einzelfall entscheidet

Unterstützungsmaßnahmen für Firmen mit Investitionswunsch sind vielfach vorhanden. Sie reichen von Bundes- bis auf Gemeindeebene. Oft wird zusätzlich nach Branchen unterschieden. Allgemein ist derzeit ein zunehmender föderaler Wettbewerb zu beobachten. Unternehmen sollten daher die Förderangebote der Bundesstaaten vergleichen. Eine gezielte Unterstützung kann der Country Desk der Investitionsbehörde Invest India liefern, der für Anfragen aus Deutschland eingerichtet wurde. Die AHK Indien berät ebenfalls. Hinzu kommen individuelle Beratungsangebote privater Unternehmen. 

Für Interessenten, die Indien als Standort für die Exportproduktion nutzen wollen, ist ein Blick auf die Sonderwirtschaftszonen interessant. Diese sind auf Exportunternehmen ausgerichtet und bieten beispielsweise vereinfachte Verwaltungsverfahren bei Investitionen oder vergünstigte Importe.

Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

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