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Branchen | Indonesien | Pharma, Biotechnologie

Regierung will Medikamentenproduktion im Land stärken

Indonesien will Importe von pharmazeutischen Produkten ersetzen. Allerdings sind das Know-how im Land und die Ausgaben für Forschung & Entwicklung gering.

Von Frank Malerius | Jakarta

Indonesiens Gesundheitsmarkt ist auf Expansionskurs. Jährlich wächst die Wirtschaft um etwa 5 Prozent und die Bevölkerungszahl um fast drei Millionen. Regelmäßig eröffnen neue Krankenhäuser auf dem riesigen Archipel. Der Bedarf an Gesundheitsleistungen ist zudem durch die 2014 geschaffene allgemeine Krankenversicherung gestiegen, die auch ärmeren Bevölkerungsschichten einen konkreten Anspruch auf Krankenbehandlung und medikamentöse Versorgung verschafft. Derzeit sind etwa 230 Millionen der 280 Millionen Indonesier über sie versichert. Die Krankenversicherung wird staatlich bezuschusst, weil die Monatsbeiträge von umgerechnet wenigen US-Dollar nicht kostendeckend sind. So fließen zusätzliche Milliardenbeträge in die indonesische Gesundheitsversorgung, die andernfalls nicht erwirtschaftet werden könnten. 

Über die allgemeine Krankenversicherung hinaus kann die wachsende Mittelschicht aber auch mehr Gesundheitsleistungen aus eigener Tasche bezahlen. Der Bedarf danach wird getrieben durch ein stärkeres Gesundheitsbewusstsein und das Aufkommen von Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. 

Nachahmerprodukte bestimmen die heimische Produktion

Über die Größe des indonesischen Pharmasektors gibt es unterschiedliche Angaben. Das Statistikamt führt ihn nicht als eigenständige Branche, sondern zusammengefasst mit Chemie und der traditionellen Medizin. Das Beratungsunternehmen Cekindo taxiert den Pharmasektor im Jahr 2021 auf 10 Milliarden US-Dollar (US$). Auf diesen Wert bezieht sich die Europäische Handelskammer. Alle Beobachter prognostizieren ein weiteres Wachstum.

Laut Industrieministerium gibt es in Indonesien circa 270 Pharmaunternehmen, von denen etwa zwei Dutzend ausländisch sind. Die großen internationalen Konzerne sind oftmals mit eigener Herstellung vor Ort und produzieren mancherorts auch für den Export in die ASEAN-Region oder darüber hinaus. Sie benötigen zumeist einen lokalen Partner, der oft nur als stiller Teilhaber fungiert. Deutsche Konzerne wie Bayer, Merck, BASF und Böhringer Ingelheim sind seit vielen Jahren im Land.

Ausländische Pharmaunternehmen bedienen mit ihrer Produktion vor Ort ein breites Spektrum an Erkrankungen, seien es Stoffwechsel- und Nervenkrankheiten oder Krebstherapie und Immunologie. In diesen Feldern sind auch die deutschen Branchenvertreter vor Ort tätig. Die heimischen Produzenten konzentrieren sich vor allem auf die Herstellung günstiger Nachahmerprodukte. Diese bestimmen den lokalen Markt.

Indonesiens Pharmasektor ist zwar nicht zu international konkurrenzfähigen Neuentwicklungen fähig, gehört aber zu den wenigen Industriebereichen im Land, die eine nennenswerte Forschungstätigkeit haben. Immerhin hat Indonesien einen eigenen Covid-Impfstoff entwickelt (der in der Bevölkerung aber auf Skepsis trifft). Insgesamt gibt Indonesien aber gerade einmal 0,2 Prozent seiner Wirtschaftsleistung für Forschung und Entwicklung aus.

Deutschland ist wichtiger Lieferant von Medikamenten

Die allgemeine Krankenversicherung hat dem Absatz verschreibungspflichtiger Medikamente einen Schub gegeben. Ihr Anteil soll deutlich über der Hälfte der Medikamentenverkäufe liegen. Laut Marktteilnehmern ging dieses Wachstum auf Kosten der Selbstmedikation mit rezeptfreien Medikamenten. Aktuelle Zahlen sind nicht auffindbar.

Genaue Daten darüber, wie groß der Marktanteil in Indonesien produzierter Arzneimittel gegenüber importierter ist, sind ebenfalls nicht verfügbar. Branchenvertreter schätzen ihn auf etwa zwei Drittel. Laut der Aufsichtsbehörde für Nahrungsmittel und Medikamente (BPOM) sind etwa 80 Prozent der in Indonesien registrierten Medikamente lokal produziert. Die Medikamentenproduktion innerhalb Indonesiens entfällt laut Pharma-Marktforschungsunternehmen IQVIA mengenmäßig nur zu 7 Prozent auf ausländische Hersteller, wertmäßig aber zu 25 Prozent.

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Laut BPOM sind etwa ein Drittel aller importierten Produkte Krebsmedikamente, ein weiteres Drittel entfällt auf Diabetesmittel sowie Blutverdünner und Blutersatzstoffe. Weitere Produktgruppen sind Psychopharmaka, Medikamente für Atemwegserkrankungen, Sexualhormone und entzündungshemmende Mittel. Deutschland gehört hinter China und den USA zu den wichtigsten Lieferanten von Medikamenten.

Regierung will Importe durch lokale Produktion ersetzen

Ziel der Regierung ist, den Import von pharmazeutischen Produkten durch eine Herstellung vor Ort zu substituieren. Allerdings fehlt es an Kapital und Know-how - und für ausländische Unternehmen an Rechtssicherheit. Aktuell investiert aber die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) 8 Millionen US$ in den indonesischen Pharmahersteller Etana Biotechnologies für die Bereiche Forschung und Produktionsentwicklung.

Die indonesische Pharmabranche ist, genauso wie die meisten anderen Industriesektoren, hochgradig vom Import von Vorprodukten abhängig. Mehr als 90 Prozent ihrer Grundstoffe (Active Pharmaceutical Ingredients – API) muss sie im Ausland einkaufen. Bezugsmärkte sind vor allem China und Indien, aber auch Europa und die USA. Die Regierung will mehr Grundstoffe im eigenen Land produzieren. In vielen Bereichen dürfte das wirtschaftlich aber nicht sinnvoll sein, auch weil es an entsprechenden Lieferketten im Land mangelt und dies hohe Investitionen erfordern würde. 

Der flächendeckende Vertrieb von Medikamenten im Archipel mit seinen 6.000 bewohnten Inseln ist eine große Herausforderung. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums gibt es 2.300 Großhändler, 3.800 Pharmavertreter sowie 28.000 Apotheken. Die logistischen Netzwerke können die Produktsicherheit am Verkaufsort nicht durchgehend gewährleisten. Gefälschte Medikamente sind ein großes Problem und ein Thema von erheblicher öffentlicher Aufmerksamkeit. Immer wieder werden Fälscher gefasst. Der Großhandel gilt als schwächstes Glied der Kette. Branchenbeobachter schätzen, dass es sich bei mindestens 10 Prozent aller Medikamente im Umlauf um Fälschungen handelt.

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