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Tiefbau: Marktchancen für deutsche Unternehmen

Anspruchsvolle Infrastrukturvorhaben werden oft von asiatischen Konsortien geleitet. Deutschen Firmen bleiben Chancen als Subunternehmer oder Zulieferer, wenn Spezialwissen zählt.

Von Oliver Döhne | Jakarta

Der Tiefbau bietet für deutsche Unternehmen mit Abstand die besten Geschäftsaussichten. Besonders dort, wo es aus Sicherheitsgründen auf höchste Präzision ankommt oder wo aufgrund internationaler Finanzierung hohe Qualitätsstandards gelten. Das gilt zum Beispiel in der Öl- und Gasindustrie, die zurzeit wieder ausgebaut wird, beim Brückenbau, bei Kraftwerken, bei den geplanten Wasserstoff- und Carbon-Capture-Projekten und bei Investitionen im Bergbau-Downstreaming.

Eine weitgehend ungelöste Aufgabe mit dementsprechend großem Potenzial ist die Kreislaufwirtschaft. Nicht zuletzt besteht Bedarf an Hightech-Instrumenten zur Vermessung und Prüfung des Geländes von Transportwegen sowie zum Monitoring von Transportmitteln. 

Im Energiesektor sucht Indonesien Expertise für den Anlagenausbau auf Basis von Windkraft, Geothermie, Atomkraft, Solarenergie und Biokraftstoff. Vor allem müssen neue Übertragungsleitungen die erneuerbaren Energiequellen mit den Abnehmenden verbinden.

Deutsche Firmen mit Spezialwissen und besonderer Expertise sind regelmäßig involviert. Beispiele sind aufwendigere Bohrungen (Herrenknecht für das Abwassersystem in Jakarta) oder auch Verschalungen und Gerüste von neuen Industrieanlagen (Peri im Grasberg CUCL Kausang Copper Cleaner Project in Papua).

Deutsche Unternehmen punkten mit zuverlässiger Qualität

Auch wenn chinesische Firmen ein Projekt finanzieren, bauen und betreiben, kann die indonesische Seite darauf bestehen, dass deutsche Partner mit ins Boot kommen, etwa als Zulieferer von Verkehrs- und Sicherheitstechnik, Kraftwerkstechnik oder bei der Planung und Zertifizierung. Denn es hat sich herumgesprochen, dass chinesische Technik mitunter unzuverlässig sein kann. Insider berichten, dass im Kraftwerksbau mittlerweile viele Ausschreibungen so gehalten sind, dass sie Anbieter aus China ausschließen.

Bei Infrastrukturprojekten lauern jedoch auch die größten Risiken. Unter anderem müssen Baufirmen mit vielen staatlichen Stellen kooperieren und oft sind die Kompetenzen über die verschiedenen staatlichen Ebenen hinweg nicht klar verteilt. Das kann zu Streitigkeiten und Verzögerungen führen. Von der Planung über die Ausschreibung, Finanzierung und den Landerwerb bis zur Fertigstellung können Jahre vergehen. In allen Teilphasen kann es zudem zu unvorhergesehenen Ereignissen kommen, auch weil Korruption und Vetternwirtschaft weit verbreitet sind.

Public-Private-Partnerships bieten konkrete Chancen

Die Regierung will beim Ausbau der Infrastruktur in möglichst großem Umfang private Kapitalgeber beteiligen. In den letzten Jahren sind einige größere Vorhaben im Rahmen von öffentlich-privaten Projekten (Public-Private-Partnerships, PPP) in die Bauphase eingetreten. Dabei erwiesen sich staatliche chinesische, aber auch japanische Investoren als besonders aktiv. Sie bringen in der Regel eine Finanzierung zu sehr günstigen Konditionen mit. 

Seit einigen Jahren leiten in Indonesien vor allem chinesische Unternehmen große Infrastrukturprojekte. Viele von ihnen wurden in Regierungsverhandlungen eingefädelt. Für deutsche Unternehmen bleiben in erster Linie Chancen als Subunternehmer oder als Zulieferer. Die entsprechenden Geschäftsvolumina sind dann zwar kleiner, die Risiken jedoch auch geringer. Wer hauptverantwortlich ein Projekt durchführt, stößt nämlich im Land oft auf Widerstände, die das Vorhaben in vielen Fällen um Jahre verzögern. Potenzielle PPP-Projekte sind im jüngsten Infrastrukturplan 2025 der nationalen Planungsbehörde Bappenas gelistet.

Entwicklungszusammenarbeit des Bundes will deutsche Firmen stärker ins Boot holen

Die Institutionen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit wollen künftig stärker deutsche Unternehmen in ihre Förderprojekte einbinden. Bei größeren Projekten könnte ein Paket deutscher Produkte und Leistungen angeboten werden. Im Mittelpunkt stehen voraussichtlich die Sektoren Energiewirtschaft, Kreislaufwirtschaft und Transportinfrastruktur. Um die deutsche Entwicklungszusammenarbeit in Indonesien besser mit der deutschen Außenwirtschaftsförderung zu koordinieren, ist Mitte 2025 in Jakarta ein eigenes dafür zuständiges Desk eingerichtet worden.

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