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Indonesiens Sonderwirtschaftszone Batam gewinnt Investoren
Die indonesische Sonderwirtschaftszone Batam liegt in der Nähe von Singapur. Sie punktet mit industrieerfahrenen, günstigen Arbeitskräften und freiem Handel.
22.12.2025
Von Oliver Döhne | Jakarta
Das ehemals kärglich besiedelte Batam im westindonesischen Riau-Archipel hat sich zu einem bedeutenden Produktionszentrum im Umfeld Singapurs entwickelt. Die Insel liegt direkt an der "Autobahn des Welthandels", der Straße von Malakka. Diese Lage, ergänzt durch die von Indonesien gewährten Freihandelskonditionen und die günstigen Arbeitskräfte, machen Batam für viele internationale Firmen zu einem attraktiven Produktionsstandort für den Weltmarkt. Die kurzen Wege erlauben es, kommerzielle Aktivitäten im geschäftsfreundlichen Singapur zu betreiben.
Leichtpräzision für den Weltmarkt
Die Investitionen in Batam stiegen in den vergangenen fünf Jahren im Durchschnitt um etwa 13 Prozent pro Jahr; allein im 1. Halbjahr 2025 flossen etwa 2 Milliarden US-Dollar (US$) zu. Auf einer Investorenkonferenz in Singapur im November 2025 erhielt Batam Investitionszusagen in Höhe von circa 10,4 Milliarden US$ von 20 globalen Unternehmen in den Bereichen Energie, moderne Fertigung, Schifffahrt und Logistik.
Investitionsschwerpunkt ist aber die "Light Precision"-Industrie, zum Beispiel für Elektrokomponenten und Medizintechnik. Mehrere Unternehmen fertigen in Batam Präzisionsmodule wie Sensoren und Schalter, unter anderem Panasonic oder Schneider Electric. Hinzu kommt die japanische TDK Group, die Sensoren für die Automobilindustrie produziert, die auf Know-how des 2008 von TDK übernommenen Siemens-Spin-Offs Epcos basieren.
Infineon Technologies führt in Batam Back-End-Prozesse für Halbleiter durch, unter anderem für die globale Kfz-Industrie. Ein Konsortium mit Beteiligung des deutschen Spezialglasherstellers Horn Glass plant Pressemeldungen zufolge Anlagen für die Halbleiter-, Quarzsand- und Hightech-Glasproduktionsanlagen.
Die fränkische Firma Wohlrab produziert in Batam unter anderem Kunststoffgehäuse für Hörgeräte und beliefert zahlreiche globale Branchengrößen, auch in Europa. Präsent sind zudem größere einheimische Auftragsfertiger wie das Unternehmen PT Sat Nusapersada, das für globale Hersteller Handys, Notebooks und andere Unterhaltungselektronik sowie elektronische Industrieausrüstung produziert.
Doch auch andere Branchen produzieren in Batam: Das Freiburger Unternehmen Madeira stellt dort Stickgarn, Webgarn und Spezialfäden her, hauptsächlich für den US-Markt. Die schwäbische Carl Stahl Hebetechnik unterstützt unter anderem Werften sowie die Öl- und Gasindustrie neben dem Vertrieb auch mit Wartung, Reparatur, Training und Sicherheitsinspektionen. Varta fertigt Batteriezellen, beispielsweise für Haushaltsbatterien und Mikro-Akkus. Die bayerische Surteco stellt dekorative Oberflächenmaterialien für Möbel und Böden her, wobei Batam als Hub für die Asien-Pazifik-Region dient.
Zollfreier Handel und weitere Anreize
Obwohl die gesamte Insel und auch die Nachbarinsel Bintan Freihandelszonen sind, haben sich Unternehmen in verschiedenen Industrieparks mit jeweiligem Schwerpunkt angesiedelt. Dazu zählen der Industriepark Batamindo für Elektronik und Präzisionsingenieurdienstleistungen, der Kabil Integrated Industrial Estate für Öl und Gas, Schwerindustrie, Schiffbau sowie Marinedienstleistungen und der Nongsa Digital Park für Digitales und Kreativdienstleistungen.
Weitere Industrieareale werden derzeit entwickelt, unter anderem durch die Gesellschaft Gallant, ein Joint Venture des indonesischen Salim-Konglomerats und der singapurischen Sembcorp. Die Betreibergesellschaften der Industrieparks unterstützen Investoren bei der Beantragung von Betriebslizenzen, der Suche nach Arbeitskräften, dem Erhalt von Arbeitsgenehmigungen und Visa für Ausländer oder dem Logistikmanagement.
Ausgewählte Anreize für eine Produktion in Batam
- Kein Zoll, keine Mehrwertsteuer und keine Luxusgüter-Verkaufssteuer auf Rohmaterial, Maschinen und Ausrüstung, die nach Batam gebracht werden;
- Vereinfachte Zollabwicklung für exportorientierte Unternehmen und Möglichkeit des zollfreien Reexports;
- One-stop-Lizenzierung durch die Behörde BP Batam (Badan Pengusahaan Batam);
- Sektorspezifische Steuervorteile und Sondertarife
Infrastruktur wird stetig verbessert
Im Jahr 2024 begannen der singapurische Telekomanbieter Singtel und der indonesische Partner Telin das Projekt eines Unterseekabels, speziell zur Verbindung von Datenzentren in Batam und Singapur. Die 100 Kilometer lange Sonderleitung wird eine Datenübertragung ermöglichen, mit hoher Bandbreite und minimalen Verzögerungen (low-latency) für Künstliche Intelligenz, Cloud Computing und andere digitale Dienstleistungen. Die Verbindung soll Ende 2026 in Betrieb gehen.
Der internationale Flughafen in Batam besitzt die längste Start- und Landebahn Indonesiens; für den maritimen Transport verfügt die Insel über vier Handelshäfen und fünf internationale Passagierterminals.