Wirtschaftsumfeld | Iran | Wirtschaftsstruktur
Irans Industrie ist trotz Isolation breit aufgestellt
Iran besitzt große Kapazitäten bei Öl und Gas und der verarbeitenden Industrie. Allerdings fehlen infolge von Sanktionen Investitionen. Der Krieg verschärft die Situation.
09.06.2026
Iran zählt zu den rohstoffreichsten Ländern weltweit. Nach Angaben der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) verfügte die Islamische Republik Ende 2025 über nachgewiesene Ölreserven von rund 208 Milliarden Barrel und lag damit auf Rang 3 der erdölreichsten Länder. Auch bei Erdgas gehört Iran mit etwa 34 Billionen Kubikmetern zur Weltspitze und liegt hinter Russland auf Rang 2. Produktion, Ausfuhr und Wertschöpfung bleiben jedoch deutlich hinter dem möglichen Potenzial zurück. Hauptgründe sind die seit 2018 wieder verschärften US-Sanktionen sowie der begrenzte Zugang zu Technologie und Finanzierung. Die Zuspitzung des Konflikts zwischen Iran, Israel und den USA sowie der seit Ende Februar 2026 andauernde Krieg belasten zusätzlich Handel, Energieinfrastruktur und Transportwege.
Laut OPEC lag die durchschnittliche Rohölproduktion 2025 bei rund 3,26 Millionen Barrel pro Tag und damit etwa auf dem Niveau des Vorjahres. 2023 lag die Förderung noch bei 2,88 Millionen Barrel pro Tag. Anfang 2026 bewegte sie sich nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters bei etwa 3,3 Millionen Barrel pro Tag. Vor der Reaktivierung der US-Sanktionen im Jahr 2018 waren es rund 3,8 Millionen Barrel pro Tag. Hauptabnehmer der Ausfuhren ist China. Die Eskalation seit dem Frühjahr 2026 verschärft den Zielkonflikt: Höhere Ölpreise können Einnahmen kurzfristig stützen, zugleich erhöhen Angriffe, Logistikstörungen und teurere Transporte die Risiken für Förderung und Exporte.
Mittelfristig hält die Regierung an Ausbauplänen für Öl und Gas fest. Ohne breiteren Zugang zu ausländischer Technologie, Finanzierung und internationalen Partnern dürfte die Umsetzung schwierig bleiben. Die Sicherheitslage kann neue Vorhaben zusätzlich verzögern, weil Kapital stärker in Schutzmaßnahmen, Reparaturen und Versorgungssicherung fließt.
Industrie diversifiziert
Das verarbeitende Gewerbe bildet neben Öl und Gas die wichtigste industrielle Basis des Landes. Besonders relevant sind Petrochemie, Kfz-Industrie, Metalle, Nahrungsmittelverarbeitung und Baustoffe. Nach Daten der Weltbank lag der Anteil der Industrie an der Wirtschaftsleistung zuletzt bei rund einem Fünftel. Der breitere Industriesektor einschließlich Bau kam auf gut ein Viertel des Bruttoinlandsprodukts.
Die Petrochemie nimmt eine Schlüsselrolle ein. Iran baut sie trotz Sanktionen weiter aus. Ziel ist, Gasvorkommen industriell zu nutzen und Exporteinnahmen außerhalb des Rohölgeschäfts zu ermöglichen. Nach Angaben der staatlichen National Petrochemical Company (NPC) erreichte die nominale Produktionskapazität 2024/2025 (iranisches Jahr: März 2024 bis März 2025) rund 96,6 Millionen Tonnen. Für 2025/2026 werden rund 100 Millionen Tonnen genannt. Die Planungen sehen bis 2028/2029 einen Wert von 131,5 Millionen Tonnen vor. Diese Angaben beschreiben Kapazitäten beziehungsweise Zielgrößen, nicht die tatsächliche Produktion. Die Auslastung ist anfällig, weil Gas- und Feedstock-Engpässe, technische Einschränkungen und Finanzierungsprobleme den Betrieb bremsen, auch ohne Krieg.
Die Branche zeigt damit exemplarisch die Grundstruktur der iranischen Industrie. Umfangreiche Anlagen treffen auf unsichere Energieversorgung, begrenzten Technologiezugang und knappe Finanzierung. Der Konflikt erhöht den Druck: Im Frühjahr 2026 stoppte Iran laut Reuters petrochemische Exporte vorübergehend, um den Binnenmarkt mit Rohstoffen zu versorgen. Normalerweise führt das Land rund 29 Millionen Tonnen petrochemische Produkte im Wert von etwa 13 Milliarden US-Dollar (US$) pro Jahr aus.
Autoindustrie fällt zurück
Die Automobilindustrie zählt weiter zu den wichtigsten Industriezweigen Irans. Nach Daten der Organisation Internationale des Constructeurs d’Automobiles (OICA), dem internationalen Verband der Automobilhersteller, produzierte Iran 2025 über 1 Million Fahrzeuge. Damit bleibt das Land ein bedeutender regionaler Hersteller, liegt aber deutlich unter dem bisherigen Höchstwert von rund 1,7 Millionen Fahrzeugen im Jahr 2011. Strukturelle Schwächen bleiben begrenzter Zugang zu ausländischer Technologie, veraltete Modellpaletten, Qualitätsprobleme, staatliche Preiskontrollen und hohe Abhängigkeit von lokalen Zulieferketten. Die Autohersteller Iran Khodro und Saipa dominieren den Markt. Chinesische Modelle gewinnen an Bedeutung. Für Zulieferer und Investoren wäre der Markt groß. Doch Konflikt, Sanktionen und Preiskontrollen erschweren Planung und Finanzierung.
Sektoren | Anteil an der Bruttowertschöpfung 2) | Anteil an den Beschäftigten 3) |
|---|---|---|
Land- und Forstwirtschaft, Fischerei | 13,2 | 14,8 |
Bergbau (inklusive Öl- und Gasförderung | 10,9 | 0,8 |
Öl- und Gasförderung | 8,5 | - |
Verarbeitendes Gewerbe | 19,9 | 17,2 |
Energieversorgung | 0,5 | 0,7 |
Wasserversorgung, Abwasser- und Abfallentsorgung | 0,1 | 0,7 |
Baugewerbe | 5,8 | 14,2 |
Dienstleistungen | 49,6 | 51,6 |
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Teheran und Khuzestan sind führende Wirtschaftsregionen
Regional konzentriert sich die Wirtschaft stark auf wenige Räume. Die Hauptstadtregion mit Teheran und Alborz ist das wichtigste wirtschaftliche Zentrum. Dort bündeln sich Dienstleistungen, Handel, Immobilienwirtschaft, Verwaltung, Finanzaktivitäten und ein bedeutender Teil der Industrie. Auch ohne aktuelle belastbare Zahlen: die Region hat für Wertschöpfung, Konsum und Unternehmensstandorte eine herausgehobene Bedeutung.
Provinz (Hauptstadt) | Anteil an der Bruttowertschöpfung (in Prozent) | Bruttowertschöpfung pro Kopf (in US$) 2) | Bevölkerung (in Millionen) |
Teheran (Teheran) | 22,6 | 3.855 | 14,0 |
Khuzestan (Ahvaz) | 13,9 | 6.669 | 5,0 |
Isfahan (Isfahan) | 6,1 | 2.710 | 5,3 |
Bushehr (Bushehr) | 5,4 | 10.343 | 1,2 |
Khorasan Razavi (Mashad) | 4,7 | 1.630 | 6,9 |
Fars (Shiraz) | 4,2 | 1.998 | 5,1 |
Kerman (Kerman) | 3,8 | 2.720 | 3,3 |
East Azarbayejan (Tabriz) | 3,6 | 2.123 | 4,0 |
Mazandaran (Sari) | 3,1 | 2.224 | 3,4 |
Alborz (Karaj) | 2,8 | 2.307 | 2,9 |
Die Provinz Khuzestan mit der Hauptstadt Ahvaz liegt im Südwesten Irans an der Küste zum Persischen Golf und ist wegen der Öl- und Gasförderung, Raffinerien und Petrochemie strategisch besonders wichtig. Die Provinz trägt wesentlich zur Energie- und Exportbasis des Landes bei und ist dadurch anfällig für Schäden an Infrastruktur, Produktionsanlagen und Logistik. Offiziellen iranischen Angaben zufolge konzentriert sich die Ölförderung vor allem in Khuzestan, während die Provinz Bushehr, die sich an der Küste entlang Richtung Südosten erstreckt, für Gas und Kondensate aus South Pars zentral ist.