Branche kompakt | Japan | Abfallwirtschaft

Branchenstruktur

Japans Abfallwirtschaft funktioniert gut. Nationale Anbieter dominieren den Markt. Zum Teil sind auch ausländische Firmen präsent.

Von Frank Robaschik | Tokyo

Aufgrund der kommunalen Verantwortung ist die Abfall- und Recyclingbranche sehr kleinteilig. Lizenzen, beispielsweise für Transport und Behandlung von Abfällen, werden meist an lokale Firmen vergeben. Dagegen dominieren beim Bau und dem Betrieb von Müllverbrennungs- und Recyclinganlagen große Unternehmen, da Kapital, Lizenzen und technologisches und ausschreibungsrelevantes Know-how verfügbar sein müssen. Eine Reihe von Firmen ist im Metallrecycling tätig.

Japanische Firmen dominieren den Abfallwirtschaftssektor

Japan hat einige Hersteller von Entsorgungs- und Recyclingausrüstung in verschiedenen Segmenten, die sich um die Bestellungen der zumeist öffentlichen Auftraggeber bemühen. Eine Übersicht über die Ausrüstungs- und Dienstleistungsanbieter in verschiedenen Segmenten der Entsorgungswirtschaft bietet das Umweltministerium. Zu den großen einheimischen Anbietern gehören unter anderem Kanadevia, Ebara Environmental Plant, JFE Engineering, Mitsubishi Heavy Industries Environmental & Chemical Engineering, Kawasaki Heavy Industries und Takuma. In der Wasser- und Prozessaufbereitung ist Kurita Water Industries ein großer Player. Die Unternehmen sind im Branchenverband Japan Environmental Facilities Manufacturers Association (JEFMA) organisiert. Kanadevia prüft zurzeit eine Fusion mit Nippon Steel Engineering, das ebenfalls in der Entsorgungswirtschaft tätig ist. Im Ausland ist Kanadevia mit der Tochterfirma Kanadevia Inova mit Hauptsitz in der Schweiz vertreten. 

Von deutscher Seite im Markt vertreten ist der Sortieranlagenhersteller Sesotech. Der japanische Maschinenbauer Kubota übernahm 2022 die deutsche Firma Brabender Technologie und bietet deren Dosierlösungen für Recyclingprozesse auch auf dem japanischen Markt an. Auch bei Schreddern sind deutsche Anbieter auf dem Markt vertreten.

Funktionsfähiges System etabliert

Japans Abfallwirtschaft ist gut ausgebaut. Für die Abfallsammlung und die -entsorgung des Haushaltsmülls sind die Kommunen verantwortlich und erhalten dafür von der Zentralverwaltung Zuschüsse. Gewerbeabfälle sammeln private Firmen und verwerten diese zum Teil wieder. Für die Industriemüllbehandlung sind die Verursacher selbst verantwortlich und werden von den Präfekturen kontrolliert.

Die Anlagen werden zumeist von privaten Anbietern im Auftrag der öffentlichen Verwaltung betrieben. Von ausländischer Seite ist die Veolia Group mit mehreren Tochterfirmen im Markt aktiv. Schwerpunkte sind das Recycling von Kunststoffbehältern und Dienstleistungen rund um Industrieabfälle.

Müllverbrennungsanlagen und Deponien für Siedlungsabfälle in Japan *)
 

2022

2023

Müllverbrennungsanlagen (Anzahl)1.0161.004
  Tageskapazität (1.000 t)175175
  mit Abwärmenutzung (Anzahl)730724
  mit Stromerzeugung (Anzahl)404411
  Stromkapazität (MW)2.2082.230
Deponien (Anzahl)1.5571.554
  Gesamtkapazität (Mio. cbm)467467
  Restkapazität (Mio. cbm)9796
  Ende der Betriebsdauer (Jahre)23,424,8
* jeweils Fiskaljahr (01.04. bis 31.03.).Quelle: Municipal Waste Discharge and Treatment Status 2023/Ministry of Environment 2025

Bei Siedlungsmüll, der Abfälle aus Haushalten und solche aus Gewerben (Restaurants, Geschäfte, Büros) umfasst, fällt das Aufkommen seit 2016, 2023 waren es 39 Millionen Tonnen. Die Recyclingrate liegt seit Jahren bei etwa 20 Prozent.

Bei Industrie- und Landwirtschaftsabfällen unterscheidet Japan 19 Kategorien. Zudem gibt es Unterpositionen für Sondermüll (medizinische Abfälle, Giftmüll), die jedoch statistisch nicht extra aufgeführt werden. Das Aufkommen lag 2023 bei 365 Millionen Tonnen. Im Jahr 2020 waren es noch 386 Millionen Tonnen. Schlämme, Gülle und Bauschutt machen 80 Prozent der Abfallmenge aus. Die Recyclingrate von Industriemüll stieg von 2020 bis 2023 um einen Prozentpunkt auf 54 Prozent.

In einzelnen Kategorien wie Haushaltsgeräten und PET-Flaschen sind die Recyclingraten mit über 85 Prozent sehr hoch. Das gilt auch für  Segmente wie Bauschutt oder Fahrzeug-Airbags. 

Abfallaufkommen in Japan 2023 *)in Millionen Tonnen; Rate in Prozent
 

Siedlungsabfälle

Industrieabfälle

Müllaufkommen gesamt 39,0365,0
Wiederverwertete Menge 7,6198,7
Endgültige Entsorgung 3,28,6
Recyclingrate 19,554,4
* Fiskaljahr (01.04. bis 31.03.).Quelle: Municipal Waste Discharge and Treatment Status 2023, Industrial Waste Discharge and Disposal Status 2023/Ministry of Environment, 2025

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