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Special | Kanada | Klimaschutzatlas

Klimaschutz-Atlas

Fachkräfte für den Klimaschutz: Bedarf viel höher als das Angebot

Kanada erwartet bis 2030 einen massiven Fachkräftemangel in der Umwelttechnik, aber auch in klassischen Industrien des verarbeitenden Gewerbes.

Von Daniel Lenkeit | Toronto

Kanadas Plan für Klimaneutralität bis 2050 baut (möglicherweise zu einseitig) auf Technologieförderung. Eine nennenswerte Initiative zur Sicherung qualifizierter Arbeitskräfte gibt es bisher nicht. In einem umfassenden Report vom Februar 2022 stellt die Royal Bank of Canada (RBC) einen bedeutenden Mangel an Fachkräften für die Umsetzung des kanadischen Klimaplans fest.

Mehr als 15 Prozent des kanadischen Arbeitsmarkts, so RBC, werden in den nächsten zehn Jahren massive Veränderungen durchlaufen. Nahezu alle wichtigen Industrien seien von der Umstellung auf eine grüne Wirtschaft betroffen. Die ersten Firmen, die von der Energiewende in Kanada betroffen sind, gehören unter anderem zur Wasserstoffwirtschaft. Zu den wichtigsten zählen etwa Ballard Power Systems, Hydrogenics oder New Flyer. Nicht nur sie werden zahlreiche neue Ingenieure für Brennstoffzellentechnik benötigen.

In allen Industriebereichen fehlen künftig Fachkräfte

Auch Unternehmen aus der Schwerindustrie werden Arbeiter mit neuen Qualifikationen brauchen, beispielsweise Mechatroniker. Und die kanadische Bank ist weiter davon überzeugt, dass nahezu alle Betriebe des verarbeitenden Gewerbes inklusive der Bauwirtschaft auf einen Mangel an klassischen Ausbildungsberufen treffen. Der Bedarf an Schweißern, Maschinenschlossern, Mechanikern und Metallurgen ist ohnehin schon größer als das Angebot. Und die Schere dürfte in den nächsten fünf Jahren weiter aufgehen.

Kanadas Wirtschaftswachstum wird entscheidend davon abhängen, ob die Lücke auf dem Arbeitsmarkt gefüllt werden kann. Die RBC berechnet in ihrem Report, dass bereits ab 2025 etwa 27.000 Fachkräfte für Umwelttechnologien fehlen. Die Geschäftsbank erwartet ferner, dass in fünf Jahren 7.500 Managementpositionen unbesetzt bleiben und 7.300 Ingenieure und Physiker fehlen.

Klimapolitik schafft zusätzliche Arbeitsplätze und Ausbildungsfelder

Die zunehmende Elektrifizierung der Wirtschaft und des Verkehrs mit grünem Strom wird vor allem den Bedarf an Elektro- und Energietechnikern erhöhen. Insgesamt, so die RBC, werden bis 2030 durch Kanadas Klimapolitik knapp 100.000 neue Jobs in Berufen entstehen, deren Ausbildungsanforderung gleich bleibt. Zusätzlich sollen mit dem Wandel hin zu Klimaneutralität zischen 235.000 und 400.000 neue Stellen mit veränderten Tätigkeits- und Ausbildungsfeldern entstehen.  

Weitere Studien, wie die von Clean Energy Canada, eines Hochschulprogramms der Simon Fraser Universität (British Columbia), erwarten allein im Bereich der Elektroautoindustrie ein Wachstum der Stellen bis 2030 um 40 Prozent auf 184.000. Ebenso soll der Bedarf im Sektor saubere Energien um 50 Prozent steigen. Schon heute arbeiten dort circa 430.000 Beschäftigte. Liegen die Forscher richtig, braucht Kanada in den nächsten acht Jahren über 200.000 neue Fachkräfte im Bereich erneuerbare Energien.


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