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Wirtschaftsausblick | Tansania

Gute Aussichten für Tansanias Wirtschaft

Das Wachstum der Wirtschaft in dem ostafrikanischen Land beschleunigt sich und bietet viele Geschäftsmöglichkeiten. Der Devisenmangel erschwert allerdings Importe.

Von Carsten Ehlers | Nairobi

Top Thema: Präsidentin Hassan sorgt für besseres Geschäftsklima

Politisch haben sich die Rahmenbedingungen zuletzt deutlich verbessert, da die seit 2021 amtierende Präsidentin Samia Suluhu Hassan wirtschaftsfreundlicher agiert als ihr Vorgänger. Beispiele für ein investorenfreundlicheres Klima sind die großzügigere Vergabe von Arbeitsvisa für Ausländer sowie die als Aufwertung zu verstehende Ansiedlung der Investitionsbehörde Tanzania Investment Centre (TIC) direkt unter dem Präsidialamt.

Als Verbesserung sehen viele Beobachter auch die rechtlichen Rahmenbedingungen im Bergbau durch die im Jahr 2022 veröffentlichten neuen "State Participation Regulations (SPR)". Diese sehen einen staatlichen Anteil an Minen zwischen 16 und 50 Prozent vor, wobei der Staat bislang bei Konzessionsvergaben nur 16 Prozent in Anspruch nahm. Insgesamt ist die Stimmung unter den Unternehmen deutlich optimistischer, und auch die Investitionstätigkeit hat seit dem Amtsantritt Hassans zugenommen. Inzwischen gilt ihre Wiederwahl im Oktober 2025 als wahrscheinlich.

Wirtschaftsentwicklung: Wachstum bleibt auf hohem Niveau

Die Konjunkturaussichten für Tansania sind für 2024 positiv. Die Economist Intelligence Unit (EIU) rechnet mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von etwa 6,1 Prozent; die Weltbank geht von 5,5 Prozent aus. Für ein Entwicklungsland, das zudem ein hohes Bevölkerungswachstum aufweist, würde ein solches Wachstum noch keinen Boom bedeuten aber eine durchaus solide Konjunktur. Auch die wirtschaftlichen Aussichten für die kommenden Jahre sind gut. Tansania zählt aktuell zu den interessantesten Märkten auf dem Kontinent.

Im Gegensatz zu anderen Ländern der Region konnte die Inflation unter Kontrolle gehalten werden. Nach 3,8 Prozent im Jahr 2023 prognostiziert EIU für 2024 eine Rate von 4,4 Prozent. Der Wertverlust Tansania-Schillings (T.Sh.) gegenüber dem Euro lag zwischen Januar 2023 und Januar 2024 bei fast 9 Prozent; nicht unbedeutend für den Handel, aber deutlich geringer als in anderen Staaten wie Kenia. Devisen sind knapp und damit für Unternehmen nicht immer einfach zu bekommen.

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Investitionen bleiben auf hohem Niveau

Unternehmensvertreter gehen davon aus, dass die großen Infrastrukturprojekte weitergeführt werden. Dazu gehören der Bau einer Eisenbahnlinie von Daressalam quer durch das Land in den Westen und der Bau des Wasserkraftwerks Julius Nyerere (2.115 Megawatt). Hinzu kommt der geplante Bau der East African Crude Oil Pipeline (EACOP) von Uganda zur Hafenstadt Tanga durch die Konzessionäre TotalEnergies und CNOOC (China National Offshore Oil Corporation).

Gleichzeitig gibt es Anzeichen dafür, dass 2024 weniger neue staatliche Projekte hinzukommen werden, da auch der Regierung das Geld für weitere Projekte dieser Art fehlt. Informationen zu aktuellen Projekten bietet die GTAI-Länderseite Tansania, Rubrik "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Die Investitionen des Privatsektors nehmen dagegen zu. Im boomenden Tourismus investieren auf Sansibar erstmals internationale Ketten in zahlreiche große Hotels. Der Bergbau weitet die Förderung von Gold und Grafit aus. Auch die Konsumgüter- und Baustoffindustrie sowie die Landwirtschaft expandieren. Detaillierte Branchenberichte bietet die GTAI zu den Sektoren Landwirtschaft, Bau, Bergbau, Energie und Wasser. Hintergrundinformationen zum Investitionsstandort Tansania bietet unsere Reihe "Wirtschaftsstandort".

Trotz der relativ niedrigen Inflation dürfte der Konsum auch 2024 unter seinem Potenzial bleiben. Er wächst zwar, aber langsamer als das BIP. Importierte Konsumgüter sind aufgrund hoher Transportkosten und der Abwertung des T.Sh. deutlich teurer geworden. Mittelfristig bieten jedoch die hohe Bevölkerungszunahme von etwa 1,8 Millionen Menschen pro Jahr sowie eine wachsende urbane Mittelschicht Potenzial. Dies zeigt sich an wachsenden Investitionen in die Konsumgüterindustrie und die Landwirtschaft.  

Rahmenbedingungen erschweren den Außenhandel

Aktuell ist der Import von Ware teuer. Dazu tragen Lieferkettenprobleme, Devisenknappheit, steigende Frachtkosten und Effizienzprobleme im Hafen von Daressalam bei. Große Teile des Hafens von Daressalam wurden im Oktober 2023 für 30 Jahre an den Betreiber Dubai Ports World (DP World) vergeben. DP World will in den kommenden Jahren etwa 250 Millionen US-Dollar in die Modernisierung der Anlagen investieren, sodass mit Verbesserungen gerechnet werden kann.

Vorübergehend teurer wird die Fracht, weil fast alle Schiffe aus Europa statt durch den Suez-Kanal den langen Umweg über Südafrika nehmen müssen, aufgrund der Attacken der von Jemen aus operierenden Huthi-Miliz auf Frachtschiffe.

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Deutsche Perspektive: Investitionsgüter bleiben gefragt

Die Aussichten für deutsche Exporte nach Tansania sind im Jahr 2024 gut, insbesondere bei Investitionsgütern wie Maschinen für private Projekte. Gleichwohl dürfte es schwer werden, an das gute Geschäft der letzten Jahre anzuknüpfen. Von Januar bis Oktober 2023 lag der deutsche Ausfuhrwert bei etwa 141,4 Millionen Euro. Damit dürfte der Rekord aus dem Jahr 2022 deutlich verfehlt worden sein.

"Nachdem Präsidentin Hassan das Amt im Jahr 2021 übernommen hatte, boomte das Geschäft über anderthalb Jahre. Das wird sich so nicht fortsetzen können. Mittelfristig bleibt Tansania aber ein sehr attraktiver Markt." 

Dino Stengel, Geschäftsführer des Bremer Handelshauses Achelis, das seit 1961 in Tansania aktiv ist.

Viele deutsche Unternehmen sind in Tansania als Zulieferer für die Industrie, die Landwirtschaft und den Bausektor tätig. Ein Teil der Unternehmen verfügt über eine eigene Niederlassung vor Ort, andere bearbeiten den Markt vom regionalen Wirtschaftszentrum in Nairobi (Kenia) aus. Deutsche Firmen haben in Tansania unter anderem in die Produktion von Baustoffen, in Farmen und in den Tourismus investiert.

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