Wirtschaftsausblick | Uganda
Uganda: Ebola drückt auf den wichtigen Tourismus
Uganda kann nach den Wahlen 2026 auf eine Boomphase hoffen: Öl- und Infrastrukturprojekte sorgen für Dynamik und beleben zahlreiche Branchen im Land.
26.06.2026
Von Carsten Ehlers | Nairobi
Top Thema: SGR-Bahnbau nach Mombasa wird kommen
Der für Uganda sehr wichtige Transportkorridor zum kenianischen Hafen nach Mombasa wird ausgebaut – in Form der Fortführung der Standard Gauge Railway (SGR). Darauf deutet trotz schwieriger Finanzierung Mitte 2026 alles hin. Mit den Bauarbeiten wurde offiziell längst begonnen.
Auf kenianischer Seite gibt es bereits seit 2016 das Teilstück von Mombasa nach Naivasha. Die Weiterführung von Naivasha Richtung Westen zum Grenzort Malaba soll nun ebenso gebaut werden wie auf ugandischer Seite das Teilstück von Malaba nach Kampala. Die kenianische Teilstrecke wird auf 5,3 Milliarden US-Dollar (US$) geschätzt. Die Finanzierung hat das hochverschuldete Kenia indes noch nicht komplett geklärt.
Das Teilstück auf ugandischem Gebiet über etwa 270 Kilometer wird etwa 2,2 Milliarden US$ kosten. Uganda besorgt die Finanzierung offenbar stückweise. Im April 2026 hat das Land Staatsanleihen in Höhe von 405 Millionen Euro ausgegeben, damit der Bau nun vorangetrieben werden kann. Offizieller Spatenstich war laut Medienberichten durch Präsident Yoweri Museveni im November 2024, aber bislang handelt es sich nur um Vorbereitungsarbeiten. Den Zuschlag für den Bau hat die türkische Yapi Merkezi erhalten.
Uganda muss fast alle Güter importieren und leidet als Land ohne eigenen Meerzugang unter hohen Transportkosten. Bislang werden die Güter per Lkw vom kenianischen Hafen Mombasa nach Uganda geliefert – eine Strecke von mehr als 1.000 Kilometern. Der Transport eines 20-Fuß-Containers kostet aktuell mindestens 3.200 US$. Die Bahnverbindung soll die Kosten halbieren.
Wirtschaftsentwicklung: Großprojekte sorgen für Hochkonjunktur
Uganda zählt derzeit zu den zehn wachstumsstärksten Volkswirtschaften Afrikas. Für 2026 prognostiziert das Wirtschaftsanalyseinstitut Economist Intelligence Unit ein reales BIP‑Wachstum von 7,4 Prozent, die Weltbank rechnet mit 6,8 Prozent. Trotz negativer Auswirkungen des Irankriegs wie steigender Preise für Treibstoff und Dünger haben die Institute ihre Prognosen für Uganda bislang nicht nach unten korrigiert. Auf den Tourismus dürfte sich die Ebola-Epidemie negativ auswirken, wenngleich es Anfang Juni 2026 nur sehr wenige Fälle in Uganda gibt.
Haupttreiber für das hohe Wirtschaftswachstum sind Großprojekte zur Ölförderung am Albertsee und im Infrastrukturausbau sowie das starke Bevölkerungswachstum von jährlich rund 1,2 Millionen Menschen.
TotalEnergies und CNOOC investieren Milliarden in die Ölförderung
Das am Albertsee entstehende Ölförderprojekt von TotalEnergies und China National Offshore Oil Corporation (CNOOC) gilt als größte Einzelinvestition in der Geschichte Ugandas. Es umfasst ein Volumen von rund 10 Milliarden US$ und befindet sich aktuell in der Installationsphase.
Die Förderung soll noch 2026 beginnen und bis 2028 hochgefahren werden. Für den Staat werden jährliche Einnahmen von bis zu 2 Milliarden US$ erwartet - ein erheblicher Impuls für Infrastruktur, Energieversorgung und lokale Wirtschaftsaktivität.
Museveni bis 2031 gewählt – aber wer folgt ihm?
Die Präsidentschaftswahlen in Uganda vom Januar 2026 haben erneut Yoweri Museveni im Amt bestätigt. Der 81‑Jährige regiert das Land seit 1986, länger als jeder andere afrikanische Amtsinhaber. Auch wenn Museveni formell bis 2031 im Amt bleiben kann, stellt sich zunehmend die Frage nach seiner gesundheitlichen Verfassung und einer stabilen Nachfolgeregelung. Als aussichtsreichster Kandidat gilt aktuell sein Sohn, General Muhoozi Kainerugaba. Viele Beobachter bezweifeln jedoch, dass er langfristig die politische Stabilität sichern kann.
Für Unternehmen bleibt Uganda damit ein Land mit stabiler Führung, aber unsicherer Perspektive nach 2031. Diese Ambivalenz belastet schon heute das Investitionsklima. Vor allem junge Uganderinnen und Ugander äußern wachsende Unzufriedenheit - ein Faktor, der in zukünftige Geschäftsrisiken einzubeziehen ist.
GTAI-Informationen zu Uganda
- Wirtschaftsstandort Uganda: Stärken- und Schwächenanalyse des Investitionsstandortes
- Wirtschaftsdaten kompakt: Alle wichtigen wirtschaftlichen Kennzahlen auf einen Blick
- Branchenanalysen zu Bauwirtschaft, Landwirtschaft, Energie und Wasser
- Aktuelle geberfinanzierte Projekte: GTAI-Länderseite Uganda, Rubrik "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte"
Deutsche Perspektive: Die Exporte steigen – die Konkurrenz aus Asien ist jedoch stark
Mit über 50 Millionen Einwohnern zählt Uganda zu den mittelgroßen Absatzmärkten Subsahara‑Afrikas. Viele deutsche Unternehmen betreuen den ugandischen Markt über den regionalen Hub in Nairobi (Kenia) oder von Deutschland aus.
Die deutschen Exporte erreichten von Januar bis März 2026 einen Wert von etwa 37,6 Millionen Euro. Das entspricht einem Zuwachs von mehr als 50 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Auch wenn es zu früh wäre, daraus auf das ganze Jahr zu schließen: Die deutschen Lieferungen steigen schon seit einigen Jahren. Insbesondere profitieren deutsche Lieferanten vom hohen Bedarf an technischem Gerät für die Großinvestitionen in den Branchen Ölförderung und Infrastrukturbau.
Der steigende Wertverlust des Uganda-Shilling verteuert deutsche Produkte aktuell. Das wirkt sich negativ auf das Geschäft aus, denn der Markt ist preissensibel und die Konkurrenz hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Asiatische Produkte, insbesondere aus China und Indien, dominieren in vielen Segmenten. Uganda gilt als insgesamt herausfordernder Standort und genießt daher bei vielen deutschen Unternehmen eher nachrangige Priorität.
Die vor Ort präsenten Unternehmen berichten aber überwiegend von guten Geschäften. Sie sind aktiv in der Landwirtschaft (Kaffee), im Vertrieb von technischen Ausrüstungen, im Ingenieurconsulting, Modeeinzelhandel und in verschiedenen Servicebereichen.