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Personalsuche und Personalmanagement
Die Personalsuche in Kroatien wird aufwendiger. Unternehmen setzen auf zusätzliche Rekrutierungskanäle, professionelle Beratung und stärkere Mitarbeiterbindung.
08.09.2026
Der Dienstleistungssektor ist Kroatiens wichtigster Wirtschaftszweig. Laut Eurostat arbeiteten dort 2025 rund 42 Prozent der kroatischen Beschäftigten. Auf das verarbeitende Gewerbe entfielen 15 Prozent; auch die Bauwirtschaft zählt zu den wichtigen Arbeitgebern. Insbesondere in Handel, Tourismus und Baugewerbe fehlen Fachkräfte.
Unternehmensvertreter berichten, dass sich der kroatische Arbeitsmarkt in den letzten zehn Jahren spürbar verändert hat. Das Angebot an Arbeitskräften sei deutlich zurückgegangen und die Personalsuche inzwischen erheblich aufwendiger. Gleichzeitig gewinnen strategisches Personalmanagement und die langfristige Mitarbeiterbindung an Bedeutung.
Stellenanzeigen allein reichen nicht mehr
Kroatische Unternehmen nutzen bei der Personalsuche weiterhin klassische Kanäle. An erster Stelle stehen Anfragen beim kroatischen Amt für Beschäftigung (Hrvatski zavod za zapošljavanje, HZZ), gefolgt von Anzeigen auf Online-Stellenbörsen wie Posao und MojPosao. Die Plattformen eignen sich vor allem für Einstiegspositionen und Tätigkeiten mit geringeren Spezialisierungsanforderungen. Auf den ausgewerteten Stellenbörsen entfiel im 1. Halbjahr 2026 der Großteil der Anzeigen auf Handel und Vertrieb sowie Tourismus und Gastgewerbe.
Für spezialisierte Stellen setzen viele Arbeitgeber auf persönliche Netzwerke und Empfehlungen aus der Belegschaft. Beschäftigte erhalten dafür auch Prämien. In manchen Branchen, etwa der IT, lassen sich geeignete Bewerber über klassische Stellenanzeigen kaum noch erreichen. Die direkte Ansprache über soziale Netzwerke gewinnt dabei an Bedeutung. Führender Kanal ist LinkedIn. Nachwuchskräfte sprechen Unternehmen darüber hinaus auf Karrieretagen von Bildungseinrichtungen und Jobmessen an.
Im Kampf um Bewerber zählt Sichtbarkeit
Unternehmen ergänzen Stellenanzeigen zunehmend durch weitere Rekrutierungsmaßnahmen. Daten von MojPosao zufolge spricht fast jedes zweite Unternehmen Bewerber heute über mehr Kanäle an als noch vor zwei Jahren. Im verschärften Wettbewerb um Talente zählt nicht mehr allein die offene Stelle, sondern der gesamte Arbeitgeberauftritt. Unternehmen investieren daher stärker in Sichtbarkeit, etwa über soziale Netzwerke, lokale Werbekampagnen oder Veranstaltungen. Auch die Stellenportale reagieren auf diese Entwicklung. Bei MojPosao können Arbeitgeber ihre Anzeigen inzwischen um kurze Videos ergänzen und sich damit persönlicher präsentieren.
Professionelle Hilfe bei Führungspositionen
Die Besetzung von Führungspositionen überlassen Unternehmen in Kroatien meist professionellen Personalberatungen. Bei der gezielten Ansprache hochqualifizierter Fachkräfte kommen auch Headhunter zum Einsatz. Diese Direktsuche ist allerdings kostenintensiv. Das Honorar richtet sich unter anderem nach Position, Anforderungsprofil und Unternehmensgröße und wird üblicherweise im Erstgespräch vereinbart.
Zeitarbeit spielt auf dem kroatischen Arbeitsmarkt eine untergeordnete Rolle. Im Jahr 2025 waren lediglich 1,6 Prozent der Erwerbstätigen über Zeitarbeitsunternehmen beschäftigt. Zu den Anbietern zählen Electus DGS, DEKRA Arbeit, Lugera, Trenkwalder, Smart Flex und Manpower. Die Vermittlungsgebühr liegt üblicherweise zwischen 12 und 15 Prozent der monatlichen Lohnkosten der überlassenen Arbeitskraft.
Mitarbeiterbindung wird immer wichtiger
Passende Arbeitskräfte sind nicht nur schwer zu finden. Unternehmensvertreter beobachten auch eine höhere Wechselbereitschaft als noch vor wenigen Jahren. Angesichts der aufwendigen Personalsuche investieren viele kroatische Unternehmen daher stärker in die Bindung ihrer Beschäftigten. Dazu zählen vor allem Angebote zur beruflichen Entwicklung, etwa Schulungsprogramme oder die Finanzierung postgradualer Studiengänge. "Zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten sind genau das, was die Leute heutzutage interessiert", zeigt sich Ivan Bartulović, COO des Telekommunikationsunternehmens Hrvatski Telekom, überzeugt.
SAP setzt in seiner kroatischen Niederlassung ebenfalls auf interne Weiterbildung und Zusatzleistungen wie einen hauseigenen Kindergarten, vergünstigte Kantinenangebote oder Massagen. Weitere Maßnahmen zielen auf das Betriebsklima, gemeinsame Aktivitäten und eine attraktive Arbeitsplatzgestaltung. Junge, hochqualifizierte Beschäftigte lassen sich in der Regel auch mit anspruchsvollen Projekten und internationalen Einsätzen gewinnen.
Verfügbarkeit von Personal vorab prüfen
Unternehmen, die eine Ansiedlung in Kroatien planen, sollten das regionale Arbeitskräfteangebot frühzeitig prüfen. Zwar bietet der Staat in strukturschwachen Regionen höhere Investitionsanreize, doch fehlen dort häufig qualifizierte Fachkräfte. Hinzu kommen die geringe Mobilität der Arbeitskräfte und der schwach ausgebaute öffentliche Verkehr. Tomislav Hanžek, Personalvermittler bei Electus DGS, beobachtet, dass nur wenige bereit sind, für eine Stelle zu pendeln oder umzuziehen.