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Mauretanien stellt Wirtschaft breiter auf
Mauretaniens Wirtschaft basiert auf den Sektoren Landwirtschaft, Fischerei und Bergbau (Eisenerz). Allerdings nimmt die Rolle der Energie- und Transportwirtschaft zu.
21.01.2026
Von Ullrich Umann | Casablanca
Die Agrar- und Fischereiwirtschaft bleibt eine tragende Säule der nationalen Stabilität und erwirtschaftet etwa ein Viertel des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) beziffert das Potenzial an produktivem Ackerland auf rund 500.000 Hektar, wobei sich die landwirtschaftlichen Aktivitäten auf den fruchtbaren Süden konzentrieren. Trotz Fortschritte in der Bewässerungstechnik deckt die heimische Produktion von Reis, Hirse und Sorghum nur etwa ein Drittel des Bedarfs. Mauretanien ist infolgedessen weiterhin stark von Lebensmittelimporten – insbesondere Weizen und Zucker – abhängig.
Sektoren | Anteil am BIP | Anteil an den Beschäftigten |
|---|---|---|
Land- und Forstwirtschaft, Fischerei | 28,3 | 50,0 |
Industrie | 27,6 | 1,9 |
Dienstleistungen | 44,1 | 48,1 |
In der Fischerei verfügt das Land über einige der weltweit ertragreichsten Fanggründe. Neben den Partnerschaften mit asiatischen Akteuren bildet das Abkommen mit der EU (im Rahmen der Global-Gateway-Initiative) einen zentralen Eckpfeiler des Sektors. Angesichts der anhaltenden Überfischungsgefahr hat Mauretanien 2025 die Transparenzregeln für Fanglizenzen verschärft, um den Schutz der Bestände zu sichern. Die Fischindustrie kämpft jedoch weiterhin mit Unterfinanzierung bei der Modernisierung der Fangflotte. Um privates Kapital zu fördern, hält der Staat über die SMCP (Société Mauritanienne De Commercialisation Des Produits De Peche) nur noch 35 Prozent der Anteile. Derzeit exportieren rund 30 mittelständische Betriebe tiefgekühlte Produkte nach Europa und Asien.
Rohstoffe größte Devisenbringer
Mauretanien hat 2025 eine neue Ära als Energieexporteur eingeläutet. Seit der kommerziellen Inbetriebnahme des mit dem Senegal grenzüberschreitenden Offshore-Erdgasfeldes Greater Tortue Ahmeyim (GTA) im Juni 2025 hat das Land bereits mehrere LNG-Ladungen exportiert. Diese Entwicklung treibt den sekundären Sektor an, der zusammen mit der Bauwirtschaft fast ein Drittel des BIP generiert.
Im Bergbausektor festigt Mauretanien seinen Status als zweitgrößter Eisenerzproduzent Afrikas. Die staatliche SNIM (Société Nationale Industrielle et Minière) konnte 2024 und 2025 Rekordverkaufszahlen von über 14,2 Millionen Tonnen Minerale verzeichnen. Der Bergbau bleibt mit einem Beitrag von knapp einem Viertel zum BIP und rund 60 Prozent des Exportwertes der wichtigste Devisenbringer. Insbesondere mit den Bereichen Telekommunikation und Transport trägt der Dienstleistungssektor ca. 44 Prozent zum Gesamt-BIP bei. Der Tourismus bleibt aufgrund infrastruktureller Defizite in der Infrastruktur ausbaufähig.
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Handelsbeziehungen mit Fokus auf Energie und Wasserstoff
Der strukturelle Wandel prägt die Außenwirtschaftsbeziehungen Mauretaniens. Das Land positioniert sich zunehmend als strategischer Partner für die europäische Energiewende. Ambitionierte Projekte für grünen Wasserstoff – etwa Aman (CWP Global) und Nour (Chariot) – zielen darauf ab, Mauretanien bis 2035 zu einem internationalen Zentrum für saubere Energie zu entwickeln und Produktionsziele von über 12,5 Millionen Tonnen jährlich zu erreichen.
Deutschland, das bisher vor allem Lebensmittel sowie Bergbautechnik (Ersatzteile für die SNIM) lieferte und Eisenerz importiert, zeigt wachsendes Interesse an technologischen Partnerschaften im Bereich Wasserstoff und erneuerbare Energien. Deutsche Firmen können sich für Unterstützung an die Deutsche Botschaft in Nouakchott wenden.
Regionaler Sicherheitspartner
Mauretanien fungiert als stabiler Transportkorridor zwischen dem Maghreb und Subsahara-Afrika. Ein entscheidendes Infrastrukturprojekt ist die Rosso-Brücke über den Senegal-Fluss, deren Fertigstellung für Juli 2026 geplant ist. Dieses Projekt wird den Warenverkehr auf der Nord-Süd-Achse massiv beschleunigen.
Im Energiebereich arbeitet die Regierung gemeinsam mit der Weltbank und Partnern wie dem Stuttgarter Beratungsunternehmen Fichtner an einem Masterplan für Hafenlogistik und Pipelines, um die Kapazitäten für den Export von Gas und künftigen Wasserstoffderivaten zu optimieren. Dank seiner politischen Stabilität ist Mauretanien in der Sahelzone ein wichtiger Kooperationspartner für internationale Sicherheitsinitiativen; etwa bei der gemeinsamen Sicherung der Offshore-Gasfelder mit dem Senegal.
Urbanisierung hält an
Die wirtschaftliche Dynamik trifft auf ein Land im demografischen Wandel. Die Bevölkerung Mauretaniens ist bis Anfang 2026 auf geschätzte 5,17 Millionen Einwohner angewachsen. Trotz der enormen Landfläche (dreimal so groß wie Deutschland) bleibt die Besiedlungsdichte mit rund fünf Einwohnern je Quadratkilometer extrem gering.
Der Urbanisierungstrend hält an: Über 62 Prozent der Menschen leben mittlerweile in Städten; die Hauptstadtregion Nouakchott bildet mit über einer Million Einwohnern das dominierende Zentrum. Das Süd-Nord-Gefälle bei den Einkommen bleibt bestehen: Der Norden profitiert massiv von den Bergbau- und Gaseinnahmen, während der agrarisch geprägte Süden am stärksten unter den Folgen des Klimawandels und der Landflucht leidet.
Gebiet | Bevölkerung (in 1.000) | Fläche in qkm |
|---|---|---|
Hodh Ech Chargui | 431 | 182.700 |
Nouakchott-Sud | 426 | 252 |
Nouakchott-Nord | 367 | 306 |
Gorgol | 336 | 13.600 |
Assaba | 326 | 36.600 |
Brakna | 312 | 33.000 |
Hodh El Gharbi | 295 | 53.400 |
Trarza | 273 | 67.800 |
Guidimaka | 267 | 10.300 |
Nouakchott-Ouest | 166 | 146 |
Dakhlet Nouadhibou | 124 | 23.090 |
Tagant | 81 | 98.340 |
Adrar | 63 | 235.000 |
Tiris Zemmour | 53 | 252.900 |
Inchiri | 20 | 46.800 |