Wirtschaftsstandort | Mauretanien

Mauretanien treibt Industrialisierung voran

Das nordafrikanische Land kann interessant für den deutschen Mittelstand sein. Gebraucht werden unter anderem Maschinen und Anlagen, um die Industrie zu entwickeln.

Ullrich Umann

Von Ullrich Umann | Casablanca

Mauretanien ist ein Wüstenstaat im westlichen Teil der Sahelzone. Mit einer Fläche von 1.030.700 Quadratkilometern handelt es sich um eines der größten Länder Afrikas. Große Freiflächen, intensive Sonneneinstrahlung und starke Winde sorgen dafür, dass sich in der Hauptstadt Nouakchott potenzielle Investoren für die Wasserstoffproduktion die Klinke in die Hand geben. Aber auch die angelaufene Gasförderung, der Erzbergbau sowie die Land- und Nahrungsmittelwirtschaft kommen als Absatzmärkte für Technologieanbieter in Frage. Die Finanzierung der Industrialisierungsprojekte liegt nicht selten in der Hand ausländischer Geberinstitutionen.

  • Mauretaniens Wirtschaft basiert auf den Sektoren Landwirtschaft, Fischerei und Bergbau (Eisenerz). Allerdings nimmt die Rolle der Energie- und Transportwirtschaft zu.

    Die Agrar- und Fischereiwirtschaft bleibt eine tragende Säule der nationalen Stabilität und erwirtschaftet etwa ein Viertel des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) beziffert das Potenzial an produktivem Ackerland auf rund 500.000 Hektar, wobei sich die landwirtschaftlichen Aktivitäten auf den fruchtbaren Süden konzentrieren. Trotz Fortschritte in der Bewässerungstechnik deckt die heimische Produktion von Reis, Hirse und Sorghum nur etwa ein Drittel des Bedarfs. Mauretanien ist infolgedessen weiterhin stark von Lebensmittelimporten – insbesondere Weizen und Zucker – abhängig.

    Bedeutung der Wirtschaftszweige in Mauretanien (Anteile in Prozent)

    Sektoren

    Anteil am BIP

    Anteil an den Beschäftigten

    Land- und Forstwirtschaft, Fischerei

    28,3

    50,0

    Industrie

    27,6

    1,9

    Dienstleistungen

    44,1

    48,1

    Quelle: Agence de Promotion des Investissements en Mauritanie (APIM), 2022

    In der Fischerei verfügt das Land über einige der weltweit ertragreichsten Fanggründe. Neben den Partnerschaften mit asiatischen Akteuren bildet das Abkommen mit der EU (im Rahmen der Global-Gateway-Initiative) einen zentralen Eckpfeiler des Sektors. Angesichts der anhaltenden Überfischungsgefahr hat Mauretanien 2025 die Transparenzregeln für Fanglizenzen verschärft, um den Schutz der Bestände zu sichern. Die Fischindustrie kämpft jedoch weiterhin mit Unterfinanzierung bei der Modernisierung der Fangflotte. Um privates Kapital zu fördern, hält der Staat über die SMCP (Société Mauritanienne De Commercialisation Des Produits De Peche) nur noch 35 Prozent der Anteile. Derzeit exportieren rund 30 mittelständische Betriebe tiefgekühlte Produkte nach Europa und Asien.

    Rohstoffe größte Devisenbringer

    Mauretanien hat 2025 eine neue Ära als Energieexporteur eingeläutet. Seit der kommerziellen Inbetriebnahme des mit dem Senegal grenzüberschreitenden Offshore-Erdgasfeldes Greater Tortue Ahmeyim (GTA) im Juni 2025 hat das Land bereits mehrere LNG-Ladungen exportiert. Diese Entwicklung treibt den sekundären Sektor an, der zusammen mit der Bauwirtschaft fast ein Drittel des BIP generiert.

    Im Bergbausektor festigt Mauretanien seinen Status als zweitgrößter Eisenerzproduzent Afrikas. Die staatliche SNIM (Société Nationale Industrielle et Minière) konnte 2024 und 2025 Rekordverkaufszahlen von über 14,2 Millionen Tonnen Minerale verzeichnen. Der Bergbau bleibt mit einem Beitrag von knapp einem Viertel zum BIP und rund 60 Prozent des Exportwertes der wichtigste Devisenbringer. Insbesondere mit den Bereichen Telekommunikation und Transport trägt der Dienstleistungssektor ca. 44 Prozent zum Gesamt-BIP bei. Der Tourismus bleibt aufgrund infrastruktureller Defizite in der Infrastruktur ausbaufähig. 

    5,17 Mio.

    Personen lebten 2024 im Land.

    Quelle: BMZ 2026

    11,95 Mrd.

    US-Dollar erreichte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2025.

    Quelle: Weltbank 2026

    2.582

    US-Dollar betrug 2024 das BIP pro Kopf.

    Quelle: Weltbank 2025

    Rang 103

    belegte das Land 2024 unter den deutschen Exportzielen.

    Quelle: Destatis 2025

    Rang 130

    nahm das Land im Corruption Perceptions Index 2024 (unter 180 Ländern) ein.

    Quelle: Transparency International 2025

    33 %

    betrug die Analphabetenquote 2024.

    Quelle: Weltbank 2025

    Ausführliche Informationen zur Wirtschaft finden Sie in den Wirtschaftsdaten kompakt

    Handelsbeziehungen mit Fokus auf Energie und Wasserstoff

    Der strukturelle Wandel prägt die Außenwirtschaftsbeziehungen Mauretaniens. Das Land positioniert sich zunehmend als strategischer Partner für die europäische Energiewende. Ambitionierte Projekte für grünen Wasserstoff – etwa Aman (CWP Global) und Nour (Chariot) – zielen darauf ab, Mauretanien bis 2035 zu einem internationalen Zentrum für saubere Energie zu entwickeln und Produktionsziele von über 12,5 Millionen Tonnen jährlich zu erreichen.

    Deutschland, das bisher vor allem Lebensmittel sowie Bergbautechnik (Ersatzteile für die SNIM) lieferte und Eisenerz importiert, zeigt wachsendes Interesse an technologischen Partnerschaften im Bereich Wasserstoff und erneuerbare Energien. Deutsche Firmen können sich für Unterstützung an die Deutsche Botschaft in Nouakchott wenden.

    SWOT-Analyse Land Mauretanien

    S

    Stärken Strengths

    • Ergiebige Rohstoffvorkommen (Eisenerz, Gold, Kupfer, Erdgas)
    • Relative makroökonomische Stabilität
    • Ausgezeichnete Voraussetzungen für grüne Energien
    • Fischreichtum
    W

    Schwächen Weaknesses

    • Geringe durchschnittliche Kaufkraft
    • Kleiner Markt mit 5,17 Millionen Einwohnern
    • Einseitige Abhängigkeit vom Rohstoffexport
    • Finanzsektor schwach entwickelt
    O

    Chancen Opportunities

    • Ausbau der erneuerbaren Energien
    • Steigerung der Förderung im Bergbau und lokale Weiterverarbeitung
    • Nutzung des Senegal-Flusses für die Landwirtschaft
    • Verbesserte staatliche Investitionsförderung
    T

    Risiken Threats

    • Wiederkehrende Dürren
    • Schwankende Weltmarktpreise für Rohstoffe
    • Fragile Sicherheitslage (Terrorismusgefahr)
    • Inflationsdruck

    Regionaler Sicherheitspartner

    Mauretanien fungiert als stabiler Transportkorridor zwischen dem Maghreb und Subsahara-Afrika. Ein entscheidendes Infrastrukturprojekt ist die Rosso-Brücke über den Senegal-Fluss, deren Fertigstellung für Juli 2026 geplant ist. Dieses Projekt wird den Warenverkehr auf der Nord-Süd-Achse massiv beschleunigen.

    Im Energiebereich arbeitet die Regierung gemeinsam mit der Weltbank und Partnern wie dem Stuttgarter Beratungsunternehmen Fichtner an einem Masterplan für Hafenlogistik und Pipelines, um die Kapazitäten für den Export von Gas und künftigen Wasserstoffderivaten zu optimieren. Dank seiner politischen Stabilität ist Mauretanien in der Sahelzone ein wichtiger Kooperationspartner für internationale Sicherheitsinitiativen; etwa bei der gemeinsamen Sicherung der Offshore-Gasfelder mit dem Senegal.

    Urbanisierung hält an

    Die wirtschaftliche Dynamik trifft auf ein Land im demografischen Wandel. Die Bevölkerung Mauretaniens ist bis Anfang 2026 auf geschätzte 5,17 Millionen Einwohner angewachsen. Trotz der enormen Landfläche (dreimal so groß wie Deutschland) bleibt die Besiedlungsdichte mit rund fünf Einwohnern je Quadratkilometer extrem gering.

    Der Urbanisierungstrend hält an: Über 62 Prozent der Menschen leben mittlerweile in Städten; die Hauptstadtregion Nouakchott bildet mit über einer Million Einwohnern das dominierende Zentrum. Das Süd-Nord-Gefälle bei den Einkommen bleibt bestehen: Der Norden profitiert massiv von den Bergbau- und Gaseinnahmen, während der agrarisch geprägte Süden am stärksten unter den Folgen des Klimawandels und der Landflucht leidet.

    Eckdaten der 15 Regionen in Mauretanien (2022)

    Gebiet

    Bevölkerung (in 1.000)

    Fläche in qkm

    Hodh Ech Chargui

    431

    182.700

    Nouakchott-Sud

    426

    252

    Nouakchott-Nord

    367

    306

    Gorgol

    336

    13.600

    Assaba

    326

    36.600

    Brakna

    312

    33.000

    Hodh El Gharbi

    295

    53.400

    Trarza

    273

    67.800

    Guidimaka

    267

    10.300

    Nouakchott-Ouest

    166

    146

    Dakhlet Nouadhibou

    124

    23.090

    Tagant

    81

    98.340

    Adrar

    63

    235.000

    Tiris Zemmour

    53

    252.900

    Inchiri

    20

    46.800

    Quelle: Mauritania Portal

    Ullrich Umann

    Von Ullrich Umann | Casablanca

  • Mauretanien wandelt sich von einem reinen Rohstoffland zu einem Partner für die Energiewende. Die politische Stabilität macht es zu einem bevorzugten Ziel für Geber und Investoren.

    Mauretanien als Ziel für strategische Investitionen

    Mauretanien punktet bei ausländischen Investoren zunehmend durch seine Doppelrolle als traditioneller Rohstofflieferant und künftiger Knotenpunkt für grüne Energie. Neben den umfangreichen Eisenerzvorkommen und Goldminen verfügt das Land über einige der fischreichsten Gewässer der Welt. Gleichzeitig ist eine Ausweitung des Interesses privaten Kapitals zu beobachten: Während der Bergbau sowie die Erdöl- und Erdgasförderung (insbesondere durch das GTA-Projekt) weiterhin dominieren, könnten künftig auch massive Mittel in den Aufbau einer grünen Wasserstoffwirtschaft sowie in die Modernisierung der Agrar- und Fischereiwirtschaft fließen.

    Nachdem die ausländischen Direktinvestitionen (FDI) während der Pandemiejahre massiv eingebrochen waren, ist für Mauretanien seit 2024 eine deutliche Erholung zu verzeichnen. Laut aktuellen Daten der UNCTAD und regionalen Berichten stabilisieren sich die Zuflüsse wieder auf einem Niveau von über 1 Milliarde US-Dollar pro Jahr, getragen vor allem von Großprojekten im Energiesektor.

    Frankreich bleibt aufgrund historischer Bindungen ein zentraler Akteur. Doch die Dynamik hat sich verschoben: China investiert massiv in die Infrastruktur und Fischerei, während die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien verstärkt im Bergbau und im Energiesektor aktiv sind. Deutsche Unternehmen haben mit wenigen Ausnahmen bislang nicht im Land investiert. Die Klingele Packaging Group ist mit ihren Fertigungsstätten für Kartonverpackungen nach wie vor der wichtigste deutsche Produzent vor Ort und bedient die wachsende Nachfrage der lokalen Fischerei- und Agrarwirtschaft.

    Vom Versprechen zur Umsetzung bei Wasserstoff

    Die Skepsis gegenüber den vagen Absichtserklärungen der Vorjahre ist einer vorsichtigeren Planung gewichen. Mauretanien hat 2024 einen wegweisenden "Code de l’Hydrogène Vert" (Rahmengesetz für grünen Wasserstoff) verabschiedet, um Rechtssicherheit für Investoren zu schaffen. Großprojekte wie Aman (CWP Global) und Nour (Chariot/TotalEnergies) befinden sich nun in fortgeschrittenen Machbarkeitsstadien.

    Zwar bleibt der Kapitalbedarf mit geschätzten Summen von jeweils über 30 Milliarden US-Dollar außerordentlich hoch, doch die Einbindung internationaler Konsortien und die Unterstützung durch die EU-Initiative "Global Gateway" verleihen den Vorhaben mehr Realismus. Diese Projekte zielen darauf ab, Mauretanien bis Mitte der 2030er Jahre zu einem der weltweit kostengünstigsten Produzenten von grünem Ammoniak und Wasserstoff zu entwickeln.

    Großprojekte auf Geberländer  angewiesen

    Mauretanien ist weiterhin auf die Unterstützung bi- und multilateraler Geber angewiesen, wobei Deutschland über die KfW und GIZ eine Schlüsselrolle einnimmt. Ein Meilenstein der regionalen Integration ist die Rosso-Brücke die eine leistungsfähige Landverbindung zwischen Mauretanien und Senegal schafft. Die Fertigstellung wird für 2027 erwartet. 

    Die Infrastruktur am Tiefseehafen von Nouadhibou wurde stetig erweitert, um nicht nur Eisenerz, sondern auch Logistikdienstleistungen für die neue Gasindustrie abzuwickeln. Während die Afrikanische Entwicklungsbank (ADB) die Modernisierung des Straßennetzes vorantreibt, konzentriert sich die deutsche Entwicklungszusammenarbeit (KfW) aktuell auf die nachhaltige Bewirtschaftung der Meeresressourcen und die Stärkung der Finanzwirtschaft. Die GIZ unterstützt zudem Projekte zur Anpassung an den Klimawandel, um die Ernährungssicherheit im zunehmend trockenen Hinterland zu stabilisieren.

    Der gesetzliche Rahmen für Investitionen stimmt

    Parlament und Regierung haben im Juni 2012 das Investitionsgesetz reformiert. Investitionen sind seither besser geschützt. Auch wurden die Verwaltungsabläufe gestrafft. Das reformierte Gesetz garantiert unter anderem die freie Ausfuhr ausländischen Kapitals sowie von Löhnen, die ausländische Arbeitnehmer im Land beziehen. 

    Zusätzlich wurden Importerleichterungen und Ausfuhranreize erlassen. Auf Grundlage des Gesetzes sind Sonderwirtschaftszonen zur Förderung der Regionalentwicklung entstanden, wobei die Freihandelszone Nouadhibou über ein gesondertes Regelwerk verfügt.

    Reformierter Rechtsrahmen und "Guichet Unique"

    Um das Investitionsklima attraktiver zu gestalten, hat die mauretanische Regierung die Kompetenzen der Investitionsförderungsagentur APIM (Agence de Promotion des Investissements en Mauritanie) gestärkt. Der Ein-Schalter-Service (Guichet Unique) wurde digitalisiert, was die Unternehmensgründung und die Erteilung von Arbeitsgenehmigungen für Fachkräfte beschleunigt.

    Das Investitionsgesetz garantiert den freien Kapitaltransfer und schützt vor Enteignung. Trotz dieser rechtlichen Fortschritte bleibt die Durchsetzung von Forderungen vor Gerichten eine Herausforderung. In internationalen Indizes, wie dem Index der wirtschaftlichen Freiheit, konnte sich das Land leicht verbessern, kämpft aber weiterhin mit strukturellen Schwächen in der Verwaltung und einem großen informellen Sektor. Einzig der Handel mit Alkohol und Schweinefleisch bleibt aus religiösen Gründen untersagt; ansonsten stehen alle Sektoren ausländischem Kapital offen.

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Ullrich Umann

    Von Ullrich Umann | Casablanca

  •  

    BezeichnungAnmerkung
    Deutsche Botschaft Amtliche Vertretung der Bundesrepublik Deutschland
    Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ)Vertretung der GIZ in Nouakchott
    WeltbankVertretung der Weltbank in Nouakchott
    Mauretanische Agentur für InvestitionsförderungZentrale Anlaufstelle für Investoren
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    Mauritania TendersAusschreibungsportal Mauretaniens
    Ministere du commerce, de l'industrie, de l'artisanat et du tourismeMinisterium für Handel, Industrie, Handwerk und Tourismus
    Office National de la StatistiqueNationales Statistikbüro
    Direction Generale des ImpotsSteuerbehörde
    Banque Centrale de MauritanieZentralbank