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Branchenbericht Mauretanien Maschinen- und Anlagenbau

Mauretanien benötigt mehr Landmaschinen und Nahrungsmitteltechnik

Mauretaniens Markt für Ausrüstungen für den Agrarsektor und die Nahrungsmittelverarbeitung wird 2026 um 5 bis 7 Prozent wachsen. Die Dynamik der Vorjahre hält an.

Von Ullrich Umann | Casablanca

Zu den Treibern zählen das Bevölkerungswachstum von 2,5 Prozent pro Jahr sowie das Bestreben der Regierung, die Importabhängigkeit bei Grundnahrungsmitteln zu verringern. Maschineneinfuhren zur Ankurbelung der Agrarproduktion und Nahrungsmittelverarbeitung sind daher unabdingbar.

Die Fisch- und Viehwirtschaft arbeitet exportorientiert und meldet einen konstanten Bedarf bei Verarbeitungs- und Kühlanlagen sowie an Verschleiß- und Ersatzteilen. Andernfalls drohen die Ausfuhrmengen an tiefgekühltem Fisch und Fleisch aus Qualitätsgründen zu sinken.

Regierungsstellen kooperieren bei der Import- und Absatzfinanzierung eng mit verschiedenen internationalen Entwicklungsorganisationen. Dazu zählen der Internationale Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD), die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP), die Weltbank, aber auch deutsche Institutionen wie die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

Maschinennachfrage steigt

Maschinenhersteller stoßen auf ein reges Kaufinteresse von Seiten einschlägiger Importeure und Händler sowie großer Agrarproduzenten und Nahrungsmittelverarbeiter. Zu ihnen zählen: African Agriculture, Les Grands Moulins de Mauritanie, Mauritania Sea Food SARL oder Arab Mauritanian Fish Company (SAMAK).

Bei der Mehrheit der Unternehmen handelt es sich jedoch um kleine bis mittlere Produzenten mit begrenztem Zugang zu einer Finanzierung. Dennoch bliebt diese Kundengruppe interessant, da sie eine konstante Nachfrage nach einfachen Apparaturen, Maschinen und Werkzeugen sowie nach Gebrauchttechnik generiert.

Statistische Daten zu den Maschineneinfuhren sind lückenhaft. Trends lassen sich dennoch aus den nur grob nach Maschinenarten untergliederten Statistiken ermitteln: So liegt der Anteil des Imports von Maschinen und Industrieausrüstungen an Mauretaniens Gesamteinfuhren für gewöhnlich 25 Prozent. Im Jahr 2024 belief sich der Import des Landes auf circa 5 Milliarden US-Dollar (US$), wovon 1,25 Milliarden US$ auf Maschinen entfielen.

An den Maschinenimporten hält wiederum Ausrüstung für den Agrarsektor erfahrungsgemäß einen Anteil von 30 Prozent, für die Nahrungsmittelproduktion von 15 Prozent sowie für die Getränkeherstellung von 5 Prozent. Dabei erzielten in den letzten Jahren die Importe von landwirtschaftlicher Technik durchschnittliche Zuwächse von 7 Prozent, die von Nahrungsmittelmaschinen von 6 Prozent und die von Getränke- und Abfüllmaschinen von 5 Prozent.

Ausländische Lieferanten verfolgen unterschiedliche Strategien

Hersteller und Maschinenhändler aus den wichtigsten Herkunftsländern weisen recht unterschiedliche Preis‑ und Qualitätsprofile auf und bieten voneinander abweichende Service‑Modelle an. Chinas Maschinenbauer konnte 2024 und 2025 besonders stark zulegen und sind mittlerweile wichtigster ausländischer Lieferant auf dem mauretanischen Markt. Grund dafür ist eine Kombination aus Low- bis Mid-Tech-Angeboten (darunter Traktoren, einfache Bewässerungs‑ und Erntetechnik), günstigen Preisen und Seefrachtbedingungen sowie der Aufbau eigener Vertriebs- und Serviceniederlassungen, etwa durch die Firmen YTO und Foton. Über das Programm der Neuen Seidenstraße stellt die chinesischen Regierung zudem günstige Kredite bereit.

Aus den Vereinigten Arabischen Emirate bezieht Mauretanien vor allem Kühl‑ und Lagerlösungen sowie komplette Fertigungsstraßen für die Fischverarbeitung, was der Exportorientierung der mauretanischen Fischindustrie zugute kommt. Spanien und Belgien liefern vornehmlich Präzisions‑ und Verpackungstechnologien, die gut zu den staatlich geförderten Modernisierungsprogrammen im Agrarsektor passen.

Hersteller aus Südkorea sind stark im Bereich Förder‑ und Verpackungstechnik, unter anderem bei automatisierten Abfüll‑ und Pasteurisierungslinien. Unternehmen wie die Hyosung Group und Daewoo E&C betreiben Gemeinschaftsunternehmen mit lokalen Vertriebspartnern und offerieren maßgeschneiderte Lösungen für die lokale Lebensmittel‑ und Getränkeproduktion.

Deutsche Maschinenbauer positionieren sich als Anbieter hochwertiger, energieeffizienter Maschinen (darunter Kompakttraktoren sowie modulare Verarbeitungsanlagen), die sich durch Langlebigkeit und Präzision auszeichnen. Doch liegt ihr Preisniveau über dem der meisten Wettbewerber.

Einige deutsche Firmen bearbeiten den mauretanischen Markt über ihre Niederlassungen in Frankreich. Dazu zählt beispielsweise CLAAS, die in Mauretanien unter anderem mit hochpräzisen Spritz‑ und Düngegeräten präsent sind. Neben der Sprache spielen Marketingaspekte eine Rolle, da das "Import-from‑France"-Label bei privaten wie öffentlichen Projektträgern in Mauretanien gut ankommt. Zusätzlich finanziert Frankreich Schulungsprogramme, was vor Ort positiv bewertet wird.

Mauretaniens Maschinenimporte nach HerkunftsländernStand 2022

Herkunftsland

Maschinen und Ausrüstungen (in Mio. US$) 1)

Anteil (in %) 2)

Wesentliche Produktgruppen

Vereinigte Arabische Emirate

71

18 

Kühl‑ und Lageranlagen für die Fisch‑ und Lebensmittelverarbeitung, solargestützte Abfüll‑ und Filtrationssysteme

Spanien

49

13

Präzisions‑ und Spritztechnik für die Landwirtschaft, Verpackungs‑ und Abfülltechnik für die Getränkeindustrie

Belgien

42

11

Förder‑ und Verpackungsanlagen, Steuertechnik für verarbeitende Betriebe

China

31

8

Kompakttraktoren, Bewässerungs‑ und Erntetechnik, kostengünstige Basispakete für kleine Betriebe

Frankreich

27

7

Hochpräzise Spritz‑ und Düngegeräte, modulare Verarbeitungsanlagen für die Fisch- und Getreideverarbeitung

Südkorea

27

7

Energieeffiziente Motoren, automatisierte Abfüll‑ und Pasteurisierungslinien, digitale Steuerungssysteme

Sonstige 3)

139

36

Diverse Spezialmaschinen, elektrische Geräte für die Fischverarbeitung, Ersatzteile

Welt

386

100

 
1 geschätzt; 2 Abweichungen durch Rundungen; 3 unter anderem USA, Kanada, Italien, Japan und Deutschland.Quelle: Lloyds Bank 2023

Energieeffizienz und Lösungen zur Energiespeicherung werden als Verkaufsargumente immer wichtiger

Um ihren Absatz zu steigern, könnten deutsche Maschinen- und Anlagenhersteller energieeffiziente Technologien stärker als bisher in den Vordergrund stellen. Vorteilhaft kann sich auch die Integration von Solar- und Energiespeichermodulen in komplette Verarbeitungslinien erweisen, um Betriebskosten zu senken und die Anlagen widerstandsfähiger gegen Stromausfälle zu machen.

Angesichts des starken Wachstums der Lieferungen aus China empfiehlt sich für deutsche Maschinenbauer, flexible und hybride Finanzierungsmodelle zu nutzen, die Exportkreditgarantien, Entwicklungsbankkredite und Leasing kombinieren. So lassen sich Einstiegshürden für Investitionen absenken und Zahlungsausfallrisiken verringern.

Mit dem Verpackungshersteller Klingele Paper & Packaging aus der Region Stuttgart gibt es einen ersten deutschen Investor und Hersteller vor Ort: Die Klingele-Tochter Mauripack stellt in der mauretanischen Hauptstadt Nouakchott kundenspezifisch angepasste Verpackungen aus Wellpappe für die Fisch-, Getränke- und Lebensmittelindustrie her.

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