Wirtschaftsstandort | Mosambik

Dynamik auf wackeligen Beinen

Mosambik ist reich an Bodenschätzen, Energie- und Landreserven. Doch Konflikte, Misswirtschaft und Naturkatastrophen bremsen eine Weiterentwicklung des Landes immer wieder aus.

Marcus Knupp

Von Marcus Knupp | Berlin

Mit gut 33 Millionen Einwohnern nimmt Mosambik im südlichen Afrika eine mittlere Position zwischen den bevölkerungsreicheren Nachbarn Südafrika und Tansania einerseits und den kleineren Binnenstaaten andererseits ein. Mit einem Pro-Kopf-Einkommen von rund 600 US-Dollar (US$) im Jahr gehört es zu den ärmsten Ländern Afrikas und bildet zusammen mit Malawi das Schlusslicht der Region.

  • Wirtschaftskraft, Ressourcen und Entwicklungspotenziale sind im Land sehr ungleich verteilt. Die Landesteile sind nur unzureichend miteinander verbunden.

    Mit einer Fläche von 786.380 Quadratkilometern nimmt Mosambik den größten Teil der südostafrikanischen Küste ein. Das Land zeichnet sich durch große Gegensätze in der räumlichen und wirtschaftlichen Entwicklung aus.

    Der Süden ist das Zentrum

    Während die Hauptstadt Maputo im äußersten Süden des Landes eng an Südafrika angebunden und in internationale Verkehrswege integriert ist, sind viele Orte im Norden und im Landesinneren oft Stunden von der nächsten Asphaltstraße entfernt. Das Pro-Kopf-Einkommen in Maputo ist etwa fünfmal so hoch wie in den ärmsten Provinzen.

    Die Investitionen der vergangenen Jahrzehnte flossen vor allem in Großprojekte, die mit wenigen Arbeitskräften auskommen. Ein Großteil der Bevölkerung lebt als Subsistenzbauern von der Landwirtschaft. Diese ist auch im afrikanischen Vergleich wenig produktiv.

    Kolonial geprägte Entwicklung

    Erst 1975 erlangte Mosambik die Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Portugal. Es folgte bis 1992 ein Bürgerkrieg. Der Konflikt zwischen den verfeindeten Befreiungsbewegungen Frelimo, seither an der Regierung, und der oppositionellen Renamo flammte immer wieder auf. Er hat die Entwicklung des Landes ebenso blockiert wie der Konflikt in der nördlichen Provinz Cabo Delgado seit 2017.

    Die Erfolge beim Ausbau einer flächendeckenden Infrastruktur sind daher bislang gering. So ist das mosambikanische Eisenbahnnetz in drei Teile zerfallen: Stichstrecken verbinden die Häfen mit den Bergbauregionen im Hinterland und den Nachbarländern. Zwischen den einzelnen Regionen gibt es keine Verbindung. Ähnlich lückenhaft ist das Straßen- und Elektrizitätsnetz. Die mangelnde Teilhabe großer Bevölkerungsgruppen ist auch eine Ursache für die anhaltenden Konflikte.

    Hoffnung auf das Erdgas

    Die Erdgasvorkommen vor der Küste im Norden Mosambiks gehören zu den größten der Welt. Internationale Energiekonzerne haben Investitionen von insgesamt rund 50 Milliarden US$ angekündigt. Sie wollen die Ressource erschließen und als verflüssigtes Erdgas (Liquefied Natural Gas, LNG) exportieren. Dies würde Mosambik bislang nie erreichte Einnahmen bescheren, die für den Ausbau der Infrastruktur sowie des Sozial- und Bildungssystems genutzt werden könnten.

    33 Mio.

    Personen lebten 2023 im Land.

    Quelle: INE 2024

    21,3 Mrd.

    US-Dollar betrug das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2023 laut Prognosen.

    Quelle: IWF 2024

    630

    US-Dollar machte das BIP pro Kopf damit 2023 aus.

    Quelle: IWF 2024

    Rang 146

    belegte das Land 2022 unter den deutschen Exportzielen.

    Quelle: Destatis 2023

    Rang 145

    nimmt das Land im Corruption Perceptions Index 2023 ein (unter 180 Ländern).

    Quelle: Transparency International 2024

    40 %

    betrug die Analphabetenquote im Jahr 2020.

    Quelle: Weltbank 2024

    Ausführliche Informationen zur Wirtschaft finden Sie in den Wirtschaftsdaten kompakt.

    Deutsche Unternehmen kaum präsent

    Nur wenige deutsche Unternehmen sind mit eigenen Vertretungen in Mosambik präsent. Die meisten bearbeiten die Region von ihren Niederlassungen im stärker industrialisierten Nachbarland Südafrika aus. Ineffizienzen beim Betrieb relevanter Infrastrukturen dort könnten jedoch zusammen mit der Modernisierung Mosambiks aber für Bewegung sorgen. "Exporteure von Zitrusfrüchten im südlichen Afrika entdecken die Vorteile kürzerer Umschlagszeiten und effizienter Logistiklösungen am Hafen Maputo", fasst Christian Roeder, Geschäftsführer des von DP World aus den Vereinigten Arabischen Emiraten betriebenen Containerterminals, den aktuellen Trend zusammen.

    SWOT-Analyse Mosambik

    S

    Stärken Strengths

    • Reichhaltige Rohstoffvorkommen
    • Landwirtschaftliches Potenzial
    • Große Flächenreserven
    • Günstige Energiequellen
    • Zugang zum Meer
    W

    Schwächen Weaknesses

    • Landesteile sehr unterschiedlich entwickelt
    • Große Lücken in der Infrastruktur
    • Geringe Produktivität der Landwirtschaft
    • Großprojekte mit wenig Arbeitsplätzen
    • Verbreitete Armut
    O

    Chancen Opportunities

    • Investitionen in Rohstoffabbau
    • Ausbau der Verkehrsinfrastruktur
    • Verbesserung der lokalen Energieversorgung
    • Vereinfachte Verwaltungsvorgänge
    • Ausbau des Bildungssystems
    T

    Risiken Threats

    • Wiederaufflammen kriegerischer Konflikte
    • Dürren und Überschwemmungen
    • Fallende Rohstoffpreise
    • Abhängigkeit von ausländischen Investitionen
    • Erdgasboom beschleunigt gesellschaftliche Spaltung

    Großbetriebe neben Kleinbauern

    Rund zwei Drittel der Beschäftigten in Mosambik arbeiten in der Landwirtschaft. Zusammen mit der Forstwirtschaft und der Fischerei trägt sie knapp 30 Prozent zur gesamten Wirtschaftsleistung des Landes bei. Der Ausbau der Rohstoffförderung und der nachgelagerten Industrien wird in den kommenden Jahren zu Verschiebungen innerhalb der Sektoren führen.

    Beim Aufbau verarbeitender Industrien stehen vor- und nachgelagerte Bereiche der Landwirtschaft wie die Nahrungsmittel- und Düngemittelproduktion im Fokus. Aber auch die Textil- und Bekleidungsindustrie, die Metallverarbeitung oder die Baustoffproduktion sollen zur Diversifizierung der Wirtschaft beitragen. Das größte bestehende Industrieunternehmen in Mosambik ist der Aluminiumproduzent Mozal.

    Potenzielle Logistikdrehscheibe

    Aufgrund seiner Küstenlage hat Mosambik eine wichtige Transitfunktion für die benachbarten Binnenländer. Wesentliche Transportkorridore beginnen in den Hafenstädten Nacala, Beira und Maputo. Hier bieten sich gute Ansatzpunkte für Logistikdienstleistungen. Auch der Tourismus hat großes Potenzial.

    Die Entwicklung der Erdgaswirtschaft bringt einen Bedarf an unternehmensorientierten Dienstleistungen mit sich. Inwieweit lokale Unternehmen diesen Bedarf decken und entsprechend davon profitieren können, ist angesichts des niedrigen Bildungsniveaus allerdings noch fraglich.

    Bergbau: Nicht nur Erdgas

    Mosambik ist reich an Rohstoffen. Die Nutzung der großen Steinkohlevorkommen verliert jedoch aus Klimaschutzgründen weltweit an Bedeutung. Steigende Nachfrage wird dagegen für das in der Batterieherstellung verwendete Graphit erwartet, für das Mosambik weltweit einer der Hauptlieferanten ist.

    Im mosambikanischen Untergrund lagern zahlreiche Metalle von Eisen über Gold bis Zink. Besondere Aufmerksamkeit finden Titanerze wie Ilmenit oder Rutil. Zu den wichtigen Abbauprodukten gehören daneben verschiedene Edelsteine, beispielsweise Rubine.

     

    Bedeutung der Wirtschaftszweige in Mosambik (Anteile in Prozent)

    Sektoren

    Anteil am BIP 2022

    Land- und Forstwirtschaft, Fischerei

    26,7

    Bergbau (inklusive Öl- und Gasförderung)

    10,4

    Verarbeitendes Gewerbe

    8,5

    Energieversorgung

    2,3

    Wasserversorgung, Abwasser- und Abfallentsorgung und Beseitigung von Umweltverschmutzungen (falls nicht mit Energieversorgung aufgeführt)

    0,3

    Baugewerbe

    1,3

    Dienstleistungen

    40,6

    Quelle: Instituto Nacional de Estatística 2023

    Aktivitäten entlang von Entwicklungskorridoren 

    Das Wirtschaftszentrum Maputo ist über den Hafen und die Nähe zu Südafrika international besser vernetzt als mit der Peripherie im eigenen Land. Dieses Muster wiederholt sich in kleinerem Maßstab in den Hafenstädten Beira und Nacala, von denen jeweils Entwicklungskorridore ins Hinterland und in die Nachbarstaaten führen. Die dazwischen liegenden Gebiete sowie der Norden Mosambiks sind schlecht erschlossen und weisen große Entwicklungsrückstände auf.

    Der Schwerpunkt der Erdgasförderung wird zukünftig in der Provinz Cabo Delgado im äußersten Norden Mosambiks liegen. Weitere Rohstoffvorkommen befinden sich in bisher peripheren Gebieten. Es kommt nun darauf an, die damit verbundenen Entwicklungsimpulse zu nutzen und regionale Disparitäten zu verringern.

    Eckdaten der wichtigsten Provinzen in Mosambik 2022

    Gebiet

    Anteil am BIP (in %)

    BIP pro Kopf (in US$)

    Bevölkerung (in Mio.)

    Niassa

    4,5

    391

    2,13

    Cabo Delgado

    7,3

    500

    2,67

    Nampula

    12,5

    355

    6,49

    Zambézia

    8,1

    256

    5,86

    Tete

    10,2

    609

    3,08

    Manica

    8,2

    676

    2,24

    Sofala

    10,2

    721

    2,60

    Inhambane

    7,1

    837

    1,56

    Gaza

    5,5

    687

    1,47

    Maputo

    13,5

    1.037

    2,39

    Stadt Maputo

    12,9

    2.101

    1,13

    Quelle: Instituto Nacional de Extatística (INE) 2023

    Marcus Knupp

    Von Marcus Knupp | Berlin

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  • Die Ausdehnung Mosambiks, seine Lage am Indischen Ozean, der Reichtum an Bodenschätzen und Energiequellen bieten viele Ansatzpunkte für Investitionen. Die Umsetzung ist schwierig.

    Die Rohstoffvorkommen Mosambiks sind sehr attraktiv und ihre Erschließung durch die Lage an der Küste oder in der Nähe wichtiger Transportkorridore vergleichsweise einfach. Damit kann das Land  im regionalen Vergleich einen relativ hohen und stetigen Zufluss ausländischer Direktinvestitionen verbuchen. Dennoch nimmt es in internationalen Rankings  meist einen der hinteren Plätze ein. 

    Rohstoffgewinnung zieht die meisten Investitionen an

    Es überrascht nicht, dass der Bergbau und die Vorbereitung der Erdgasförderung im mehrjährigen Durchschnitt etwa zwei Drittel der ausländischen Investitionen auf sich vereinen. Mit Transport und Logistik sowie dem verarbeitenden Gewerbe folgen Branchen, die häufig mit der Rohstoffgewinnung verbunden sind. Die wichtigsten Herkunftsländer im Jahr 2022 waren Mauritius, Südafrika, die Niederlande, die Vereinigten Arabischen Emirate und Italien. Die Investitionssummen schwanken von Jahr zu Jahr erheblich, da es sich bei den Engagements häufig um Großprojekte handelt.

    Deutsche Unternehmen sind als Investoren in Mosambik bisher wenig präsent. Die meisten deutschen Firmen wählen Südafrika als Standort, von wo aus zumindest die Kernregion um die mosambikanische Hauptstadt Maputo gut zu erreichen ist. 

    Portugal bleibt präsent

    Die rechtlichen Rahmenbedingungen in Mosambik und die Geschäftsgepflogenheiten sind noch immer stark portugiesisch geprägt. Nach wie vor sind auch viele Portugiesen im Land geschäftlich tätig. In der Hauptstadt Maputo sprechen zwar viele Menschen Englisch, vor allem in der Rohstoff- und Tourismusbranche. Dennoch sind Portugiesischkenntnisse bei längerfristigen Geschäftsbeziehungen sehr nützlich und förderlich. Das gilt vor allem für Regierungskontakte. Diese sind oft entscheidend für den Zugang zu Investitionsprojekten, Lizenzen oder Grundstücken. 

    Die persönliche Ebene spielt im Geschäftsleben eine erhebliche Rolle. "Man ist mit einer Person im Gespräch und nicht mit einer Institution oder Behörde", sagt Fritz Kaufmann, ehemaliger und langjähriger AHK-Vertreter in Mosambik. Dies bedeutet, dass es wichtig ist, persönliche Kontakte zu pflegen und Geduld zu haben. Politik und Wirtschaft sind dabei oft eng miteinander verwoben. Mitglieder der Regierungspartei Frelimo kontrollieren bedeutende Teile des Marktes und der Ressourcen.

    Bürokratie ist ein Hindernis

    Die Korruption ist nach wie vor ein ernstzunehmendes Problem, auf das man sich vorbereiten muss. Die Regierung hat das Problem erkannt, wie ein Bericht für den Internationalen Währungsfonds (IWF) aus dem Jahr 2019 zeigt, und internationale Protokolle zur Korruptionsbekämpfung unterzeichnet. Bei der Umsetzung hapert es jedoch. Im Corruption Perception Index 2023 von Transparency International liegt Mosambik auf dem 145. Platz von 180.

    Bei der Unternehmensgründung empfiehlt sich die Begleitung durch einen Anwalt. Denn es sind viele Behördengängen bei verschiedenen Institutionen zu absolvieren. Und bei allen einzelnen Schritten sind bürokratische Erfordernisse wie Beglaubigungen, Übersetzungen, Vollmachten, Vorlage von Quittungen und besonderen Dokumenten zu beachten, bei denen ein Anwalt entsprechend beraten und vorbereiten sollte.

    Investitionsförderung: Steuer- und Zollvergünstigungen

    Ansprechpartner für Investoren aus allen Branchen mit Ausnahme von Bergbau, Öl und Gas ist die staatliche Investitions- und Exportförderungsagentur APIEX. Die Förderinstrumente sind in erster Linie steuerlicher Natur. Investitionsgüter für das geförderte Projekt können zollfrei eingeführt werden. Für neue Sachanlagen im Rahmen des Projekts fallen keine Steuern an. Die Steuerbelastung in der Anlaufphase wird zudem durch beschleunigte Abschreibungsmöglichkeiten reduziert. Zusätzliche Steuerbefreiungen sind für den Einsatz neuer Technologien sowie für Investitionen in die berufliche Bildung vorgesehen. 

    Förderung einzelner Branchen

    Die Zulassung von Investitionsvorhaben wird über eine zentrale Stelle abgewickelt, das Balcão de Atendimento Unico (BAU, One-Stop-Shop). Es wird zwischen einer Handels- und einer Industrielizenz unterschieden. Für die Genehmigung letzterer ist bei Großprojekten direkt der Minister für Handel und Industrie zuständig, bei mittleren und kleinen Projekten der jeweilige Provinzgouverneur. Die Schwellenwerte sind im Investitionsgesetz in der Neufassung von 2021 geregelt.

    Special Economic Zones

    Die erste Sonderwirtschaftszone (Special Economic Zone, SEZ) Mosambiks wurde 2007 in der Hafenstadt Nacala eingerichtet. Seitdem sind vier weitere hinzugekommen. Durch Steuervergünstigungen soll dort die Produktion und Weiterverarbeitung von Gütern für den Export angeregt werden, um die Exportbasis Mosambiks zu verbreitern und lokal Arbeitsplätze zu schaffen. Unternehmen in den SEZ sind von Steuern und Zöllen befreit. Details zur Förderung finden sich auf der Website der APIEX.

    Special Economic Zones in Mosambik
    NameProvinzZielbranchen
    Limpopo Agro-BusinessGazaLandwirtschaft, Nahrungsmittel
    UTENiassaLand- und Forstwirtschaft, Logistik
    Manga-MungassaSofalaLogistik, Industrie, Tourismus
    MocubaZambéziaLand- und Forstwirtschaft, Weiterverarbeitung
    NacalaNampulaLogistik, Nahrungsmittel, Chemie
    Quelle: APIEX 2024

    Industrial Free Zones

    Die vier Industriefreizonen ähneln in ihren Bestimmungen den SEZ, sind aber auf Industriebetriebe beschränkt. Unternehmen, die sich in diesen Zonen ansiedeln, müssen mindestens 70 Prozent der dort hergestellten Erzeugnisse exportieren. Nähere Informationen und Links zu den relevanten gesetzlichen Grundlagen finden sich auf dieser Informationsseite der APIEX.

    GTAI stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Marcus Knupp

    Von Marcus Knupp | Berlin

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  • BezeichnungAnmerkung
    Agência para a Promoção de Investimentos e Exportações (APIEX)Staatliche Agentur für Investitions- und Exportförderung
    Autoridade Tributária de MoçambiqueSteuerbehörde Mosambiks, Informationen zu Steuern und Zöllen
    Deutsche Industrie- und Handelskammer für das südliche Afrika (AHK)Regionalbüro in Maputo, berät und betreut deutsche Unternehmen in Mosambik