Wirtschaftsausblick | Mosambik
Mosambik zwischen Reformdruck und Rohstoffabhängigkeit
Mosambik setzt auf Reformen und staatliche Steuerung im Bergbau. Kurzfristig stabilisiert sich die Konjunktur, mittelfristig hängt das Wachstum stark vom Rohstoffsektor ab.
13.05.2026
Von Jenny Tala | Johannesburg
Top-Thema: Neues Bergbau- und Erdölgesetz stärkt staatliche Steuerung
Das mosambikanische Parlament hat im Mai eine umfassende Revision der Bergbau- und Erdölgesetze verabschiedet, die den staatlichen Einfluss im Rohstoffsektor deutlich ausweitet. Künftig muss der Staat mit mindestens 15 Prozent an allen Bergbau- und Erdölprojekten beteiligt werden; außerdem wird die Ausfuhr unverarbeiteter mineralischer Rohstoffe untersagt. Ziel ist es, die lokale Wertschöpfung, staatliche Einnahmen sowie die Entwicklung der Förderregionen zu stärken.
Die Reform sieht zudem eine stärkere Rolle staatlicher Unternehmen im Bergbau- und Energiesektor, den Ausbau von Local-Content-Vorgaben sowie verbesserte Mechanismen für Überwachung und Rückverfolgbarkeit vor. Zehn Prozent der staatlichen Einnahmen aus der Rohstoffförderung sollen künftig in einen Fonds für die Entwicklung der Abbaugebiete fließen. Die Regierung reagiert damit auf die bislang begrenzten fiskalischen Effekte des Rohstoffbooms und auf gesellschaftlichen Druck, Exporterlöse stärker für die nationale Entwicklung nutzbar zu machen. Für Investoren steigt damit die regulatorische Planbarkeit, zugleich nehmen staatliche Eingriffe, Verarbeitungspflichten und Anforderungen an lokale Beteiligung zu.
Wirtschaftsentwicklung: Moderate Erholung vor starkem Rohstoffzyklus
Nach einer Rezession im Jahr 2025 infolge politischer Unruhen, extremer Wetterereignisse und eingeschränkter Investitionstätigkeit kehrt das Land 2026 auf einen moderaten Wachstumspfad zurück. Prognosen gehen für 2026 von einem realen Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von rund 2,1 Prozent aus.
Kräftiger Wachstumsschub erst mit LNG‑Start
Träger der Erholung sind vor allem die Wiederaufnahme der Bauarbeiten an großen LNG‑Projekten durch TotalEnergies sowie eine leichte Stabilisierung in Landwirtschaft und Dienstleistungen. Mit der Inbetriebnahme neuer Gasprojekte dürfte sich das Wachstum ab 2027 deutlich beschleunigen; für 2027 bis 2030 werden jährliche Wachstumsraten von 6 bis 7 Prozent erwartet.
Gleichzeitig bleibt die makroökonomische Lage angespannt: Das Haushaltsdefizit dürfte 2026 bei rund 7 Prozent des BIP liegen. Nach der vorzeitigen vollständigen Rückzahlung der IWF‑Verbindlichkeiten im Frühjahr 2026 hat Mosambik seine Position gegenüber internationalen Geldgebern gestärkt, zugleich bleibt die gesamtstaatliche Verschuldung hoch. Ein neues IWF‑Programm wird für die zweite Jahreshälfte 2026 angestrebt. Die Inflation bewegt sich 2026 im Bereich von 4 bis 5 Prozent, der Leitzins liegt bei 9,25 Prozent.
Die Stimmung in der Wirtschaft ist gemischt. Während die Ungeduld über die schleppende Umsetzung von Reformen wächst, berichten Unternehmen und Verbände zugleich von spürbaren Verbesserungen seit dem Amtsantritt von Präsident Chapo, etwa eine stärkere Einbindung der Wirtschaft in Reformprozesse.
Rohstoffe dominieren Exporte, Importbedarf bleibt hoch
Der Außenhandel Mosambiks ist stark rohstoffgetrieben und wird vor allem von Energie‑, Bergbau‑ und Aluminiumexporten geprägt. Die Importseite spiegelt den hohen Bedarf an Energie, Nahrungsmitteln sowie Investitionsgütern wider. Die Leistungsbilanz bleibt aufgrund hoher Investitionsimporte defizitär; eine Entspannung wird erst mit steigenden Gasexporten ab 2028 erwartet.
Industrieparks locken mit Rundum-Sorglos-Paket
Die Industrieparks von MozParks, einer Public-Private-Partnership zwischen der staatlichen Investitionsagentur APIEX und der African Sustainable Economic Zones Alliance (ASEZA), bieten gute Rahmenbedingungen für internationale Investoren. MozParks entwickelt und betreibt Sonderwirtschaftszonen, Industrie‑Freizonen und Gewerbeparks an strategischen Standorten im Land. Die Betreiber werben mit verlässlicher Energieversorgung, Sicherheitsdiensten sowie mit Unterstützung bei administrativen Prozessen.
Das Flaggschiff, der Beluluane Industrial Park in Maputo, beherbergt inzwischen über 70 Unternehmen aus rund 20 Ländern, darunter Bosch Rexroth. Das Wasserkraftwerk, das die Stromversorgung des Parks sicherstellt, wurde mit 16 Millionen US-Dollar (US$) von der KfW-Entwicklungsbank finanziert. Weitere Parks sind landesweit in Betrieb oder im Aufbau. Neben ausgewiesenen KMU‑Zonen investieren die Betreiber gezielt in Ausbildungs‑, Trainings‑ und Praktikumsprogramme, unter anderem in Kooperation mit der GIZ.
Deutsche Perspektive: Chancen bei Verarbeitung, Technik und Zulieferung
Der bilaterale Handel bleibt bislang überschaubar, mit schwankenden deutschen Exporten vor allem von Maschinen, Fahrzeugen und Chemieprodukten. Mittel- bis langfristig dürfte die zunehmende Industrialisierung des Rohstoffsektors jedoch den Bedarf an hochwertiger Technik erhöhen. Chancen ergeben sich in den Bereichen Maschinen- und Anlagenbau (Aufbereitung, Verarbeitung, Raffination), Bergbau‑, Umwelt- und Wassertechnik, Energie‑, Netzinfrastruktur- und Speichertechnik, Wartung und Engineering sowie Beratung, Zertifizierung und Ausbildung.
Deutsche Anbieter als etablierte Nischenakteure
Laut der AHK Südliches Afrika sind schätzungsweise 50 bis 70 deutsche Unternehmen in Mosambik aktiv. Viele sind schon lange im Land - und erfolgreich. Die niedersächsische Firma A. Sievers etwa stellt die amtlichen Kfz‑Kennzeichen für den mosambikanischen Markt her und betreibt ein dezentrales Netz von Prägemaschinen, über die Nummernschilder landesweit produziert werden. Der bayerische Technologiekonzern Mühlbauer ist seit 2018 zentraler Partner des Staates bei der Digitalisierung von Identitäts‑ und Reisedokumenten und unterhält eine eigene Niederlassung in Maputo. Das Ingenieurberatungsunternehmen GAUFF war unter anderem für die Bau‑ und Qualitätsüberwachung der Maputo‑Katembe‑Brücke, der längsten Hängebrücke Afrikas, verantwortlich. GAUFF ist regelmäßig an großen Infrastrukturprojekten beteiligt und konnte auch jüngst weitere Großaufträge in Mosambik gewinnen. Zu den weiteren Akteuren zählen DHL, Siemens Energy, Stihl sowie Neumann und Esser.