Wirtschaftsausblick | Oman

Omans Wirtschaft wächst trotz des Krieges

Omans Wirtschaft dürfte in den kommenden Monaten stabil bleiben. Der Krieg erhöht aber die Unsicherheit und bremst einzelne Investitionsentscheidungen.

Von Heena Nazir | Dubai

Top-Thema: Oman bleibt Stabilitätsanker 

Oman kommt vergleichsweise ruhig durch die regionale Krise. Während andere Golfstaaten stärker von Schäden an Energieanlagen und Häfen oder Störungen von Handelsrouten betroffen sind, profitiert das Sultanat von seiner Lage, solider Staatsfinanzen und einer im regionalen Vergleich etwas diversifizierteren Wirtschafts- und Exportstruktur, die unter den aktuellen Verwerfungen weniger leidet. Die Weltbank erwartet für 2026 ein reales Wirtschaftswachstum von 2,4 Prozent, nach 2,6 Prozent im Jahr 2025. Für 2027 wird wieder eine leichte Beschleunigung auf 3 Prozent prognostiziert.

Ein Vorteil Omans liegt in seiner Lage am Indischen Ozean. Häfen wie Duqm, Salalah und Sohar liegen außerhalb beziehungsweise am Rand des Nadelöhrs der Straße von Hormus und gewinnen damit als Ausweich- und Logistikstandorte an Bedeutung. Sicherheitsvorfälle und Berichte über Angriffe auf omanisches Territorium und einzelne Hafenanlagen zeigen jedoch, dass auch Oman nicht vollständig von regionalen Risiken abgeschirmt ist. Für Logistiker und Investoren dürfte das Land an Bedeutung gewinnen, dennoch stärker bezüglich Risiko-, Versicherungs- und Ausfallgesichtspunkten geprüft werden.

Oman bleibt stark von Öl und Gas abhängig; je nach aktuellem Marktpreis tragen Öl, Gas und daraus abgeleitete Produkte etwa 80 Prozent zu den Gesamtexporten bei und prägen damit auch die Staatseinnahmen. Steigende Preise verbessern daher zunächst die Einnahmenseite. Nach Angaben der Weltbank dürfte der Haushaltsüberschuss von 0,7 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) im Jahr 2025 auf 3,1 Prozent des BIP im Jahr 2026 steigen. Die Staatsschuldenquote soll im selben Zeitraum von 38,5 auf 36,2 Prozent des BIP sinken.

Diese solide Haushaltslage macht Oman widerstandsfähiger als einige Nachbarländer. Ein länger anhaltender Konflikt kann Investitionsentscheidungen dennoch verzögern, Finanzierung und Versicherung verteuern sowie Tourismus, Handel und am Ende auch den Konsum belasten. Oman bleibt ein Stabilitätsanker in der Golfregion, aber kein vom Konflikt entkoppelter Markt. In friedlichen Zeiten entwickelt sich die Wirtschaft zwar teilweise weniger dynamisch als beispielsweise in den Vereinigten Arabischen Emiraten oder Katar, dafür ist man weniger krisenanfällig. Gleichzeitig nimmt Oman auch politisch eine vermittelnde Rolle ein. So war Oman im Vorfeld des Angriffs auf den Iran an den Verhandlungen zwischen den USA und Iran beteiligt. Auch innerhalb des Golfkooperationsrats ist Oman regelmäßig um Ausgleich unterschiedlicher Interessen bemüht. 

Wirtschaftsentwicklung: Robuste Staatsfinanzen stützen die Konjunktur

Die wirtschaftliche Entwicklung dürfte 2026 moderat bleiben. Oman profitiert von höheren Staatseinnahmen, laufenden Infrastrukturprojekten und einer aktiven Diversifizierungsagenda. Gleichzeitig dämpfen regionale Unsicherheit, höhere Transportkosten und vorsichtigere private Investitionen die Dynamik. Die kommenden Monate dürften daher keinen Einbruch der Investitionen sehen, sondern eher stärkere Fokussierung auf einzelne, strategisch wichtige Projekte.

Stützend wirkt vor allem der Staat. Die verbesserten Einnahmen aus dem Öl- und Gassektor erleichtern es der Regierung, Vorhaben in Logistik, Energie, Industrie und Tourismus fortzuführen. Projekte rund um Duqm, Sohar und Salalah bleiben strategisch wichtig. Oman will damit seine Rolle als Industrie- und Logistikstandort zwischen Golf, Indischem Ozean, Ostafrika und Südasien ausbauen.

Private Investoren dürften vorsichtiger agieren. Unternehmen werden neue Vorhaben genauer prüfen, besonders wenn sie stark von internationalen Lieferketten, importierten Vorleistungen oder regionaler Mobilität abhängen. Attraktiv bleiben Investitionen in kritische Infrastruktur, Energieversorgung, Logistik, Hafenwirtschaft und industrielle Wertschöpfung. Projekte mit langer Amortisationszeit oder hohem Fremdfinanzierungsbedarf könnten langsamer vorankommen.

Auch der private Verbrauch dürfte 2026 nur begrenzt zur Beschleunigung beitragen. Die Weltbank erwartet ein Wachstum von 2,7 Prozent, nach 2,8 Prozent im Jahr 2025. Die Nachfrage bleibt damit stabil, gewinnt aber kaum an Schwung. Besonders tourismusnahe Dienstleistungen, Einzelhandel und Freizeitwirtschaft könnten unter schwächerer regionaler Mobilität leiden.

Der Außenhandel ist weiterhin zweigeteilt. Höhere Energiepreise verbessern kurzfristig die Exporterlöse und stützen die Leistungsbilanz. Gleichzeitig können Sicherheitsrisiken, teurere Frachtraten und Umleitungen im Seeverkehr die Importseite belasten. Die Leistungsbilanz dürfte laut Weltbank 2026 dennoch positiv ausfallen. Für die Industrie bleibt Oman interessant, aber anspruchsvoll: Petrochemie, Düngemittel, Metalle, Logistik und energieintensive Industrien profitieren von vorhandener Infrastruktur, müssen aber höhere Anforderungen an Resilienz und Standortabsicherung erfüllen.

Deutsche Perspektive: Chancen entstehen dort, wo Resilienz gefragt ist

Für deutsche Unternehmen bleibt Oman 2026 interessant, vor allem in Bereichen, in denen das Land trotz erhöhter Unsicherheit weiter investieren dürfte. Dazu zählen Energie- und Umwelttechnik, Wasserwirtschaft, Logistik, Hafeninfrastruktur, Industrieausrüstung, Maschinenbau und technische Dienstleistungen. Die Nachfrage dürfte weniger breit, sondern stärker projektbezogen ausfallen.

GTAI-Informationsangebote zu Oman

Weitere Informationen zu Oman bieten unter anderem unsere Reihen "Wirtschaftsstandort", "Wirtschaftsdaten kompakt" und "Branche kompakt". Ferner sind auf der GTAI-Länderseite zahlreiche Berichten zum Wirtschaftsumfeld, zu Branchen sowie Rechts- und Zollthemen zu finden.

Besonders relevant werden Vorhaben zur Diversifizierung und Absicherung kritischer Infrastruktur. Deutsche Anbieter können hier mit Technologie, Planung, Effizienz und langlebigen Investitionsgütern punkten. Gefragt sind Lösungen, die Betriebskosten senken, Energie effizienter nutzen, Lieferketten robuster machen oder bestehende Anlagen modernisieren. Auch Wartung, Automatisierung sowie Lösungen für Hafen- und Industrieprozesse dürften an Bedeutung gewinnen.

Kurzfristig müssen deutsche Exporteure mit einem vorsichtigeren Marktumfeld rechnen. Unternehmen und staatliche Auftraggeber dürften Projekte stärker priorisieren; Entscheidungen könnten länger dauern. Finanzierung, Absicherung, Lieferzeiten und verlässliche lokale Partner werden wichtiger.