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Wirtschaftsausblick | Oman

Omans Wirtschaft wächst moderat, aber anhaltend

Im Oman verbindet sich eine vorsichtigere Ausgabenpolitik mit moderatem Wachstum. Der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft bleibt das strategische Kernprojekt des Landes.

Von Heena Nazir | Dubai

Top-Thema: Oman setzt trotz Verzögerungen auf Wasserstoff

Oman will sich bis 2030 als führender Exportstandort für grünen Wasserstoff etablieren. Die Ausgangsbedingungen sind günstig: hohe Sonneneinstrahlung, große verfügbare Flächen und ein direkter Zugang zu internationalen Seewegen. Mit einem geplanten Investitionsrahmen von inzwischen mehr als 35 Milliarden US-Dollar (US$) zählt das Sultanat zu den ambitioniertesten Märkten der Region. Treibende Kraft ist die staatliche Agentur Hydrom, die die nationalen Konzessionen vergibt.

Der Übergang von der Planung in die Umsetzung erfolgt jedoch langsamer als erwartet. Die meisten Vorhaben - darunter Green Energy Oman (Investitionssumme rund 7 Milliarden US$) und der Oman - Europe Liquid Hydrogen Corridor (rund 10 Milliarden US$) - befinden sich weiterhin in frühen Entwicklungsstadien. 

Verzögerungen ergeben sich vor allem aus noch nicht vollständig definierten Rahmenbedingungen: Dazu zählen ein international anschlussfähiges Zertifizierungssystem, Regelungen zur Wasserverfügbarkeit und Entsalzung, Nutzungs- und Erschließungsrechte in den Projektzonen sowie Vorgaben für Transport-, Hafen- und Exportinfrastruktur. Auch Umweltauflagen und Genehmigungsprozesse müssen weiter harmonisiert werden, bevor Investoren endgültige Bau- und Finanzierungsentscheidungen treffen können.

Trotz der längeren Vorbereitungszeit bleibt die strategische Richtung eindeutig: Oman verfolgt den Aufbau einer integrierten Wasserstoffwirtschaft, die nicht nur auf Export, sondern auf industrielle Wertschöpfung im Land abzielt. Der sektorale Ausbau wird Experten zufolge in Etappen erfolgen und auf solide Finanzierungsmodelle, regulatorische Klarheit und gesicherte Abnahmewege setzen. 

Wirtschaftsausblick: Positive Aussichten für 2026 

Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet für Oman 2025 reales Wachstum von 2,9 Prozent. In 2026 dürfte die Dynamik weiter anziehen und ein Plus von 4 Prozent erreichen – getragen von einer steigenden Ölproduktion, wachsenden Auslandsinvestitionen und einem zunehmend stärkeren Nichtölsektor.

Nach den freiwilligen Kürzungen im Rahmen von OPEC+ – dem erweiterten Zusammenschluss der Organisation erdölexportierender Länder und verbündeter Staaten, die gemeinsame Fördermengen festlegen – kann Oman seine Produktion schrittweise wieder anheben und 2026 auf rund 1,1 Millionen Barrel pro Tag steigern. Da Öl etwa 60 Prozent der Staatseinnahmen ausmacht, wirkt sich die höhere Förderung unmittelbar stabilisierend auf den Haushalt aus. Für 2026 erwartet der IWF einen Überschuss von über 2 Prozent des BIP.

Auch der Nichtölsektor gewinnt an Bedeutung. Seine Wirtschaftsleistung stieg 2024 um 3,2 Prozent. Für 2025 prognostiziert der IWF eine Beschleunigung auf 3,4 Prozent. Wichtiger Wachstumstreiber ist die Industrie, angeführt von der neuen Raffinerie in Duqm: Sie startete 2024 mit 230.000 Barrel pro Tag und erhöhte die Kapazität noch im selben Jahr auf 255.000 Barrel. Ab 2026 entfaltet diese Kapazität erstmals ihre volle Wirkung über ein gesamtes Jahr.

Transport und Logistik entwickeln sich ebenfalls dynamisch. Oman investiert gezielt in den Ausbau seiner Häfen. In Salalah wurde der Containerterminal im Februar 2025 abgeschlossen erweitert: Die Kapazität erhöht sich damit von zuvor rund 4,5 Millionen auf nun 6 bis 6,5 Millionen Standardcontainer (TEU) pro Jahr. Auch in Duqm wird die Infrastruktur kontinuierlich modernisiert. Dort soll die Umschlagskapazität, die Ende 2024 bei rund 1,4 Millionen Tonnen lag, bis 2026 auf etwa 1,7 Millionen Tonnen steigen. Diese Maßnahmen erhöhen die Effizienz und dürften künftig zusätzliche Wachstumsimpulse bringen.

Die Binnennachfrage bleibt stabil. Die Inflation lag 2025 bei rund 1,5 Prozent, der private Konsum wächst moderat. Für 2026 erwartet die Weltbank ein Konsumplus von 2,7 Prozent – über den Prognosen für Katar, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate und knapp unter Saudi-Arabien.

Die Investitionen entwickeln sich gemischt. Während die Regierung ihre Ausgaben stärker priorisiert, steigt das Interesse internationaler Investoren. Laut der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD) erhöhten sich die ausländischen Direktinvestitionen in 2024 auf 8,6 Milliarden US$, nach 4,7 Milliarden US$ im Vorjahr. Für 2025 werden 10,2 Milliarden US$ erwartet. Ein Großteil entfällt auf Energieprojekte wie Gas, Petrochemie und Wasserstoff. Andere Branchen dürften ab 2026 profitieren, wenn größere Hydrogen- und Downstream-Projekte in die Umsetzung gehen.

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Raffinerieexporte treiben Handelsbilanz

Im Jahr 2024 exportierte Oman Waren im Wert von rund 63 Milliarden US$, die Importe beliefen sich auf etwa 43 Milliarden US$. Für 2025 rechnet die Weltbank mit einem Exportwachstum von 3 Prozent und einem Importzuwachs von 2,4 Prozent. 

Wachstumstreiber auf Exportseite sind vor allem veredelte Ölprodukte und industrielle Güter außerhalb des Energiesektors - unterstützt durch höhere Raffineriekapazitäten und die Ausweitung industrieller Produktion. Die Importstruktur wird weiterhin von Maschinen, Anlagen, Fahrzeugen und Elektronik dominiert.

Deutsche Perspektive: Exportdynamik steigt

Die deutschen Ausfuhren nach Oman entwickelten sich 2024 solide und stiegen moderat von 820 auf 850 Millionen Euro. Dieser positive Trend setzt sich 2025 fort: In den ersten acht Monaten erhöhten sich die Exporte um 14,1 Prozent auf 615 Millionen Euro. Besonders gefragt waren Maschinen, Fahrzeugkomponenten und elektrotechnische Erzeugnisse.

Die Importe aus Oman gingen im gleichen Zeitraum jedoch um 27 Prozent auf 31 Millionen Euro zurück. Der deutliche Rückgang ist vor allem auf geringere Einfuhren petrochemischer Produkte zurückzuführen.

GTAI-Informationsangebote zu Oman

Weitere Informationen zu Oman bieten unter anderem unsere Reihen "Wirtschaftsstandort", "Wirtschaftsdaten kompakt" und "Branche kompakt". Ferner sind auf der GTAI-Länderseite zahlreiche Berichten zum Wirtschaftsumfeld, zu Branchen sowie Rechts- und Zollthemen zu finden.

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