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Die Lebensmittelindustrie zählt zu den größten Branchen Polens

Während die Exporte steigen, übernehmen polnische Lebensmittelhersteller zunehmend Firmen im Ausland. Gleichzeitig erschwert die starke heimische Konkurrenz den Markteinstieg.

Von Christopher Fuß | Warschau

Ausblick der Nahrungsmittelindustrie in Polen

 

  • Steigende Einkommen und neue Essgewohnheiten treiben die Nachfrage.
  • Hersteller modernisieren ihre Anlagen.
  • Firmenübernahmen sind keine Seltenheit.
  • Verbraucher kaufen vor allem heimische Waren.

Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: März 2025

  • Angesichts steigender Exporte dürfen sich Polens Lebensmittelhersteller über ein spürbares Umsatzplus freuen. Im Inland bleibt hingegen der Preis das entscheidende Kriterium.

    Die Hersteller von Nahrungsmitteln in Polen befinden sich im Aufwind. Nach Daten der Statistikbehörde GUS wuchsen die Umsätze der Branche 2025 um über 11 Prozent. Gemeinsam mit den Getränkeherstellern erwirtschaftete die Lebensmittelindustrie einen Rekordwert von 107,4 Milliarden Euro.

    Wachstumstreiber waren die Auslandsmärkte. Wie aus Eurostat‑Daten hervorgeht, legten die Exportumsätze rund doppelt so stark zu wie die Inlandsverkäufe. Die staatliche Landwirtschaftsagentur KOWR berichtet, dass Polen 2025 so viele Agrar- und Lebensmittelwaren exportierte wie nie zuvor, darunter insbesondere Fleisch‑ und Getreideprodukte. Besonders dynamisch entwickelte sich der Absatz in europäische Länder.

    Umsatz der polnischen Produzenten mit Nahrungs-, Genussmitteln und GetränkenIn Milliarden Euro, Veränderung in Prozent
    Kategorie

    2022 *)

    2023 *)

    2024 *)

    Veränderung 2024/2023

    Nahrungsmittel

    82,9

    88,9

    94,9

    6,8

    Getränke

    6,3

    7,2

    7,5

    2,7

    Tabakwaren

    2,0

    2,3

    2,5

    8,7

    * umgerechnet zum jeweiligen Durchschnittskurs 2022: 1 Euro = 4,6861 Złoty, 2023: 1 Euro = 4,5420 Złoty, 2024: 1 Euro = 4,3058 Złoty.Quelle: Statistisches Hauptamt GUS 2025

    Starkes Wachstum dank Catering und Lieferdiensten

    Im Inland entwickelten sich die Absatzkanäle uneinheitlich. Die realen, also inflationsbereinigten Umsätze im Lebensmitteleinzelhandel stagnierten 2025. Włodzimierz Wlaźlak, Vorstandsvorsitzender der polnischen Lidl‑Tochter, führt dies auf die hohen Inflationsraten der vergangenen Jahre zurück. Zwar habe sich die Teuerung inzwischen normalisiert, doch "die Jahre der Unsicherheit seit 2020 haben dazu geführt, dass die Kunden vorsichtiger sind", sagte Wlaźlak der polnischen Nachrichtenagentur PAP.

    Stark entwickelte sich hingegen das Marktsegment HoReCa (Hotel, Restaurant, Catering). Die Zahl der Restaurants stieg 2025 laut der Marktforschungsagentur Dun & Bradstreet im Jahresvergleich um 4,1 Prozent. Bei Cateringunternehmen und Lieferdiensten lag das Plus sogar bei rund 13 Prozent. Gibt es mehr HoReCa-Unternehmen, steigt der Absatz der Zulieferer aus der Lebensmittelindustrie.

    Das HoReCa‑Gewerbe profitiert vom Bau neuer Bürozentren in polnischen Großstädten. Lieferdienste sind hier besonders aktiv. Parallel dazu wächst auch das Angebot von Convenience‑ und Ready‑to‑Eat‑Produkten im Einzelhandel, wie Analysten der Beratungsagentur PMR Market berichten.

    Gleichzeitig drängen neue HoReCa-Anbieter in den Markt. So hat 2025 die deutsche Burgerkette Burgermeister ihren ersten Standort in Polen in der Hafenstadt Szczecin eröffnet.

    Funktionale Lebensmittel besonders beliebt

    Auch auf Produktebene gibt es Entwicklungen. Nach Angaben der Marktforschungsagentur NielsenIQ greifen polnische Verbraucherinnen und Verbraucher im Einzelhandel zunehmend zu frischen Milchprodukten mit einem erhöhten Proteingehalt. Dazu zählen Joghurts, Quark und Frischkäse.

    Getragen von dieser Entwicklung wuchs der Absatz frischer Milchprodukte 2025 um 8,5 Prozent auf knapp 1,9 Milliarden Euro. Zulegen konnte zudem das Segment der pflanzlichen Milchersatzgetränke. Besonders gefragt sind laut NielsenIQ sogenannte Barista‑Varianten, deren Schaumeigenschaften und Geschmack jenen herkömmlicher Tiermilch nahekommen.

    Eine Besonderheit des polnischen Marktes ist der weiter steigende Fleischkonsum, der sich vom Trend in vielen anderen europäischen Ländern abhebt. Gefragt sind vor allem Wurstwaren sowie Schweine‑ und Geflügelfleisch. Fleischersatzprodukte bleiben hingegen eine Nische. Nach Daten der Marktforschungsagentur YouGov erreichen vegetarische und vegane Alternativen weniger als 2 Prozent des Marktvolumens klassischer Fleischprodukte.

    Ähnlich begrenzt ist die Bedeutung von Biolebensmitteln. Zwar scheint sich der Markt nach mehreren schwachen Jahren zu stabilisieren: Fachhändler wie BioPlanet oder Organic Farma Zdrowia konnten ihre Umsätze 2025 sowie zu Beginn des Jahres 2026 steigern. Dennoch bleibt der Marktanteil gering. Nach Angaben des Branchenverbands PIŻE (Polska Izba Żywności Ekologicznej) entfällt lediglich rund 1 Prozent des gesamten Lebensmittelmarktes auf ökologische Produkte.

    20,2 %

    beträgt der Anteil der Nahrungsmittel-, Getränke- und Genussmittelindustrie an allen Umsätzen im verarbeitenden Gewerbe.

    Kunden bleiben preisbewusst

    Bei alkoholischen Getränken folgt Polen dem europäischen Trend. Zwischen Oktober 2024 und Oktober 2025 ging der Absatz laut NielsenIQ sowohl mengen‑ als auch wertmäßig zurück. Rückläufige Bier‑ und Weinverkäufe sorgten dafür, dass die Umsätze im gesamten Getränkemarkt auf dem Vorjahresniveau stagnierten. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach alkoholfreien Alternativen.

    Die Beliebtheit von funktionellen Lebensmitteln und Getränken dürfte nach Prognosen von YouGov weiter fortbestehen. Die Nachfrage nach Produkten mit reduziertem Zucker‑ sowie erhöhtem Proteingehalt wachse weiter. "Das ist kein vorübergehender Trend, sondern eine deutliche Veränderung in der Denkweise über Ernährung und Gesundheit", sagte Szymon Mordasiewicz, Geschäftsführer von YouGov, dem Industrieportal WNP.pl.

    Gleichzeitig bleibt der Preis das wichtigste Kriterium für Kunden. Laut einer Umfrage der deutschen Payback-Gruppe geben bis zu zwei Drittel der befragten Verbraucherinnen und Verbraucher in Polen an, primär auf den Preis zu achten. Daran dürfte sich mittelfristig wenig ändern.

    Modernisierungswelle der Hersteller

    Trotz des anhaltenden Preiskampfes investieren Lebensmittelhersteller in Polen. Sie bauen vor allem ihre Exportkapazitäten aus. So erweitert die Knorr‑Muttergesellschaft Unilever ein Werk für Fertiggerichte und Soßen in Poznań, das hauptsächlich den europäischen Markt beliefert. Auch der Fischverarbeiter Lisner, eine Tochter der Theo‑Müller‑Gruppe, baut seinen polnischen Standort für rund 50 Millionen Euro aus. Ein großer Teil der Produktion ist für den Export bestimmt.

    Lebensmittelhersteller mit polnischem Eigentümer, wie der Fleischverarbeiter Tarczyński oder der Molkereikonzern Mlekpol, investieren ebenfalls. Bei den meisten Projekten stehen Energieeinsparungen, die Automatisierung von Produktions‑ und Lagerprozessen sowie die Entwicklung neuer Produkte im Vordergrund.

    Polen fördert Investitionen zudem mit Zuschüssen aus EU‑Programmen. Ab September 2026 können kleine und mittelständische Agrarbetriebe sowie Lebensmittelverarbeiter bei der Landwirtschaftsagentur ARiMR Zuschüsse von bis zu 2,3 Millionen Euro für Modernisierungsprojekte beantragen. Das Förderprogramm verfügt über ein Gesamtbudget von mehr als 200 Millionen Euro.

    Ausgewählte Investitionsprojekte der Ernährungswirtschaft in PolenInvestitionssumme in Millionen Euro
    Projekt

    Investitionssumme 

    ProjektstandAnmerkungen
    Bau einer Fabrik für Speisesalz, Glogów

    233

    Durchführung, fertig Mitte 2029Kupferkombinat KGHM Polska Miedź
    Bau einer Fabrik für Kaffeeprodukte, Jawor

    142

    Planung, fertig 2030Jacobs Douwe Egberts OPS PL (Niederlande)
    Bau eines Kühllagers, Nowy Modlin

    112

    Durchführung, fertig Sommer 2024Atlas Ward für NewCold (Niederlande) 
    Ausbau der Schokoladenfabrik, Warschau 

    70

    Durchführung, fertig 3. Quartal 2024Firma Wedel (Lotte, Japan)
    Bau einer Fabrik für UHT-Milch, Wysokie Mazowieckie

    61

    Durchführung, fertig 2025Molkereigruppe Mlekovita
    Ausbau einer Fabrik für Babynahrung und Nahrung für medizinische Zwecke, Opole

    50

    Durchführung, fertig 1. Quartal 2025Nutricia (Danone, Frankreich)
    Modernisierung einer Saftfabrik, Zator, Technologiepark Krakau

    43

    DurchführungFirma Tymbark-MWS (Maspex)
    Quelle: Pressemeldungen 2024, Firmenangaben, Recherchen von Germany Trade & Invest 2024

    Von Christopher Fuß | Warschau

  • Fleischverarbeiter und Molkereien prägen Polens Lebensmittelindustrie. Im Handel bestimmen Discounter und Nachbarschaftsläden die Marktstruktur.

    Die Produktion von Lebensmitteln, Getränken und Genussmitteln gehört zu den wichtigsten Industriezweigen Polens. Unternehmen der Branche erwirtschaften laut Daten der polnischen Statistikbehörde GUS fast ein Viertel aller Umsätze im verarbeitenden Gewerbe. Zum Vergleich: Die Automobilproduktion kommt gerade einmal auf 11 Prozent.

    Der Löwenanteil aller Branchenumsätze in der Lebensmittelindustrie entfällt auf die Fleischverarbeitung und die Herstellung von Milchprodukten. Charakteristisch ist die hohe Zahl internationaler Eigentümer. Polens größter Fleischkonzern Animex gehört beispielsweise zur chinesischen WH Group.

    Im Molkereisektor dominieren Unternehmen in polnischem Besitz wie Mlekovita, Mlekpol oder Polmlek. Dahinter folgen internationale Hersteller, darunter Hochland oder Zott aus Deutschland. Auch der größte Lebensmittelverarbeiter des Landes, die Maspex‑Gruppe, befindet sich in polnischem Eigentum. Das Unternehmen produziert unter verschiedenen Marken Getränke, Pasta und Konserven.

    Wichtige Branchenunternehmen in PolenUmsatz 2023 in Millionen Euro
    Unternehmen

    Sparte

    Umsatz 1) 2)

    Grupa Maspex

    verschiedene Nahrungsmittel

    3.299

    Animex Foods

    Fleischverarbeitung

    2.789

    Grupa Mlekovita

    Molkereiprodukte

    2.007

    SM Mlekpol

    Molkereiprodukte

                    1.475

    Krajowa Grupa SpożywczaVerschiedene Nahrungsmittel

    1.419

    Grupa SokołówFleisch und Fleischverarbeitung

    1.282

    Imperial Tobacco PolskaTabakverarbeitung

    1.243

    Grupa WipaszFuttermittel und Geflügelverarbeitung

    1.223

    Mowi PolskaFischverarbeitung

    1.175

    Grupa Żywiec

    Brauereigruppe (Heineken)

                    850

    1 umgerechnet zum Jahresdurchschnittskurs 2023: 1 Euro = 4,543 Złoty; 2 Einnahmen aus Verkäufen.Quelle: Lista 500 der Tageszeitung Rzeczpospolita 2024

    Polnische Firmen übernehmen internationale Hersteller

    Die polnische Lebensmittelindustrie drängt auf internationale Märkte, was sich auch in Firmenübernahmen widerspiegelt. So übernahm der Süßwarenhersteller Colian 2025 den deutschen Schokoladenproduzenten Gubor. Im selben Jahr kaufte der polnische Wurstwarenhersteller Morliny Foods die bayerische Wolf Group. Anfang 2026 schloss zudem Maspex die Übernahme des rumänischen Weinherstellers Purcari ab.

    Begünstigt werden solche Expansionen durch staatliche Förderinstrumente. Polnische Unternehmen erhalten für internationale Übernahmen zinsgünstige Kredite von der staatlichen Förderbank BGK.

    Darüber hinaus bleibt der Export eine zentrale Säule der polnischen Lebensmittelindustrie. Die Branche erzielt rund ein Fünftel aller Umsätze im Ausland. Einzelne Sparten kommen sogar auf höhere Exportquoten. Verarbeiter von Fisch und Meeresfrüchten sowie Hersteller von Kaffee und Tee exportieren laut GUS jeweils rund 60 Prozent ihrer Produktion. Der hohe Exportanteil geht auch auf internationale Investoren zurück. Die britische Teemarke Lipton produziert in Katowice beispielsweise für den gesamten europäischen Kontinent.

    Produktion ausgewählter Nahrungs- und Genussmittel, Getränke in Polen 1) 2)
    Produktgruppe

    2022

    2023 3)

    Veränderung 2023/22 4)

    Geflügelfleisch

    3.358

    3.295

    -1,9

    Wurstwaren

    896

    737

    -17,7

    Obst- und Gemüsesäfte (in 1.000 hl)

    13.198

    10.237

    -22,4

    Milch (in 1.000 hl)

    37.211

    34.871

    -6,3

    Käse, reifend

    384

    389

    1,3

    Frischkäse, Quark

    519

    520

    0,2

    Weizenmehl

    2.517

    1.957

    -22,2

    Zucker

    2.146

    3.393

    58,1

    Reiner Wodka (umgerechnet in 100 % Alkohol, in 1.000 hl)

    1.018

    871

    -14,4

    Bier (in 1.000 hl)

    39.764

    35.200

    -11,5

    1 in 1.000 Tonnen, sofern nicht anders angegeben, hl = Hektoliter; 2 Unternehmen mit mindestens 50 Beschäftigten; 3 Angaben für 2023 sind vorläufig, sie können noch nach oben korrigiert werden; 4 Veränderung in Prozent.Quelle: Statistisches Hauptamt GUS 2024

    Wichtigster Absatzmarkt der Industrie ist Deutschland. Nach Angaben der staatlichen Landwirtschaftsagentur KOWR gehen rund 25 Prozent aller polnischen Exporte von Agrar- und Lebensmitteln in das westliche Nachbarland. Polen weist im Lebensmittelsektor einen Handelsüberschuss mit Deutschland auf. Besonders ausgeprägt ist der Überschuss bei Fleisch, Fisch sowie Getreideprodukten.

    Gleichzeitig sperrt sich Polen gegen Lebensmittelimporte aus Drittstaaten. Nach Protesten gegen das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten kündigen polnische Verarbeiter von Rindfleisch auch Widerstand gegen ein geplantes Abkommen mit Australien an.

    Polnischer Export von Agrarerzeugnissen und NahrungsmittelnIn Milliarden Euro

    Jahr

    Wert

    2023 *)

    51,8

    2022 

    47,9

    2021

    37,6

    2020

    34,3

    * SchätzungQuelle: Landesstelle zur Förderung der Landwirtschaft KOWR 2024

    Wenig Platz für internationale Waren

    Im Inland dominieren heimisch produzierte Lebensmittel den Handel. Dies ist auch Ergebnis politischen Drucks. So forderte etwa die Landwirtschaftskammer Lublin Anfang 2026 eine verpflichtende Quote für polnische Produkte im Einzelhandel.

    Das Landwirtschaftsministerium verwies in einer Antwort darauf, dass der Anteil polnischer Erzeugnisse in vielen Kategorien bei bis zu 90 Prozent liegen würde. Dies betreffe unter anderem Fleisch, Eier, Milchprodukte sowie Backwaren.

    Internationale Handelsketten betonen in diesem Zusammenhang ihre Rolle als Exportplattform. Die polnische Tochter des deutschen Discounters Lidl exportiere 2025 laut eigenen Angaben polnische Lebensmittel von 386 Lieferanten im Wert von insgesamt 1,7 Milliarden Euro. Die Waren gingen unter anderem nach Rumänien, Tschechien, Ungarn und Litauen.

    Vereinzelt gelingt auch deutschen Herstellern der Markteintritt in den polnischen Einzelhandel. So kamen Cola‑Getränke des Hamburger Produzenten fritz‑kola 2025 dank einer Kooperation mit Lidl Polska erstmals landesweit in den Handel. Zuvor vertrieb das Unternehmen seine Produkte in Polen vor allem über die Gastronomie sowie über Onlinekanäle.

    Dominanz der Discounter

    Der Lebensmitteleinzelhandel ist, ähnlich wie die Lebensmittelverarbeitung, von einem Mix aus internationalen und heimischen Akteuren geprägt. Umsatzstärkste Kette ist der portugiesische Discounter Biedronka, gefolgt von Lidl. Unter den Unternehmen mit polnischem Eigentümer dominieren die Eurocash‑Gruppe und die Supermarktkette Dino. Letztere expandiert seit Jahren stark und eröffnet jährlich bis zu 400 Filialen, vor allem in ländlichen Regionen. Lidl plant etwa 50 Neueröffnungen pro Jahr und baut zudem ein neues Distributionszentrum in Skawina.

    Besonders dynamisch wächst die Franchise‑Kette Żabka. Die kioskähnlichen Minimärkte entstehen in Neubaugebieten und Bürozentren. Sie zielen auf eine hohe Kundenfrequenz und Impulskäufe. Żabka eröffnet jährlich rund 1.000 Filialen und befindet sich mehrheitlich im Besitz eines internationalen Investmentfonds.

    Gleichzeitig haben es Vollsortimenter und höherpreisige Konzepte schwer. Die französische Hypermarktkette Carrefour steht vor dem Verkauf ihrer polnischen Aktivitäten. Die Spar‑Gruppe hat sich bereits aus dem Markt zurückgezogen und ihre Filialen an das polnische Unternehmen Specjał verkauft. Die hohe Inflation der Jahre 2022 bis 2024 hat das Konsumverhalten in Polen nachhaltig geprägt. Viele Verbraucher sind weiterhin preissensibel und zeigen nur geringe Bereitschaft, für höherpreisige Lebensmittel mehr auszugeben.

    Parallel zum Wachstum der Discounter steigt der Anteil von Eigenmarken in den Regalen. Laut einer Untersuchung der Marktberatung YouGov vom Juli 2025 liegt Polen dabei bislang im europäischen Mittelfeld. Rund 24 Prozent aller Waren im FMCG‑Segment (Fast Moving Consumer Goods) entfallen auf Handelsmarken. Zum Vergleich: In Deutschland beträgt der Anteil 41,4 Prozent. Den YouGov‑Daten zufolge wächst der Eigenmarkenanteil in Polen jährlich um knapp 1 Prozentpunkt.

    Von Christopher Fuß | Warschau

  • Polens EU-Mitgliedschaft erleichtert den Import von Lebensmitteln aus Deutschland. Unternehmen müssen aber einige nationale Regelungen beachten, beispielsweise zur Kennzeichnung.

    Spezielle Einfuhrbeschränkungen für Nahrungsmittel aus Deutschland bestehen im Rahmen des EU-Binnenmarktes nicht. Es gelten die allgemeinen unionsrechtlichen Vorschriften zur Lebensmittelsicherheit, Hygiene, Kennzeichnung und Zertifizierung.

    Darüber hinaus kommen in Polen verschiedene nationale Qualitätsmerkmale und Gütesiegel zum Einsatz. Dazu zählen freiwillige Kennzeichnungen wie "Bez GMO" (ohne Gentechnik), die auf einem eigenen polnischen Kennzeichnungssystem beruhen.

    Obligatorische Angaben auf der Verpackung, darunter das Zutatenverzeichnis oder Nährwerttabellen, müssen in polnischer Sprache vorliegen. Für deutsche Unternehmen bedeutet dies, dass die Produkte mit einer polnischsprachigen Originaletikettierung versehen sein müssen. Alternativ kann ein Hersteller sein Produkt vor dem Inverkehrbringen durch einen Aufkleber ergänzen.

    Spezielles Logo für heimische Produkte

    Konsumpatriotismus bleibt ein wichtiger Faktor auf dem polnischen Lebensmittelmarkt. Das Landwirtschaftsministerium fördert den Absatz heimischer Produkte gezielt durch Marketing- und Informationskampagnen.

    Ein zentrales Instrument ist das freiwillige Herkunftssiegel "Produkt Polski" (Produkt aus Polen). Es kann sowohl für unverarbeitete als auch für verarbeitete Lebensmittel verwendet werden. Maßgeblich für die Nutzung des Siegels sind die Herkunft der landwirtschaftlichen Rohstoffe sowie der Ort der Verarbeitung in Polen. Die Eigentümerstruktur des Herstellers spielt dabei keine Rolle.

    Wichtige Behörden für Lebensmittelunternehmen in Polen
    BehördeZuständigkeitenRelevanz für deutsche Unternehmen
    Staatliche Sanitärinspektion (Sanepid)Lebensmittelsicherheit und Hygiene entlang der gesamten Wertschöpfungskette; Kontrolle der VerbraucherinformationBetriebsgenehmigungen, Hygienekontrollen, Prüfung der Etikettierung
    VeterinärinspektionÜberwachung von Lebensmitteln tierischen Ursprungs; Tiergesundheit und veterinärrechtliche AnforderungenZulassung und Kontrolle von Betrieben mit Fleisch‑ und Milchprodukten, Import‑ und Exportanforderungen
    IJHARSKontrolle der handelsüblichen Qualität, Kennzeichnung sowie Herkunfts‑ und QualitätsangabenPrüfungen von Etiketten, Qualität und korrekter Verwendung von Siegeln

    Neues Pfandsystem für Getränkeverpackungen

    Zum 1. Oktober 2025 hat Polen ein landesweites Pfandsystem für Getränkeverpackungen eingeführt. Erfasst werden:

    • Einweg-Kunststoffflaschen bis 3 Liter,
    • Metalldosen bis 1 Liter,
    • Mehrweg-Glasflaschen bis 1,5 Liter.

    Einweg-Glasflaschen sind nicht Bestandteil des Systems. Die pfandpflichtigen Verpackungen tragen einheitliche Kennzeichnungen. Das Pfand beträgt rund 0,22 Euro für Mehrweg-Glasflaschen sowie etwa 0,11 Euro für Einweg-Kunststoffflaschen und Getränkedosen.

    Alle Verkaufsstellen, die Getränke in pfandpflichtigen Verpackungen anbieten, müssen beim Verkauf das Pfand erheben. Einzelhändler mit einer Verkaufsfläche von mindestens 200 Quadratmetern sind zudem verpflichtet, sämtliche vom System erfassten Verpackungen zurückzunehmen und das Pfand auszuzahlen. Dies gilt unabhängig davon, wo die Verpackung ursprünglich gekauft wurde.

    Eine der größten Herausforderungen aus Sicht von Handels- und Lebensmittelverbänden ist die hohe Zahl zugelassener Systembetreiber. Diese fungieren als Schnittstelle zwischen Handel und Herstellern. Insbesondere die Verrechnung von Pfandbeträgen über Systemgrenzen hinweg gilt als fehleranfällig, etwa wenn Verpackungen eines Herstellers in einem Markt zurückgegeben werden, der mit einem anderen Systembetreiber kooperiert.

    Neue Verpackungsgebühr in Vorbereitung

    Polen hat die EU-Vorgaben zur erweiterten Herstellerverantwortung (EHV) für Verpackungen bislang nicht vollständig umgesetzt. Im März 2026 legte das Ministerium für Klima und Umweltschutz einen weiteren Gesetzentwurf vor. Demnach soll das neue EHV-System schrittweise zum 1. Januar 2027 in Kraft treten.

    Kern des Modells ist eine zentrale Rolle des staatlichen Umweltfonds NFOŚiGW (Narodowy Fundusz Ochrony Środowiska i Gospodarki Wodnej). Dieser soll die neuen Verpackungsabgaben von den Herstellern einziehen und an Kommunen weiterleiten.

    Während Gemeinden und kommunale Entsorgungsunternehmen den Entwurf überwiegend positiv bewerten, stößt das Modell bei Herstellern und Branchenverbänden auf erhebliche Kritik. Aus Sicht der Wirtschaft führt die starke Stellung des NFOŚiGW faktisch zu einem staatlichen Monopol. Unternehmen tragen zwar die vollständigen Kosten der Verpackungsentsorgung, haben jedoch keinen Einfluss auf die Mittelverwendung.

    Veto gegen höhere Steuern für einige Lebensmittel

    Die steuerlichen Rahmenbedingungen im polnischen Handel haben sich in den vergangenen Jahren verschärft. Seit dem 1. Januar 2021 erhebt Polen eine umsatzbasierte Einzelhandelssteuer, die insbesondere große Handelsketten wie Discounter und großflächige Supermärkte betrifft.

    Zum Jahresbeginn 2026 plante die Regierung eine Anhebung mehrerer Verbrauchsteuern. Vorgesehen waren höhere Abgaben unter anderem auf alkoholische Getränke und Tabakwaren sowie auf zuckerhaltige Getränke und Getränke mit hohem Koffein‑ oder Tauringehalt. Ein Veto von Staatspräsident Karol Nawrocki verhinderte jedoch das Inkrafttreten des entsprechenden Gesetzes. Auf Grundlage einer früheren Gesetzgebung erhöhten sich die Verbrauchsteuern auf Tabak und Alkohol zwar dennoch, allerdings in geringerem Umfang als von der Regierung ursprünglich vorgesehen.

    Gesetz über Cybersicherheit betrifft Lebensmittelhersteller

    Mit der Umsetzung der europäischen NIS‑2‑Richtlinie hat Polen das Gesetz über das nationale Cybersicherheitssystem (KSC-Gesetz) novelliert. Die Änderungen sind Anfang April 2026 in Kraft getreten.

    Nach der neuen Systematik gelten Lebensmittelhersteller als sogenannte wichtige Einrichtungen, sofern sie bestimmte Schwellenwerte hinsichtlich Mitarbeiterzahl und Jahresumsatz überschreiten. Für diese Unternehmen entstehen zusätzliche Pflichten im Bereich der IT- und Cybersicherheit.

    Im innergemeinschaftlichen Warenverkehr der EU sind die Regelungen des Umsatzsteuerkontrollverfahrens in der EU zu beachten. Informationen hierzu finden sich auf der Internetseite des Bundeszentralamtes für Steuern. Hinsichtlich der Normierung gelten die einschlägigen EU-Richtlinien (siehe etwa die Website des Deutschen Instituts für Normung e.V.).

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Von Christopher Fuß | Warschau

  • Heimische Produzenten dominieren viele Segmente der polnischen Lebensmittelindustrie. Ein Experte erklärt, wie der Markteinstieg für internationale Anbieter dennoch gelingen kann.

    Deutsche Hersteller von Lebensmitteln suchen verstärkt in Polen nach Absatzmöglichkeiten. Allein im Jahr 2025 konnte Deutschlands Agrar- und Ernährungswirtschaft ihre Exporte ins östliche Nachbarland um 16,2 Prozent steigern, auf rund 8,3 Milliarden Euro. Doch die Konkurrenz bleibt hart. Polens Lebensmittelindustrie zählt zu den größten Wirtschaftszweigen des Landes, was den Markteintritt für neue Marktteilnehmer erschwert. Worauf deutsche Unternehmen achten müssen, um in Polen erfolgreich Fuß zu fassen, weiß Ireneusz Ozga. Der Gründer der Vici Group platziert internationale Produkte des täglichen Bedarfs auf dem polnischen Markt. Im Interview mit Germany Trade & Invest gibt er Praxistipps.

    Herr Ozga, wie würden Sie den polnischen Lebensmittelmarkt beschreiben, insbesondere mit Blick auf die Absatzkanäle im Handel?

    Der Markt ist sehr wettbewerbsintensiv. Besonders prägend ist der weiterhin wachsende Anteil der Discounter wie Biedronka, Lidl, Dino oder perspektivisch auch Aldi. Dort steht klar das Prinzip ‚Value for Money‘ im Vordergrund, also möglichst hohe Qualität bei möglichst niedrigem Preis.

    Gleichzeitig wachsen jedoch auch ein Premium- und Spezialsegment, etwa für funktionale Produkte. Dazu zählen inzwischen sehr populäre Protein Drinks und proteinreiche Milchprodukte.

    Hinzu kommen Convenience Formate wie die Einzelhandelskette Żabka. Der Onlinehandel spielt bislang nur eine untergeordnete Rolle, könnte aber mittelfristig an Bedeutung gewinnen.

    Welche Rolle spielt neben dem Einzelhandel der HoReCa Bereich, also Hotels, Restaurants und Catering?

    Eine deutlich größere als noch vor einigen Jahren. Reallohnzuwächse haben die Kaufkraft in Polen erhöht. Auswärts essen gehen ist vom besonderen Anlass zur Alltäglichkeit geworden. Zusätzlich profitiert der HoReCa Bereich vom wachsenden Tourismus und von zahlreichen Hotelinvestitionen. Neue Gebäude entstehen sowohl an der Küste als auch in den Bergen.

    Für ausländische Anbieter ist dieser Bereich ein relevanter Absatzkanal mit mehreren großen Distributoren, die jeweils Milliardenumsätze erzielen.

    Worauf achten polnischen Kunden beim Lebensmitteleinkauf besonders?

    Das hängt stark von der jeweiligen Einkaufssituation ab. Für den täglichen Bedarf zählt vor allem der Preis-Leistungs-Aspekt. Deshalb sind Discounter in Polen so erfolgreich. Der hohe Stellenwert des Preises ist vermutlich auch ein Grund dafür, warum Bio-Produkte bisher nur eine geringe Rolle spielen.

    Bei Convenience-Käufen, etwa in wohnortnahen Nachbarschaftsläden wie Żabka, zählen vor allem die Nähe zum Kunden, kleine Packungsgrößen und Markenbekanntheit. In der Gastronomie wiederum ist der Preis in touristischen Lagen weniger entscheidend, im Massenmarkt und insbesondere im Fast-Food-Bereich jedoch sehr wohl.

    Wie sollten deutsche Hersteller beim Markteintritt vorgehen?

    Zunächst muss klar sein, welchen Absatzkanal man bedienen will. Geht es um Handelsmarken für Discounter, um Markenprodukte für Convenience-Formate oder um Großpackungen für den HoReCa-Bereich? Jeder Kanal folgt eigenen Preislogiken, Margenstrukturen und logistischen Anforderungen. Außerdem gibt es unterschiedliche Ansprechpartner.

    Ebenso wichtig ist es, den Markt vor Ort zu verstehen. Dazu gehört, selbst durch die Läden zu gehen, Preis und Qualität von Wettbewerbern zu analysieren sowie realistisch die Margen zu kalkulieren. Nur so lässt sich beurteilen, ob ein Markteintritt wirtschaftlich sinnvoll ist.

    Welche Importprodukte haben in Polen besonders gute Chancen?

    Im B2B-Bereich, also bei der Lieferung von Rohstoffen für die Weiterverarbeitung, ist der Markt sehr offen. Polens Lebensmittelindustrie importiert zahlreiche Vorprodukte, etwa Proteinrohstoffe, Getreide für pflanzliche Drinks, Tomatenkonzentrat oder Schweinefleisch. Gute Marktkenntnis sowie der direkte Zugang zu Produktions- und Einkaufsleitern sind hier entscheidend.

    Deutlich schwieriger ist der Markteintritt mit verarbeiteten Produkten für Endverbraucher. Dieses Segment ist stark besetzt und entsprechend wettbewerbsintensiv.

    Wie gelingt der Zugang zu den Entscheidern im Handel?

    Am effektivsten ist es, wenn man mit einem lokalen Mitarbeiter oder Partner zusammenarbeitet, der über ein belastbares Netzwerk verfügt. Entscheidend ist der persönliche Zugang zu Einkäufern oder Category Managern im Handel. Anfragen über allgemeine Kontaktformulare sind meist wenig erfolgreich. Das gilt nicht nur in Polen, sondern auch in vielen anderen Ländern.

    Am Ende entscheiden selbstverständlich auch Qualität, Preis und überzeugende Musterlieferungen darüber, ob ein Produkt ins Regal kommt. Ohne den richtigen Erstkontakt bleibt der Marktzugang jedoch schwierig.

    Welche Fehler machen ausländische Anbieter am häufigsten?

    Viele überschätzen die Stärke ihrer eigenen Marke und übertragen Erfahrungen aus dem Heimatmarkt eins zu eins auf Polen. Eine bekannte Marke in Deutschland ist hier oft unbekannt.

    Erfolgreich ist, wer global denkt und lokal handelt. Das bedeutet, Angebot, Preisgestaltung und Kommunikation konsequent auf den polnischen Markt zuzuschneiden.

    Von Christopher Fuß | Warschau

  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    AHK Polen

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Ministerstwo Rolnictwa i Rozwoju Wsi

    Ministerium für Landwirtschaft und Ländliche Entwicklung
    Ministerstwo Klimatu i ŚrodowiskaMinisterium für Klima und Umwelt
    Ministerstwo Aktywów PaństwowychMinisterium für Staatliche Aktiva 
    Inspekcja Jakości Handlowej Artykułów Rolno-SpożywczychBehörde, die die Handelsqualität von Lebensmitteln kontrolliert
    Krajowy Ośrodek Wsparcia Rolnictwa Landesstelle zur Förderung der Landwirtschaft
    Główny Inspektorat SanitarnyLandessanitäraufsicht 
    Instytut Ekonomiki Rolnictwa i Gospodarki Żywnościowejanalysiert Agrar- und Nahrungsmittelmarkt

    Polska Federacja Producentów Żywności

    Arbeitgeberverband der Nahrungsmittelproduzenten
    Związek Polskie MięsoVerband der polnischen Fleischindustrie
    Krajowy Związek Spółdzielni Mleczarskich Związek RewizyjnyLandesverband der Molkereigenossenschaften
    Browary PolskieArbeitgeberverband der Bierindustrie
    Polska Izba Żywności EkologicznejPolnische Kammer für ökologische Nahrungsmittel 
    Polska Organizacja Handlu i DystrybucjiPolnische Organisation für Handel und Vertrieb
    Polska Izba Odzysku i Recyklingu Opakowań Polnische Kammer für Verwertung von Verpackungen

    Przemysł Spożywczy (Nahrungsmittelindustrie)

    Fachzeitschrift, monatlich 
    Polagra, Food Horeca Foodtech, PoznańNahrungsmittelmesse, nächster Termin: 23.-25.09.2026

    Portal Spożywczy

    Internetportal zur Nahrungsmittelbranche
    Biokurier.plInternetportal zu Ökonahrungsmitteln
    Topagrar.plInternetportal zur Landwirtschaft