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Personalsuche und Personalmanagement
Ein hohes Gehalt allein reicht nicht aus, um als Investor in Polen die besten Talente zu gewinnen. Welche Faktoren noch entscheidend sind, erklären Arbeitsmarktexperten.
16.06.2026
Von Christopher Fuß | Warschau
Arbeitnehmer in Polen legen zunehmend Wert auf eine gute Arbeitsatmosphäre. Das zeigt eine Umfrage des Personaldienstleisters Randstad vom April 2026. Demnach nennen 72 Prozent der Befragten ein positives Arbeitsklima als wichtigste Eigenschaft eines idealen Arbeitgebers, sagt Pawel Kopeć, Key Account Manager bei Randstad, im Gespräch mit GTAI. "Damit überholt die Arbeitsatmosphäre erstmals die Themen Arbeitsplatzsicherheit und Gehalt", so Kopeć.
Für eine gute Arbeitsatmosphäre kommt es vor allem auf die direkten Führungskräfte an. "Unsere Befragungen zeigen, dass Kündigungen am häufigsten auf Konflikte mit dem unmittelbaren Vorgesetzten zurückgehen", sagt Kopeć. Häufig fühlten sich Beschäftigte schlecht behandelt oder nicht ausreichend wertgeschätzt. "Gerade große Unternehmen werben zwar oft mit einer offenen Unternehmenskultur. Wenn diese aber vom mittleren Management nicht gelebt wird, führt das schnell zu erhöhter Fluktuation", so Kopeć.
Keine leeren Versprechungen machen
Ein respektvoller Umgang und transparente Kommunikation sind auch entscheidend, wenn deutsche Unternehmen Führungskräfte für ihre Tochtergesellschaften in Polen suchen. Das beobachtet Rainer Pauly, Leiter der Personalberatung Deininger in Warschau, die unter anderem leitende Managerpositionen besetzt.
Für Kandidaten sei vor allem relevant, welche Rolle der Standort Polen innerhalb der Unternehmensgruppe einnimmt, welche Investitionen geplant sind und über welchen Entscheidungsspielraum die lokale Geschäftsführung verfügt. "Kritisch wird es, wenn Anspruch und gelebte Realität auseinanderfallen", warnt Pauly. "Wenn das deutsche Mutterhaus unternehmerische Freiheit verspricht, dann aber eng steuert, verliert es Vertrauen", gibt der Personalberater zu Bedenken.
Ein deutscher Investor steigere seine Attraktivität, wenn er der polnischen Tochtergesellschaft Gestaltungsspielräume einräumt: "Personen in Führungspositionen wollen gestalten und nicht nur eine ausführende Rolle übernehmen", so Pauly.
Gehaltsunterschiede nehmen ab
Trotzdem bleibt auch das Gehalt ein zentrales Instrument, um qualifizierte Kandidaten zu gewinnen, betont Kopeć von Randstad. "Ich würde nicht sagen, dass die Menschen heute weniger auf das Gehalt achten. Nur 46 Prozent sind der Ansicht, dass ihr Gehalt ihren Erwartungen entspricht, was die Frage der Vergütung zu einer zentralen Herausforderung für polnische Arbeitgeber macht", so Kopeć.
Auch Rainer Pauly unterstreicht die weiterhin hohe Relevanz der Vergütung, gerade im Führungskräftebereich. Deutsche Unternehmen würden das Niveau in Polen häufig unterschätzen: "Im operativen Top-Management hat sich die historische Gehaltslücke zwischen Deutschland und Polen deutlich verringert. Unterschiede bestehen weiterhin, etwa bei Zusatzleistungen oder den Vertragsformen zwischen Unternehmen und Führungskraft", sagt Pauly.
Neue Technologien werden gefordert
Neben den Erwartungen der Arbeitnehmer verändern sich auch die Anforderungen der Arbeitgeber, betont Kopeć. Angesichts der schrumpfenden Bevölkerung und steigender Lohnkosten investieren viele Unternehmen in Automatisierung und Robotik. Das wirkt sich auf die gesuchten Qualifikationen aus: "Gefragt sind zunehmend Spezialisten für Instandhaltung sowie Elektromechaniker und Mechaniker. Davon gibt es aber zu wenige auf dem Markt", stellt Kopeć fest.
Vor diesem Hintergrund gewinnt das Thema Ausbildung an Bedeutung. "Inzwischen gehen die meisten Investoren beim Markteintritt Kooperationen mit Universitäten oder Berufsschulen ein, um Fachkräfte gezielt auszubilden und auf ihre Bedürfnisse vorzubereiten", so Kopeć.
Auch an Führungskräfte werden neue Anforderungen gestellt, ergänzt Rainer Pauly von Deininger. Das betrifft insbesondere den Umgang mit künstlicher Intelligenz (KI). "Von Führungskräften werden zunehmend konkrete Ideen erwartet, wie sich KI sinnvoll in ihrem Verantwortungsbereich einsetzen lässt", sagt Pauly.
Zudem beobachtet der Personalberater ein gestiegenes Interesse aus einzelnen Branchen: "Wir erhalten immer häufiger Anfragen aus der Rüstungsindustrie und konnten bereits erste Projekte in diesem Bereich erfolgreich umsetzen", so Pauly.
Ballungszentren bleiben beliebt
Bei der Standortwahl empfiehlt Kopeć weiterhin die etablierten Zentren. Zwar sei der Wettbewerb um Fachkräfte dort besonders hoch, zugleich zögen diese Regionen weiterhin neue Arbeitskräfte an. "Darum ist es dort trotz der Konkurrenz oft einfacher, Personal zu finden", sagt Kopeć.
Investitionen abseits größerer Ballungsräume seien riskant: "Wir sehen immer wieder Projekte fern größerer Städte. Dann zeigt sich, dass vor Ort schlicht die Arbeitskräfte fehlen", warnt der Personalvermittler.
Gute Kandidaten warten nicht lange
Wie viel Zeit ein Betrieb einplanen muss, um geeignete Kandidatinnen und Kandidaten zu finden, hängt von der gesuchten Qualifikation ab. "Bei sogenannten Blue-Collar-Positionen, also Produktionsmitarbeitern, reichen manchmal wenige Tage, um Personal zu finden", sagt Paweł Kopeć von Randstad.
Die Suche nach Führungskräften kann länger dauern, erläutert Rainer Pauly: "Wir präsentieren in der Regel nach sechs Wochen eine Shortlist geeigneter Kandidaten. Je nach Komplexität des Projekts auch früher. Eine Stelle für einen Interimsmanager lässt sich oft innerhalb einer Woche besetzen." Viel Zeit sollten sich Firmen bei der Personalauswahl nicht lassen. Je länger ein Kandidat warten muss, desto eher springt er ab.
Das Honorar für die Direktansprache von Führungskräften liegt in der Regel bei einem prozentualen Anteil des Jahresgehalts des Kandidaten. Abweichungen sind je nach Schwierigkeitsgrad der Suche möglich. Die Summe wird in drei Raten fällig: zum Projektstart, bei Vorlage der Shortlist und nach Vertragsunterzeichnung.
Die Personalberatung Deininger gehört zu den Mitgliedsunternehmen der Deutsch-Polnischen Auslandshandelskammer (AHK Polen). Auch die AHK bietet Unterstützung bei der Personalsuche an.
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