Rumänien entwickelt sich weiter als Produktionsstandort für Maschinenbau. Der Absatzmarkt bleibt darüber hinaus attraktiv.
Die rumänische Maschinenbaubranche blickt zuversichtlich in die Zukunft und hofft auf einen erneuten Aufschwung. Auslöser dafür ist eine positive Konjunkturerwartung auf Rumäniens größtem Exportmarkt Deutschland: Das ifo-Institut erwartet 2026 ein BIP-Wachstum von 0,8 Prozent und von 1,2 Prozent für 2027. Rumänische Maschinenbauer exportieren unter anderem elektronische Komponenten für Maschinen, Batterien, Kugellager und Haushaltsgeräte sowie CNC-Maschinen. Treiber für den lokalen Maschinenbau sind der Ausbau der Straßeninfrastruktur und der Automobilsektor.
"Am besten nachgefragt werden aktuell CNC-Maschinen", sagt Florin Răzvan Basarabeanu vom rumänischen Arbeitgeberverband der Maschinenbauer.
Er rechnet damit, dass die Verteidigungsprojekte auf der EU-Ebene die Branche wiederbeleben. Zudem wirke sich der Nearshoring-Trend, die Verlagerung der Lieferketten nach Europa, positiv aus auf die Branche, sagt er.
Industrieproduktion hofft auf neue Aufträge
Die Produktion im verarbeitenden Gewerbe ist weiterhin rückläufig und der Exportumsatz der rumänischen Maschinenhersteller stagniert. Das Nationale Statistikinstitut meldet für November 2025 gegenüber dem Vorjahresmonat eine leicht geringere Industrieproduktion von 0,9 Prozent. "Dies lag an steigenden Energiekosten und einer geschwächten Nachfrage aufgrund geopolitischer Unsicherheiten", erklärt Florin Răzvan Basarabeanu vom rumänischen Arbeitgeberverband der Maschinenbauer auf Nachfrage von Germany Trade & Invest. Aber dafür lichtet sich nun die Auftragslage. Die Auftragseingänge in der Industrie wuchsen zum Jahresende 2025 um 3,7 Prozent, berichtet das Statistikinstitut.
Ein veralteter Maschinenpark, lokal gestiegene Energie- und Lohnkosten sowie eine erhöhte Steuerlast zählen zu den größten Herausforderungen der rumänischen Wirtschaft. Die Modernisierung der rumänischen Betriebe ist daher essenziell. Dies birgt Chancen für Hersteller von Automatisierungstechnologien, Sensoren, Computerchips und den dazugehörigen IT- und Softwaresystemen.
Rüstungs- und Luftfahrtindustrie investiert in Rumänien
Durch den erhöhten Bedarf an Ausrüstung wegen des Kriegs in der Ukraine und im Zuge der europäischen Aufrüstungspläne gewinnt Rumänien als Produktionsstandort für die Rüstungsindustrie an Bedeutung. Das deutsch-französische Luftfahrtunternehmen Airbus betreibt bereits in Brasov eine Produktion von Bauteilen für Hubschrauber und Flugzeuge. Das Unternehmen hat eine Vereinbarung über die Produktion von kompletten Hubschraubern mit dem rumänischen Staat geschlossen und könnte kurzfristig damit beginnen. Es fehlt der konkrete Beschaffungsauftrag aus der rumänischen Armee. Medienberichten zufolge plane die Armee ab 2030 neue Helikopter zu beschaffen. Aufgrund des Krieges in der Ukraine könnte dies rascher erfolgen.
Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall kündigte an, im Kreis Brasov eine Produktion von modularen Treibladungen aufzubauen. Rheinmetall und das rumänische Unternehmen Pirochim Victoria gründeten das Joint Venture Rheinmetall Victoria SA. Die geplante Fabrik kostet mehr als 500 Millionen Euro. Ziel ist, bis 2030 jährlich eine Kapazität von 20.000 Tonnen Pulver zu erreichen.
Ausgewählte Investitionsprojekte der Maschinenbauindustrie in RumänienIn Millionen Euro| Akteur/Projekt | Investitionssumme | Projektstand | Anmerkungen |
|---|
| Rheinmetall (DE) | 500 | in Ausführung | Neue Munitionspulverfabrik in Victoria, Brașov |
| Draxlmaier (DE) | 60 | in Ausführung | Erweitert die Produktionskapazität von Kabelbäumen für Elektrofahrzeuge – Satu Mare |
Ebm-papst (DE) | 30 | in Ausführung | Neues Werk und neues Forschungs- und Entwicklungszentrum in Oradea. |
| Delta Aluminiu (RO) | 20 | in Ausführung | Delta Aluminiu, Hersteller von Industrieprofilen und Aluminiumsystemen, investiert in den Bau eines neuen Werks in Bals. |
| Diehl Aviation (DE) | 12 | in Ausführung | neues Werk für Komponenten in Craiova, zum Start 75 Mitarbeiter, mittelfristig soll die Belegschaft auf 500 Mitarbeitende anwachsen. |
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest, Pressemeldungen, Februar 2026
Rumänien will Standort für Halbleiterproduktion werden
Rumänien will sich zu einem Standort für Forschung und Entwicklung von Mikrochiplösungen in Europa entwickeln und investiert in Forschung und Entwicklung sowie Ausbildung von Fachkräften in diesem Bereich. Der Chiphersteller Infineon investiert in ein Entwicklungszentrum in Rumänien. Das US-amerikanische Unternehmen mks erweitert sein Werk für optische Geräte in Bukarest. Es plant bis 2027 mindestens 80 neue Mitarbeiter einzustellen, berichtet Profit. Die Technische Universität in Cluji-Napoca arbeitet eng mit dem Zulieferer Bosch auf dem Feld Forschung und Entwicklung zusammen. Ziel ist, die Studierenden auszubilden in Fachbereichen Produktionssystemtechnik, automatisierte Industrieprozesse, Roboteranwendungen und Industrie 4.0.
Staatliche Ziele und Fördermittel sorgen für weitere Investitionen
Rumänien hat sich vorgenommen, bis 2030 die erneuerbaren Energien und die Straßen- und Bahninfrastruktur zu modernisieren und auszubauen. Dafür stellt die Europäische Union Fördermittel bereit. Entsprechend plant Schaeffler, das bereits in Brasov Kugellager und Komponenten für Windkraftanlagen produziert, sich einem Bericht der Zeitung Ziarul Financiar zufolge künftig auf Zulieferungen für Windparks zu konzentrieren. Schaeffler plant zudem, seine Produktion für den Schienenverkehr auszubauen.
Ein weiterer wachsender Absatzmarkt ist die Nahrungsmittelproduktion. Die großen Handelsketten erhöhen bereits ihren Anteil an lokal hergestellten Produkten. Entsprechend fragen rumänische Lebensmittelproduzenten zunehmend Verpackungsmaschinen und Verarbeitungsmaschinen sowie Fördertechnik nach. Impulse für den Wachstumsschub kommen von staatlichen Förderprogrammen. Die Regierung investiert jährlich rund 150 Millionen Euro im Rahmen des Programms Invest Alim. Damit fördert sie die Modernisierung der Betriebe.
Deutsche Unternehmen sind größte Investoren
Am meisten investieren Unternehmen in die Automobilindustrie, Chemieindustrie, Metallindustrie, Elektroindustrie und Lebensmittelindustrie. Knapp ein Drittel der ausländischen Direktinvestitionen entfällt auf das verarbeitende Gewerbe. Entsprechend ist Rumänien ein größerer Absatzmarkt als Produktionsstandort im Maschinenbau. Im Jahr 2024 betrug der Bestand ausländischer Direktinvestitionen deutscher Unternehmen in Rumänien 18,7 Milliarden Euro. Nach Angaben der rumänischen Zentralbank floss das meiste Geld davon in Ausrüstungen und den Bau neuer Produktionsstätten.
Von Dominik Vorhölter
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Bukarest