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Wirtschaftsumfeld | Rumänien | Arbeitsmarkt, Lohn- und Lohnnebenkosten

Arbeitsmarkt

Der Wettbewerb um gut ausgebildetes Personal nimmt in Rumänien weiter zu. Die meisten Unternehmen suchen Personal im Bereich IT und Dienstleistungen.

Von Dominik Vorhölter | Bukarest

Der Wettbewerb um Talente wird für Unternehmen härter. Dafür können gut ausgebildete Fachkräfte, insbesondere in den Dienstleistungssektoren, von einer hohen Nachfrage profitieren. Unternehmen suchen Personal für Callcenter, im Bereich Business Process Outsourcing, im Finanzwesen und im Gastgewerbe. Besonders schwer haben es nun die Dienstleistungsunternehmen bei der Personalsuche, die kein Homeoffice anbieten können. In der Logistik, im Gast- oder Baugewerbe etwa versuchen Arbeitgeber zunehmend Personal außerhalb der Europäischen Union (EU) zu rekrutieren. Remote arbeiten habe sich innerhalb der vergangenen drei Jahre etabliert und werde immer mehr nachgefragt von den Arbeitnehmern, heißt es in einer Mitteilung des rumänischen Jobportals BestJobs.

Inflation hält Lohnwachstum dynamisch

Die Inflationsrate, die im Jahr 2023 voraussichtlich zwischen 9 und 11 Prozent liegen wird, erhöht den Druck auf die Arbeitgeber im privaten und öffentlichen Sektor, die Löhne anzupassen. Dies gilt besonders für Unternehmen aus Branchen, die vom Mangel an Fachkräften betroffen sind. Die Lohn- und Gehaltszuwächse im öffentlichen und privaten Sektor werden 2023 im Schnitt bei 10 Prozent liegen und damit die Inflation ausgleichen, schätzt die EU-Kommission.

Derzeit gibt es landesweit über 34.000 freie Stellen, meldet die Nationale Agentur für Beschäftigung (ANOFM). Das Bruttoinlandsprodukt stieg 2022 um 4,8 Prozent. Die Arbeitslosenquote lag 2022 bei 5,6 Prozent und wird im Jahr 2023 voraussichtlich bei 5,8 Prozent liegen. Die Erwerbstätigenquote belief sich Ende 2022 auf 63,1 Prozent und war laut INS um 1,3 Prozentpunkte höher als Ende 2021.

Strukturelle Schwächen erschweren Personalsuche

Rumänien weist ein erhebliches Stadt-Land-Gefälle im Hinblick auf den Arbeitsmarkt, das Armutsrisiko und die Einkommensverteilung auf. Die Knappheit an Arbeitskräften ist unter anderem auf die Migration zurückzuführen: Rumänen aus den ärmeren ländlichen Regionen nehmen eine langfristige Beschäftigung oder Saisonarbeit in der EU an, meist in Deutschland oder Italien. Auch die soziale Ausgrenzung einzelner Bevölkerungsgruppen und der demografische Wandel begrenzen das Angebot an Bewerbern.

Allgemeine Arbeitsmarktdaten 2022

Bevölkerung (in Mio.)

19,4

Erwerbspersonen (Bevölkerung älter als 15 und jünger als 65 Jahre, in Mio.)

8,2

Erwerbstätige (in Mio.) 1)

7,8

Arbeitslosenquote, offizielle (in %, nach ILO-Definition) 2)

5,4

Analphabetenquote (in %) 3)

1,2

Universitätsabschlüsse (in Tsd.)

554

1 inklusive Praktikanten und Rentner; 2 ILO-Definition: alle Personen im Alter zwischen 15 und 74 Jahren, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen; 3 Stand: 2018 Quelle: Nationales Statistikinstitut (INS) 2023; Nationalkommission für Strategie und Prognose Juni 2023

Bei den Hochschulabsolventen konkurrieren Arbeitgeber in Rumänien mit Arbeitgebern in Westeuropa, insbesondere bei den Arbeitsplätzen im IT-Sektor. Das Bildungssystem in Rumänien ist zudem unzureichend ausgerichtet auf die digitale Wirtschaft. Im Digital Economy and Society Index der Europäischen Union, der die IT-Kompetenzen der EU-Gesellschaften misst und das Humankapital der digitalen Wirtschaft der EU-Länder vergleicht, landet Rumänien auf den hinteren Plätzen.  

Rund die Hälfte der verfügbaren Jobangebote richtet sich an hoch qualifizierte Arbeitnehmer mit akademischem Abschluss und gut ein Drittel an gering Qualifizierte. Knapp ein Fünftel der Arbeitgeber suchen mittel qualifizierte Bewerber, etwa mit einer Berufsausbildung. Aber genau daran fehlt es: Der Anteil der niedrig qualifizierten Arbeitnehmer ist dreimal höher als im Schnitt in der gesamten EU. Zudem erschweren mangelhaft ausgebaute Autobahn- und Schienennetze die Mobilität der Arbeitnehmer. Pendeln auf Strecken von mehr als 40 Kilometern ist für die meisten Menschen schwer möglich. Manche Arbeitgeber stellen einen Busservice zur Verfügung.

Deutsche Unternehmen setzen auf duale Ausbildung

Um dem steigenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken, sind Unternehmen zunehmend selbst aktiv. Auf der Grundlage des 2012 eingeführten Berufsbildungssystems bieten sie eine duale Ausbildung an, an der auch deutsche Firmen als Ausbildungspartner beteiligt sind. Schüler können sich in der Berufsschule in den Bereichen Mechanik/Mechatronik, Elektrik, Tourismus, Einzelhandel, Möbelproduktion, Pharma und Kosmetik ausbilden.

Als besonders talentiert gelten Rumänen im Bereich IT. Zudem sprechen viele Arbeitnehmer eine weitere Fremdsprache, größtenteils Englisch, Deutsch, Französisch oder Italienisch. Es gibt Studiengänge, die komplett in deutscher Sprache, unter anderem in den Städten Bukarest, Cluj-Napoca (Klausenburg), Sibiu (Hermannstadt) und Timișoara (Temeswar) angeboten werden.

Die Kombination aus guten Fremdsprachen- und IT-Kenntnissen sowie vergleichsweise niedrigen Löhnen ist ein Grund dafür, dass viele Banken, IT-Firmen und andere Unternehmen ihre Kundenservicecenter nach Rumänien auslagern. Um dem Arbeitskräftedefizit beim IT-Outsourcing entgegenzuwirken, werben Unternehmen auch Arbeitskräfte aus Indien, Nepal, Pakistan, Sri Lanka, Vietnam oder den Philippinen an.

Unternehmen, die Mitarbeiter rekrutieren, sollten Anzeigen in diversen Fachportalen im Internet und in Zeitungen schalten sowie die Dienste von Personalvermittlern nutzen. Die Auslandshandelskammer (AHK) Rumänien hilft gegen Gebühr bei der Suche nach Fachpersonal.

Unter zahlreichen Personalvermittlungsagenturen gibt es einige, die von Deutschen geführt werden, beispielsweise Stein & Partner und Transearch, sowie internationale (Amrop) oder rumänische Agenturen wie Total Business Solution. Bekannte Online-Stellenbörsen sind Bestjobs, eJobs, myjob, hipo.ro.

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