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Branchen | Russland | Maschinenbau

Branchenstruktur

Die Regierung unterstützt den Aufbau einer lokalen Fertigung bei Bauteilen. Die geplante Anhebung der Entsorgungsabgabe verteuert Importe. Die Rubelabwertung vergünstigt Ausfuhren.

Von Hans-Jürgen Wittmann | Moskau

Der Begriff „Maschinenbau“ umfasst in Russland auch den Fahrzeug-, Flugzeug- und Schiffbau, die Öl- und Gasfördertechnik sowie den militärisch-industriellen Komplex. Nach Angaben der Business-Datenbank SPARK-Interfax gab es Ende 2020 landesweit 1.075 Hersteller von Metallbearbeitungs- und Werkzeugmaschinen, 955 Bau- und Bergbaumaschinenhersteller, 681 Produzenten von Landtechnik, sowie 568 Hersteller von Lebensmittelverarbeitungstechnik.

Die zehn umsatzstärksten Maschinenbauunternehmen in Russland (2020)

Unternehmen

Produktion

PAO ODK-UMPO

Turbinen- und Turbostrahltriebwerke

AO Metrowagonmasch

Lokomotiven und Schienenfahrzeuge

AO OSK

Schiffbau

AO AAK Progress

Flugzeuge, Hubschrauber

PAO ODK-Saturn

Turbinen- und Turbostrahltriebwerke

OOO Ford Sollers Holding

Kfz

AO Ruzchimmasch

Eisenbahn- und Straßenbahnwaggons

OOO PK NEWZ

Eisenbahnlokomotive

OOO Mobis Modul SNG

Kfz-Teile

AO AZ Ural

Lkw

Quelle: Businessdatenbank SPARK-Interfax


Regierung fördert einheimische Maschinenbauer

Mit der „Strategie zur Entwicklung der verarbeitenden Industrie“ möchte die Regierung bis 2035 die Produktion lokaler Hersteller von Maschinen steigern. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Entwicklung des Ingenieurswesens und Industriedesigns. Bis 2025 soll dieses Marktsegment um das 2,8-fache auf etwa 43 Milliarden Euro wachsen.

Die Regierung stellt im Jahr 2021 etwa 3,3 Milliarden Euro zur Unterstützung der Industrie zur Verfügung. Weitere 11 Millionen Euro stehen für die Modernisierung von Unternehmen der verarbeitenden Industrie, darunter des Maschinenbaus, in 25 Regionen bereit. In der Region Krasnojarsk fließen bis 2030 etwa 178 Millionen Euro in den Aufbau der Produktion von Ausrüstung für den Maschinen- und Flugzeugbau in der Sonderwirtschaftszone (SWZ) „Technologietal“.

Produktion in den wichtigsten Maschinenbausparten in Russland (in Millionen Euro, Veränderung in Prozent)

Sparte

2020

Veränderung 2020/19

Bagger

2.513

-8,0

Brückenkräne 

45

95,7

Kreiselpumpen

854

-14,3

Mähdrescher 

5.410

12,0

Traktoren 

7.056

6,3

Metallbearbeitungsmaschinen 

4.529

-1,9

Passagierwaggons 

1.980

21,3

Schmiedemaschinen 

3.709

-17,8

Kugel- oder Rollenlager

36,7

-13,6

Quelle: Föderaler Statistikdienst Rosstat


Lokalisierung von Bauteilen im Fokus

Die Regierung unterstützt aktiv den Aufbau lokaler Produktionen. Im Jahr 2021 startet ein Programm zur Unterstützung der Lokalisierung von Bauteilen für Landtechnik. Lokale Hersteller erhalten rund 33 Millionen Euro an Subventionen. Der Fonds zur Entwicklung der Industrie (FRP) stellt kleinen und mittelständischen Firmen aus der verarbeitenden Industrie zur Erhöhung ihrer Lokalisierungstiefe vergünstigte Kredite zur Verfügung. Doch häufig stehen die schwache Konjunktur, das geringe Marktvolumen, sowie das Fehlen qualifizierter Lieferanten dem Aufbau einer lokalen Produktion im Wege. Zudem werden die Lokalisierungsanforderungen regelmäßig verschärft, ihre Erfüllung wird immer aufwändiger.

Anhebung der Entsorgungsabgabe verteuert Importe spürbar

Die Regierung plant eine deutliche Anhebung der Entsorgungsabgabe um etwa das Dreifache. Von dieser Maßnahme sind 80 bis 90 Prozent der nach Russland importierten Maschinen (inklusive Kfz und Lkw) betroffen, darunter Straßenbau- und Landtechnik. Je stärker motorisiert die Maschinen sind, umso höher wird die Gebühr. Die Entsorgungsabgabe müssen sowohl einheimische Produzenten wie auch Importeure entrichten. Doch lokale Hersteller bekommen die Abgabe in Form von Industriesubventionen in ähnlicher Höhe wieder erstattet. Importeure bleiben hingegen auf den höheren Kosten sitzen und verlieren Marktanteile.

Mit der Erhöhung der Entsorgungsabgabe will die Regierung zugleich die Fertigung einheimischer Produzenten, deren Werke meist nur gut zur Hälfte ausgelastet sind, um 15 Prozent steigern. Doch die in Russland vorhandenen Produktionskapazitäten können Importe nicht vollständig ersetzen. So gibt es beispielsweise keine Hersteller von Teermaschinen oder Teleskopladern. Zudem entspricht die Qualität einheimischer Hersteller oftmals nicht den hohen Kundenanforderungen.

Landtechnikexporte boomen

Russlands Hersteller von Landmaschinen steigerten 2020 ihre Ausfuhren um 30 Prozent auf etwa 173 Millionen Euro, meldet der Branchenverband Rosspezmasch. Die Exporte gingen in 38 Länder, darunter nach Deutschland (Wachstum um das 4,6-fache). Die Förderung durch das Russische Exportzentrum (REZ) sowie der schwache Rubel machen die Ausfuhren konkurrenzfähig.

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