Sie sind ein ausländisches Unternehmen, das in Deutschland investieren möchte?

Branche kompakt | Südkorea | Maschinenbau

Südkoreas Maschinenbau: Gemischter Ausblick trotz KI-Rückenwind

Südkorea ist global ein großer Markt für Maschinen. Der Sektor erfreut sich 2026 steigender Inlandsnachfrage, doch die Aussichten einzelner Abnehmerbranchen sind unterschiedlich.

Von Katharina Viklenko | Seoul

Ausblick des Maschinenbaus in Südkorea

Bewertung:

  • Höhere Anlageinvestitionen 2026 nach stagnierenden Ausgaben stimmen den Maschinenbau vorsichtig optimistisch.
  • Der globale KI-Boom treibt Investitionen in die Halbleiterbranche.
  • Mehrere Fusionen und Übernahmen in Teilbereichen der Branche deuten auf strukturelle Anpassungen und eine Konsolidierung.
  • Deutsche Anbieter halten einen Anteil von 8,2 Prozent an den Branchenimporten des Landes. Einheimische Anbieter sind technologisch stark und preislich attraktiv.

Anmerkung: Einschätzung der Autorin für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: Dezember 2025

  • Nach Stagnation erhält der Maschinenbau vereinzelt positive Impulse. Investitionen des Sektors sollen 2026 steigen, bei Abnehmerbranchen stehen Halbleiter und KI im Vordergrund.

    Dem Wachstum der Wirtschaftsleistung sind wegen der schwierigeren weltwirtschaftlichen Lage sowie strukturellen Herausforderungen Grenzen gesetzt. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte 2025 real um 1 Prozent gestiegen sein, 2026 erwartet die Zentralbank ein Plus von 1,8 Prozent. Die Ausrüstungsinvestitionen nehmen 2026 um 2 Prozent zu.

    6. Platz

    belegt Südkorea im globalen Ranking beim Branchenumsatz im Maschinenbau.

    Die Wertschöpfung des verarbeitenden Gewerbes in Südkorea wuchs in den ersten drei Quartalen real um 2,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Im Maschinenbau sank sie um 2,7 Prozent. Die Anlageinvestitionen im Maschinenbau legten in den ersten elf Monaten 2025 um knapp 1 Prozent zu. Ein positiver Lichtblick ist, dass laut einer Prognose der Korea Development Bank von Ende 2025 die Anlageinvestitionen des Sektors 2026 nach Jahren der Stagnation um fast 11 Prozent überproportional steigen sollen.

    Die Zolleinigung mit den USA mit hohen Investitionszusagen Südkoreas vor Ort könnte enorme Kapitalabflüsse bedeuten. Ende 2025 kündigten große südkoreanische Technologiekonzerne daher Investitionen über 400 Milliarden US-Dollar (US$) bis 2030 im eigenen Land an. Die Mittel fließen vor allem in Halbleiter, Künstliche Intelligenz, Elektromobilität und moderne Fertigungstechnologien.

    KI-Boom sorgt für Halbleiter-Superzyklus

    Für die wichtige Maschinenbausparte der Halbleitermaschinen sind die Aussichten positiv, denn die südkoreanische Halbleiterindustrie entwickelt sich dynamisch. Der KI-Boom und weltweite Investitionen in Rechenzentren führen zu hohen Ausgaben für Speicher- und KI-Chips. Samsung Electronics kündigte Ende 2025 an, den Bau der fünften Fabrik auf dem Pyeongtaek-Campus zu beginnen. Laut Pressemeldungen könnte SK Hynix seine Investitionen am Halbleitercluster in Yongin auf über 400 Milliarden US$ vervierfachen.

    Eine starke staatliche Unterstützung erfahren Zukunftstechnologien wie Batterien, Robotik und Automatisierung sowie künstliche Intelligenz. Südkorea hat weltweit die höchste Roboterdichte im verarbeitenden Gewerbe. Die bereits hohe Automatisierung wird aufgrund des demografischen Wandels und der daraus resultierenden Knappheiten am Arbeitsmarkt weiter zunehmen.

    Gemäß seiner KI-Strategie will das Land bis 2027 in die Top 3 weltweit aufsteigen. Noch hakt es jedoch beim Einsatz in der Industrie. Dabei können deutsche Anbieter mit Maschinen und Anlagen unterstützen, wenn sie die Integration von KI-Software und Cloudlösungen mitdenken.

    Nachfrage nach Werkzeugmaschinen stagniert

    Laut der Korea Machine Tool Manufacturers’ Association stagnierte der Wert der Auftragseingänge bei südkoreanischen Werkzeugmaschinenbauern in den ersten zehn Monaten 2025 mit (+0,4 Prozent). Stark zurück gingen Bestellungen aus dem Inland mit fast 14 Prozent zurück. Besonders betroffen sind die Metallindustrie sowie aufgrund hoher Vergleichswerte im Vorjahr der Schiffbau, Elektrotechnik, Elektronik und IT. Insgesamt war Südkorea gemäß dem Verein deutscher Werkzeugmaschinenfabriken 2024 nach China, den USA, Deutschland sowie Italien und noch vor Japan der sechstgrößte Verbraucher von Werkzeugmaschinen weltweit.

    Ausblick in den Abnehmerbranchen bleibt gemischt

    Angesichts des weiterhin hohen Auftragsbestands investiert der Schiffbau. Die Automobilindustrie erwartet 2026 ein moderates Wachstum. So erhöht die südkoreanische Regierung das Budget zur Förderung von Elektro‑ und Brennstoffzellenfahrzeugen um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Einheimische Player setzen weiterhin auf den Ausbau der E‑Mobilität. Hyundai Motor Group will 2026 bis 2030 insgesamt rund 86 Milliarden US$ neben Forschung und Entwicklung in lokale Fertigung in Südkorea investieren. Die Kfz-Produktion dürfte gemäß der Korea Automobile & Mobility Association 2026 um 1,2 Prozent steigen. Die US-Zolleinigung mit den USA und die Anwendung des Basiszollsatzes von 15 Prozent auf Kfz sorgt kurzfristig für Erleichterung. Zugleich stehen Batteriehersteller wegen global schwacher Nachfrage nach E-Autos unter Druck und sehen bei Energiespeichersystemen nur begrenzt Potenzial.

    Die südkoreanischen Baumaschinenhersteller profitieren davon, dass sich die Lage im Bausektor leicht bessern dürfte. Die Investitionen sollen 2026 nach kräftigem Rückgang im Vorjahr leicht im Plus landen. Höhere Staatsausgaben und Industrieprogramme sind verantwortlich für die Infrastrukturinvestitionen. Die Staatsausgaben fallen 2026 um 8 Prozent höher aus als noch 2025. 

    Durchwachsen sind die Aussichten der chemischen Industrie. Die Petrochemie befindet sich in einer tiefgreifenden staatlich gesteuerten Umstrukturierung, verbunden mit einer Reduzierung der Naphtha‑Cracker‑Kapazitäten. Dies soll die Branchenkrise abfedern, die durch Überkapazitäten, niedrige Margen und chinesische Konkurrenz ausgelöst wurde. Die Ausgaben der Pharmaindustrie schwächen sich 2026 gegenüber dem Vorjahr ab, bleiben aber im Plus. Unterstützt von staatlichen Programmen soll die Produktion der Biotechnologie zunehmen.

    Chancen für deutsche Unternehmen

    Südkorea bleibt ein wichtiger Absatzmarkt für deutsche Maschinenbauer. Die starke Exportorientierung vieler Branchen sorgt weiterhin für Nachfrage nach hochwertiger Importtechnik. Hohe Investitionen der großen Konzerne Samsung und SK Hynix in Halbleiter, Elektronik und Hightech-Fertigung erhöhen den Bedarf an Präzisionsmaschinen, Automatisierungstechnik, Messtechnik und Spezialmaterialien. Der Ausbau von E‑Mobilität und Batterietechnologie schafft zusätzliche Nachfrage nach Produktionsanlagen, Prüfständen, Robotik und Softwarelösungen aus Deutschland, insbesondere im Premium- und Nischensegment. Der Modernisierungskurs in der Industrie eröffnet Chancen für deutsche Maschinenbauer, Anbieter von Industrie-Software und Sensorik.

    Die Zusammenarbeit mit einheimischen Firmen in Südkorea kann für Geschäftschancen auf Drittmärkten sorgen. Im Auslandsbau greifen südkoreanische Player auf erprobte Zulieferer zurück. Dabei steuert die Hauptzentrale in Südkorea häufig die wichtigen Entscheidungen trotz lokaler Niederlassungen.

    Handlungsempfehlungen

    1. Fokus auf High-End und Nischen: Besonders aussichtsreich sind Segmente, in denen deutsche Anbieter technologisch führend sind. Dazu gehören etwa High-End-Werkzeugmaschinen, Spezialanlagen, Lösungen für Prozessautomatisierung sowie Technologien zur Umwelt- und Energieeffizienz.
    2. Lokale Präsenz und Partnerschaften stärken: Eigene Vertriebs- und Servicegesellschaften vor Ort sowie Kooperationen mit südkoreanischen Systemintegratoren oder Unternehmen in den Lieferketten südkoreanischer Großkonzerne verbessern den Marktzugang und verkürzen Entscheidungswege.
    3. Langfristige Marktbindung sichern: Südkorea bleibt aufgrund seiner hohen Industriequote ein attraktiver, wenn auch stark umkämpfter Absatzmarkt. Für deutsche Exporteure lohnt sich daher ein langfristiges Engagement.

    Von Katharina Viklenko | Seoul

  • Der Maschinenbau ist eine der wichtigsten Branchen Südkoreas. Stärken bestehen etwa bei Halbleiter-, Bau- und Werkzeugmaschinen, Klimaanlagen und im Formenbau.

    Laut aktuellsten Daten des südkoreanischen Statistikamts gab es im Maschinenbau 2023 fast 10.300 Unternehmen mit zehn oder mehr Mitarbeitenden, die zusammen rund 347.000 Personen beschäftigten. Die Branche produzierte Maschinen und Anlagen im Wert von 119 Milliarden US-Dollar (US$) beziehungsweise 7,6 Prozent des gesamten Outputs des verarbeitenden Gewerbes. Damit zählt der Maschinenbau neben der Elektronik, der chemischen Industrie, der Automobil- und der Metallindustrie zu den wichtigsten Industriesektoren Südkoreas.

    Branche ist stark mittelständisch geprägt

    Der Maschinenbau ist überwiegend mittelständisch: Im Jahr 2023 hatten lediglich 475 Firmen 100 oder mehr Mitarbeitende und 32 Unternehmen beschäftigten mehr als 500 Arbeitskräfte. Das Angebot ist größtenteils im mittleren Preis- und Technologiesegment angesiedelt. Große Sparten sind Maschinen zur Herstellung von Halbleitern und Flachbildschirmen, Kälte- und Lufttechnik (unter anderem Klimaanlagen), Baumaschinen, Fördertechnik, Formenbau sowie Werkzeugmaschinen.

    Produktion 2023 in den wichtigsten Maschinenbausparten in Südkorea *in Milliarden US-Dollar; Marktanteil in Prozent

    Sparte

    Produktion

    Marktanteil

    Maschinenbau insgesamt, darunter

    118,5

    100,0

    Kälte- und Lufttechnik

    16,7

    14,1

    Halbleitermaschinen

    15,0

    12,7

    Fördertechnik

    9,7

    8,2

    Bau- und Bergbaumaschinen

    9,6

    8,1

    Formenbau

    7,3

    6,1

    Werkzeugmaschinen

    6,6

    5,5

    Maschinen für Land- und Forstwirtschaft

    3,2

    2,7

    Maschinen zur Bildschirmfertigung

    3,2

    2,7

    * Produktionswert umgerechnet zum Wechselkurs 1 US$ = 1.308 Südkoreanische Won.Quelle: Statistics Korea 2025; Korea Association of Machinery Industry (KOAMI) 2025

    Auslandsbau fördert Maschinenexporte

    Das Land exportierte 2024 Maschinen und Anlagen im Wert von 63 Milliarden US$ – ein marginaler Rückgang von 0,3 Prozent gegenüber dem Spitzenwert im Vorjahr. Ein Grund für die hohen Ausfuhren ist auch die stark gestiegene Auslandsproduktion südkoreanischer Industrieunternehmen.

    Wichtige Segmente im Export waren 2024 Maschinen zur Herstellung von Halbleitern und Flachbildschirmen (8,3 Milliarden US$), Kolbenverbrennungsmotoren (6,4 Milliarden US$), Heiz-, Kühl- und Klimatechnik (5,3 Milliarden US$), Bau- und Bergbaumaschinen (4,1 Milliarden US$) sowie Metallbearbeitungsmaschinen (4,0 Milliarden US$). Weitere Unterbereiche waren Pumpen und Kompressoren (3,6 Milliarden US$), Fördertechnik (3,5 Milliarden US$), Armaturen und elektrische Generatoren (jeweils 2,4 Milliarden US$) sowie Textilmaschinen (1,8 Milliarden US$).

    Größte Maschinenbauer stellen mehrheitlich Baumaschinen her

    Zu den bedeutendsten Maschinenbauern im Land zählen Baumaschinenhersteller, darunter der größte Produzent HD Hyundai Infracore (ehemals Hyundai Doosan Infracore). Das Unternehmen verfügt daneben über eine große Motorensparte. Zu HD Hyundai Heavy Industries (HHI) gehört auch der zweitgrößte Baumaschinenhersteller des Landes, HD Hyundai Construction Equipment. Seit der Fusion Anfang 2026 firmieren diese beiden Unternehmen unter dem Namen HD Construction Equipment. Volvo Construction Equipment produziert ebenfalls Baumaschinen vor Ort. Doosan Enerbility hält rund 48 Prozent der Anteile am Baumaschinenfabrikanten Doosan Bobcat. Doosan Bobcat verhandelte laut Pressemeldungen vom Dezember 2025 über die Übernahme des deutschen Konkurrenten Wacker Neuson, nahm Anfang 2026 aber Abstand davon.

    Player setzen auf Fusionen und Zukäufe

    Bedeutender Hersteller von Ausrüstung für die Elektronikindustrie ist SEMES (Samsung Electronics Machinery Equipment Solutions) mit dem Haupteigentümer Samsung Electronics. Hinzu kommen Top Engineering und SFA Engineering. Im Werkzeugmaschinenbau zählen DN Solutions (ehemals Doosan Machine Tool), Hyundai Wia und Hwacheon als wichtige Adressen, ein größerer Präzisionswerkzeughersteller ist YG-1. DN Solutions machte anlässlich der Übernahme des deutschen Traditionsunternehmens Gebrüder Heller Maschinenfabrik im August 2025 Schlagzeilen. Die Übernahme der Werkzeugmaschinensparte von Hyundai Wia durch den südkoreanischen Maschinenbauer SMEC wurde im Oktober 2024 in einer Absichtserklärung vereinbart. Noch wurde die Übernahme nicht finalisiert.

    Bei Landmaschinen sind Daedong Industrial und LS Mtron die bedeutendsten Produzenten. Wichtige Hersteller von Klimaanlagen sind LG Electronics und Samsung Electronics. Schiffmotoren produzieren unter anderem HD Hyundai Heavy Industries, Hanwha Engine (ehemals HSD Engine, Umbenennung nach Übernahme durch Hanwha-Gruppe 2024) und STX Engine. Kyungdong Navien ist der größte Fabrikant von Heizkesseln und Warmwasserbereitern in Südkorea.

    Robotik gewinnt bei Konglomeraten an Bedeutung

    HD Hyundai Robotics gilt als größerer Hersteller in der industriellen Robotik. Während sich lange Zeit vor allem kleine und mittelgroße Unternehmen mit Robotik beschäftigt haben, wollen große Unternehmensgruppen des Landes zunehmend mit eigenen Produkten in der Robotik wachsen: Schon 2021 übernahm Hyundai Motor Group 80 Prozent der Anteile des amerikanischen Roboterherstellers Boston Dynamics. Anfang 2025 übernahm Samsung Electronics den südkoreanischen Hersteller von kollaborativen Robotern Rainbow Robotics.

    Wichtige Branchenunternehmen im Maschinenbau in SüdkoreaUmsatz in Millionen US-Dollar

    Firma

    Sparte

    Umsatz 2024

    HD Hyundai Heavy Industries

    Schiffsmotoren

    2.293 2

    HD Hyundai Infracore 1

    Baumaschinen

    2.174 2

    Hyundai Elevator

    Aufzüge

    2.111

    HD Hyundai Construction Equipment

    Baumaschinen

    1.925

    Volvo Group Korea

    Baumaschinen

    1.060

    Daedong Industrial

    Landmaschinen, Motoren

    1.036

    SEMES (System Engineering Mega Solution)

    Maschinen zur Herstellung von Halbleitern und Displays

    1.032

    DN Solutions 3

    Werkzeugmaschinen

    1.307

    1 ehemals Hyundai Doosan Infracore; 2 nur Umsatz in der angegebenen Sparte; 3 ehemals Doosan Machine Tools.Quelle: Unternehmensangaben; Recherchen von Germany Trade & Invest 2025

    In der Fördertechnik ist neben Marktführer Hyundai Elevator vor allem TK Elevator Korea ein relevanter Hersteller. Deutsche Maschinenbauer mit Produktion in Südkorea sind unter anderem Wilo Pumps (Umsatz 2024 etwa 171 Millionen US$) und Bosch-Rexroth (135 Millionen US$).

    Deutschland belegt Rang 5 der Lieferländer

    Südkorea importierte 2024 Maschinen im Wert von 54,8 Milliarden US$. Die größten Segmente sind Maschinen zur Herstellung von Halbleitern und Flachbildschirmen, elektrische Generatoren, Pumpen und Kompressoren, Armaturen sowie Strahltriebwerke, Gasturbinen und Fördertechnik.

    Aus Deutschland bezog Südkorea 2024 Maschinen im Wert von 4,5 Milliarden US$ – ein Anteil von 8,2 Prozent an den Branchenimporten. An erster Stelle stand China mit 21,7 Prozent, gefolgt von den USA und Japan mit jeweils 16,1 Prozent sowie den Niederlanden mit 10,5 Prozent. Gerade bei Halbleitermaschinen ist die tatsächliche Bedeutung deutscher Technik deutlich höher, da Carl Zeiss und Trumpf wichtige Zulieferer des niederländischen Anlagenherstellers ASML sind, der viel Ausrüstung nach Südkorea liefert.

    Südkoreas Importe stiegen in den ersten zehn Monaten 2025 um 11,3 Prozent, doch profitierten deutsche Anbieter nicht davon: Lieferungen aus Deutschland sanken im gleichen Zeitraum um fast 11 Prozent. Unter anderem spielt der starke Wertverfall des Won eine Rolle, der Importe für Südkorea verteuert.

    Von Katharina Viklenko | Seoul

  • Zwar können Maschinen und Anlagen mit Ursprung in der EU zollfrei nach Südkorea importiert werden. Der Marktzugang ist laut Unternehmensstimmen aber teils herausfordernd.

    Bei der Einfuhr von Maschinen erhebt Südkorea Zölle von in der Regel 8 Prozent. Durch das Freihandelsabkommen zwischen Südkorea und der EU können alle Maschinen mit Ursprung in der EU zollfrei ins Land eingeführt werden. Um in den Genuss der Zollfreiheit aufgrund des Freihandelsabkommens zu kommen, müssen die Maschinen von einem gültigen Ursprungsnachweis begleitet werden. Details und weitere wichtige Informationen dazu bietet "Zoll & Einfuhr kompakt - Südkorea".

    Informationen zu Normen und Standards in Südkorea können zudem bei der Korean Agency for Technology and Standards eingeholt werden. Für Maschinen gelten unter anderem Vorschriften der Korea Occupational Safety and Health Agency. Die Einhaltung muss gemäß der Korea Certification (KC) gekennzeichnet werden.

    Die Marktzugangsbedingungen in Südkorea gelten laut Umfragen unter ausländischen Firmen als herausfordernd. Gemäß Geschäftsklimaumfragen der Korean-German Chamber of Commerce and Industry (AHK Korea) sind Unternehmen regelmäßig über verschiedene Branchen hinweg mit dem Umfeld bei Gesetzen und Regulierungen unzufrieden. Firmenvertreter kritisieren unter anderem die diskretionäre Durchsetzung von Regelungen und Vorschriften sowie die mangelnde Transparenz der südkoreanischen Politik und deren Umsetzung. Unternehmen bemängeln, dass in Südkorea häufig lokale Standards gelten, die in Teilen von den international gebräuchlichen Normen abweichen. Dies kann zu kostspieligen zusätzlichen Genehmigungsprozeduren führen.

    Ebenso berichten Firmen in einigen Fällen von der Bevorzugung lokaler Lieferanten im Rahmen von Ausschreibungen. Nach Angaben des Public Procurement Systems entfielen bei öffentlichen Ausschreibungen in den vergangenen Jahren regelmäßig dem Wert nach lediglich rund 1 Prozent der Zuschläge auf ausländische Firmen. Einen höheren Anteil gab es 2023 mit dennoch nur 1,8 Prozent. Nach fast 15 Jahren Freihandelsabkommen etwa mit der EU und den USA erscheint dies als wenig.

    Als Faustregel gilt: In Sektoren, in denen starke lokale Konkurrenten vorhanden sind, nehmen Marktzugangshemmnisse tendenziell zu. In Bereichen, in denen südkoreanische Firmen auf internationale Nischenprodukte als Vorerzeugnisse angewiesen sind, werden weniger Beeinträchtigungen reklamiert.

    "Made in Germany" allein ist kein Verkaufsargument mehr. Inzwischen gibt es im Maschinenbau eine Reihe hervorragender südkoreanischer Anbieter, die sich durch offensives Benchmarking und eigene Entwicklungen ihr Know-how erarbeitet haben und Produkte auf deutschem Qualitätsniveau anbieten – jedoch zu einem günstigeren Preis. Maschinen und Anlagen deutscher Firmen haben in Südkorea nur dann ihre Berechtigung, wenn sie ein klares Alleinstellungsmerkmal und eine guten Service vorweisen können.

    Holger Dörre Geschäftsführer, UJCO Asia Business Consulting sowie Repräsentant des Auslandsbüros Südkorea für Bundesvereinigung Mittelstand in Deutschland (BVMID), Busan

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Von Katharina Viklenko | Seoul

  • Im Maschinenbau verfügt Südkorea über eigene renommierte Anbieter. Wie deutschen Firmen dennoch der Markteintritt gelingt, erläutert ein Marktkenner im Gespräch mit GTAI.

    Holger Dörre, Geschäftsführer, UJCO Asia Business Consulting sowie Repräsentant des Auslandsbüros Südkorea für die Bundesvereinigung Mittelstand in Deutschland (BVMID) in Busan Holger Dörre, Geschäftsführer, UJCO Asia Business Consulting sowie Repräsentant des Auslandsbüros Südkorea für die Bundesvereinigung Mittelstand in Deutschland (BVMID) in Busan | © Holger Dörre, UJCO Asia Business Consulting

    Holger Dörre ist Maschinenbauingenieur, seit 1998 mit Südkorea eng verbunden und in unterschiedlichen Rollen aktiv. Als Geschäftsführer von UJCO Asia Business Support berät er deutsche Firmen zum Markteintritt in den Bereichen Maschinen- und Anlagenbau, Automatisierung sowie Antriebstechnik und Komponenten. Seit Juni 2025 ist er zudem Ansprechpartner und Repräsentant des Auslandsbüros Südkorea für die Bundesvereinigung Mittelstand in Deutschland (BVMID) in Busan.

    Wie ist das Umfeld für deutsche Maschinenbauer in Südkorea?

    Inzwischen hat sich in Südkorea eine Reihe leistungsstarker Anbieter etabliert, die durch konsequentes Benchmarking und eigene Entwicklungen ein bemerkenswertes technologisches Niveau erreicht haben. Ihre Produkte stehen der Qualität deutscher Hersteller heute in nichts mehr nach, sind jedoch häufig zu deutlich wettbewerbsfähigeren Konditionen am Markt erhältlich.

    Zum einen agieren südkoreanische Unternehmen bemerkenswert pragmatisch und zugleich visionär: Sie passen sich flexibel an veränderte Marktbedingungen an, ohne ihre langfristige Ausrichtung aus den Augen zu verlieren. Zum anderen integrieren vor allem größere Mittelständler und Konzerne vermehrt erfahrene Fachkräfte mit ausgewiesener Expertise in strategische Schlüsselpositionen. So denken sie nicht nur Binnenmarkt, sondern auch Auslandsmärkte gleich mit. Drittens identifizieren sie konsequent attraktive Markt- und Technologiesegmente, gerade auch in Nischen. So entwickeln sie Produkte, die hochpreisige Importe zunehmend durch leistungsfähige lokale Lösungen ersetzen können. Auffällig ist dabei die große Kreativität und Motivation, mit der südkoreanische Teams solche Entwicklungen vorantreiben.

    Welche regionalen Besonderheiten sollten Unternehmen beachten?

    Deutsche Produkte sind in Südkorea vor allem dann erfolgreich, wenn sie ein Alleinstellungsmerkmal bieten oder preislich wettbewerbsfähig sind. Der Markt für Standardprodukte ist anspruchsvoll – insbesondere für Unternehmen, die ohne marktspezifische Vertriebs- und Preisstrategie einsteigen und von deutschen Rahmenbedingungen ausgehen. Zwar gibt es zahlreiche deutsche Mittelständler, die in Südkorea erfolgreich sind. Doch ebenso viele scheitern an der Annahme, der lokale Markt funktioniere wie der deutsche.

    Entscheidend für den Markterfolg ist technisches Know-how, das vor Ort unmittelbar verfügbar ist: erfahrene deutsche Ingenieure im engen Schulterschluss mit einem engagierten lokalen Vertriebsteam. Dabei gewinnt weniger das Label "made in Germany" an Bedeutung, sondern das Qualitätsversprechen des "German Engineering". Das gilt allerdings nur dann, wenn diese Kompetenz tatsächlich im Land präsent ist.

    "Südkorea ist ein herausfordernder Markt, der Ausdauer, Integrität und Vertrauen belohnt!"

    Gibt es besondere Stolpersteine, auf die Anbieter besonders achten sollten?

    Zu den größten Stolpersteinen zählt nach wie vor das Fehlen verfügbarer technischer Expertise und eines verlässlichen Serviceangebots vor Ort. Selbst ein hervorragendes Produkt kann ohne ein schlüssiges Servicekonzept im südkoreanischen Markt kaum überzeugen. Viele Firmen unterliegen dem Irrtum, Kunden aus Deutschland heraus oder über eine Niederlassung in China betreuen zu können. Doch kulturelle Unterschiede, Sprachbarrieren, Zeitverschiebung und eingeschränkte Erreichbarkeit machen dies in der Praxis kaum möglich.

    Für südkoreanische Kunden ist die schnelle Verfügbarkeit von Schlüsselkomponenten und Ersatzteilen ein zentrales Entscheidungskriterium. Wer im Maschinenbau langfristig erfolgreich sein will, sollte daher nicht nur importieren, sondern ein lokales Service- und Customizing-Center aufbauen. Erst die Kombination aus technischer Präsenz, Anpassungsfähigkeit und lokalem Support signalisiert echten Marktfokus und schafft nachhaltiges Vertrauen.

    Tipps für den Markteinstieg 

    von Holger Dörre

    • Markt detailliert analysieren: Den spezifischen Bedarf südkoreanischer Kunden verstehen, Wettbewerber analysieren und ein klares Alleinstellungsmerkmal definieren – technisch, preislich oder im Service.
    • Vertrauensbasierte Partnerschaften entwickeln: Einen loyalen Vertriebspartner finden oder ein lokales Team aufbauen. Langfristige Beziehungen, kulturelles Verständnis und regelmäßige Präsenz vor Ort zeigen Wirkung.
    • Zugeschnittene Vertriebs- und Preisstrategie aufstellen: Firmen sollten für Korea spezifische Preislogiken, Rabattstrukturen und Einkaufsgewohnheiten berücksichtigen. Eine deutsche Standardstrategie funktioniert nicht.
    • Technische Kompetenz vor Ort aufbauen: Das Personal sollte mit Sorgfalt ausgewählt werden. Key ist die Interaktion zwischen Ingenieuren oder Application Specialists vor Ort mit einem lokalen Vertriebsteam als eine Art "German Engineering on-site".
    • Von lokalen Angeboten und Förderungen profitieren: Bei einem Einstieg mit kleinem Sales- und Service-Team kann das Unternehmen von lokalen Angeboten profitieren, wie etwa die kostenlose Büronutzung über die Korea Trade-Investment Promotion Agency (KOTRA) und Invest Korea oder bei einer der vielen Freihandelszonen in Südkorea.
    • Lokale Lieferketten aufbauen: Für spätere Skalierung sollten deutsche Firmen schon aus Kostengründen lokale Lieferketten aufbauen sowie die Zusammenarbeit mit und Beziehungen zu lokalen Anbietern und Partnern suchen und stärken.

    Wo sehen Sie Chancen für deutsche Anbieter?

    Notwendig für Unternehmen ist eine klare Strategie: Sie müssen wissen, was sie vor Ort umsetzen und wie sie verkaufen wollen. Chancen sehe ich für deutsche Maschinenbauer, wenn sie nicht allein ihr Produkt, sondern eine Systemlösung schnüren – ein gesamtheitliches, lösungsorientiertes Angebotspaket. Neben dem Produkt oder der Anlage kann dies ein integriertes Fertigungs- und Handhabungskonzept mit bezogenen Daten und einer durchgehenden Automatisierungslösung beinhalten. Auch hier gilt: Neben dem engen und vertrauensbasierten Schulterschluss mit südkoreanischen Partnern und Kunden bis zur Inbetriebnahme ist die marktgerechte Preisgestaltung.

    Von Katharina Viklenko | Seoul

    Zur Sammelmappe hinzufügen
  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    Germany Trade & Invest

    Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft

    Korean-German Chamber of Commerce and Industry (AHK Korea)

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Ministry of Trade, Industry and Resources (MOTIR)

    Wirtschaftsministerium

    Korea Association of Machinery Industry (KOAMI)

    Maschinenbauverband

    Korea Machine Tool Manufacturers' Association (KOMMA)

    Werkzeugmaschinenverband

    Korea Construction Equipment Manufacturers Association

    Verband der Baumaschinenhersteller

    Korea Packaging Machinery Association

    Verband der Verpackungsmaschinenhersteller

    Seoul International Machine Tool Show (SIMTOS)

    Wichtigste Messe für Werkzeugmaschinen

    Smart Factory + Automation WorldAutomatisierungsmesse
nach oben
Feedback
Anmeldung

Bitte melden Sie sich auf dieser Seite mit Ihren Zugangsdaten an. Sollten Sie noch kein Benutzerkonto haben, so gelangen Sie über den Button "Neuen Account erstellen" zur kostenlosen Registrierung.