Wirtschaftsausblick | Schweiz

Schweizerische Wirtschaft hält ihren soliden Wachstumskurs

Die Wirtschaftsleistung soll 2026 um real 1,1 Prozent wachsen. Für Schwung sorgen unter anderem die Bauwirtschaft, Investitionen in die Digitalisierung und der private Konsum. 

Oliver Idem

Von Oliver Idem | Bonn

Top-Thema: Keine Deckelung der Einwohnerzahl

Am 14. Juni 2026 lehnten rund 55 Prozent der Wahlbevölkerung eine Initiative ab, die die Bevölkerung der Schweiz auf 10 Millionen Menschen deckeln wollte. Derzeit leben rund 9 Millionen Einwohner in der Schweiz. 

Hintergrund der Volksabstimmung war eine befürchtete Überlastung der Infrastruktur, die häufig unter dem Stichwort Dichtestress zusammengefasst wurde.

Mit dem Ergebnis der Abstimmung stehen die Zeichen nun weiter auf Personenfreizügigkeit und Fachkräfteeinwanderung. Wirtschaftsverbände hatten dieses Ergebnis erhofft, damit Personal aus dem Ausland kein Engpassfaktor für die wirtschaftliche Entwicklung wird.   

Wirtschaftsentwicklung: Weiterhin gemäßigtes, aber stabiles Wachstum

Die Wirtschaftsleistung wächst im Zeitraum 2025 bis 2027 weiterhin um real 1 bis 1,5 Prozent pro Jahr. Momentan treibt vor allem die Binnenwirtschaft den Aufwärtstrend an. Mitte 2026 registrierte die Schweizerische Nationalbank (SNB) eine steigende Wertschöpfung in der Industrie (ohne Pharma), dem Dienstleistungssektor und in der Bauwirtschaft. Dynamik zeigt sich beim Bau von Rechenzentren und der Erzeugung von Rüstungsgütern. Zudem investiert der Staat weiterhin in die Verkehrs- und Energieinfrastruktur. Eine gute Geschäftslage verzeichnen auch IT-Dienstleistungen, Beratungsunternehmen und der Finanzsektor.

Risikofaktoren finden sich eher auf der externen Seite. Insbesondere die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten haben das Potenzial, über höhere Energiepreise oder schlechter verfügbare Rohstoffe das Wirtschaftswachstum der Schweiz zu dämpfen.

Der Schweizer Franken genießt als Währung ein hohes Vertrauen. Im Februar 2026 stieg er auf ein Allzeithoch. Für die Schweiz sind damit Vor- und Nachteile verbunden: Der hohe Außenwert der Landeswährung sorgt für günstige Einfuhren und trägt zu einer geringen Inflationsrate bei. Die SNB kann zudem ihre Geldpolitik nach Bedarf gestalten. Für den Export ist der starke Franken allerdings eine Herausforderung, da er schweizerische Produkte im Ausland verteuert. Dieser Umstand wirkt zugleich als Innovationsmotor.

Das Wirtschaftsministerium SECO rechnet im laufenden Jahr mit um 1,4 Prozent höheren Bauinvestitionen und 2027 mit einem Anstieg um 1,7 Prozent. Im Sommer 2026 verzeichneten Bauunternehmen der SNB zufolge sowohl mehr Aufträge von privaten als auch öffentlichen Kunden im Wohnungsbau. Das Segment Umbauten und Renovierungen entwickelt sich ebenfalls positiv. Der Staat belebt die Investitionen durch seine Infrastrukturprojekte beispielsweise im Bahnsektor und beim Ausbau erneuerbarer Energien. 

Konsum: Privater Verbrauch stützt beständig die Konjunktur

Der private Konsum trägt 2026 voraussichtlich mit real 1,2 Prozent Zuwachs zur wirtschaftlichen Entwicklung bei. Daran hat auch der Arbeitsmarkt mit einem leicht positiven Beschäftigungsaufbau seinen Anteil. Eingestellt wird vor allem im Dienstleistungssektor und in der Bauwirtschaft. In der schwächer ausgelasteten Industrie ist die Anzahl der Beschäftigten hingegen rückläufig.

Angesichts einer voraussichtlich sehr geringen Teuerung von 0,3 bis 0,5 Prozent im laufenden Jahr führen schon kleine Einkommenszuwächse zu Kaufkraftgewinnen. Mit Blick auf 2027 erwartet die SNB Lohnsteigerungen von durchschnittlich rund 1 Prozent.

Unternehmen investieren eher in Ersatz als in zusätzliche Kapazitäten

In der Industrie und im Baugewerbe hat sich ein Nachholbedarf bei Ersatzinvestitionen aufgebaut. Kapazitätserweiterungen stehen aufgrund der momentanen Auslastung nicht auf der Agenda. Mitte 2026 nutzten Industrieunternehmen nur rund 78 Prozent ihrer Kapazitäten. Der Durchschnitt von 2017 bis 2026 lag der SNB zufolge jedoch bei rund 83 Prozent.

Wenn Unternehmen investieren, fließen Gelder vor allem in die Digitalisierung und Prozessautomatisierung. Das ist oft eine Notwendigkeit, um die Margen halten zu können. Günstige Finanzierungsbedingungen geben Rückenwind: Im April 2026 summierten sich die Kredite an nichtfinanzielle Unternehmen auf 7,8 Milliarden Franken (2,1 Prozent) mehr als im Vorjahresmonat.

Ausblick für den Außenhandel fällt vorsichtig aus 

Global betrachtet belasten handelspolitische Unwägbarkeiten, Konflikte und eine teils schwache Nachfrage die Aussichten des Außenhandels. Schweizerische Exportunternehmen setzen auf eine Diversifizierung ihrer Absatzmärkte. Sie beobachten der SNB zufolge bei europäischen Kunden vorwiegend Zurückhaltung. Hingegen läuft das Ausfuhrgeschäft in die USA trotz der dortigen Importzollbelastungen lebhaft. Mit Blick auf China zeigen sich uneinheitliche Tendenzen: Einige schweizerische Unternehmen profitieren von einer steigenden Warennachfrage, während andere Konkurrenzdruck durch chinesische Anbieter spüren.

Deutsche Perspektive: Starke Belebung des bilateralen Handels

Deutschland und die Schweiz sind im Außenhandel eng verzahnt. Bei den Importen liegt die Schweiz aus deutscher Sicht auf Rang 8 und bei den Exporten auf Rang 9. 

Der bilaterale Warenhandel überschritt in beide Richtungen 2025 erstmals wieder den Wert von 2022. Die deutschen Exporte lagen 2025 bei 67,4 Milliarden Euro und damit 1 Milliarde Euro über dem Wert von 2022. Bei den deutschen Importen in Höhe von 53,3 Milliarden Euro war der Unterschied mit 2,5 Milliarden Euro noch größer. Insbesondere chemische Erzeugnisse, Maschinen und Gold überschritten die deutsch-schweizerische Grenze. Auch 2026 ist mit einem dynamischen Warenaustausch zu rechnen, da die schweizerische Nachfrage beispielsweise nach deutschen Maschinen und Elektronikprodukten intakt bleiben dürfte. 

Zudem unterstreichen der in den vergangenen Jahren stark gewachsene Dienstleistungshandel und eine sechsstellige Zahl von deutschen Grenzpendlern, wie vernetzt beide Länder miteinander sind.

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