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Wirtschaftsausblick | Nordmazedonien

Nordmazedoniens Wirtschaft wächst auch 2026 wieder kräftig

Das Land macht Fortschritte bei der EU-Annäherung, doch einen Beitritt verhindert Bulgariens Veto. Investitionen kurbeln das Wachstum an. Deutsche Firmen realisieren neue Vorhaben.

Von Hans-Jürgen Wittmann | Belgrad

Top-Thema: Ergebnisse der Regionalwahlen stärken Regierung

Bei den Kommunalwahlen im Oktober und den Stichwahlen im November 2025 fuhr die regierende konservative Partei VMRO-DPMNE einen deutlichen Sieg ein. Für den Pro-EU-Kurs und die wirtschaftsfreundliche Politik der Regierung von Ministerpräsident Hristijan Mickoski bedeutet dies Bestätigung und Kontinuität.

Brüssel sieht Fortschritte und fordert weitere Reformen

Die EU-Kommission bescheinigt Nordmazedonien im Erweiterungsbericht von November Fortschritte, mahnt aber weitere Reformen an, vor allem bei Rechtsstaatlichkeit und dem Kampf gegen Korruption. Nordmazedonien erhält eine weitere Tranche von 17 Millionen Euro aus dem Wachstumsplan. Einem Beitritt Nordmazedoniens zum Staatenverbund steht jedoch nach wie vor Bulgariens Veto im Weg. Das Nachbarland fordert die Aufnahme der Rechte der bulgarischstämmigen Minderheit in die nordmazedonische Verfassung. Die Regierung Mickoski fürchtet dagegen tiefgreifende bulgarische Einflussmöglichkeiten auf die Innenpolitik des Landes.

ReArm Europe als neuer Wachstumsmotor?

Das NATO-Mitglied möchte vom starken Anstieg der Verteidigungsausgaben durch die EU-Initiative ReArm Europe profitieren. Nordmazedonien verfügt über eine gut entwickelte Kfz-Zulieferindustrie, die in der Lage ist, ihre Produktion auch auf Rüstungsgüter auszuweiten. Zudem hofft die Regierung auf neue Modernisierungsimpulse für die lokale Wirtschaft durch deren Integration in internationale Lieferketten bei Waffenschmieden. Das britische Unternehmen Burstock unterzeichnete mit der Regierung eine Absichtserklärung zum Aufbau einer Rüstungsfabrik für rund 130 Millionen Euro.

US-Zölle fallen weit niedriger aus

Nordmazedonien gelang es als einzigem Westbalkanland bei Verhandlungen mit den USA, spürbar geringere Einfuhrzölle auszuhandeln. Aktuell belaufen sich diese auf 15 Prozent, gegenüber anfangs 33 Prozent. Doch nur 1 Prozent der Ausfuhren gehen in die USA. Die indirekten Folgen in Form von US-Einfuhrzöllen auf Pkw "made in Germany" von 15 Prozent werden die Nachfrage nach Kfz-Teilen aus Nordmazedonien hingegen weiter drücken.

Wirtschaftsentwicklung: Bruttoinlandsprodukt wächst im gleichen Tempo wie im Vorjahr

Nordmazedoniens Wirtschaft bleibt auf Kurs, vor allem dank öffentlicher und privater Investitionen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) steigt 2026 real um 3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, erwartet das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw). Damit setzt sich der Wachstumstrend fort. Einen Motor dieser Entwicklung bilden die Investitionen.

SEPA-Mitgliedschaft macht Investitionen attraktiver

Nordmazedonien investiert in den Ausbau seiner Schieneninfrastruktur. Im Fokus steht vor allem der West-Ost-Korridor VIII von der Adria zum Schwarzen Meer. Das östlichste, 24 Kilometer lange Teilstück zur bulgarischen Grenze wird in Kürze ausgeschrieben. Die Baukosten belaufen sich auf rund 400 Millionen Euro. Die Europäische Investitionsbank unterstützt das Projekt. Zudem fließen staatliche Mittel in die Renovierung öffentlicher Gesundheitseinrichtungen in Kičevo, Štip und Tetovo. Zur Finanzierung der Projekte schloss die Regierung im Mai 2025 eine strategische Partnerschaft mit dem Vereinigten Königreich zur Gewährung von Krediten in Höhe von 6 Milliarden Euro.

Die Tourismussaison 2025 ist mit rund 1,5 Millionen Besuchern sehr gut ausgefallen. Der positive Trend dürfte 2026 anhalten. Entsprechend steigt der Bedarf zur Erweiterung und Modernisierung der Tourismusinfrastruktur.

Nordmazedonien ist seit Oktober 2025 aktives Mitglied des SEPA-Systems. Die Teilnahme am einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum macht grenzüberschreitende Überweisungen aus dem Ausland schneller und günstiger. Der jährliche Einspareffekt beläuft sich auf rund 62 Millionen Euro pro Jahr, berechnet das German Economic Team (GET). Zudem steigern sinkende Kosten für den Zahlungsverkehr die Attraktivität des Landes für ausländische Investoren.

Konsum: Anhebung des Mindestlohns stärkt die Kaufkraft

Die Kerninflation, also für Nahrungsmittel und Energie, bleibt 2026 mit einem Plus von 3,4 Prozent weiter hoch. Entsprechend hält auch der Trend zu Lohnsteigerungen an. Die Regierung plant im März 2026 eine weitere Anhebung des Mindestlohns um 8 Prozent auf rund 430 Euro. Das wiiw rechnet für 2026 insgesamt nur mit einem leichten Anstieg der privaten Konsumausgaben um 2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Außenhandel: Angleichung der Zollsätze kurbelt Handel an

Nordmazedonien ist ein beliebter Produktionsstandort mit Fokus auf den Export in die EU. Rund drei Viertel seines Exports und die Hälfte seiner Importe wickelt Nordmazedonien mit der EU ab. Deutschland ist der wichtigste Handelspartner.

Nordmazedonien ist eng in die Lieferketten der europäischen Kfz-Industrie integriert. Doch aktuell dämpft die Krise deutscher Autobauer die Exporte von Zulieferteilen.

Zum 1. Januar 2026 gleicht die Regierung die Zolltarifsätze von 67 Industrieprodukten vollständig an den Gemeinsamen Zolltarif der EU an. Die Maßnahme erleichtert und vergünstigt den Handel.

Deutsche Perspektive: Beliebter Fertigungsstandort vor der Haustüre

Der Wirtschaftsstandort Nordmazedonien entwickelt sich zur Werkbank auf dem Westbalkan sowie zu einem bedeutenden Nearshoring- und Beschaffungsstandort. So ist Nordmazedonien ein bedeutender Beschaffungsmarkt für Elektronik.

Rund 200 Firmen mit deutschem Kapital schaffen rund 26.000 Arbeitsplätze im Land. Und weitere kommen hinzu. Der Discounter Lidl bereitet den Markteinstieg vor und eröffnet im Frühjahr 2026 ein regionales Logistik- und Verteilzentrum in Rechitsa für 115 Millionen Euro. Knauf investiert in den Ausbau seines Standorts in Debar. Das Schweizer Pharmaunternehmen Rontis plant die Erweiterung seines Produktionswerks bei Veles.

Weitere Informationen (zum Beispiel Zoll- und Rechtsinformationen sowie Branchenberichte) finden Sie auf der Länderseite Nordmazedonien.

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