Markets | Welt | Krieg im Nahen Osten
Globale Auswirkungen des Nahostkriegs: Chancen und Risiken für deutsche Exporte
Der Krieg im Nahen Osten beeinflusst Energiepreise, Lieferketten und Investitionsklima weltweit. Für deutsche Exporteure steigt damit das Risiko. Beim GTAI-Talk „Die Weltwirtschaft und der Nahostkrieg“ ordneten Korrespondenten die Lage in Golfstaaten, Asien, den USA und Norwegen ein – und zeigten Chancen auf.
17.04.2026
Von Susanne Widrat (wortwert) | Köln
In den Vereinigten Arabischen Emiraten sei der Alltag zurückgekehrt, sagt GTAI-Korrespondentin Heena Nazir. „Die Straßen sind wieder voller, Geschäfte und Restaurants geöffnet“, berichtet sie im Gespräch mit Pressesprecher Andreas Bilfinger beim GTAI-Talk am vergangenen Mittwoch, zu dem sich mehr als 200 Zuhörer zugeschaltet haben. Dennoch bleibe die Unsicherheit hoch und belaste die Geschäftsstimmung.
Nahost: Bei Bauprojekten geht es langsamer voran
Die Golfstaaten standen bisher für Stabilität, doch dieses Bild ist nun beschädigt. Die Blockade der Straße von Hormus verteuert Transporte und erschwert die Planbarkeit. Das erhöhe nicht nur die Risiken für die Region, sagt Nazir, sondern auch für Firmen in Deutschland.
In Nahost liegt nun der Fokus darauf, die beschädigte Infrastruktur wiederherzustellen. Auf Nachfrage aus der Zuhörerschaft, wie es mit den Projekten in den Golfstaaten weitergehe, sagt Nazir: „Kurzfristig benötigen die Länder sicher weniger Maschinen und Technologie aus Deutschland.“ Aber da die deutschen Produkte in der Region sehr gefragt seien, werde sich das mittel- bis langfristig wieder einpendeln.
„Kurzfristig benötigen die Golfstaaten weniger Maschinen und Technologie aus Deutschland. Aber da deutsche Produkte in der Region sehr gefragt sind, wird sich das mittel- bis langfristig wieder einpendeln.“
Heena Nazir, GTAI-Korrespondentin Vereinigte Arabische Emirate
USA: krisenresistente Wirtschaft
In den USA seien die hohen Spritpreise Thema Nummer eins, berichtet GTAI-Korrespondent Roland Rohde. Da es kaum Steuern darauf gibt, geht die Erhöhung der Rohölpreise fast eins zu eins auf die Konsumenten über. Dennoch sei die Wirtschaft im Land erstaunlich krisenresistent. Investitionen in Künstliche Intelligenz, in der Halbleiter- und der Pharmabranche sorgen für Wirtschaftswachstum.
In anderen Branchen herrsche zwar auch in den USA Rezession, aber insgesamt sei die Stimmung unter deutschen Unternehmen vor Ort gut, berichtet Rohde. „Für Exporteure sind die Zölle zwar ein Unsicherheitsfaktor“, sagt er. „Dennoch sind die Absatzpotenziale groß, weil es Märkte gibt, die weiter wachsen.“ Er ist sicher: Die USA werden auch 2026 der größte Exportmarkt für Deutschland bleiben.
Asien: Hohe Abhängigkeit von Energieimporten
In Asien stehen die Menschen an den Tankstellen Schlange, in einigen Ländern gebe es Fahrverbote, sagt Frank Malerius, GTAI-Korrespondent in Thailand. „Die Region Asien-Pazifik hat weltweit die höchste Abhängigkeit von Energieimporten aus Nahost.“ Energie werde in vielen Ländern ohnehin subventioniert, das belaste nun die Staatshaushalte.
Für deutsche Exporteure werde es sicher ein schweres Jahr. „Deutsche Unternehmen liefern vor allem Maschinen und chemische Produkte nach Asien und sind damit stark konjunkturabhängig“, sagt Malerius. Der Elektromobilität in der Regio könne die Krise aber einen Schub geben.
Norwegen: Stabiler Investitionsstandort
Anders als viele andere Staaten ist Norwegen in der Lage, die Belastungen durch den Nahostkrieg abzufedern. „Norwegen gehört zweifellos zu den Ländern, die wegen ihrer Öl- und Gasvorkommen kurzfristig von der Krise profitieren“, sagt GTAI-Korrespondentin Judith Illerhaus.
Als Investitionsstandort sei das Land nun noch attraktiver, sagt sie. Neben Öl und Gas baut Norwegen weitere Energieträger aus: Strom, Wasserstoff, CO2-Speicherung. „Chancen für deutsche Unternehmen gibt es zum Beispiel in den Bereichen Energie- und Umwelttechnik oder ganz klassisch Anlagen- und Maschinenbau.“
FAQs
Warum beeinflusst der Nahostkrieg die Weltwirtschaft so stark?
Weil er zu höheren Energiepreisen führt und zentrale Handelsrouten bedroht.
Wie reagieren die Golfstaaten auf die Lage?
Sie konzentrieren sich auf die Reparatur beschädigter Infrastruktur.
Warum bleiben die USA wirtschaftlich stabil?
Großinvestitionen in Hightech-Sektoren kompensieren Konsumrückgänge.
Weshalb trifft die Krise Asien besonders hart?
Die Region ist stärker als jede andere von Energieimporten aus dem Nahen Osten abhängig.
Entstehen auch Chancen in Asien?
Die wachsende Nachfrage nach Elektrofahrzeugen eröffnet neue Absatzpotenziale.
Gibt es Regionen, die profitieren?
Ja, Norwegen profitiert wegen seiner Energieexporte von der aktuellen Lage.
Welche Risiken entstehen für deutsche Exporteure?
Steigende Energiepreise, lange Transportzeiten und geringere Nachfrage in einigen Märkten.