Branche kompakt | Slowakei | Kfz-Industrie

Branchenstruktur

In der Slowakei haben sich auf engstem Raum fünf Autofabriken und Hunderte Zulieferer angesiedelt. Während einige Teilehersteller schließen, kommen neue Investoren ins Land.

Gerit Schulze

Von Gerit Schulze | Bratislava

Die Autoproduktion in der Slowakei stagniert bei rund einer Million Fahrzeugen pro Jahr. Mehr Dynamik wird es erst mit dem Hochlauf der Volvo-Fabrik in Košice ab 2027 geben. 

Für das 1. Halbjahr 2026 meldete das Statistikamt einen realen Umsatzrückgang der Fahrzeugindustrie um 4 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Auch die Neuaufträge sanken um über 5 Prozent.

Stellantis verzeichnete zuletzt den größten ZuwachsSlowakische Autoproduktion nach Herstellern; Stückzahlen; Veränderung in Prozent
Hersteller / Standort

2022

2023

2024

2025

Veränderung 2025/2024 

Kia / Žilina

311.000

350.000

351.000

297.000

-15,4

Volkswagen / Bratislava

268.700

329.000

341.000

337.000

-1,2

Stellantis / Trnava

312.500

265.000

176.000

327.000

85,8

Jaguar Land Rover / Nitra

108.000

135.000

125.000 *)

109.000 *)

-12,8*)

* Jaguar Land Rover hat für 2024 und 2025 keine Zahlen veröffentlicht, es handelt sich hierbei um Schätzungen.Quelle: Slowakischer Automobilverband ZAP SR 2026; Unternehmensangaben 2026

Die drei umsatzstärksten Unternehmen der slowakischen Automobilbranche sind die drei Fahrzeughersteller Volkswagen, Kia und Stellantis. Auch einige Zulieferer wie Mobis und Continental erreichen Milliardenumsätze.

Bei Volkswagen liefen im Werk Bratislava 2025 fast 337.000 Fahrzeuge vom Band. Zwei Drittel der Produktion verblieben in Europa und damit etwas mehr als in der Vergangenheit. In die USA gingen 12 Prozent der Fahrzeuge. Der Anteil Chinas als Absatzmarkt rutschte 2025 erstmals seit vielen Jahren unter die Marke von 10 Prozent. 

Am Standort Martin produzierte Volkswagen 2025 rund 21,6 Millionen Komponenten für Verbrenner- und Elektroantriebe.

Volkswagen ist wichtiger Auftraggeber für Teilehersteller

Die slowakische Volkswagen-Tochter musste zuletzt einige Rückschläge hinnehmen. Sie verpasste den Zuschlag für den Elektro-Kleinwagen ID.1. Zudem wurde die Produktion des exklusiv in Bratislava gefertigten VW Touareg eingestellt. Unsicherheit besteht beim Porsche Cayenne, dessen Produktion laut deutschen Medien nach Leipzig verlagert werden könnte. Zusätzlich belasten die US-Einfuhrzölle, die zunehmende chinesische Konkurrenz und höhere Kosten durch das slowakische Konsolidierungspaket die Aktivitäten.

Dennoch investiert Volkswagen Slovakia weiter. Das Volumen betrug 2025 etwa 155 Millionen Euro (2024: 275 Millionen Euro). Der Einkauf von Vorprodukten slowakischer Zulieferer blieb stabil bei rund 3 Milliarden Euro (29 Prozent der Aufträge von Volkswagen Slovakia). Etwa ein Drittel seiner Komponenten bezieht das VW-Werk Bratislava aus Deutschland, vor allem Motoren, Getriebe und Batterien. Weitere 16 Prozent gingen 2025 an ungarische Lieferanten, vor allem an das Motorenwerk von Audi in Győr.

Derzeit produziert VW in Bratislava neun Modelle für vier Konzernmarken, seit Februar 2026 auch den Porsche Cayenne Electric. Ebenso sollen der neue Audi Q7 sowie etwas später der Q9 dort vom Band laufen.

Der südkoreanische Konzern Kia betreibt in Teplička nad Váhom bei Žilina seine einzige Produktionsstätte in Europa. Nach dem Rekordjahr 2024 verzeichnete das Werk 2025 einen deutlichen Rückgang. Das liegt an der Absatzschwäche in Europa, aber auch an Modellwechseln in dem Werk. Im Jahresverlauf startete die Fertigung des Elektroautos EV4 sowie des neu gestalteten Kia XCeed. Außerdem laufen dort der SUV Kia Sportage und das kleine Elektromodell EV2 vom Band.

Die Autos werden vor allem ins Vereinigte Königreich, nach Italien, Deutschland, Spanien und in die Türkei exportiert. Kia produziert in der Slowakei ebenso Motoren, zuletzt über 500.000 Stück pro Jahr.

Kia investiert in Roboter und Ventilatoren

Auch Kia investiert weiter in seine slowakische Niederlassung. Unter anderem erneuert das Unternehmen 2026 im Presswerk und in der Schweißerei mehrere Roboter. Laut einer Pressemitteilung modernisiert der Konzern im Jahresverlauf zusätzlich die Lackiererei und ersetzt Großventilatoren durch kleinere Einheiten.

Stellantis in Trnava verzeichnete 2025 einen enormen Aufschwung. Nachdem sich die Produktionszahlen in den zwei Jahren zuvor fast halbiert hatten, stieg der Ausstoß wieder auf deutlich über 300.000 Fahrzeuge. Für neue Impulse sorgten die Modelle Citroën C3, C3 Aircross und Opel Frontera. 

Das Jaguar-Werk in Nitra war 2025 von einer Cyberattacke auf den Konzern betroffen. Die Produktion stand einige Wochen still, worunter auch Zulieferer wie Matador und Gestamp litten. 

Führende Produzenten der Kfz-Industrie in der SlowakeiUmsatz in Millionen Euro; Veränderung in Prozent
Unternehmen, StandortTätigkeitsbereiche

Umsatz 2024

Umsatz 2025

Veränderung 2025/2024

Volkswagen Slovakia, BratislavaPkw-Produktion in Bratislava, Komponentenproduktion in Martin

12.521

12.024

-4,0

Kia Slovakia, Teplička nad VáhomPkw-Produktion, Motoren

8.078

7.118

-11,9

Stellantis Slovakia, TrnavaPkw-Produktion, Batteriemodule

2.029

4.431

118,4

Mobis Slovakia, GbeľanyArmaturenbretter, Achsen, Puffer, Bremssysteme

2.000

1.858

-7,1

Continental Tires, PúchovReifen für Pkw, leichte Nutzfahrzeuge, SUV, Lkw und Busse

1.751

1.790

2,2

ZF Slovakia, TrnavaKupplungen, Schwungräder, Wandler

882

896

1,5

Motherson SAS Automotive Systems and Technologies Slovakia, BratislavaInnenraumausstattung

885

k.A.

k.A.

Magna PT,  KechnecGetriebesysteme für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge

702

742

5,7

Faurecia Automotive Slovakia (Forvia), BratislavaArmaturenbretter, Türkomponenten, Autositze, Auspuffe

944

704

-25,4

Schaeffler Kysuce, Kysucké Nové MestoSpezialwälzlager für die Kfz-Industrie

770

704

-8,6

Quelle: Finstat 2026; Wirtschaftsmagazin Trend 2026; Register der Jahresabschlüsse 2026; Unternehmensangaben 2026

Weitverzweigtes Netz an Zulieferern

Mehr als 350 direkte Zulieferunternehmen sind laut Investitionsagentur SARIO in der Slowakei aktiv, darunter führende Tier-1-Lieferanten wie Continental, ZF oder Magna. Sie finden im Land ein enges Netzwerk an Tier-2-Zulieferern vor, die zum Beispiel Kunststoffteile, Kabelbäume oder Sensoren produzieren. SARIO betreibt die Datenbank "Find in Slovakia" , über die slowakische Zulieferunternehmen für Kfz-Komponenten gefunden werden können.  

Die Absatzkrise bei Europas Autobauern führt auch in der Slowakei dazu, dass einige Teilehersteller dem Land den Rücken kehren. Zu Jahresbeginn 2026 gab der spanische Komponentenbauer Antolin bekannt, seinen Betrieb in Trnava schrittweise herunterzufahren. Dort werden Innenraumteile für das benachbarte Stellantis-Werk produziert. Zuvor wurde ein von ZF betriebenes Werk in Detva geschlossen. Der italienische Antennenhersteller Calearo zog sich aus der Slowakei zurück. 

Im Frühsommer 2026 kündigte der deutsche Zulieferer Mubea an, sein Engagement in Kežmarok zu beenden. Er stellt dort Leichtbaukomponenten für Kfz her. Bis Ende November 2026 will der türkische Automobilzulieferer Mata Automotive seine Produktion in Nová Ves aufgeben. Das Unternehmen produziert Innenraumkomponenten aus Holz und Carbon. Das Unternehmen verwies auf die schwierigen Bedingungen auf dem europäischen Automobilmarkt.

Südkoreaner und Inder investieren in Zulieferbetriebe

Neue Investitionen kündigte dagegen der südkoreanische Zulieferer Hyundai WIA an. Er will über 13 Millionen Euro in eine ehemalige Schuhfabrik in Martin stecken, um dort Antriebswellen und Kühlmodule für Mercedes-Benz, Hyundai, Kia und Volvo zu produzieren.

Der indische Tata-Konzern baut seine Präsenz durch die Übernahme des slowakischen Autozulieferers IAC Group aus. Die Umsätze mit Kabinenkomponenten und Verkleidungssystemen sowie mit Instrumententafeln, Cockpits und Mittelkonsolen sollen sich bis 2031 verdreifachen, berichteten slowakische Wirtschaftszeitungen. Das Werk in Lozorno beschäftigt rund 800 Mitarbeitende und zählt Jaguar Land Rover, Volkswagen, Audi, Škoda und Ford zu seinen Kunden.                                                                                                                                                   

 

Investitionsprojekte in der Kfz-Industrie in der Slowakeiin Millionen Euro
Vorhaben

Investitionssumme 

Projektstand
Kia / Modernisierung und Umbau der Kfz-Produktion in Žilina

200

Neue E-Auto-Modelle; im Sommer 2026 Modernisierung des Press- und Schweißwerks sowie der Lackiererei, Anschaffung neuer Roboter
Mobis /  Halle zur Produktion von Elektronikteilen für Kfz sowie von elektronischen Steuergeräten und Leiterplatten in Gbeľany

37

Betrieb ab 2027 geplant
Hyundai Wia / Werk zur Produktion von Antriebswellen für Fahrzeugachsen und Technologie- und Entwicklungszentrum in Martin

13,1

Umbau einer Fabrikhalle für Schuhproduktion; Betrieb ab 2027 geplant 
Zhongding / Werk zur Produktion von Kunststoff- und Gummiteilen für Kfz-Innenräume in Sereď

13

Halle gemietet; Kunden sind Kfz-Unternehmen in der Slowakei und in Ungarn
IBIH / Werk zur Produktion von Brandschutz- und Wärmeisolationsmatten für E-Auto-Batterien in Trnava

10

Betrieb ab Mitte 2027 geplant
Alpha / Werk zur Oberflächenbearbeitung und Lackierung von Kfz-Kunststoffteilen in Bánovce nad Bebravou

k.A.

Umbau einer Halle; Umweltverträglichkeitsprüfung beantragt
Inalfa / Technologiezentrum zur Entwicklung von Dachsystemen für Kfz in Krakovany

k.A.

Eröffnung noch 2026; Investitionsanreize genehmigt
Quelle: Pressemeldungen; SARIO; Unternehmensangaben; Fachmedien 2026

Deutschland dominiert Handel mit Kfz-Teilen

Die slowakischen Exporte von Kfz-Teilen (SITC 784) sind 2025 um 7 Prozent auf 7,1 Milliarden Euro gestiegen. Rund 90 Prozent davon verbleiben im EU-Binnenmarkt, wobei Deutschland fast die Hälfte der slowakischen Teileexporte aufkauft. Weitere wichtige Abnehmer sind Tschechien, Polen, Frankreich und Ungarn.

Noch größer ist der Einfuhrwert. Die Importe erreichten 2025 in der Kategorie SITC 784 ein Volumen von 14,5 Milliarden Euro (+7 Prozent). Mehr als ein Viertel davon kommt aus Deutschland. Weitere wichtige Handelspartner sind Tschechien, Polen, Ungarn und Österreich sowie Südkorea, Frankreich und China. 

Zu Jahresbeginn 2026 setzte sich die positive Entwicklung fort. Die Einfuhren von Kfz-Teilen stiegen von Januar bis Mai um 5 Prozent, die Ausfuhren um knapp 2 Prozent.

Einfuhr ausgewählter Kfz-Teile in die Slowakeiin Millionen Euro; Veränderung in Prozent
 

2025

Januar bis Mai 2026

Veränderung Januar bis Mai 2026 / 
Januar bis Mai 2025

SITC 778.3 Kfz-Elektrik

1.163

462

-12,7

   aus Deutschland

185

89

10,9

SITC 784 Karosserien, Stoßstangen etc.

14.503

6.531

5,1

   aus Deutschland

4.077

1.820

5,0

SITC 773.13 Zündkabelsätze

1.948

840

2,3

   aus Deutschland

214

96

4,7

SITC 713.2 Motoren

1.973

800

-14,3

   aus Deutschland

382

172

-0,4

Summe

19.587

8.632

1,6

   Summe aus Deutschland

4.858

2.176

4,8

Quelle: Eurostat 2026

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