Special | Slowenien | EU-Förderung
Förderung im Rahmen der Aufbau- und Resilienzfazilität
Slowenien kann rund 2,1 Milliarden Euro aus dem EU‑Wiederaufbaufonds abrufen. In der aktuell laufenden Schlussphase geht es vor allem um die fristgerechte Umsetzung der Projekte.
02.04.2026
Von Snjezana Buhin Peharec, Kirsten Grieß | Ljubljana
Slowenien nutzt die Mittel aus dem EU‑Wiederaufbaufonds effizient und mit hohem Tempo. Bis Ende 2025 erhielt das Land vier Auszahlungen in Höhe von insgesamt 1,54 Milliarden Euro, was rund 72 Prozent des Gesamtvolumens entsprach.
Ein weiterer Zahlungsantrag über 230 Millionen Euro wird aktuell in Brüssel geprüft. Auch die an die Auszahlungen geknüpften Reformmeilensteine wurden überwiegend erreicht. Da der Fonds Ende 2026 ausläuft, liegt der Schwerpunkt nun auf der fristgerechten Umsetzung noch ausstehender Investitionsprojekte.
Solide Planung, holprige Umsetzung
Die slowenische Regierung verabschiedete früh einen Ausgabenplan für den europäischen Aufbau- und Resilienzfonds. Die Umsetzung geriet jedoch durch den Regierungswechsel 2022, komplexe Ausschreibungen, verzögerte Reformen und eine Hochwasserkatastrophe im Jahr 2023 ins Stocken. Daraufhin wurde der Plan zur Verwendung der Mittel mehrfach angepasst. Dies betraf auch die Höhe der Fördersumme, die mittlerweile bei 2,1 Milliarden Euro liegt. Darunter entfallen 500 Millionen Euro auf zinsgünstige Darlehen.
Öffentliche Infrastruktur im Fokus
Seit 2025 beobachten Experten eine deutlich beschleunigte Umsetzung der Vorhaben. Der überwiegende Teil der bislang ausgezahlten Mittel floss in den Ausbau der Eisenbahninfrastruktur im Großraum Ljubljana, nicht zuletzt wegen der frühen Umsetzungsreife der Projekte. Auch das Hochschulwesen profitierte stark von EU-Geldern, insbesondere die Universitäten in Ljubljana und Maribor. Zu wichtigen Empfängern zählen außerdem der nationale Wohnungsbaufonds und die staatliche Wasserbehörde.
Der größte Einzelposten im slowenischen Wiederaufbauplan entfällt auf nachhaltige Mobilität. Knapp 20 Prozent der Mittel sind für entsprechende Aktivitäten vorgesehen. Es folgen die digitale Transformation der öffentlichen Verwaltung sowie die Wasserwirtschaft – einschließlich der Bewältigung klimabedingter Risiken – jeweils mit rund 12 Prozent. Für Hochschulen und lebenslanges Lernen sind 10 Prozent der Mittel vorgesehen. Investitionen in Unternehmen und in den Energiesektor erhalten jeweils 6,6 Prozent.
Gemischte Bilanz bei Unternehmensförderung
Die ersten Ausschreibungen für Unternehmen starteten 2022. Bislang wurden rund 37 Millionen Euro für Forschungs- und Entwicklungsprojekte im Bereich grüner Wandel und Kreislaufwirtschaft vergeben. Weitere 120 Millionen Euro flossen in zwei Förderrunden für Investitionen in Maschinen und Anlagen. Beide Programme waren rasch überzeichnet. Zu den erfolgreichen Antragstellern gehörten auch die slowenischen Niederlassungen der deutschen Unternehmen Bosch Rexroth und ebm-papst.
Weniger erfolgreich verlief dagegen die Ausschreibung zur Dekarbonisierung des verarbeitenden Gewerbes. Mit einem Budget von 42 Millionen Euro sollten mindestens 22 Projekte gefördert werden. Aufgrund hoher administrativer Anforderungen und kurzer Umsetzungsfristen blieb das Interesse von Unternehmen jedoch gering. Nach einer Kürzung der Mittel wurde das Programm letztlich annulliert. Die nicht abgerufenen Gelder kamen stattdessen der Förderung im Bereich Elektromobilität zugute.
Kritik an komplexen Vergabeverfahren
Langwierige und komplexe Ausschreibungsverfahren sind nicht nur in Slowenien typische Probleme bei der Umsetzung von Förderprogrammen. Slowenische Unternehmen bemängeln zudem lange Entscheidungsfristen bei Beihilfevergaben. Nicht selten wird die vorgesehene 90‑Tage‑Frist überschritten, was zu Planungsunsicherheiten führt. Neue Leitlinien der Regierung für Förderausschreibungen setzen daher auf digitale und KI-basierte Lösungen.
Der Handlungsdruck bleibt weiter hoch, da sich Aktivitäten aus dem Wiederaufbauplan und der EU-Kohäsionspolitik zeitlich und administrativ überschneiden. Diese Parallelbelastung stellt sowohl staatliche Stellen als auch Auftragnehmer vor erhebliche Herausforderungen. Gleichzeitig steht die konkrete Umsetzung zahlreicher Investitionsvorhaben noch aus.