Arbeitsmarkt | Südafrika

Südafrikas Arbeitsmarkt: Zwischen Exzellenz, Reformdruck und Fachkräftebedarf

Südafrika verfügt über gut ausgebildete Fachkräfte und starke Branchen. Gleichzeitig belasten Fachkräftemangel, hohe Arbeitslosigkeit und soziale Ungleichheit den Arbeitsmarkt.

Jenny Tala

Von Jenny Tala | Johannesburg

Im regionalen Vergleich bietet Südafrika einen großen Pool an Fachkräften. Dank seiner breit aufgestellten Industrie, seines starken Finanzsektors und seiner gut ausgebauten Logistik bleibt das Kapland ein zentraler Wirtschaftsstandort.

Dennoch steht der Arbeitsmarkt unter Druck: Laut der Weltbank wurden in Südafrika zwischen 2019 und 2024 nur 526.000 neue Arbeitsplätze geschaffen - bei 1,8 Millionen neuen Arbeitsmarkteintritten im selben Zeitraum. Die Arbeitslosenquote liegt bei 32 Prozent, die Jugendarbeitslosigkeit ist fast doppelt so hoch. Gleichzeitig herrscht in vielen Branchen Fachkräftemangel. Unternehmen reagieren darauf mit Ausbildungsinitiativen und Hochschulrekrutierung. Gesetze wie der Employment Equity Act und B-BBEE (Broad-Based Black Economic Empowerment) sollen wirtschaftliche Inklusion fördern, stellen Firmen aber oft vor Herausforderungen.

Stärken des Arbeitsmarkts

  • Junge, technikaffine Bevölkerung
  • Gut ausgebildete Fachkräfte in einigen Bereichen
  • Politische Unterstützung für berufliche Ausbildung
  • Engagement der Unternehmen in Aus- und Weiterbildung
  • Internationale Kooperationen, insbesondere mit Deutschland (duale Ausbildung, Skills Development)

Schwächen des Arbeitsmarkts

  • Hohe Arbeitslosigkeit
  • Fachkräftemangel in Schlüsselbranchen
  • Regulatorische Vorgaben schränken Rekrutierungsflexibilität ein
  • Hohe Lohnkosten in einigen Branchen und Regionen
  • Große Ungleichheit bei Bildungsniveau, Beschäftigung und Einkommen

  • Fachkräftemangel trotz Exzellenz: Südafrika ringt um qualifizierte Arbeitskräfte und kämpft mit Bildungsdefiziten. Chancen bieten Reformen und internationale Kooperationen.

    Das Thema Fachkräfte in Südafrika ist von einem paradoxen Spannungsverhältnis geprägt: Einerseits verfügt das Land über herausragende Expertise in bestimmten Bereichen wie Medizin, IT und Forschung. In diesen Bereichen sind sowohl die akademische Ausbildung als auch die privatwirtschaftliche Innovationskraft international wettbewerbsfähig. Andererseits herrscht in vielen Sektoren ein akuter Mangel an qualifizierten Arbeitskräften. Laut dem jährlichen "Critical Skills Survey" von Xpatweb und dem Ministerium für Hochschul- und Berufsbildung sind Positionen im Ingenieurswesen, Information und Kommunikationstechnologie (ICT), Medien und Marketing sowie Handwerk besonders schwer zu besetzen.

    Südafrika im weltweiten Vergleich

    Folgende Karte ermöglicht den Vergleich zwischen zahlreichen Ländern weltweit. Bitte beachten Sie, dass die Werte in der Karte aus international standardisierten Quellen stammen und somit ggf. von Angaben aus nationalen Quellen im Text abweichen können.

     

    Berufliche Bildung als Hoffnungsträger

    Als Schlüssel für die Fachkräfteentwicklung in Südafrika gelten TVET-Colleges (Technical and Vocational Education and Training). Die Zahl der Bewerbungen und Einschreibungen steigt kontinuierlich, doch viele Programme leiden unter veralteten Lehrplänen, schlechter Infrastruktur und mangelnder Arbeitgeberakzeptanz. Seit Juli 2024 werden die alten SETA-Qualifikationen (Sector Education and Training Authorities) durch berufsbezogene Abschlüsse des QCTO (Quality Council for Trades and Occupations) ersetzt. Die neuen QCTO-Abschlüsse setzen auf ein duales Modell: Neben theoretischen Modulen müssen die Studierenden praktische Fähigkeiten nachweisen.

    Staatliche Programme für Qualifizierung und Beschäftigung

    Um die hohe Arbeitslosigkeit in den Griff zu bekommen, investiert die südafrikanische Regierung in Programme wie den Presidential Employment Stimulus, der seit 2020 über 2 Millionen Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen geschaffen hat. Über 70 Prozent der Teilnehmenden sind junge Menschen, zwei Drittel davon sind Frauen. Ein weiterer Meilenstein war die Abschaffung der Berufserfahrungspflicht für Einstiegspositionen im öffentlichen Dienst im Jahr 2019. Dadurch wurde eine zentrale Hürde für Berufseinsteiger beseitigt. Auch Programme wie der Youth Employment Service (YES) oder SAYouth.mobi bieten jungen Südafrikanern Zugang zu Qualifizierung und Beschäftigung - allerdings übersteigt die Nachfrage bei weitem das Angebot.

    Die Regierung hat zudem mehrere Reformen angestoßen, um internationalen Talenten den Zugang zum südafrikanischen Arbeitsmarkt zu erleichtern. Dazu zählen neue Visa-Regelungen wie das Critical Skills Visum und das Remote Work Visum.

    Deutsche Partnerschaften stärken Ausbildung

    Deutschland unterstützt Südafrika mit gezielten Investitionen in die berufliche Bildung, etwa über die AHK Südliches Afrika und die GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit). Letztere ist in Südafrika mit mehreren Programmen in den Bereichen Berufsbildung, Fachkräfteentwicklung und Transformation des Berufsbildungssystems aktiv. Das GIZ-geförderte Führungskräfteprogramm "AFRIKA KOMMT!" bietet hochqualifizierten jungen Südafrikanern die Möglichkeit, ein Jahr in deutschen Unternehmen zu arbeiten und sich interkulturell weiterzubilden. Ziel ist der Aufbau nachhaltiger Partnerschaften und von Führungskompetenzen, um die wirtschaftliche Entwicklung in Afrika voranzutreiben. Die KfW Entwicklungsbank finanziert mit 8 Millionen Euro den Aufbau eines TVET-Dozentenzentrums am Ekurhuleni East College (Provinz Gauteng).

    Viele Unternehmen übernehmen die Ausbildung von Nachwuchskräften selbst. Oft verzichten sie dabei auf formale Hochschulabschlüsse und setzen stattdessen auf praktische Kompetenzen und gezielte Weiterbildungen. Dabei geht der Trend zu kürzeren, integrierten Trainingsprogrammen. Die meisten deutschen Unternehmen in Südafrika haben betriebsinterne Ausbildungsprogramme und arbeiten eng mit lokalen Bildungseinrichtungen zusammen, was ihr positives Image vor Ort verstärkt.

    Die AHK Südliches Afrika unterstützt deutsche Unternehmen bei der Aus- und Weiterbildung von Fachkräften:

    • Kompetenzzentrum Training, Aus- und Weiterbildung und CSR: Entwicklung und Umsetzung dualer Ausbildungsprogramme in Zusammenarbeit mit Industriepartnern, Bildungseinrichtungen und staatlichen Stellen, zum Beispiel: Corporate Business Administrator (CBA), Chemical Operations Programme (COP), AdA International Vocational Trainer Course.
    • Förderung nachhaltiger Lern- und Beschäftigungsstrukturen für südafrikanische Jugendliche - seit 1985 wurden über 5.000 Absolventen in verschiedene Berufsfelder vermittelt.
    • Skills Expert Programme: Fachkräfteanwerbung aus Südafrika für den deutschen Arbeitsmarkt; Zielgruppe: Köche und Hotelfachleute.
    • Beratungsdienstleistungen aller Art zum Thema berufliche Bildung und Fachkräfte.

    Großes Potenzial bei IT-Fachkräften

    Südafrika verfügt über eine wachsende Community hochqualifizierter IT-Fachkräfte, die international gefragt sind. Neben Johannesburg hat sich Kapstadt als führender Tech- und Start-up-Hub etabliert. Davon profitieren auch deutsche Firmen: So steuert das Softwareunternehmen Accso mittlerweile seine gesamte internationale Expansion außerhalb der DACH-Region (Deutschland, Österreich und die Schweiz) von Südafrika aus. Der BMW IT Hub South Africa ist eine der am schnellsten wachsenden Geschäftseinheiten innerhalb des Konzerns. Er beschäftigt über 2.500 Mitarbeitende und entwickelt von Pretoria aus globale IT-Lösungen für die BMW Group in über 130 Ländern. In Kooperation mit der Universität Pretoria werden junge Talente durch Praktika, Graduate-Programme und langfristige Karrierepfade für IT-Fachkräfte qualifiziert.

    Kapstadt punktet mit über 450 Tech-Unternehmen, Innovationsgeist und starken Netzwerken - ein hervorragendes Umfeld, um gute Fachkräfte zu gewinnen.

    Adam Wayland Geschäftsführer Accso Südafrika

    Bildungssystem unter Reformdruck

    Dennoch herrscht in Südafrika ein akuter Fachkräftemangel in vielen Branchen. Die Ursachen dafür liegen vor allem in strukturellen Defiziten des Bildungssystems. Laut dem "2030 Reading Panel" können rund 80 Prozent der Viertklässler unabhängig von der Unterrichtssprache nicht sinnerfassend lesen. Auch die Mathematikkompetenz ist kritisch: Nur 6,3 Prozent der Absolventen erreichen ein Ergebnis von mindestens 60 Prozent - eine Voraussetzung für technische Studiengänge. Verschärft wird die Lage durch den Mangel an qualifizierten Lehrkräften. So haben über 460 Schulen Mathematik aus dem Lehrplan gestrichen.

    Auch im Bereich der Hochschulbildung hinkt Südafrika im internationalen Vergleich hinterher: Während Länder wie China oder Brasilien eine tertiäre Einschreibungsquote von über 50 Prozent verzeichnen, liegt sie in Südafrika bei nur etwa der Hälfte. Zwar steigt die Zahl der Schulabgänger mit Hochschulzugangsberechtigung, doch die Kapazitäten reichen nicht aus: 337.000 Schüler erhielten im Jahr 2024 eine Hochschulzugangsberechtigung, aber es stehen nur rund 200.000 Studienplätze zur Verfügung. Die Universität Johannesburg verzeichnete 358.000 Bewerbungen auf 10.500 Plätze. Private Hochschulen sind für die Mehrheit der Bevölkerung unerschwinglich.

    Jenny Tala

    Von Jenny Tala | Johannesburg

  • Südafrika bietet großes Potenzial für die Fachkräftegewinnung. Programme und Partner erleichtern deutschen Unternehmen den Zugang.

    Die gezielte Anwerbung von Fachkräften aus Südafrika bietet deutschen Unternehmen zunehmend interessante Möglichkeiten - insbesondere in Bereichen, in denen der deutsche Arbeitsmarkt strukturelle Engpässe aufweist. Südafrika verfügt über eine wachsende Zahl qualifizierter Arbeitskräfte mit international anerkannten Abschlüssen, darunter viele mit dem Red-Seal-Zertifikat, das als Nachweis praktischer Berufskompetenz gilt. Auch unter den Hochschulabsolventen gibt es gut ausgebildete junge Talente, die zunehmend internationale Berufsperspektiven suchen.

    Von politischer Seite wird die Abwanderung von Fachkräften differenziert betrachtet. Einerseits erkennt die südafrikanische Regierung die Notwendigkeit, jungen Menschen internationale Chancen zu eröffnen - insbesondere angesichts der hohen Jugendarbeitslosigkeit. Andererseits wird betont, dass Programme zur Auswanderung mit Qualifizierungsmaßnahmen im Land gekoppelt sein sollten, um langfristig auch die lokale Wirtschaft zu stärken. Die Regierung unterstützt daher gezielt Programme, die sowohl Ausbildung als auch internationale Mobilität fördern, etwa im Rahmen der Just Energy Transition Partnership oder durch die Zusammenarbeit mit deutschen Institutionen.

    Deutsch-südafrikanische Programme zur Unterstützung

    Zwischen Südafrika und Deutschland bestehen bereits mehrere Kooperationsformate zur Fachkräftegewinnung. Ein Beispiel ist das Skills Expert Programme der AHK Südliches Afrika, das im Rahmen des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes gezielt die Vermittlung von Fachkräften nach Deutschland fördert. Dazu gehört auch die Beratung zu Visa, Anerkennung und Arbeitgeberkontakt. Zielgruppe sind Köche und Hotelfachleute. Das bilaterale Programm "Moving North" der Wachstumsregion Ems-Achse e.V. in Zusammenarbeit mit südafrikanischen Partnerinstitutionen ermöglicht südafrikanischen Facharbeitern mit Deutschkenntnissen den Einstieg in deutsche Unternehmen.

    Südafrika verfügt über die Fähigkeiten, Deutschland über die Nachfrage. Gemeinsam erschließen sie neue Möglichkeiten. Das ist mehr als Migration, es ist eine Win-Win-Partnerschaft für Wachstum.

    Danilla van Jaarsveldt Skills Expert, AHK Südliches Afrika

    Erste Erfahrungen deutscher Unternehmen zeigen, dass südafrikanische Fachkräfte gut vorbereitet, motiviert und sprachlich flexibel sind. Die Integration gelingt in der Regel gut, sofern die Anerkennung der Qualifikationen und die Visabearbeitung frühzeitig und professionell begleitet werden.

    Die 2024 eingeführte Chancenkarte der Bundesregierung soll Fachkräften aus Drittstaaten wie Südafrika den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt erleichtern - auch ohne festen Arbeitsvertrag.

    Erfolgreich rekrutieren: Strategien für deutsche Unternehmen

    Für deutsche Unternehmen empfiehlt sich ein mehrstufiges Vorgehen bei der Rekrutierung: Zunächst sollten sie ihre Bedarfe klar definieren und prüfen, ob die gesuchten Profile auf der deutschen "Liste der Engpassberufe" oder der "Critical Skills List" Südafrikas stehen. Anschließend ist eine Zusammenarbeit mit lokalen Partnern sinnvoll, beispielsweise mit der AHK, der GIZ oder spezialisierten Vermittlungsplattformen. Die Rekrutierung sollte idealerweise über strukturierte Programme erfolgen, die Sprachkurse, Visaberatung und berufliche Vorbereitung integrieren. Auch digitale Plattformen wie "SAYouth.mobi" oder das Netzwerk IQ bieten Zugang zu qualifizierten Kandidaten.

    Jenny Tala

    Von Jenny Tala | Johannesburg

  • Der südafrikanische Arbeitsmarkt verlangt lokale Anpassungen. Recruiting und Bindung sind ressourcenintensiv, regulatorische Vorgaben erhöhen die Komplexität.

    In Südafrika erfolgt die Rekrutierung von Personal häufig über spezialisierte Personalagenturen. Diese haben nicht nur Zugang zu aktiven Bewerbern, sondern auch zu sogenannten "passiven Kandidaten", also Fachkräften, die nicht aktiv auf Jobsuche sind, aber offen für neue Angebote sind. Diese Agenturen verfügen über tiefgreifendes Branchenwissen und können gezielt passende Kandidaten identifizieren. 

    Darüber hinaus rekrutieren viele Unternehmen, insbesondere im technischen oder ingenieurwissenschaftlichen Bereich, direkt an Hochschulen und bauen Nachwuchskräfte gezielt auf. Gerade kleinere Firmen sowie Unternehmen im boomenden Techsektor setzen zudem verstärkt auf Plattformen wie LinkedIn, um geeignete Talente zu finden.

    Kostenmodelle und Outsourcing

    Der Bewerbungsprozess in Südafrika folgt meist einem strukturierten Ablauf: Nach der Vorauswahl erfolgen Interviews - telefonisch, virtuell oder persönlich - sowie Hintergrundprüfungen und Referenzchecks. Die Dauer variiert je nach Position: Während operative Rollen oft innerhalb weniger Wochen besetzt werden, kann die Auswahl für Führungspositionen mehrere Monate in Anspruch nehmen. 

    Die Kosten für die externe Rekrutierung hängt vom gewählten Modell ab. Üblich sind entweder eine erfolgsbasierte Vergütung, ein Pauschalhonorar oder exklusive Mandate mit Vorauszahlung und erfolgsabhängiger Restvergütung (Retained Search). Die Gebühren liegen in der Regel zwischen 15 und 25 Prozent des Jahresgehalts der zu vermittelnden Position. Für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) kann das Outsourcing an sogenannte TES-Anbieter (Temporary Employment Services) eine kosteneffiziente Alternative darstellen. Diese Dienstleister übernehmen nicht nur die Rekrutierung, sondern auch administrative Aufgaben wie die Gehaltsabrechnung, das Vertragsmanagement und die HR-Administration. Ein besonderer Vorteil liegt in der Rechtskonformität: TES-Anbieter sorgen für die Einhaltung der komplexen arbeitsrechtlichen Vorgaben in Südafrika, etwa im Hinblick auf Mindestlöhne, Arbeitszeiten und sozialrechtliche Verpflichtungen. Damit reduzieren sie nicht nur den Verwaltungsaufwand und potenzielle rechtliche Risiken - ein entscheidender Faktor in einem stark regulierten Arbeitsmarkt.

    Verträge präzisieren

    Volker Werth, Rechtsanwalt bei InterGest, empfiehlt, bei der Personalsuche sicherzustellen, dass der Kandidat keinem Wettbewerbsverbot unterliegt. Für die Vertragsgestaltung rät Werth zu einer klaren und detaillierten Tätigkeitsbeschreibung: "Eine präzise Stellenbeschreibung bildet die Grundlage für die Erfolgsmessung und die regelmäßige Leistungsbewertung. Diese Leistungsüberprüfung sollte idealerweise zweimal jährlich erfolgen."

    Hohe Fluktuation in vielen Bereichen

    In vielen Branchen - darunter IT und Finanzdienstleistungen, aber auch im öffentlichen Sektor - ist die Wechselbereitschaft hoch. Unternehmen berichten von kurzen Betriebszugehörigkeiten, insbesondere bei jüngeren Mitarbeitenden. Neben dem Gehalt sind Leistungen wie medizinische Versorgung, Rentenbeiträge, Weiterbildungsmöglichkeiten und flexible Arbeitszeiten entscheidend für die Mitarbeiterbindung. Deutsche Firmen wie KSB Pumpen und BASF Chemetall bieten nicht nur ihren Mitarbeitenden, sondern auch deren Familien eine kostenlose Krankenversicherung - ein klarer Wettbewerbsvorteil bei der Mitarbeitergewinnung.

    Unternehmen, die in Talententwicklung und Karrierepfade investieren, profitieren von einer höheren Loyalität. Das zahlt sich aus: So ist etwa das Durchschnittsalter der Beschäftigten bei VW Südafrika nach eigenen Angaben vergleichsweise hoch - ein Hinweis auf stabile Arbeitsverhältnisse und hohe Arbeitgeberattraktivität.

    Regulatorische Anforderungen bei Einstellungen

    Die südafrikanische Wirtschaftspolitik verfolgt das Ziel, die während der Apartheid systematisch benachteiligte Bevölkerungsmehrheit stärker wirtschaftlich zu integrieren. Ein zentrales Instrument dafür ist das Programm Broad-Based Black Economic Empowerment (B-BBEE), das auch für ausländische Unternehmen gilt - insbesondere, wenn sie mit staatlichen Stellen oder Auftraggebern zusammenarbeiten.

    Ergänzend dazu regelt der Employment Equity Act die Förderung diskriminierter Gruppen, zu denen Schwarze, Frauen und Menschen mit Behinderungen zählen. Unternehmen, die die gesetzlich festgelegten Quoten nicht erfüllen, erhalten keine Compliance-Zertifizierung und sind damit von öffentlichen Ausschreibungen ausgeschlossen. 

    Reformen erhöhen Komplexität

    Mit dem am 1. Januar 2025 in Kraft getretenen Employment Equity Amendment Act (EEAA) wurden verbindliche sektorale Zielvorgaben eingeführt, die vom Ministerium für Arbeit und Beschäftigung festgelegt wurden. Diese betreffen die Repräsentation von "designated groups" in verschiedenen Branchen und auf allen Hierarchieebenen. Unternehmen müssen diese Quoten erfüllen, um eine Zertifizierung zu erhalten - eine Voraussetzung für die Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen.

    Die Definition des "designated employer" wurde ebenfalls angepasst: Nur Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten gelten künftig als solche. Die bisherige Umsatzschwelle entfällt, was insbesondere kleinere Unternehmen entlastet. Diese sind von vielen Verpflichtungen ausgenommen, etwa der Erstellung von Employment-Equity-Plänen oder der jährlichen Berichtspflicht. Die Neuerungen sind umstritten: Mehrere Parteien - darunter der zweitgrößte Koalitionspartner, die Democratic Alliance - halten sie für verfassungswidrig und haben rechtliche Schritte eingeleitet.

    Weitere Reformen im Arbeits- und Einwanderungsrecht sind in Arbeit. Dazu zählen die Einführung eines Punktesystems für Arbeitsvisa, Quotenregelungen für ausländische Arbeitskräfte in bestimmten Sektoren wie Landwirtschaft, Tourismus und Bauwesen, Einschränkungen bei der Vergabe von Business-Visa und bei der Gründung von KMU durch ausländische Staatsangehörige sowie verschärfte Anforderungen an die Beschäftigung von Nicht-Staatsbürgern.

    Auswahl von Jobportalen in Südafrika

    Bezeichnung

    Anmerkungen

    Competence Centre: Education, Training & CSR der AHK Südliches AfrikaFörderung dualer Ausbildung, CSR-Projekte und Qualifizierungsprogramme
    Youth Employment ServicesGrößtes privatwirtschaftlich getragenes Programm zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit. Vermittelt junge Menschen in 12-monatige Arbeitsmöglichkeiten, meist in Kooperation mit Unternehmen, die durch Teilnahme ihre B-BBEE-Bewertung verbessern können
    SAYouth.mobiPlattform im Rahmen der südafrikanischen "Presidential Youth Employment Intervention", die jungen Menschen den Zugang zu Bildungs-, Qualifizierungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten erleichtert
    Career JunctionStellenportal
    PNetStellenportal
    Careers24Stellenportal
    IndeedStellenportal
    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2025

    Jenny Tala

    Von Jenny Tala | Johannesburg

  • Wer in Südafrika Personal beschäftigt, sollte die lokalen Gegebenheiten gut kennen. Je nach Branche und Standort können die Lohnkosten stark variieren.

    In Südafrika umfasst ein Leistungspaket für Arbeitnehmer verpflichtende Leistungen wie bezahlten Urlaub, Beiträge zum Arbeitslosenversicherungsfonds (UIF) und Überstundenvergütung. Zusätzlich können freiwillige Zusatzleistungen wie Rentenpläne und Gesundheitsleistungen enthalten sein.

    Nicht alle Arbeitnehmer haben Anspruch auf dieselben Leistungen: Unterschieden wird zwischen Vollzeit-, Teilzeit- und befristet angestellten Arbeitnehmern sowie unabhängigen Auftragnehmern. Vollzeitbeschäftigte sind in der Regel Arbeitnehmer, die zwischen 40 und 45 Stunden pro Woche arbeiten. Sie erhalten meist ein umfassenderes Leistungspaket als Teilzeitbeschäftigte, die weniger als 40 bis 45 Stunden, aber mehr als 24 Stunden pro Woche arbeiten. Ein Arbeitnehmer in der Probezeit hat keinen Anspruch auf zusätzliche Leistungen, erhält jedoch die gesetzlichen Mindestleistungen. Befristet Beschäftigte können je nach Vereinbarung mit dem Arbeitgeber Anspruch auf bestimmte Leistungen haben. Unabhängige Auftragnehmer (Personen, die für eine bestimmte Aufgabe oder ein Projekt engagiert werden) haben hingegen keinen Anspruch auf Leistungen.

    Aktuelle Lohnentwicklung und Mindestlohn

    Die durchschnittlichen monatlichen Bruttolöhne liegen derzeit bei rund 28.289 Rand, was etwa 1.523 Euro entspricht. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Anstieg um 5,6 Prozent. Für das laufende Jahr wird eine durchschnittliche Lohnsteigerung von 5 Prozent erwartet, während die Inflation bei etwa 4 Prozent liegen dürfte. Damit ergibt sich ein leichter realer Zuwachs, der jedoch durch steigende Lebenshaltungskosten, insbesondere bei Energie und medizinischer Versorgung, relativiert wird.

    Ein wichtiger Bestandteil der südafrikanischen Lohnstruktur ist der gesetzlich festgelegte Mindestlohn. Seit März 2025 beträgt dieser 28,79 Rand pro Stunde. Das entspricht einem monatlichen Einkommen von etwa 5.000 Rand bei einer Vollzeitstelle. Die Einführung des Mindestlohns soll soziale Gerechtigkeit fördern und Ausbeutung verhindern. Kritiker bemängeln jedoch, dass der Mindestlohn in einem Land mit einer Arbeitslosenquote von über 30 Prozent und geringer Produktivität kontraproduktiv sei.

    Große Lohnunterschiede nach Qualifikation, Berufsfeld und Standort

    Die Lohnstruktur in Südafrika hängt stark vom Bildungsniveau ab. Fachkräfte mit technischer Ausbildung oder Hochschulabschluss erhalten deutlich höhere Gehälter als unqualifizierte Kräfte. Die Nachfrage nach qualifiziertem Personal ist hoch, insbesondere in den Bereichen Technik, IT, Finanzen und Gesundheit. Deutsche Unternehmen müssen daher mit deutlich höheren Lohnaufschlägen für gut ausgebildetes Personal rechnen, insbesondere in wirtschaftlich starken Regionen.

    Die höchsten Löhne werden in der Provinz Gauteng gezahlt, dem wirtschaftlichen Zentrum Südafrikas mit den Metropolen Johannesburg und Pretoria. Hier liegt das durchschnittliche Jahresgehalt bei rund 397.000 Rand. Es folgen die Provinzen Western Cape mit 382.000 Rand und Limpopo mit 380.000 Rand. In ländlichen Regionen wie dem Eastern Cape oder Free State sind die Löhne deutlich niedriger, teilweise bis zu 100.000 Rand pro Jahr unter dem Gauteng-Niveau. Für deutsche Unternehmen bieten diese Regionen kostengünstige Alternativen, allerdings mit Einschränkungen bei Infrastruktur, Fachkräfteverfügbarkeit und politischer Stabilität.

    Durchschnittliche Monatslöhne für ausgewählte Branchen (2024) *)
    Branche

    Monatslohn in Rand

    Monatslohn in US$

    Durchschnittslohn

    27.721

    1.513

    Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei

    k.A.

    k.A.

    Verarbeitendes Gewerbe

    34.220

    1.901

    Strom-, Gas-, Wärme- und Kälteversorgung

    23.694

    1.316

    Bergbau

    53.615

    2.979

    Baugewerbe

    23.371

    1.298

    Groß- und Einzelhandel, Reparatur von Kfz, Gastgewerbe, Beherbergung und Gastronomie

    17.729

    985

    Transport und Lagerhaltung, Kommunikationsdienstleistungen

    31.630

    1.757

    Finanz-, Immobilien und Versicherungswesen, Unternehmensdienstleistungen

    31.868

    1.770

    Gemeinschafts-, Sozial- und persönliche Dienstleistungen

    32.886

    1.827

    * Die Beträge beinhalten Boni und Überstundenvergütungen.Quelle: Stats SA 2025, South African Reserve Bank 2025

    Durchschnittliche Monatslöhne für ausgewählte Positionen (2024) *)
    Position

    Lohn in Rand

    Lohn in US$

    Geschäftsleitung/Direktor

    100.000 – 131.400

    5.405 – 7.103

    Abteilungsleiter/Bereichsleiter

    40.000 – 56.100

    2.162 – 3.032

    Maschinenbauingenieur

    40.000 – 61.000

    2.162 – 3.297

    Elektroingenieur

    49.000 – 61.300

    2.649 – 3.314

    Büroadministrator

    16.300 – 18.900

    881 – 1.022

    Sekretär/in

    20.000 – 39.600

    1.081 – 2.141

    Vertriebsmitarbeiter/in

    19.500 – 26.400

    1.054 – 1.427

    Finanz-/Projektbuchhalter/in

    30.000 – 41.900

    1.621 – 2.265

    * Cost to Company; Für diese Tabelle wurde auf lokale Quellen zurückgegriffen, da die Daten der ILO veraltet sind.Quelle: PNet Salary Guide 2025, South African Reserve Bank 2025

    Durchschnittliche Monatslöhne nach Provinzen
    Provinz

    Lohn in Rand

    Lohn in US$

    Gauteng

    33.112,08

    1.789,84

    Western Cape

    31.862,75

    1.722,31

    Limpopo

    31.725,83

    1.714,91

    Northern Cape

    29.288,42

    1.583,16

    Mpumalanga

    28.283,08

    1.528,82

    KwaZulu-Natal

    27.059,92

    1.462,70

    North West

    26.657,00

    1.440,92

    Free State

    25.596,25

    1.383,58

    Quelle: https://tholispane.co.za/salary-differences-south-african-provinces-2025/ (abgerufen am 1.10.2025)

    Lohnnebenkosten und Arbeitgeberpflichten

    Neben dem Bruttolohn müssen Arbeitgeber mit verschiedenen Lohnnebenkosten rechnen. Dazu zählen Beiträge zur Arbeitslosenversicherung, zur Unfallversicherung und zur beruflichen Weiterbildung. Diese Beiträge sind jedoch vergleichsweise niedrig und belaufen sich auf etwa 2,65 Prozent des Gehalts eines Arbeitnehmers. Die Arbeitslosenversicherung beträgt 2 Prozent des Gehalts, wobei Arbeitgeber und Arbeitnehmer jeweils einen Prozentpunkt tragen. Der Beitrag zur Skills Development Levy liegt bei 1 Prozent des Bruttogehalts und wird ausschließlich vom Arbeitgeber gezahlt. Die Höhe der Beiträge zur Unfallversicherung richtet sich nach dem Risikoprofil des Unternehmens und beträgt im Durchschnitt etwa 0,5 Prozent des Gehalts. Darüber hinaus bieten viele Unternehmen freiwillige Leistungen wie Pensionsbeiträge, medizinische Versorgung oder Lebensversicherungen an. Die Beiträge zu Pensionsfonds liegen meist zwischen 5 und 15 Prozent des Gehalts und werden anteilig vom Arbeitgeber getragen. Eine medizinische Versorgung ist nicht gesetzlich vorgeschrieben, wird aber häufig angeboten. Arbeitgeber übernehmen dabei zwischen 30 und 50 Prozent der monatlichen Beiträge.

    Zusatzleistungen als Wettbewerbsfaktor

    Viele Unternehmen bieten Zusatzleistungen, die nicht unter die Lohnkosten fallen, aber dennoch budgetrelevant sind. Dazu zählen Wohnheime oder Mietzuschüsse, insbesondere in abgelegenen Regionen, Fahrdienste oder Transportpauschalen, Bonuszahlungen, die meist im Dezember erfolgen, Lebens- und Invaliditätsversicherungen sowie weitere sogenannte "Fringe Benefits" wie Firmenwagen, zinsfreie Darlehen oder Fitnessangebote. Diese Leistungen sind in der Regel frei verhandelbar und können als Instrument zur Mitarbeiterbindung dienen, insbesondere bei qualifiziertem Personal.

    Sozialbeiträge und Zusatzleistungen 2025
    Rentenversicherung (Arbeitgeberanteil)Nicht verpflichtend; viele Arbeitgeber zahlen freiwillig in betriebliche Vorsorgeprogramme ein. Beiträge: 5 - 15  Prozent des Gehalts.
    Krankenversicherung (Arbeitgeberanteil)Nicht verpflichtend; viele Arbeitgeber übernehmen 30 - 50 Prozent der Prämie. Beiträge gehen direkt an medizinische Einrichtungen. Teilweise auch für Angehörige.
    Arbeitslosenversicherung (Arbeitgeberanteil)2 Prozent des Gehalts, je zur Hälfte vom Arbeitgeber und Arbeitnehmer getragen. Die Beitragsbemessungsgrenze liegt bei 17.712 Rand pro Monat, der maximale monatliche Beitrag beträgt somit rund 354 Rand. Der Arbeitnehmer hat dadurch Anspruch auf bis zu 60 Prozent des Gehalts über maximal 121 Tage über die Arbeitslosenversicherung.
    Sonstige Abgaben und optionale Zusatzleistungen
    • Abgabe zur Qualifikationsförderung (Skills Development Levy): Arbeitgeber zahlen monatlich 1 Prozent der Gehaltssumme zur Förderung beruflicher Weiterbildung. Arbeitnehmer sind ausgenommen.
    • 13. Monatsgehalt: Nicht gesetzlich vorgeschrieben; leistungsabhängige Boni im Dezember sind üblich, meist in Höhe eines Monatsgehalts.
    • Lebens- und Invaliditätsversicherung: Ergänzend zum Arbeits- und Gesundheitsschutzgesetz COIDA (Compensation for Occupational Injuries and Diseases Act) bieten viele Arbeitgeber freiwillige Versicherungen für Todesfall oder dauerhafte Arbeitsunfähigkeit.
    • Weitere geldwerte Vorteile: Zum Beispiel Firmenwagen, Fahrtkostenzuschüsse, zinsgünstige Darlehen, Wohnraum, Fitnessstudio oder Gesundheitsprogramme.
    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2025

    Gewerkschaften als Schlüsselakteure

    Gewerkschaften spielen eine zentrale Rolle in Südafrikas politischer und wirtschaftlicher Landschaft. Historisch eng mit dem Kampf gegen die Apartheid verbunden, sind sie bis heute wichtige Akteure im sozialen Dialog. Im privaten Sektor sind rund 24 Prozent der Beschäftigten organisiert, im öffentlichen Dienst sind es über 69 Prozent. Im Bergbau und in der verarbeitenden Industrie sind Gewerkschaften besonders stark vertreten. In wirtschaftlich angespannten Zeiten kommt es vermehrt zu Streiks, die teilweise mit erheblichen Produktionsausfällen verbunden sind. Die Ursachen reichen von Lohnforderungen über Arbeitsbedingungen bis hin zu politischen Protesten. Gesetzliche Regelungen zur Schlichtung existieren, doch tiefes Misstrauen erschwert oft die Tarifverhandlungen.

    Jenny Tala

    Von Jenny Tala | Johannesburg

  • Wichtigste Rechtsgrundlage ist der Basic Conditions of Employment Act. Darin geregelt sind unter anderem die Arbeitsbedingungen sowie der Vertragsabschluss und die -beendigung.

    Die folgenden Angaben stellen eine Erstinformation zu den rechtlichen Rahmenbedingungen und der Rechtspraxis dar. Germany Trade & Invest bietet keine weiterführende Rechtsberatung hinsichtlich der Ausgestaltung von Arbeitsverträgen oder arbeitsrechtlicher Einzelfälle an.

    Gesetzliche Regelungen auf einen Blick
    Vergütung: Geregelt in Sec. 32 Basic Conditions of Employment Act 75 of 1997; Zahlungen in südafrikanischer Währung, in bar, per Scheck oder durch Einzahlung auf ein vom Arbeitnehmer angegebenes Konto; Frist beträgt sieben Tage nach dem vereinbarten oder im Arbeitsvertrag fesgelegten Zahlungszeitraum oder nach Beendigung des Vertrags.
    Mindestlohn: 28,79 Rand pro Stunde seit dem 1. März 2025. Dieser gilt auch für Landarbeiter (Stand: Juni 2025).
    Arbeitsstunden pro Woche: 45 Stunden; 9 Stunden pro Tag bei 5 Tagen pro Woche; 8 Stunden pro Tag bei mehr als 5 Tagen pro Woche; Verlängerung um 15 Minuten pro Tag nach Vereinbarung möglich, max. 60 Minuten pro Woche.
    Regelarbeitstage pro Woche: 5-6 Tage, da Gesetz Ruhephase von 36 zusammenhängenden Stunden vorsieht, die Sonntag einschließen muss; alternativ kann Ruhezeit von 60 zusammenhängenden Stunden alle 2 Wochen vereinbart werden; Kürzung auf 8 Stunden pro Woche möglich, wenn in Folgewoche entsprechend erhöht.
    Zulässige Überstunden: Max. 10 Stunden pro Woche; Vereinbarung zwischen Parteien immer erforderlich; Arbeitszeit pro Tag darf 12 Stunden nicht überschreiten; Tarifvertrag kann 15 Überstunden pro Woche vorsehen, Regelung darf aber nur max. 2 Monate im Jahr gelten.
    Bezahlte Feiertage: 12 nationale Feiertage; fällt ein Feiertag auf einen Sonntag, so ist der darauffolgende Montag ein Feiertag.
    Bezahlte Urlaubstage: Arbeitnehmer haben Anspruch auf 21 aufeinanderfolgende Kalendertage bezahlten Jahresurlaub. Bei einer 5-Tage Woche sind das 15 Urlaubstage.
    Sonderzahlungen pro Jahr in Monatslöhnen (13. und/oder 14. Gehalt): Die Gesetze sehen keine Sondervergütung vor; in Südafrika ist es jedoch üblich, dass ein 13. Monatsgehalt im Dezember als Urlaubs- bzw. Weihnachtsbonus gezahlt wird.
    Tage mit bezahltem Arbeitsausfall: 4 Monate Mutterschutz; 10 Tage Elternurlaub nach Geburt, Adoption oder Übernahme einer Pflegschaft; 10 Wochen Adoptionsurlaub; 3 Tage Urlaub wegen familiärer Verantwortung, z.B. krankes Kind, Tod naher Angehöriger (Voraussetzung: ≥4 Monate Beschäftigung und >4 Arbeitstage/Woche).
    Tage mit Lohnfortzahlung bei Krankheit: Innerhalb von 36 Monaten Anzahl von Tagen, die Arbeitnehmer während 6 Wochen arbeiten würde (Beispiel: Arbeitnehmer arbeitet 5 Tage pro Woche, das sind 30 Tage in 6 Wochen. Daraus ergibt sich ein Anspruch auf 30 Tage bezahlten Krankenurlaub insgesamt.). In den ersten 6 Monaten einer Beschäftigung 1 Tag pro 26 Arbeitstage, die von den 6 Wochen abgezogen werden können. Ärztlicher Nachweis ab 2 zusammenhängenden Tagen oder bei mehr als 2 Fehltagen in 8 Wochen.
    Probezeit: Gemäß Labour Relations Act 66 of 1995 für neu eingestellte Arbeitnehmer möglich; Gesetz legt keine maximale Dauer fest, sie sollte aber angemessen sein.
    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2025; Alexander & Partner Rechtsanwälte mbB

    Rechtsgrundlagen

    Zu den wichtigsten Statuten und Gesetzen, die für die Beschäftigung in Südafrika relevant sind, gehören:

    • Basic Conditions of Employment Act 75 of 1997 (Gesetz über die grundlegenden Beschäftigungsbedingungen);
    • Labour Relations Act 66 of 1995 (Arbeitsbeziehungsgesetz);
    • Constitution of the Republic of South Africa (Verfassung der Republik Südafrika) ;
    • Employment Equity Act 55 of 1998 (Gesetz über die Gleichbehandlung am Arbeitsplatz);
    • Unemployment Insurance Act 63 of 2001 (Gesetz über die Arbeitslosenversicherung);
    • Occupational Health and Safety Act 85 of 1993 (Gesetz über Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz);
    • Compensation for Occupational Injuries and Diseases Act 130 of 1993 (Gesetz über die Entschädigung bei Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten);
    • Skills Development Act 97 of 1998 (Gesetz über die Entwicklung von Qualifikationen);
    • National Minimum Wage Act No. 9 of 2018.

    Vertragsabschluss 

    Im Basic Conditions of Employment Act 75 of 1997 ist vorgesehen, dass einem Arbeitnehmer bei Aufnahme des Arbeitsverhältnisses folgende Informationen schriftlich mitgeteilt werden müssen:

    • Name und Anschrift des Arbeitgebers; Name und Beruf des Arbeitnehmers (oder eine kurze Beschreibung der Arbeit), Arbeitsort und Datum des Arbeitsbeginns;
    • Gewöhnliche Arbeitszeiten und Arbeitstage des Arbeitnehmers;
    • Der Lohn des Arbeitnehmers, die Berechnungsmethode und die Häufigkeit der Auszahlung;
    • Überstundenzuschläge, sonstige Geldleistungen, auf die der Arbeitnehmer Anspruch hat, Sachleistungen und etwaige Abzüge von der Vergütung;
    • Urlaubsdauer, Kündigungsfrist oder - bei befristeten Arbeitsverhältnissen - das Datum der Beendigung;
    • Nennung etwaiger anwendbarer Tarifverträge oder ministerieller Bestimmungen für bestimmte Arbeitssektoren, die den Betrieb des Arbeitgebers betreffen;
    • Jede Beschäftigungszeit bei einem früheren Arbeitgeber, die auf die Beschäftigungszeit des Arbeitnehmers angerechnet wird;
    • Eine Liste aller anderen Dokumente, die Teil des Arbeitsvertrags sind, mit Angabe eines Ortes, der für den Arbeitnehmer in angemessener Weise zugänglich ist und an dem er eine Kopie davon erhalten kann.

    Der Immigration Act, 2002 sieht vor, dass ein Unternehmen in Südafrika keinen Ausländer beschäftigen darf, ohne dass dieser eine gültige Arbeitserlaubnis vorweisen kann. Diese Arbeitserlaubnis wird vom Innenministerium Südafrikas (Department of Home Affairs) ausgestellt. Es gibt drei verschiedene Arten von Arbeitserlaubnissen:

    1) Das allgemeine Arbeitsvisum, das nur ausgestellt wird, wenn zweifelsfrei nachgewiesen wurde, dass kein südafrikanischer Staatsbürger oder ständiger Einwohner über die entsprechenden Fähigkeiten, Qualifikationen oder Erfahrungen verfügt, um die betreffende Stelle zu besetzen;

    2) Das Critical Skills Visum, das für eine Liste von Fähigkeiten gilt, die von Zeit zu Zeit vom Innenministerium im Hinblick auf bestimmte, oft knappe Qualifikationen veröffentlicht wird. Ein Nachweis über die Qualifikation in diesen Bereichen ist erforderlich;

    3) Ein Arbeitsvisum für den unternehmensinternen Transfer wird erteilt, wenn ein ausländisches Unternehmen Geschäftsinteressen in Südafrika hat und einen Arbeitnehmer von der Muttergesellschaft in die Niederlassung in Südafrika versetzen möchte. Ein solcher Arbeitnehmer muss mindestens sechs Monate lang für die Muttergesellschaft gearbeitet haben.

    Rechte und Pflichten der Vertragsparteien

    Die Rechte und Pflichten von Arbeitgeber und Arbeitnehmer ergeben sich aus den gesetzlichen Bestimmungen sowie aus den individuellen Arbeitsverträgen. Bestimmte Rechte und Pflichten ergeben sich auch aus Tarifverträgen. Es ist wichtig zu beachten, dass von den gesetzlichen Vorschriften nur im gesetzlich definierten Umfang abgewichen werden darf. Tarifverträge und Arbeitsverträge können nur dann von den gesetzlichen Bestimmungen abweichen, wenn sie für den Arbeitnehmer günstigere Bedingungen vorsehen. Tarifverträge setzen auch entgegenstehende Bestimmungen eines Arbeitsvertrags außer Kraft, es sei denn, dieser Vertrag sieht günstigere Bedingungen vor als der Tarifvertrag.

    Der Basic Conditions of Employment Act 75 of 1997 und der Labour Relations Act 66 of 1995 sehen Rechte und Pflichten sowohl für Arbeitgeber als auch für Arbeitnehmer wie folgt vor. Zu den Rechten eines Arbeitnehmers gehören:

    • Das Recht, sich bei einem Gewerkschaftsvertreter oder -beamten oder einem Arbeitsinspektor (der vom Arbeitsministerium mit der Überwachung und Durchsetzung der Arbeitsgesetze und -vorschriften beauftragt ist) darüber zu beschweren, dass der Arbeitgeber die Bestimmungen der Gesetze inklusive des National Minimum Wage Act, 2018 nicht einhält oder sich weigert, seinen daraus resultierenden Pflichten nachzukommen;
    • Das Recht, die Arbeitsbedingungen mit anderen Arbeitnehmern, dem Arbeitgeber oder anderen Personen zu besprechen;
    • Das Recht auf Verweigerung der Befolgung von Anweisungen, die gegen die Gesetze verstoßen;
    • Das Recht, sich zu weigern, gesetzeswidrigen Arbeitsbedingungen zuzustimmen;
    • Das Recht auf Einsichtnahme oder das Recht einen Gewerkschaftsvertreter oder Arbeitsinspektor zu beauftragen, Einsicht in alle Unterlagen zu verlangen, die im Zusammenhang mit seiner Beschäftigung geführt wurden;
    • Das Recht, sich an der Gründung einer Gewerkschaft zu beteiligen oder einer Gewerkschaft beizutreten und sich an deren rechtmäßigen Aktivitäten zu beteiligen.

    Zu den Rechten eines Arbeitgebers gehören:

    • Unter anderem das Recht, sich an der Gründung einer Arbeitgeberorganisation zu beteiligen oder ihr beizutreten und sich an ihren rechtmäßigen Tätigkeiten zu beteiligen.

    Vertragsbeendigung 

    Bei einer Beschäftigungsdauer von bis zu sechs Monaten kann das Arbeitsverhältnis von beiden Seiten mit einer Frist von mindestens einer Woche gekündigt werden. Bei einer Beschäftigungsdauer von mehr als sechs Monaten, aber nicht mehr als einem Jahr, kann das Arbeitsverhältnis von beiden Parteien mit einer Frist von mindestens zwei Wochen gekündigt werden. Ist der Arbeitnehmer seit einem Jahr oder länger beschäftigt oder handelt es sich um einen Landarbeiter oder einen Hausangestellten, die seit mehr als sechs Monaten beschäftigt sind, kann eine Kündigung von beiden Parteien mit einer Frist von mindestens vier Wochen ausgesprochen werden. Die Kündigungsfrist von vier Wochen kann durch einen Tarifvertrag auf mindestens zwei Wochen verkürzt werden. Allerdings darf die für den Arbeitnehmer geltende Kündigungsfrist nicht länger sein als die für den Arbeitgeber geltende.

    Im Falle von betriebsbedingten Kündigungen hat der Arbeitnehmer Anspruch auf eine Abfindung. Diese Abfindung muss mindestens eine Wochenvergütung für jedes vollendete Jahr der ununterbrochenen Betriebszugehörigkeit betragen. Lehnt ein Arbeitnehmer ein Angebot des Arbeitgebers auf eine andere Beschäftigung unberechtigterweise ab, so hat er keinen Anspruch auf eine Abfindung.

    Der seit 2025 veröffentlichte Code of Good Practice: Dismissal präzisiert u.a. die Behandlung von Fällen sogenannter "Inkompatibilität". Eine Kündigung kann nur dann auf mangelnde Zusammenarbeit oder schwere Störungen im Team gestützt werden, wenn diese nachweisbar sind, vorherige Abmahnung bzw. Gespräche stattgefunden haben und die Grundsätze der Fairness (fair reason & fair procedure) eingehalten werden. Bloßes "Nicht-Passen" zur Unternehmenskultur genügt nicht. Weitere Informationen zu dem neuen Verhaltenskodex finden Sie im GTAI-Rechtsbericht vom 05.11.2025.

    Einen Überblick über relevante Rechtsthemen bei einem Auslandsengagement in Südafrika bietet die GTAI-Publikation Recht kompakt Südafrika.

    Von Katrin Grünewald, Isabelle Beaucamp (Alexander & Partner mbB, Berlin)

  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    Department of Employment and LabourMinisterium für Beschäftigung und Arbeit 
    Department of Higher Education and TrainingMinisterium für Hochschul- und Berufsbildung 
    National Department of Basic EducationMinisterium für Grundbildung
    Trusted Employer Scheme - Department of Home AffairsProgramm zur Vereinfachung von Einwanderungsverfahren für Unternehmen mit Bedarf an qualifizierten ausländischen Fachkräften
    Youth Employment ServicesGrößtes privatwirtschaftlich getragenes Programm zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit. Vermittelt junge Menschen in 12-monatige Arbeitsmöglichkeiten, meist in Kooperation mit Unternehmen. Unternehmen können durch Teilnahme ihre B-BBEE-Bewertung verbessern
    SAYouth.mobiPlattform im Rahmen der südafrikanischen "Presidential Youth Employment Intervention", die jungen Menschen den Zugang zu Bildungs-, Qualifizierungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten erleichtert
    Competence Centre: Education, Training & CSR der AHK Südliches AfrikaFörderung dualer Ausbildung, CSR-Projekte und Qualifizierungsprogramme